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Asienhaus-Rundbrief 11/2006, 19.6.2006

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In Kürze:
1) 1.7., Köln: Workshop "Frauen an der Macht - Drei Kontinente im Vergleich"
2) 15.7., Münster: Workshop "Indonesien: Frauenrechte zwischen Islamisierung und Demokratie

3) 3.8.-2.9.: Friedenslauf für die Welt und Burma

4) Jetzt erhältlich: Focus Asien 27 "Osttimor - Vier Jahre nach der Unabhängigkeit"
5) Hintergrund: Ein Tribunal, um Kambodschas Wunden zu heilen
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ad 1) 1.7., Köln: Workshop "Frauen an die Macht - Drei Kontinente im Vergleich"
Anmeldung: niklas.reese@asienhaus.de, zu Programm und Anmeldung 

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Immer mehr Frauen stehen weltweit an der Spitze einer Regierung - zuletzt u.a. in Chile und hier in Deutschland. Gleichzeitig hat sich an politischer Unterrepräsentation und marginalen Partizipationschancen von Frauen auf den unteren Ebenen politischer Institutionen sowie hegemonialen patriarchalen Strukturen nur wenig verändert. Ist die zunehmende Zahl weiblicher Premierministerinnen und Präsidentinnen überhaupt ein Zeichen für mehr Geschlechterdemokratie und Emanzipation?.  Diesen Fragen geht der Workshop am Beispiel Indonesien, Pakistan, Malaysia, Chile und Deutschland will am 1. Juli in Köln der Workshop Frauen an der Macht - drei Kontinente im Vergleich - eine Antwort suchen.

Der Workshop findet von 11-17 Uhr in der Jugendherberge Köln-Deutz statt.

ad 2) 15.7., Münster: Indonesien: Frauenrechte zwischen Islamisierung und Demokratie
Kontakt: soainfo@asienhaus.de, zu Programm und Anmeldung 

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Diese Veranstaltung der Südostasien-Informationstelle im Asienhaus und der Vereinigung indonesischer StudentInnen (PPI) in Münscher, findet im Tagungszentrum der Katholischen Studierenden- und Hochschulgemeinde Münster statt. Ziel der Veranstaltung ist es, ein interessiertes Publikum über die jüngsten rechtlichen Entwicklungen und ihre Auswirkungen auf die Situation von Frauen in Indonesien zu informieren und in einen Austausch mit unterschiedlichen Positionen innerhalb der indonesischen Gesellschaft zu treten. Im Rahmen des Workshops werden daher sowohl konservative, als auch liberale Positionen zu dem vorliegenden Anti-Pornographie-Gesetz vorgestellt und gemeinsam mit den Teilnehmern diskutiert

 

ad 3) 3.8.-2.9., Friedenslauf für die Welt und Burma
siehe www.frieden-lauf.de 

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Der burmesische Mönch Ashin Sopaka läuft zu Fuß von Köln nach Berlin, um ein Zeichen für den Frieden und gegen die Gewalt zu setzen. Insbesondere auf die Menschenrechtsverletzungen der Militärregierung in Burma sowie die zunehmende Gewalt unter den Menschen möchte der buddhistische Mönch Ashin Sopaka aufmerksam machen. Er tritt für die innere Gewaltlosigkeit ein.

Ashin Sopaka wurde 1977 in Burma geboren. Als er 12 Jahre alt war, wurden durch die Militärregierung alle Schulen geschlossen. Er wurde mit 13 Jahren Novize im buddhistischen Kloster Kabar Aye (Weltfrieden). Nach seiner Ausbildung begab er sich auf eine Wanderschaft durch Burma, Thailand, Singapur, Malaysia, Laos und Japan. Seit 2003 lebt Ashin Sopaka im Exil in Köln.

Der Zeitpunkt des Friedensmarsches wurde bewusst in den August gelegt, um auf die Gewaltakte der Vergangenheit hinzuweisen. Der Friedenslauf startet am 03.08.2006 vor dem Kölner Buddhismus Center e.V. Santi Dhamma Vihara und endet am 02.09.2006 in Berlin, die Gesamtstrecke beträgt 857,2 km.
Informationen  über die Strecke und zum Mitmachen unter www.frieden-lauf.de

ad 4) Focus Asien 27: Osttimor - Vier Jahre nach der Unabhängigkeit
Bestellungen an: vertrieb@asienhaus.de, zum Inhaltsverzeichnis und Download

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Zur Zeit durchlebt Osttimor eine tiefgehende Krise. Die von Andrea Fleschenberg, Vorsitzende der Osttimor-Gesellschaft und Mitglied im Kuratorium der Asienstiftung, herausgegebene Ausgabe von Focus Asien bietet umfangreiche Hintergründe zum Verstehen der Sitaution. Sie gibt einen Überblick über die Entwicklung nach vier Jahren Unabhängigkeit. 

Das Heft steht zum Download zur Verfügung und kann auch in gedruckter Form über vertrieb@asienhaus.de  gegen eine Versandkostenpauschale von 5 Euro bezogen werden. 

ad 5) Hintergrund: Ein Tribunal um die Wunden Kambodschas zu heilen
von Robert Luchs, Artikel als pdf-Dokument 

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Robert Luchs arbeitet als freier Journalist in Mainz. Seit Jahren beschäftigt er sich unter anderem mit der politischen Entwicklung in Kambodscha und dem Verlauf des Tribunals

Internationale und einheimische Juristen wurden in Phnom Penh ernannt/Tausende Khmer Rouge bleiben unbehelligt

Phnom Penh – Die Kolonne will kein Ende nehmen. Ein Bus nach dem anderen passiert die Einfahrt zum Hauptquartier der kambodschanischen Armee und stoppt schließlich vor dem letzten, im Pagodenstil errichteten Gebäude. Die Türen öffnen sich, die Menschen blicken sich erst vorsichtig um, bevor sie zögernd aussteigen und das Militärgelände betreten. 14 Busse haben diesmal 562 Dorfbewohner aus fast allen Provinzen Kambodschas vor die Tore der Hauptstadt Phnom Penh gebracht. Frauen, Männer, Alte und Junge, Schüler und Mönche – ein Querschnitt durch die Bevölkerung, der sich hier in brütender tropischer Hitze eingefunden hat. Sie sind gekommen, um mit eigenen Augen zu sehen, wo das Tribunal stattfinden soll. Das immer wieder aufgeschobene und  fintenreich verhinderte Tribunal gegen die letzten noch lebenden Verantwortlichen der Roten Khmer.

 

In den nächsten Wochen sollen insgesamt 6000 Menschen nach Phnom Penh gebracht werden. Es ist eine Transportaktion mit hohem psychologischem Wert: Seht her, die lange Zeit der Recht- und Straflosigkeit geht zu Ende. Die Gerechtigkeit wird ihren Lauf nehmen. Das soll diesen Menschen, von denen viele zuvor ihr Dorf nur zur Reisernte verlassen  haben, vor Augen geführt werden. Bevor sie das zukünftige Gerichtgebäude betreten, müssen sie sich einem gründlichen Sicherheitscheck unterziehen.

 

Immer noch traumatisiert

Sri Ley war 19 Jahre alt, als sie von drei Soldaten der Roten Khmer vergewaltigt wurde. Seit drei Jahr-zehnten wartet die immer noch traumatisierte Frau darauf, dass ihre Peiniger bestraft werden. Ihre Hoffnung ist von Jahr zu Jahr geschwunden. Völlig verschüchtert steht Sri Ley nun mit den anderen in dem Gerichtssaal vor 500 neu gepolsterten Stühlen und einer Bühne, auf der die Richter Platz nehmen werden. Es riecht nach frischer Farbe und poliertem Holz, die Klimaanlage rauscht. Ein Geräusch, das der in einer armseligen Hütte in der Provinz Kompong Thom lebenden Frau völlig fremd ist. 

 

„Es ist alles so groß hier,“ murmelt sie, denkt eine Weile nach und fügt dann hinzu: „Für das Tribunal scheint es geeignet zu sein.“ Eine halbe Stunde lang hören die Menschen aufmerksam zu, als der kambodschanische Pressesprecher des Gerichts, Reach Sambath, über die Prozessvorbereitungen berichtet. Schließlich fordert er die Besucher auf, Fragen zu stellen.

 

Es dauert einige Minuten, bis diese ihre Hemmschwelle überwunden haben. Dann tritt einer nach dem anderen mit bebender Stimme ans Mikrofon: Ob es denn wahr sei, dass voraussichtlich höchstens zehn frühere Führer der Roten Khmer vor Gericht kämen? Und was sei mit den vielen, die auch ohne Befehl gemordet und andere Gräueltaten verübt haben? Sei denn daran gedacht, die Opfer zu entschädigen? Und ob es denn wirklich wahr sei, dass das frühere Staatsoberhaupt in der Pol-Pot-Ära, Khieu Samphan (77) ebenso wie der einstige Chefideologe Nuon Chea (79) völlig unbehelligt in Pailin an der thailändischen Grenze leben?

 

Die Bilder der Vergangenheit

Ein Raunen geht durch den Saal, einige rutschen unruhig auf ihren Stühlen hin und her. Die schrecklichen Bilder der Vergangenheit steigen in ihnen hoch. Eine alte Frau verhüllt ihr Gesicht mit dem Kroma, dem traditionellen Schal der Kambodschaner. Den Besuchern aus den Provinzen wird an diesem Tag noch viel zugemutet. Sie werden noch zum Tuol Sleng gefahren, dem früheren Folterzentrum, wo Pol Pots Schergen rund 15 000 Menschen solange marterten, bis sie sagten, was ihre Peiniger hören wollten. Nach der Tortur wurden sie auf den „killing fields“ in der Nähe von Phnom Penh grausam umgebracht.

 

Die Roten Khmer waren penibler als die Nazis; die Buchhalter des Todes führten lange Listen, schrieben die erpressten Geständnisse Wort für Wort nieder. Dann fotografierten sie ihre Opfer - erstarrte Gesichter, von Schlägen gezeichnet, von Angst verzerrt. Eine halbe Million Seiten mit Verhören, Protokollen und Geständnissen blieben zurück. Material, das die Ermittler des Strafgerichts nun auszuwerten haben.

 

Dem Staat „Demokratisches Kampuchea“ der Khmer Rouge von 1975 bis 1979 fielen 1,7 bis zwei Millionen Kambodschaner zum Opfer. Sie wurden in so genannten Säuberungswellen umgebracht, die der Eliminierung vermeintlicher Feinde galten, sie starben an Überarbeitung, verhungerten auf Grund von Mangelernährung oder erlagen Krankheiten, für die es keine Ärzte mehr gab, weil diese ebenfalls – wie die gesamte Intelligenz des Landes – umgebracht worden waren. De facto war Kambodscha in diesen Jahren des zügellosen Terrors ein einziges Zwangsarbeitslager. Es herrschte nackte Willkür.

 

Die Zahl der Opfer entsprach über 25 Prozent der damaligen Bevölkerung. Erst Anfang 1979 wurden Pol Pots Mörder durch eine vietnamesische Invasion vertrieben. Es dauerte noch einmal 20 Jahre, bis die internationale Gemeinschaft den Wunsch äußerte, den Massenmord der Roten Khmer zu ahnden. Inzwischen sind weitere Jahre vergangen, ohne dass das Tribunal, das die Wunden Kambodschas heilen soll, offiziell eröffnet worden ist. 

 

Streit um Finanzierung

Lange Zeit wurde über die Finanzierung des Prozesses gestritten. Japan ging mit gutem Beispiel voran und übernimmt mit 21,5 Millionen Dollar den Löwenanteil, der Rest verteilt sich auf Australien (2,3 Millionen ) und einige europäische Staaten, darunter die Bundesrepublik mit 1,5 Millionen Dollar. Kambodscha wollte 13 Millionen übernehmen, zog diese Zusage aber später wieder zurück. Nur die USA hielten sich – wegen „mangelnden Vertrauens in die Fähigkeit des Gerichts“ – zurück und spendeten gar nichts. Dabei leitete sie wohl die Sorge, dass ihre Rolle im Verlauf des Tribunals zur Sprache kommen könnte.

In dieses Bild passt, dass die USA mit dem Königreich Kambodscha ein Abkommen geschlossen hatten, das die Auslieferung von Personen der jeweils anderen Nationalität an den Internationalen Gerichtshof verhindern sollte. Zwischen 1969 und 1973 waren weite Landgebiete Kambodschas von den USA bombardiert worden, wobei nach Schätzung 600 000 Kambodschaner getötet wurden. 

 

Die Besucher aus den Dörfern erfahren aber auch, dass inzwischen alle Richter für das Tribunal ernannt worden sind. Das Oberste Gericht des südostasiatischen Landes hat 13 ausländische Richter und Ankläger sowie 17 Juristen aus Kambodscha bestätigt. Die internationalen Prozessbeteiligten kommen aus den Niederlanden , den USA, Polen, Frankreich, Australien und Sri Lanka. Die Liste liegt nun König Sihamoni vor, dem Nachfolger von Norodom Sihanouk. Wenn dieser zustimmt, womit bald gerechnet wird, können die Ermittlungen beginnen.

 

Die Verantwortlichen 

Zu den Hauptverantwortlichen zählen neben den erwähnten Khieu Samphan und Nuon Chea der ehemalige Außenminister Ieng Sary, dann mit Ta Mok einer der militärischen Spitzenführer sowie ferner der Direktor des Foltergefängnisses Tuol Sleng (S-21), Duch, der eigentlich Kaing Khek Tev heisst. Wie Ta Mok sitzt Duch seit 1999 ohne Prozess in Militärhaft. Duch ist inzwischen zum Christentum konvertiert und der einzige Verantwortliche, der ein umfangreiches Geständnis über seine Stellung in dem System abgelegt hat. Pol Pot starb 1998. Seine Schwägerin Khieu Thirith, Ehefrau von Ieng Sary, könnte ebenfalls zur Verantwortung gezogen werden. Sie war unter Pol Pot Sozialministerin und zumindest teilweise für die verheerende Sozialpolitik der Khmer Rouge verantwortlich. Tausende militärische Unterführer werden wohl niemals belangt werden.

Kaum waren die kambodschanischen Juristen ernannt, wurden einige von ihnen massiv kritisiert. Der als Ankläger vorgesehene  Ney Thol  beispielsweise ist Vorsitzender des Militärgerichts, das 2005 den Abgeordneten der oppositionellen Sam Rainsy Partei, Cheam Channy, zur sieben Jahren Haft verurteilt hatte. Dem Politiker war vorgeworfen worden, eine verbotene bewaffnete Einheit gebildet zu haben. Auf Druck der USA wurde Cheam Channy nach über einem Jahr freigelassen. Auch dem als Ermittler vorgesehen Juristen Thong Ol werden falsche Anschuldigungen und Fehlurteile angelastet. Er würde nicht gerade die Reputation des Tribunals stärken, meint der kambodschanische Rechtsexperte Lao Mong Hay sarkastisch. Das Tribunal stünde unter keinem guten Stern, sollten ihm diese umstrittenen Juristen angehören. Die Opfer würden ein weiteres Mal um ihren Anspruch auf Gerechtigkeit betrogen. 

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