Asienhaus-Rundbrief 13/2003, 31.3.2003

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In Kürze:
1.) 15.5., Bonn: Informationsseminar zur Asian Development Bank
2.) Literaturempfehlung: Islam in Asien
3.) Irak-Krieg (2): Reaktionen in Südostasien - ein Überblick

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ad 1) 15. Mai, 11 - 17 Uhr: Informationsseminar zur Asian Development Bank
Informationen und Anmeldung:: dorothy.guerrero@asienhaus.de

Mit dem Thema "Demokratisierung in Indonesien. Bilanz und Perspektiven" beafßte sich im Oktober letzten Jahres ein Workshop der Südostasien-Informationsstelle und des Doktoranden-Netzwerkes Indonesien. Die Vorträge dieses Workshops sind nun in gedruckter Form erhältlich. Die Beiträge befassen sich mit den indonesischen Verfassungsreformen (Mirko Herberg und Patrick Ziegenhain), der religiösen Dimension ethnischer Konflikte am Beispiel Osttimor (Manuel Schmitz), der Situation der chinesisch-stämmigen Indonesier (Christian Chua-Franz und Christine Winkelmann), der Rolle des Militärs (Ingo Wandelt) und des Islams (Claudia Kuhn).

ad 2) Literaturempfehlung "Islam in Asien"
mehr Einzelheiten unter www.asienhahus.de/islam/islaminasien.htm
262 Seiten, 15,05 Euro, versandkostenfrei, Bestellung an:
vertrieb@asienhaus.de

Das 2001 von Klaus Schreiner für das Asienhaus herausgegebene Buch "Islam in Asien" hat angesichts der gegenwärtigen weltpolitischen Entwicklungen nichts von seiner Aktualität verloren. In dem Sammelband wird der nicht-arabische Islam ausführlich dargestellt. 

Die Autoren aus Asien und Europa, unter ihnen profilierte Wissenschaftler wie Jamal Malik, Thomas Heberer und Uwe Halbach, prominente Journalisten wie Ahmed Khaled oder engagierte Akteure der Zivilgesellschaft wie Asghar Ali Engineer, nächern sich verschiedenen Aspekten des Islam in Asien mal aus historischer, mal aus wirtschaftlicher, politischer oder aus religions-soziologischer Perspektive. Sie skizzieren spezifische Ausprägungen des Islam in Ländern Asiens und islamische Reaktionen auf die Herausforderungen der Globalisierung. Dabei sind die Beiträge regional geordnet in Abschnitte zu Asien allgemein, zu Südasien, Südostasien sowie China und Zentralasien.

In einem Vorwort von Hans Küng heißt es: "Dieser Band hilft all denen, die am Islam in Asien interessiert sind, seien es Muslime oder Nichtmuslime. Sachliche Informationen auf dem neuesten Stand und einfühlsame Interpretationen im Geist von Toleranz und Verständigung sind notwendige Voraussetzungen für einen fruchtbaren Dialog der Kulturen im großen wie im kleinen. Dieser Band kann Unkundige und Kundige für das Verstehen sowie Asiens wie des Islam vieles lehren."

ad 3) Irak Krieg (2): Reaktionen in Südostasien - Ein Überblick
von Patrick Ziegenhain, Vorstandsmitglied der Südostasien-Informationsstelle im Asienhaus
Kontakt: p.ziegenhain@web.de
(Dies ist der zweite Artikel der Serie, die sich mit Reaktionen in Asien auf den Irak-Krieg beschäftigt. In den nächsten Ausgaben werden wir diese Artikelserie fortsetzen.)

Dieser kurze Beitrag wird sich mit  Haltung der südostasiatischen Länder in Hinblick auf den Angriff der USA auf den Irak befassen. Letztere muß als eine Aktion im Rahmen des „Kampf gegen den Terrorismus“ nach den Anschlägen gegen die USA am 11. Sept. 2001 gesehen werden. Auch die Region Südostasien ist hierbei als möglicher Aufenthalts- und Rückzugsort von Terroristen mit islamistischem Hintergrund in den Blickpunkt gerückt. Das die Gefahr einen realen Hintergrund hat, zeigte sich spätestens bei dem schrecklichen Bombenanschlag in Bali am 12.Okt. 2002, jedoch sind gewaltbereite Islamisten in allen Staaten Südostasiens eine zahlenmäßig relativ kleine Gruppe.

Die USA setzten nach dem 11.9.2001 in Südostasien ihre oberste Priorität auf den sicherheitspolitischen Aspekt und waren nun eher bereit, über Menschenrechtsverletzungen und Demokratiedefizite hinwegzusehen, um sich die politische Unterstützung der südostasiatischen Regierungen zu sichern. Dies gelang der US-Regierung auch und so stellten sich alle südostasiatischen Regierungen hinter den von der USA initiierten Kampf gegen den Terrorismus. 

Als dann die Vereinigten Staaten den Sturz von Saddam Hussein im Irak auf die Agenda setzten, angeblich um die Welt vor irakischen Massenvernichtungswaffen zu schützen, waren die Reaktion in SOA weitaus verhaltener. Wie waren nun letzte Woche die Stellungnahmen auf den Beginn der Kriegshandlungen im Irak?

Zunächst einmal, ganz allgemein gesagt, uneinheitlich. Grob lassen sich drei verschiedene Positionen unterscheiden.

Pro-amerikanisches Lager

Die Philippinen übernahmen die amerikanische Positionen und erlaubten  amerikanischen Truppen sogenannte „Anti-Terroreinsätze“ im Gebiet der muslimischen Minderheit in Mindanao. Präsident Gloria Macapagal-Arroyo sagte nun, die Philippinen seien „part of a willing coalition“ zur Entwaffnung des Iraks. Die philippinische Regierung würde daher den Irakkrieg moralisch und politisch unterstützen. Die philippinische Präsidentin führte weiter aus, dass gute Beziehungen zu den USA für die Philippinen von vitalem Interesse seien. 

Singapur teilte ebenfalls mit, dass es den US-Angriff auf den Irak unterstütze, mit ähnlichen Argumenten wie die Philippinen. Beide Staatem wollten allerdings nur moralische Unterstützung und Wiederaufbauhilfe leisten.

In den Philippinen stieß die Haltung der Regierung auf den Widerstand der Bevölkerung. Demonstrationen fanden und finden im ganzen Land statt, vor allem in Manila. Auch im nationalen Parlament schien die Zahl der Kriegsgegner während einer Debatte zum Irakkrieg eine Mehrheit zu haben.  

Gemässigt, relativ neutrales Lager

Thailand hat sich im Jahr 2002 hartnäckig geweigert, anzuerkennen, dass auch in ihrem Land internationale Terroristen zugange wären. Nach Aussagen  von Malaysia, Indonesien und Singapur würden jedoch radikale Elemente unter der muslimischen Minderheit in Südthailand zu finden sein. Thailand fürchtet hier natürlich auch Einbußen im Bereich des lukrativen Tourismus-Sektors. In der Tat boomt der Tourismus weiter, während beispielsweise in Indonesien und den Philippinen seit dem 11.9.2001 dramatische Einbrüche zu verzeichnen sind.

Zu dem US-Vorgehen im Irak zeigte die thailändische Regierung von Premier Thaksin Shinawatra ein „low profile“. Er wurde zitiert mit den Worten, „weil Thailand keine Großmacht ist, müssen wir mit allen Seiten gute Beziehungen pflegen.“ Der thailändischen Regierung wäre allerdings eine Lösung im Rahmen der UN lieber gewesen.

Auch aus Thailand wurde von, im Vergleich zu anderen südostasiatischen Staaten allerdings zahlenmäßig kleinere, Demonstrationen gegen den Krieg  berichtet.

Aus Burma liegt bisher keine offizielle Stellungnahme der Militärregierung vor. Die oppositionelle NLD um Friedensnobelpreisträgerin Aung San Suu Kyi veröffentlichte hingegen eine Erklärung, in der klargestellt wurde, dass der Krieg eine Folge der unkontrollierbaren Diktatur Saddam Husseins sei. Allerdings seien Kriegshandlungen vorher verhinderbar gewesen und nun müsse man den Irak mit internationaler Hilfe wieder aufbauen. 

Lager der Kriegsgegner

Indonesien ist in Bezug auf die Anti-Terror-Aktionen der USA lange Zeit ein Spagat zwischen Innen- und außenpolitischen Zielsetzungen eingegangen. Aus Rücksichtnahme auf islamische Befindlichkeiten wurde innenpolitisch ein eher halbherziges Vorgehen gegen radikale Islamisten eingeleitet. Indonesien hat allerdings um amerikanischen Forderungen entgegenzukommen, ein sog. Anti-Terrorgesetz verabschiedet, dass dem Militär weitreichende Handlungsspielräume ermöglicht. Dies ist in Hinblick auf den Demokratisierungsprozess (Zurückdrängung des militärischen Einflusses in der Politik) und die Wahrung der Menschenrechte eher kritisch zu bewerten.

Außenpolitisch hat Indonesien auch aus wirtschaftlichen Gründen sich lange Zeit formal hinter den US-Antiterrorkurs gestellt. Nun aber, nach Beginn der Kampfhandlungen im Irak hat Präsidentin Megawati Soekarnoputri in einer ihrer wenigen öffentlichen Reden klargestellt, dass die unilateralen Aktionen der USA als ein aggressiven Akt bewertet, der gegen internationales Recht verstosse. Dies war die heftigste Kritik an den Vereinigten Staaten seit fast 40 Jahren.   

Die heftigsten Proteste der Bevölkerung in der Region kamen aus dem bevölkerungsreichsten islamischen Land, Indonesien. Demonstrationen in allen Landesteilen, tausende protestieren vor der US-Botschaft in Jakarta. Hier geriet auch das Nachbarland Australien und sein Premier Howard ins Schussfeld der Kritik. Wissenschaftler kritisierten den Präventivkrieg als Rückfall in die Zeiten des Kolonialismus. So könne beispielsweise Australien Indonesien angreifen und dies alles unter dem Namen der Terrorismusbekämpfung und der Wiederherstellung der regionalen Sicherheit. Australien hatte dies letztes Jahr als mögliche Handlungsoption angekündigt.

Malaysia und sein Premierminister Mohammed Mahathir bilden die Speerspitze der Kritik am amerikanischen Vorgehen. Mahathir sagte, der Angriff auf den Irak sei ein schwarzes Kapitel in der Menschheitsgeschichte und ein imperialistischer Akt, weil das internationale Recht missachtet worden ist und kleinere und schwächere Staaten nun wieder zum Spielball mächtiger Großmächte werden würden. Malaysia verurteilte also aufs Schärfste das Vorgehen im Irak. Größere Antikriegsdemonstrationen fanden in Kuala Lumpur und Penang statt.

Auch die kommunistisch gesteuerten Regime in Vietnam und Laos verurteilten die US-Angriff auf den Irak.

Fazit

1. Die Bevölkerung in allen asiatischen Staaten lehnt den US-Angriff auf den Irak ab, selbst in den Ländern, die sich hinter die USA gestellt haben. In Staaten mit islamischen Bevölkerungsgruppen ist der Widerstand stärker, weil hier antiwestliche Stimmungen weiter verbreitet sind und Bush’s Kreuzzug gegen den Terrorismus nach dem „Anschlag auf die zivilisierte Welt“ als Kampf gegen den Islam wahrgenommen wird.

2. Innerhalb der ASEAN konnten aufgrund der unterschiedlichen Perspektiven keine einheitlichen Positionen gefunden werden. Auf einem informellen Treffen der ASEAN-Außenminister kurz vor Beginn des Krieges setzten sich 8 Staaten für eine friedliche Lösung ein, während Singapur und die Philippinen dies nicht unterstützen wollten. Singapurs Außenminister Jayakumar sagte hierzu sehr treffend: „Es ist normal, dass es innerhalb von Regionalorganisationen unterschiedliche Positionen gibt, dies ist auch in der Europäischen Union nicht anders.“ Die Schwäche und Uneinigkeit  von ASEAN sorgt wiederum, dass SOA nicht als Akteur mit Gewicht in der weltpolitischen Debatte wahrgenommen wird.

3. Südostasien wird auch zukünftig ein wichtiges Blickfeld für den internationalen Kampf gegen den Terrorismus bleiben. Wenn die Bush-Administration ihre derzeitige unilaterale Außenpolitik fortsetzt, könnten demnächst auch Länder SOA ins Blickfeld amerikanischer Aktionen geraten. In näherer Zukunft wird jedoch ein Land Ostasiens, nämlich Nordkorea, maßgeblich die amerikanische Agenda in dieser Region bestimmen.

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