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Asienhaus-Rundbrief 15/2006, 30.8.2006

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In Kürze:
1) 16.9: Gründungsversammlung "Förderverein Asienhaus" - Burma: Herausforderungen für
     die Solidaritätsarbeit

2) 3.-6.9.: Asia-Europe-Peoples Forum in Helsinki

3) Sri Lanka: Tsunami Fact Finding Mission

4) Bertelsmann-Stiftung: Neue Kräfte in Asien - Rückwirkungen auf Europa
5) Hintergrund: Bayer treibt Expansion nach Asien mit hochgefährlichen Pestiziden voran
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ad 1) 16.9.: Gründungsversammlung "Förderverein Asienhaus" - Burma: Herausforderungen für die Solidaritätsarbeit 
Kontakt: klaus.fritsche@asienhaus.de, Tagesordnung, Satzungsentwurf 

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Seit 11 Jahren gehen vom Asienhaus in Essen wichtige Impulse für einen verstärkten zivilgesellschaftlichen Dialog mit Nichtregierungsorganisationen aus. Seit 11 Jahren informieren die Vereine und Initiativen im Asienhaus über die sozialen, politischen und ökologischen Entwicklungen in asiatischen Ländern. Seit 11 Jahren haben Sie Erfahrungen durch die Zusammenarbeit mit dem Asienhaus gesammelt.

Jetzt wollen wir mit Ihnen gemeinsam einen Schritt weitergehen.

Wir laden Sie herzlich zur Gründungsversammlung des „Fördervereins Asienhaus eV“ ein. Dieser Förderverein wird zum einen der Ort des Austausches zwischen den Unterstützern des Asienhauses werden, gleichzeitig ist er darauf gerichtet, die Arbeit des Asienhauses und seiner Projekte finanziell zu unterstützen.

Die Veranstaltung wird eröffnet mit einem Referat von Ulrike Bey zum Thema

„Burma - Herausforderungen für die Solidaritätsarbeit“

ad 2) 3.-6.9.: Asia-Europe Peoples Forum in Helsinki
mehr: www.aepf.net 

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"Peoples' Vision: Building Solidarity across Asia and Europe"  - unter diesem Thema werden sich vom 3.-6.9. in Helsinki über 400 Teilnehmende aus Asien und Europa zum Asia-Europe Peoples Forum zusammentreffen. Anlässlich des 6. ASEM-Gipfels (10.-11.9.) an gleicher Stelle werden sie die Staats- und Regierungschefs mit den Forderungen der Zivilgesellschaft und sozialer Bewegungen konfrontieren und Möglichkeiten gemeinsamer Aktionen diskutieren. Das Programm finden Sie unter www.aepf.net

 

Das Asienhaus ist auch in diesem Jahr an der Vorbereitung des AEPF wie an der Planung und Durchführung verschiedener Workshops beteiligt. 

 

ad 3) Tsunami: Fact Finding Mission in Sri Lanka
Bestellung: info@medico.deDownload 

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Brot für die Welt, medico international, Heinrich Böll Stiftung (Hg.), Tsunami- A study on disaster response in Sri Lanka. With a complement on the situation in Thailand. Juli 2006

 

Der Tsunami des 26. Dezember 2004 verursachte eine der schlimmsten Katastrophen der Geschichte. Als Organisationen, die selbst an der Nothilfe wie am Wiederaufbau beteiligt sind, initiierten Brot für die Welt und medico international in Zusammenarbeit mit der Böll-Stiftung eine Fact Finding Mission, die ein Jahr nach dem Tsunami Sri Lanka bereiste und in allen Teilen des Landes mit Überlebenden der Katastrophe, MitarbeiterInnen von Hilfsorganisationen, sozialen und politischen AktivistInnen, aber auch VertreterInnen der Regierung, der internationaler Institutionen, der Medien und der Wissenschaft sprachen. Der Mission ging es nicht um eine technische Evaluation von Tsunami-Hilfsprojekten. Im Mittelpunkt standen die Lage und Lebensperspektiven der vom Tsunami betroffenen Menschen. Zugleich war explizit Auftrag, dies mit der Lebenswirklichkeit der vom Bürgerkrieg Betroffenen in Bezug zu setzen. Ausgehend davon wurden dann die Politiken und Strategien der Regierung, der internationalen Gebergemeinschaften und insbesondere die Rolle der internationalen Hilfsorganisationen untersucht.

 

Der Report der Fact Finding Mission wurde jetzt in englischer Sprache gedruckt und kann kostenlos bei medico international, Burgstraße 106, 60389 Frankfurt, bestellt werden.

ad 4)  Bertelsmann-Stiftung: Neue Kräfte in Asien - Rückwirkungen auf Europa
Download 

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Mit den wirtschaftlichen, politischen und kulturellen Folgen der Entwicklungen in Asien befasst sich eine neue, von der Bertelsmann-Stiftung veröffentlichte Stuide. Autor der Studie ist Jochen Buchsteiner, Der Autor war Parlamentskorrespondent der "Zeit in Bonn" und arbeitet jetzt als Asien-Korrespondent für die Frankfurter Allgemeine Zeitung.

ad 5) Hintergrund: Bayer treibt Expansion nach Asien mit hochgefährlichen Pestiziden voran
ein Bericht von German Foreign Policy 

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Am 28.8. veröffentlichte "German-Foreign-Policy" den folgenden Bericht. Wir bedanken uns für die Abdruckgenehmigung. Wir weisen in diesem Zusammenhang auch auf die Kampagne des Eine-Welt-Netzes NRW hin: "Hochgiftige Pestizide von Bayer. Den Verkauf in Indien jetzt stoppen!". Dort finden Sie auch vielfältige Hinweise darauf, wie Sie sich an dieser Kampagne beteiligen können. Siehe zu diesem Thema auch die  gemeinsame Erklärung des Centre for Sustainable Agriculture (Indien), Coordination gegen BAYER-Gefahren e.V. und des Pesticide Action Network Asia and the Pacific (PAN AP, Malaysia).

Der deutsche Bayer-Konzern treibt seine Asien-Expansion mit dem Verkauf hochgefährlicher Pestizide voran und nimmt dabei schwere Vergiftungen der regionalen Landbevölkerung in Kauf. Wie malaysische Fachleute kritisieren, bietet Bayer in Indien und anderen asiatischen Staaten Schädlingsbekämpfungsmittel der WHO-Gefahrenklasse I ("extrem gefährlich" / "hoch gefährlich") an, obwohl dies Normen der Vereinten Nationen (FAO-Kodex) zuwiderläuft und für Menschen tödliche Folgen haben kann. Der Konzern, eines der größten deutschen Chemieunternehmen, ist in Indien Marktführer bei Agrochemikalien. Bei Bayer gilt das Land als einer der meistversprechenden Märkte der Asien-Pazifik-Region, in der die Firma ihre Geschäfte deutlich steigern will. Bereits jetzt erzielt Bayer in dem Gebiet rund 16 Prozent seines weltweiten Umsatzes und tätigt dort seine größten Auslandsinvestitionen. 

Gefahrenklasse I

Nach Informationen des Centre for Sustainable Agriculture (Indien), der Coordination gegen BAYER-Gefahren (Deutschland) und des Pesticide Action Network Asia and the Pacific (Malaysia), setzt Bayer in Asien trotz jahrelanger Proteste die Vermarktung äußerst giftiger Pestizide fort.[1] Dabei handelt es sich unter anderem um Produkte, die von der WHO als "extrem" oder "hoch gefährlich" eingestuft werden und in Europa und den Vereinigten Staaten schon längst aus dem Verkehr gezogen sind. Das Centre for Sustainable Agriculture (CSA) dokumentiert seit geraumer Zeit Pestizidvergiftungen unter der indischen Landbevölkerung, die nicht selten tödlich enden. "Das von Bayer produzierte Agrogift Hinosan mit dem Wirkstoff Edifenfos beispielsweise ist für viele der von uns dokumentierten Vergiftungen verantwortlich", berichtet CSA.[2] Mit dem Verkauf der Pestizide breche Bayer einen Kodex der Welternährungsorganisation FAO. Laut FAO sollen Wirkstoffe der Gefahrenklassen I und II nicht in tropischen Ländern verkauft werden, da die klimatischen Bedingungen bei der Verarbeitung der Pestizide nur unzulängliche Schutzmaßnahmen erlauben. Vergiftungen (auch tödliche) werden insbesondere unter der ärmeren Landbevölkerung begünstigt. 

Marktführer

Bayer ist in Indien Marktführer bei Agrochemikalien und hält in der dortigen Pestizid-Sparte einen Marktanteil von 23 Prozent (globaler Anteil: 20 Prozent). Indien ist der viertgrößte Absatzmarkt des Konzerns auf dem gesamten Kontinent - mit steigender Tendenz: "Mit seinem überdurchschnittlichen Wachstumspotenzial" sei Indien eines der "meistversprechenden" Vertriebsgebiete in der Asien-Pazifik-Region, rühmt Bayer seine Expansionsstrategien.[3] Eine der beiden tragenden Säulen des Indien-Geschäfts ist die Landwirtschafts-Branche, zu der die Pestizid-Sparte gehört. 

Wirtschaftsraum

Im "asiatisch-pazifische(n) Wirtschaftsraum" [4] belief sich der Bayer-Jahresumsatz 2005 auf rund 4,6 Milliarden Euro (16 Prozent des globalen Konzernumsatzes). Man wolle "diesen Anteil mittelfristig deutlich (...) steigern", heißt es in der Leverkusener Zentrale. Seit 1990 hat das Unternehmen dazu rund 3,1 Milliarden Euro für Investitionen, Firmenkäufe und Forschungsprogramme in dem Gebiet ausgegeben, weitere Milliarden sind eingeplant. 

Großprojekte

Das bedeutendste Wachstumspotenzial erwartet Bayer in der Volksrepublik China. Dort ist der Konzern in großem Umfang tätig, seit er 1993 einen Kooperationsvertrag mit dem Ministerium für die Chemieindustrie in Beijing unterzeichnete. Inzwischen ist das Land für Bayer der zweitgrößte nationale Absatzmarkt in Asien - auch in China mit steigender Tendenz: Allein im vergangenen Jahr nahm der chinesische Umsatz um den Rekordwert von 39 Prozent zu. Das Unternehmen hat in Caojing bei Shanghai seine bislang größte Auslandsinvestition getätigt (Umfang: rund 1,8 Milliarden US-Dollar) und wird in Kürze drei Chemie-Großprojekte in Betrieb nehmen. Weitere Investitionen und Zukäufe in bis zu dreistelliger Millionenhöhe ergänzen das Expansionsprogramm. 

Japan

Die Asien-Expansion, die Bayer derzeit in großem Maßstab vorantreibt, ist nicht die erste in der Geschichte des Konzerns. Abgesandte der Leverkusener Unternehmenszentrale waren in Ost- und Südasien bereits im 19. Jahrhundert tätig. 1882, bei Beginn eines rasanten Aufschwungs der deutschen Industrieproduktion infolge militärischer Abenteuer, vermeldete Bayer seine ersten China-Aktivitäten, 1886 folgten Geschäftskontakte nach Japan, 1896 eröffnete die Firma ihre erste Produktionsstätte in Indien. Noch vor dem Ersten Weltkrieg gelang es dem Leverkusener Unternehmen, eine hundertprozentige Tochtergesellschaft in Japan zu gründen. 

Nummer eins

In den folgenden Jahrzehnten folgte die Asien-Expansion den politischen Umständen oder nahm auf sie Einfluß. Die maßgebliche Beteiligung von Bayer an dem NS-Unternehmen IG Farben und der von dort ausgehenden internationalen Kriegsexpansion ist unbestritten.[5] Parallel zur Achse Berlin-Tokio trieb der deutsche Chemie-Multi sein damaliges Asien-Geschäft voran und konnte 1941 in Japan ein Joint Venture zur Herstellung von Pflanzenschutzmitteln etablieren. Diese Verbindungen wurden wenige Jahre nach Kriegsende revitalisiert. 1988 notierte Bayer als erstes deutsches Unternehmen an der Tokyo Stock Exchange. Japan ist bis heute die Nummer eins beim Asien-Umsatz der Leverkusener Firma. 

Unbekannt

Wegen stetiger Ausweitung des Geschäfts mit Beijing rechnen Beobachter mit einem Rangwechsel: die Expansionsziele werden sich langfristig nach China verlagern. Auch Indien, das sich Berliner Politiker als chinesische Konkurrenz wünschen, dürfte in den kommenden Jahren für das Leverkusener Unternehmen an Bedeutung gewinnen. Grundlage ist die Stellung der Firma in der indischen Landwirtschafts-Branche - und damit auch ihre Rolle in der Pestizid-Sparte. Bereits im Jahr 1995 hatten Konzernvertreter angekündigt, die gefährlichsten Schädlingsbekämpfungsmittel vom Markt nehmen zu wollen. Bis heute ist dieser Schritt, der die Position des Unternehmens in Indien schwächen könnte, nach Angaben internationaler Fachleute nicht vollzogen. Interventionen der deutschen Außenpolitik gegen die Produzenten des deutschen Gifts und zugunsten der indischen Opfer sind unbekannt. 

[1], [2] Indien: Gefährliche Pestizide sofort vom Markt nehmen!; Presse Information vom 24. August 2006, www.cbgnetwork.org/1600.html

[3] Bayer in India; www.bayergroupindia.com

[4] Wichtiger Markt der Zukunft: die Region Asien-Pazifik; www.bayer.de/konzern/bayer-in-aller-welt/ asien-pazifik/page349.htm

[5] Carl Duisberg, Vorsitzender der Bayer AG am Vorabend des Hitler-Regimes: "Fortwährend ruft das deutsche Volk nach einem Führer, der es aus seiner unerträglichen Lage befreit. Kommt nun ein Mann, der bewiesen hat, dass er keine Hemmungen hat, und der gesonnen ist, den Geist der Frontgeneration in friedlicher Befreiungsarbeit einzusetzen und zu verwirklichen, so muss diesem Mann unbedingt Folge geleistet werden." In: Carl Duisberg, Abhandlungen, Vorträge und Reden aus den Jahren 1932-1933, Berlin 1933, S. 135.

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verantwortlich: Klaus Fritsche
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