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Asienhaus-Rundbrief 15/2005, 16.9.2005

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In Kürze:
1) 8.10., Köln: Tagesseminar "Folgen neoliberaler Globalisierung in Südost- und Ostasien"
2) Call for Papers: Marken- und Biopiraterie in Südostasien
3) Veranstaltungen in Essen
4) Tagungsankündigung: 14.-16.10.: Indonesiens Ethinien im Wandel
5) Axel Maier - BUND: Nicht Nachhaltig - Rechte und linke Wahlkampfmythen

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ad 1) 8.10., Köln: Tagesseminar "Folgen neoliberaler Globalisierung in Südost- und Ostasien
Kontakt: michael.reckordt@asienhaus.de, zum Programm

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Am 13. Dezember 2005 beginnt in Hongkong die 6. WTO-Ministerkonferenz. Nach dem Scheitern der Konferenz von Cancun 2003 ist der Druck auf die WTO gewachsen. Diesmal stehen v.a. wieder die Themen des Nordens, z.B. die Privatisierung der Dienstleistungen, auf der Agenda.

Welche Folgen die WTO-Agenda und neoliberale Globalisierung im Allgemeinen speziell auf soziale Sicherheit und öffentliche Dienstleistungen in den ost- und südostasiatischen Gesellschaften haben, soll auf dem Tagesseminar am 08. Oktober behandelt werden.

Schon jetzt sind viele Menschen in der Region von diesen Dienstleistungen ausgeschlossen und es ist zu erwarten, dass bei weiterer neoliberaler Globalisierung für noch mehr Menschen als jetzt, ein ausreichender Zugang zu den lebensnotwendigen Daseinsfunktionen wie z.B. Gesundheitsvorsorge und -fürsorge, Bildung etc. erschwert wird. Doch der Blick soll nicht nur auf die Gefahren gerichtet sein, sondern es soll auch versucht werden, Alternativen aus Asien aufzuzeigen. Wie kann der neoliberale Diskurs durchbrochen werden, wie können soziale Belange wieder in den Fokus rücken, anstatt nur nackte Wirtschaftszahlen sprechen zu lassen? Zu dem Tagesseminar laden wir herzlich ein.

Zum Programm und Anmeldeformular klicken Sie hier.

ad 2) Call for Papers: Marken- und Biopiraterie in Südostasien
Kontakt: soainfo@asienhaus.de; www.asienhaus.de/suedostasien-konzept 

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Die Ausgabe 4/2005 der Zeitschrift südostasien wird sich mit dem Themenschwerpunkt "Marken- und Biopiraterie in Südostasien" befassen. Mit dem vorliegenden Konzeptpapier möchte die möglichst viele Autorinnen und Autoren zu einem Beitrag in der südostasien anregen. Der Redaktionsschluss ist der 2. November 2005. Das vorliegende Konzept finden Sie unter www.asienhaus.de/suedostasien-konzept.

Kontakt: Saskia Busch (Montags bis Mittwochs), 0201-8303818, e-mail: soainfo@asienhaus.de 

ad 3) Veranstaltungen in Essen
Kontakt: ulrike.bey@asienhaus.de 

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Wir möchten Sie auf folgende drei Veranstaltungen hinweisen, die in der nächsten Woche in Essen stattfinden werden.

ad 4)  Tagungsankündigung: 16.-18.10. - Indonesiens Ethnien im Wandel 
Kontakt: groetzinger@ems-online.org, mehr: www.ems-online.org/1023.html  

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Diese Tagung wird vom Evangelischen Missionswerk in Südwestdeutschland durchgeführt. Das Programm und die Teilnahmebedingungen finden Sie unter www.ems-onlinge.org/1023.html

Die Tagung bietet einen näheren Blick auf vier ethnische Gruppen Indonesiens: die Dayak auf Kalimantan, die Minahasa auf Sulawesi, die Papua im äußersten Osten und schließlich die Javaner als die dominante Ethnie. Uns interessieren zunächst Kultur und Geschichte jedes Volkes von den Ursprüngen bis zum Ende der Kolonialzeit. Mit welchen Folgen drei der Gruppen den christlichen Glauben angenommen haben, wird dabei ein Aspekt der Dis-kussion sein. Wir richten dann den Fokus auf 60 Jahre indonesische Nation und fragen nach der Entwicklung des Staats der „Einheit in Vielfalt“ aus dem Blickwinkel seiner Volksgruppen. Schließlich befassen wir uns mit der aktuellen Lage und den Perspektiven der vier Ethnien: Was haben sie bewahrt? Was haben sie aufgegeben? Wie ist ihr spezifischer Umgang mit den wirtschaftlichen und politischen Herausforderungen heute? Wie können sie ihre Zukunft gestalten?

ad 5) Axel Maier: Nicht nachhaltig - Rechte und linke Wahlkampfmythen

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Wir veröffentlichen den folgenden Beitrag, weil er auf ein wichtiges vernachlässigtes Thema der gegenwärtigen politischen Diskussion hinweist. Zwar wird über steigende Benzinpreise, Explosion der Rohstoffpreise etc. diskutiert, die grundlegende Frage, ob unbegrenztes Wachstum überhaupt möglich ist, wird so gut wie gar nicht thematisiert. Der Autor Axel Maier ist Geschäftsführer des Regionalverbandes Südlicher Oberrhein in Freiburg.
Wir weisen in diesem Zusammenhang schon jetzt auf das Tagesseminar "Chinas Wirtschaft wächst rasant - Bleibt die Umwelt auf der Strecke?", die das Asienhaus zusammen mit dem Forum Umwelt und Entwicklung, der Heinrich-Böll-Stiftung und der Evangelischen Akademie Sachsen-Anhalt am 1. November 2005 in Berlin durchführt. Den Einladungsflyer finden Sie hier.

 

Wieviel Prozent Wachstum

hätten Sie denn gerne? Fragen Sie einen Politiker von CDUFDPSPD und Sie werden vermutlich keinen finden, der nicht ein langfristiges Wachstum von mehr als 5% anstrebt. Mindestens 3% Wirtschaftswachstum seien nötig, um die Arbeitslosenzahlen zu senken. Vollbeschäftigung ließe sich frühestens ab 5% jährlichem Wachstum erreichen, werden Ihnen auch viele PolitikerInnen der GRÜNEN und der Demokratischen Linken vorrechnen.

Doch hinter solchen Aussagen,

Wahlkampfparolen, Wirtschaftsinteressen, Wünschen und Problemlösungsansätzen stehen unhinterfragte Mythen und der alte, zerstörerische Irrglaube, unbegrenztes Wachstum sei dauerhaft möglich. Bei einem anhaltenden Wachstum von 3% verdoppelt sich das Bruttosozialprodukt alle 23 Jahre, bei 5% sogar bereits alle 14 Jahre. Und eine Menge, die exponentiell wächst, vertausendfacht sich jeweils nach der zehnfachen Verdoppelungszeit. Dauerhaftes exponentielles Wachstum einer Wirtschaft ist nicht möglich und führt zwangsläufig zur Selbstzerstörung. Als Problemlösungsansatz kann es langfristig und global nicht dienen. Durch die periodischen Kriege im Laufe der Menschheitsgeschichte wurde das bisherige Wachstum immer wieder unterbrochen. Es wäre anzustreben, die aktuellen Probleme ohne großen (und damit vermutlich letzten) Krieg in den Griff zu bekommen

Immer wieder werden in der öffentlichen Debatte

andere Länder benannt, die ein stärkeres, „vorbildhaftes“ Wachstum haben. Vor dem Jahr 1990 wurde Japan als das „große Vorbild“ dargestellt. Die boomende japanische Wirtschaft wurde idealisiert und den deutschen Arbeitnehmern sagten Medien und Politik, sie sollten sich die Japaner endlich als Vorbild nehmen. Dann platzte 1990 in Japan (als Folge exponentiellen Wachstums) die Immobilienblase, die Börse ging in den Keller und von einem Tag auf den anderen war in Deutschland das „Vorbild Japan“ kein Thema mehr. Aufgearbeitet wurde dieser Medienflopp nie. Und die Staatsverschuldung mancher Länder, die uns heute als Vorbild dienen sollen, ist für die Medien wieder kein Thema.

Unser Wirtschaftswachstum

ist immer noch nicht ganz abgekoppelt von einem erhöhten Energie- und Rohstoffverbrauch. Das Ende des Öl- und Uranzeitalters ist absehbar und wird durch den Export unseres Verschwendungssystems nach China und Indien noch verstärkt.

Deutlich wird dies u.a. durch die erkennbare Verknappung der fossilen Rohstoffe und damit aktuell beim Benzinpreis. Das weltweit knapper werdende Öl löst beim abhängigen Patienten Mensch klassische Suchtsymptome aus. Statt Energie zu sparen und Alternativen zu fördern, rufen wachstumsgläubige Politiker nach einer intensiveren Ölförderung und nach der noch härteren Energiedroge Atomenergie.

Die Umweltbewegung in Deutschland

hat viel erreicht. Luft und Wasser sind tatsächlich sauberer geworden und auch sonst gab es viele Erfolge. Das bedeutet aber nicht mehr und nicht weniger, als dass die weltweiten Zerstörungsprozesse hier ein wenig langsamer ablaufen als anderswo. Immer noch gehören auch wir in Deutschland zum zumeist unzufrieden gehaltenen, kleinen „reichen“ Teil der Menschheit, der aber den Großteil der Energie und Rohstoffe verschwendet und damit hauptsächlich für die weltweite Umweltverschmutzung verantwortlich ist.

Ein Teil des bisher „unterentwickelten“ Rests der Welt

(insbesondere China und Indien) ist gerade gerade dabei, unser zerstörerisches Modell einer Raubbauwirtschaft nachzuahmen und zu einer ernstzunehmenden industriellen Konkurrenz zu werden.Der beginnende Autoboom in diesen Ländern wird in unseren Medien immer noch unkritisch bejubelt. Die Folgen dieses Booms für Ökologie und Weltklima sind kein Thema. Und ist es den Menschen in Asien zu verdenken, dass sie unserem schlechten Beispiel nacheifern?

Hundertfünfzig Jahre Industriealisierung

haben dazu geführt, dass die in vielen Millionen Jahren geschaffenen Energievorräte und die Rohstoffreserven der Welt zur Neige gehen und wir gleichzeitig u.a. mit Atommüll Gifte produziert haben, die über eine Million Jahre sicher gelagert werden müssen. Während sich bei uns in diesen 150 Jahren zumindest einige regulierende Gegenkräfte entwickelt haben (Gewerkschaften, Umweltbewegung, etc.) um die schlimmsten Folgen des krebsartigen Wachstums für die Menschen abzumildern, wuchern die Metastasen des Industriesystems in China, Indien und den so genannten „Tigerstaaten“ ungehemmt, mit enormen Folgen für die Umwelt, die Sozialsysteme und die Menschen 

Die Prognosen des Club of Rome

über die Grenzen des Wachstums aus dem Jahr 1972 haben sich bisher nur zum Teil erfüllt. Doch zum damaligen Zeitpunkt waren die Wachstumsgesellschaften Indiens, Chinas und Südostasiens auch noch im Embrionalzustand. Jetzt, wo diese großen Märkte für ihr Wachstum immer mehr Energie und Rohstoffe verbrauchen, zeigt sich wie richtig die Thesen des Club of Rome waren.

Die Folgen unseres Handeln

sind weltweit nicht zu übersehen. Der CO-2- Gehalt der Atmosphäre nimmt zu und das Weltklima verändert sich. Die so genannte friedliche Nutzung der Kernenergie gefährdet durch Unfälle, Terrorismusbedrohung und die Weiterverbreitung von Atomwaffen unsere Zukunft. Alles Wissen um Umweltfragen verhindert nicht den massiven Raubbau an den letzten Urwäldern der Erde und am beschleunigten Artensterben. Und die größer werdende Ungleichheit zwischen den Nationen und den Menschen verstärkt die Kriminalität und ergibt einen fruchtbaren Nährboden für Fundamentalismus und Terrorismus. Zur weltweiten Umweltzerstörung kommen im Zeitalter der Globalisierung ein zunehmend ungehemmter Konsumismus, eine Gefährdung der Demokratie u.a. durch die zunehmende politische Macht der Konzerne, soziale Ungerechtigkeit, Sozialabbau und eine verstärkte Innenweltverschmutzung. Habgier und Egoismus als gefördertes und gewünschtes Lebensmodell zerstört die Gesellschaft.

Das Denken des größten Teils der politischen Klasse,

der Medien und auch der Menschen beruht auf Mythen und Illusionen:

- Unbegrenztes Wachstum sei dauerhaft möglich

- Wir alle könnten irgendwann genau so verschwenderisch und zerstörerisch leben wie die Menschen in den USA

- Der arme "Rest der Welt" könnte unser verschwenderisches und zerstörerisches Wohlstandsmodell übernehmen

- ungehemmter Konsum würde glücklich und zufrieden machen

Doch wenn unser System unbegrenzt wächst,

wenn weiterhin weltweit Energie, Rohstoffe und gesellschaftliche Reichtümer verschwendet werden, dann stellt sich nicht die Frage, ob das System kollabieren könnte, sondern nur noch die Frage, wann dieser Crash kommt. Woher sollen Rohstoffe und Energie kommen, wenn sich der American Way of Life weltweit verbreitet? Wer soll all die Produkte kaufen, wenn unsere Produktivität sich weltweit verbreitet? Und sind die Menschen, die heute den so genannten „hohen „Lebensstandard“ haben, tatsächlich zufrieden und glücklich, oder wachsen mit zunehmendem Wohlstand nicht sogar Habgier und Unzufriedenheit?

Das Wachstum im Bereich der Alternativen Energien,

gehört zu den wenigen hoffnungsvollen Zeichen der Zeit. Von 1995 bis 2005 haben sich die Preise für atomar-fossile Energien mehr als verdoppelt, während sie sich für erneuerbare Energien halbiert haben. Windstrom ist global die am schnellsten expandierende Energienutzung. In der EU gingen im Jahr 2005 alle zwei Monate 1000 MW neue Windenergie ans Netz. In Kilowatt (Leistung) entspricht dies einem neuen AKW Gösgen (CH), in Kilowattstunden (Produktion) wird damit ein Atomreaktor der Grösse Beznau(CH) ersetzt - und dies alle 60 Tage. Und genau dieses positive Wachstum der zukunftsfähigen Energien wird von den Anhängern der atomar-fossilen Energiegewinnung massiv bekämpft.

Wir haben Technologien und Waffen enwickelt

(Atomenergie, Bereiche der Gentechnik, Atom- und Biowaffen), welche die Zukunft der Menschheit bedrohen. Gleichzeitig zeigen aber manche Fortschritte, nicht nur bei Sonnen- und Windenergie, dass der technische Fortschritt dem Menschen auch nützen kann. Nicht alle Rationalisierungtechnologien schaffen Probleme. Mit der heute verfügbaren Technik, mit der Produktion von reparaturfähigen, langlebigen Produkten könnten wir, größtenteils befreit von stupiden Tätigkeiten, ein „gutes“ Leben führen. „Gut leben statt viel haben“ muss der heutigen „Ich kaufe, also bin ich“- Ideologie entgegengesetzt werden. Das bedeutet weniger bezahlte Erwerbsarbeit und die gerechtere Verteilung des durch die Rationalisierung zurückgehenden Arbeitspensums auf mehr Menschen. Weniger Arbeit und gleichzeitig mehr Lohn und Konsum wird es dann aber nicht geben. Das aktuelle Motto auch der politischen Linken: „Leute, kauft mehr kurzlebigen Scheiß, um die Wirtschaft anzukurbeln“ ist kurzsichtig und zerstörerisch. Es kann auch nicht angehen hohe Löhne beziehen zu wollen und gleichzeitig am liebsten billige Produkte zu kaufen, die unter Sklavenhalterbedingungen in den armen Ländern produziert wurden.

Nur wenn es uns gelingt

mit einem wesentlich verringerten Input von Energie und Rohstoffen ein gutes Leben zu führen, könnten auch die Länder des Südens an den Reichtümern der Welt gleichberechtigt teilhaben. Ohne einen gleichberechtigten Zugang aller Menschen zu den Ressourcen der Welt, ohne Abrüstung, Demokratie und Menschenrechte gibt es keine nachhaltige Zukunft.

Die schwierigste Zukunftsaufgabe der Umweltbewegung

wird es sein, aufzuzeigen, dass unbegrenztes Wachstum begrenzte Systeme zerstört. "Gut leben statt viel haben" ist die Zukunftsdevise. Es gilt, eine tatsächlich nachhaltige Entwicklung einzuleiten und Wege für ein gutes, nachhaltiges Leben aufzuzeigen. Die größten Einschränkungen auf diesem Weg, sind die ökonomischen Widerstände und die Tatsache, dass dieser zukunftsfähige Weg Vernunft und ein massives Umdenken voraussetzt.

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