Sollte Ihr e-mail-Programm keine html-Mails bearbeiten können, gehen Sie bitte zu folgender Webseite: www.asienhaus.de/public/archiv/16-2006.htm.

Asienhaus-Rundbrief 16/2006, 20,9.2006

--------------------------------------------------------------------------------------
In Kürze:
1) Thailand: Militärs übernehmen die Macht
2) Mitglied im Förderverein Asienhaus werden
3) Zeitschrift "Südasien" - Neue Ausgabe erschienen

4) Wanderausstellung: Kein Bravo für Bikini
5) Kambodscha: Minen - das explosive Erbe des Bürgerkrieges
--------------------------------------------------------------------------------------
Bücher im Internet bei Libri.de bestellen - Das Asienhaus fördern!

ad 1) Thailand: Militärs übernehmen die Macht 
siehe auch: www.blog.asienhaus.de   

Zurück

Auf dem neu eingerichteten Asienhaus-Blog bieten wir die Möglichkeit zur Diskussion der Ereignisse.

Statt die für heute angekündigte Massendemonstration gegen den thailändischen Premier Thaksin, die für den 20.9. geplant war, rollten am 19.9. die Panzer und die Armee übernahm die Macht. Die Militärführer bildeten ein „Administrative Reform Council“. Sie setzten die Verfassung außer Kraft und kündigten, wie fast alle Putschisten vor ihnen, eine baldige Rückkehr zur Demokratie an.

Damit erreichte eine seit mehreren Monaten schwelende Krise ihren vorläufigen Höhepunkt. Thaksin war wegen Korruption ins Feuer der öffentlichen Kritik geraten, die Wahlen am 2. April gewann Thaksin zwar, die Ergebnisse mußten aber auf Grund des Wahlsystems annuliert werden. Für den 15. Oktober waren Neuwahlen angesetzt, eine Lösung des politischen Konflikts hätten diese aller Wahrscheinlichkeit nicht gebracht. Thaksin hat durch seine sozialen Reformen in den ländlichen Gebieten einen starken Rückhalt, während sich die Opposion in den Großstädten konzentriert.

Der Putsch verlief ohne Blutvergießen (Chronik der Ereignisse). Zwar versuchte Thaksin noch aus New York den Anschein zu erwecken, er hätte alles unter Kontrolle. Dies erwies sich jedoch als Illusion. Nachdem enge Vertraute von ihm verhaftet worden waren, beschloß er, nicht nach Thailand zurückzukehren. Im Gespräch ist ein „Asyl“ in London.

Noch sind Fragen unbeantwortet, insbesondere die nach der genauen Rolle des Königshauses und nach den genauen Motiven der Putschisten. Von Interesse ist in diesem Zusammenhang, dass der Anführer General Sonthi Bonnyaragatglin ein Muslim aus Südthailand ist. Ihm werden Differenzen mit Thaksin über die Behandlung der Situation in Südthailand nachgesagt. Der dortige Konflikt hat in den letzten Jahren viele Opfer gefordert (siehe zu seiner Person).

Während Sondhi Limthongkul, einer der Führer der People’s Alliance for Democracy und der schärfste Konkurrent Thaksins im Medienbusiness den Putsch begrüßte, ist die weit verbreitete Stimmung - zumindest wie sie sich in den Medien widerspiegelt - zwiespältig. Einerseits wird die als Begründung für den Putsch gegebene Kritik an Thaksin geteilt, andererseits diese militärische Lösung als ein Rückschlag für die Demokratie und als nicht akzeptierbar angesehen (siehe z.B. den Kommentar in „The Nation“).

Die politische Opposition, politische Parteien, NRO und soziale Bewegungen diskutieren zur Zeit eine adäquate Antwort auf die neue Situation. Alle verbindet die Hoffnung, dass es auch in der nächsten Zeit zu keinem Blutvergießen kommt.

ad 2) Mitglied im Förderverein Asienhaus werden
mehr: www.asienhaus.de/foerderverein, Beitrittserklärung 

Zurück


Am 16.9. fand die Gründungssitzung des "Fördervereins Asienhaus eV" in Essen statt. Die Teilnehmenden verabschiedeten die Satzung und wählten den Vorstand. Als Vorsitzende wurde Dr. Claudia Derichs von der Universität Duisburg-Essen gewählt. Der Förderverein wird jetzt ins Vereinsregister eingetragen. Sie können ab sofort Mitglied werden. Der Mindestbeitrag für Einzelpersonen beträgt 30 Euro, für Organisationen 50 Euro.

 

 

ad 3) Zeitschrift "Südasien" - Neue Ausgabe erschienen
Bestellung: suedasienbuero@suedasien.de, zum Inhaltsverzeichnis

Zurück

 

 

Die Ausgabe 2-3/2006 der Zeitschrift "Südasien" ist erschienen. Sie ist zum Preis von 13 Eure beim Südasienbüro in Bonn zu beziehen. Ab dieser Ausgabe präsentiert sich das Südasienbüro mit seiner Zeitschrift auf der Homepage des Asienhauses (siehe www.asienhaus.de/suedasienbuero

Wie schon im letzten Heft (Nr. 1/2006) haben wir mit der Rubrik "Gegenwartsliteratur" einen Schwerpunkt gesetzt und nehmen u.a. auch in den Rezensionen Bezug zu zeitgenössischen Autoren, von denen nicht wenige bei der diesjährigen Leipziger Buchmesse zu Besuch waren, und bei der kommenden Frankfurter Buchmesse im Oktober 06 zu Gast sein werden. Außerdem widmen wir uns mit diesem Heft zwei weiteren Themen, dem "Terrorismus" mit Hintergrundinformation zu den jüngsten Attentaten, sowie dem Querschnittsthema "Wirtschaft". Der 11. September 2006 ist nicht nur der fünfte Jahrestag des Attentats auf das World Trade Center, sondern auch der 100ste Jahrestag der ersten gewaltfreien Aktion Mahatma Gandhis in Südafrika unter dem Namen "Satyagraha.

Beim Schwerpunkt Wirtschaft  ist es ein Anliegen anhand verschiedener Beiträge zu zeigen, dass unter den Staaten Südasiens zwar Indien mit seinem rasanten Aufschwung dominiert, dass aber bestimmte Probleme und Missstände im Zusammenhang mit den Staudammprojekten im Narmada-Tal, der touristischen Entwicklung, der Kinderarbeit in den Exportbranchen, und dem Teufelskreislauf von Hybridsaatgut in der Baumwollproduktion auch nicht zu unterschätzende regionale Unsicherheitsfaktoren und Konfliktherde bergen."  

ad 4)  Wanderausstellung: Kein Bravo für Bikini
siehe www.pazifik-infostelle.org, Tel. 09874-9122

Zurück

Die Ausstellung des Pazifik-Netzwerks e.V. und der Pazifik-Informationsstelle zeigt auf neun großformatigen Tafeln (bedruckte Stoffbahnen 1,80 x 1,00 m) die fünfzigjährige Geschichte der Atombombentests im Pazifik und springt dabei auf jeder Tafel in ein Jahrzehnt. Des Weiteren klärt sie über die aktuelle militärische Nutzung nuklearer Technologien auf.

Die Ausstellung wendet sich insbesondere an Schüler und Jugendliche, dient aber gleichzeitig der Weiterbildung von Erwachsenen. Sie kann gegen die Erstattung von Porto- und Versandkosten bei der Pazifik-Infostelle ausgeliehen werden.

ad 5) Kambodscha: Minen - das explosive Erbe des Bürgerkries
ein Bericht von Robert Luchs 

Zurück

Hunderte sterben jedes Jahr in Kambodscha durch versteckte Minen/ „Spielzeug“ für Kinder

Anlong Veng – Die gewaltige Detonation ist  noch in einem zehn Kilometer entfernten Dorf  Samraong Distrikt zu hören. Ein Traktor mit zehn Kambodschanern ist auf eine versteckte Panzermine gefahren, als er nur wenige Meter vom Schotterweg abkommt. Die Männer sind sofort tot, Teile des Traktors liegen bis zu 100 Meter weit verstreut. „Auf den meisten Felder hier im Norden Kambodschas wurde im Bürgerkrieg gekämpft. Daher sind noch überall Minen vergraben,“ sagt Polizeichef Puth Sarann.  Auch diese Panzermine sei wohl von den Roten Khmer gelegt worden. 

In den vergangenen 18 Monaten wurden in der Provinz Oddar Meanchey 23 Menschen von Minen getötet. Da Autos und Kleinbusse meist völlig überfüllt sind, ist die Zahl der Opfer entsprechend hoch. Kürzlich kamen in einem benachbarten Distrikt bei einer Minenexplosion 13 Angehörige einer Familie ums Leben. Viele Gebiete in dieser Provinz wurden noch bis 1998 von den Roten Khmer kontrolliert. 

Minenopfer als Bettler

Kein anderes Land der Welt ist so stark von Minen verseucht wie Kambodscha. Noch Mitte der 90er Jahre wurden neuverlegte Sprengsätze im Tempelkomplex von Angkor Wat gefunden. Jährlich kommen hunderte von Kambodschanern bei Minenexplosionen ums Leben. Nach Informationen des Cambodian Mine Action Center (CMAC) werden jährlich durchschnittlich 850 Menschen getötet. Niemand weiß genau, wie viele dabei verstümmelt werden und ihr weiteres Leben als Bettler fristen müssen. Da die durchschnittliche „Lebenserwartung“ eines vergrabenen Sprengsatzes mit 40 Jahren angegeben wird, ist die Gefahr besonders groß. Minen halten sich nicht an eine von Regierungen vereinbarte Waffenruhe. 

Mit großer Skepsis wird daher ein neuer internationaler Vertrag beurteilt, dem zufolge nach Kampfhandlungen alle „gefährlichen Munitionsrückstände“ beseitigt werden müssen. Der Vertrag soll vor allem Zivilisten besser schützen, teilte das Internationale Rote Kreuz (IKRK) in Genf vor kurzem mit. Die Staaten verpflichten sich, nicht explodierte Granaten, Streubomben und Raketen zu markieren und zu räumen. Betroffene Gebiete müssen abgesperrt werden. Die USA, Russland und China haben das Abkommen noch nicht ratifiziert. 

In Kambodscha sind die meisten Minen von den Regierungsstreitkräften verlegt worden. Aber auch die Gegenseite führte den Bürgerkrieg nach der Pol-Pot-Ära seit 1979  hauptsächlich mit Minen – um das eigene Gebiet zu sichern und um der von den Roten Khmer kontrollierten Zivilbevölkerung möglichst hohe Verluste zuzufügen. Untersuchungen von Hilfsorganisationen haben ergeben, dass viele Opfer auf Minen der eigenen Seite treten und oft wissen, welcher Gefahr sie sich aussetzen. Dabei treibt sie die nackte Not, die Suche nach Nahrung und Brennholz. 

Wenig Geld für Minensuche

Es wird geschätzt, dass heute rund sechs Millionen Minen und UXO (Unexploded Ordnance, also Blindgänger) in dem größtenteils unwegsamen Gebieten des südostasiatischen Landes lauern. Als die Vereinten Nationen 1992/1993 in einer großen Mission die ersten demokratischen Wahlen vorbereiteten, wurden noch etwa zehn Millionen Minen vermutet. Die UN gab fast drei Milliarden Dollar für ihre Mammut-Mission aus, bildete auch Kambodschaner aus, aber für die Minensuche war kaum Geld vorhanden. Die UN haben seinerzeit nicht einmal verhindert, dass aus thailändischen Lagern heimkehrende Flüchtlinge in frische Minenfelder gelaufen sind.

Experten sind davon überzeugt, dass es noch Jahrzehnte dauern wird, bis Kambodscha minenfrei sein wird. Und das hat eine ganze Reihe von Gründen: Zum einen geht die Regierung das Problem äußerst halbherzig an; die teure Drecksarbeit überlässt Ministerpräsident Hun Sen lieber den ausländischen Organisationen wie der britischen Halo Trust. Die Entminung wird ferner erheblich durch den Monsun erschwert, wenn vor allem Plastikminen weggeschwemmt werden und in einem anderen Gebiet die Menschen erneut bedrohen.

Dass die Regierung zur gleichen Zeit 135 kambodschanische Minenexperten in den Sudan schickt, gehört zu den kuriosen Widersprüchen in diesem Land. 

Bei CMAC in Phnom Penh setzt man jetzt hohe Erwartungen in neue Geräte aus Japan, die in Kürze eingesetzt werden sollen.  Diese hochmodernen Maschinen arbeiten mit Bodenradar, der Minen auf dem Bildschirm sichtbar machen kann. Die bisher verwendeten Metalldetektoren können nicht zwischen einer Mine und einem harmlosen Nagel unterscheiden.

Das Museum des Aki Ra

In einem Privat-Museum am Rande von Siem Reap liegen sie aufgereiht: Panzerminen aus Russland, Handgranaten aus tschechischer Produktion, tellergroße Minen aus Vietnam, die nur in eine bestimmte Richtung explodieren und schließlich teuflisch kleine, grüne Plastikminen aus chinesischer Fertigung, die leicht in eine Hand passen. „Die Kambodschaner nennen sie „Ungkaip“ (Frosch), mit denen Kinder nichtsahnend spielen, wenn sie die „Frösche“ auf dem Feld oder im Straßengraben finden,“ erklärt ein Fachmann der besonderen Art. Aki Ra ist ein ruhiger junger Mann, der während unserer Gesprächs seinen kleinen Sohn streichelt – mit der gleichen Hand, mit der er Minen entschärft.

Er überlegt kurz: Ja, so zwischen 10 000 und 20 000 Sprengsätze müssten es wohl sein, die er in den letzten Jahren im Dschungel oder auf den Feldern entschärft habe. Aki Ra lebt heute von dem, was ihm die Besucher seines Minenmuseums in eine Blechbüchse legen. Oft sind es nicht einmal 2000 kambodschanische Riel, umgerechnet 40 Cent. Der Kambodschaner, der im blutigen Bürgerkrieg auf beiden Seiten gekämpft hat, hatte mit Minenräumgeräten noch nie etwas zu tun. Ohne Hilfsmittel geht er zu der Stelle, an der Reisbauern oder Holzsammler eine Mine entdeckt haben. Dann entschärft er sie mit bloßen Händen.

Wenn Fremde über soviel „Leichtsinn“ den Kopf schütteln, erklärt ihnen Aki Ra in aller Ruhe, er sei durchaus kein Draufgänger. Er liebe seine beiden Söhne  und seine Frau, die die Besucher in einer Phantasie-Uniform begrüsst, und würde schon aus diesen beiden triftigen Gründen sein Leben nicht leichtfertig aufs Spiel setzen. Aber er habe viele Jahre mit Minen zu tun gehabt und wisse halt, wie mit ihnen umzugehen sei. 

In 2000 wurde Aki Ras Museum von den örtlichen Behörden vorübergehend geschlossen. Die Polizei steckte ihn eine Woche lang ins Gefängnis. Warum, das weiß er bis heute nicht genau. Angeblich, weil Aki Ra „unpassende Gegenstände“ zur Schau stellte. Der wahre Grund aber scheint die Tatsache zu sein, dass der Betreiber eines zweiten Kriegsmuseums bessere Kontakte zu den Behörden hatte, beziehungsweise die verantwortlichen Beamten „schmiert.“ Inzwischen sei die explosive Lage entschärft, meint Aki Ra schmunzelnd –bis zum nächsten Störfeuer der unberechenbaren Behörden.

----------------------------------------------------------------------
Bücher im Internet bestellen - Das Asienhaus fördern!
siehe www.asienhaus.de/buchladen 
----------------------------------------------------------------------
Asienstiftung/Asienhaus, Bullmannaue 11, D-45327 Essen,
Tel.: +49-201-8303838, Fax: +49-201-8303830
weitere Kontakte unter www.asienhaus.de/ansprechpartner 
verantwortlich: Klaus Fritsche
----------------------------------------------------------------------
Hier können Sie über eine sichere Verbindung für das Asienhaus spenden:
https://www.spendenportal.de/formulare/spendenformular.php?id=453271007133
----------------------------------------------------------------------
Bestellung und Abbestellung des Asienhaus-Rundbriefes
Das Archiv  finden Sie hier.
--------------------------------------------------------------------------------