Asienhaus-Rundbrief 19/2003, 6.6.2003

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In Kürze:
1.) Asienhaus-Rundbrief: Einladung zur Mitarbeit
2.) Bibliothekskatalog "Islam in Süd- und Südostasien" aktualisiert
3.) 25. Juni, Berlin: Wohin steuert Nord-Korea? Ein internationales Symposium
4.) Kommentar: Burma - Ein Jahr der Hoffnung geht zu Ende - 
      Zur erneuten Inhaftierung von Aung San Suu Kyi

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Die Bestellmöglichkeit finden Sie unter www.asienhaus.de/angebote/mailing.htm
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ad 1) Asienhaus-Rundbrief: Einladung zur Mitarbeit 
Kontakt: klaus.fritsche@asienhaus.de

Seit Beginn dieses Jahres haben wir im Asienhaus-Rundbrief regelmäßig Kommentare und Berichte zu aktuellen Entwicklungen in Asien veröffentlicht. So haben wir in den letzten Monaten u.a. über asiatische Reaktionen auf den Irak-Krieg informiert, die Folgen von SARS für China  und Hintergrundberichte über den Krieg in ACEH veröffentlicht. Dies ist bei den Lesern auf positive Resonanz gestoßen, was sich auch darin niederschlug, dass in den letzten Wochen mehr als 100 neue Interessenten den Asienhaus-Rundbrief bestellt haben.

Wir werden diese inhaltliche Informationskomponente des Asienhaus-Rundbriefes zukünftig beibehalten. Wie bisher wollen wir dabei durch eine Mischung von Hintergrund, Information und Kommentar Anstöße geben. Wir möchten Sie einladen, sich mit eigenen Beiträgen an dieser Arbeit zu beteiligen. Der Asienhaus-Rundbrief erscheint in der Regel wöchentlich, die Beiträge sollen nicht länger als 1,5 bis 2 Seiten lang sein. Bei Interesse melden Sie sich bitte bei Klaus Fritsche.

ad 2) Asienhaus-Bibliothek: Katalog zu "Islam in Süd- und Südostasien" aktualisiert
Kontakt: bibliothek@asienhaus.de

Der Sonderkatalog mit den Beständen der Bibliothek des Asienhauses zum Thema "Islam in Süd- und Südostasien" ist jetzt in aktualisierter Form im Internet recherchierbar. Er enthält 873 Titel. Sie finden ihn unter www.asienhaus.de/library/ISLAM/islam.htm.

ad 3) 25. Juni, Berlin: Wohin steuert Nord-Korea? Ein internationales Symposium
Kontakt: koreaverband@asienhaus.de

Am 25. Juni veranstaltet der Koreaverband ein internationales Symposium zu den sozialen Verhältnissen, Entwicklungstendenzen und Perspektiven Nordkoreas. Als Sprecher wurden u.a. gewonnen Prof. Dr. Song (Universität Münster), Prof. Dr. Bruce Cummings (University of Chikago), Frau Käthi Zellweger (Caritas Hongkong), Professor Paik (University Seoul), Rainer Werning.

Das Symposium findet von 9 - 19 Uhr im Centre Monbijou in Berlin, Oranienburger Straße 13-14 (im Haus der Bank für Sozialwirtschaft) statt. Die TeilnehmerInnengebühr (inklusive Mittagessen und Materialheft) beträgt 60 Euro, für Studierende und Nicht-Verdienende 15 Euro).

Ausführlichere Informationen über das Programm des Symposiums und Einzelheiten zur Anmeldung finden Sie auf der Homepage http://www.koreaverband.de/aktuelles/index.html

ad 4) Kommentar: Burma - Ein Jahr der Hoffnung geht zu Ende - Zur Inhaftigerung Aung San Suu Kyis und ihrer Parteidelegierten
von Ulrike Bey, Burma.Initiative im Asienhaus, e-mail: burma@asienhaus.de  

Am vergangenen Freitag, den 5. Juni 2003,  wurden Oppositionsführerin Aung San Suu Kyi sowie 19 führende Parteiangehörige der National League for Democracy (NLD) unter Arrest gestellt. Sieben weitere NLD-Mitglieder in der Hauptstadt Rangun stehen unter Hausarrest. Die meisten NLD-Büros sind geschlossen worden, ebenso wie die Universitäten und Schulen im Land.

Suu Kyi und ihre Anhänger waren am 30.Mai in der Nähe von Monyiwa, rund 600 km nördlich von Rangun, in Auseinandersetzungen mit Junta-Anhängern geraten. Dabei wurde auch Suu Kyis Auto beschossen. Laut Militärangaben sind vier Menschen bei der Konfrontation ums Leben gekommen, 50 weitere wurden verletzt. Augenzeugen berichten von mindestens 60 Toten. Gerüchte darüber, dass Suu Kyi beim Angriff auf ihr Auto auch Verletzungen erlitten habe, wurden von Regierungskreisen geleugnet. 

Die Friedensnobelpreisträgerin und die anderen inhaftierten NLD-Mitglieder wurden inzwischen nach Rangun gebracht, wo sie sich in Schutzhaft befinden. 

In den letzten Wochen während Suu Kyis längster politischer Reise in den Norden des Landes war es immer wieder zu Auseinandersetzungen zwischen der staatsnahen Wohlfahrtsorganisation Union Solidarity Development Association (USDA) und Anhängern Suu Kyis gekommen. Diese letzte große Konfrontation soll von der USDA provoziert worden sein. 

Auch auf den vorherigen politischen Reisen, die vor allem zur Mobilisierung der Bevölkerung und der Öffnung neuer NLD-Büros dienten, hatte es immer wieder Zwischenfälle und Störungen gegeben und wurden Anhänger der NLD-Führerin daran gehindert, ihren Ansprachen beizuwohnen. 

Die sich zuspitzende innenpolitische Lage hatte ihren vorläufigen Höhepunkt erreicht als Aung San Suu Kyi Ende April den Generälen öffentlich vorgeworfen hatte, gar nicht an einem politischen Dialog und der Lösung der innerpolitischen Probleme interessiert zu sein. 

In der Tat lassen die jüngsten Ereignisse die ohnehin sinkenden Hoffnungen auf eine friedliche Lösung der politischen Sackgasse, auf Versöhnung und demokratischen Übergang noch mehr schwinden. Sie beenden ein Jahr der Bewegungsfreiheit der Oppositionsführerin nach Aufhebung des Hausarrests am 6.Mai 2002 sowie der wieder zunehmenden politischen Aktivitäten der NLD. Die NLD hatte bei den Wahlen von 1990 einen landesweiten Sieg errungen, wurde jedoch an der Ausübung ihres Mandats gehindert.

Verschiedene Stimmen gehen davon aus, dass die Militärführung in Rangun - ungeachtet der internationalen Kritik an einer solchen Handlung - dem starken Zulauf der Bevölkerung zu Suu Kyi und der NLD auf ihren Reisen ein Ende bereiten wollte. Dieser Zulauf hätte im Zusammenhang mit der Bankenkrise in den ersten Monaten des Jahres und der angespannten wirtschaftlichen Lage im Land zu viel Zündstoff für Massenunruhen geboten. 

Andere sehen in der Inhaftierung einen weiteren Akt im Kampf der Hardliner gegen die Softliner in der Militärjunta. Wurde vor einem Jahr die Aufhebung des Hausarrests als Sieg der Reformkräfte innerhalb der Regierung interpretiert, haben die Hardliner, unter Führung des obersten Staatschefs Than Shwe, nun wieder Oberhand gewonnen. Sie bestätigt die Vermutung, dass Than Shwe an einer Versöhnung oder Gesprächen mit der Oppositionsführerin wenig bis gar nichts liegt.

Der UNO-Generalsekretär Kofi Annan äußerte seine Besorgnis, bestätigte aber, dass die für den 6. Juni geplante zehnte Reise des malaysischen UN-Sonderbotschafters Razali Ismail nach Burma stattfinden werde. Razali hatte sich in den vergangenen Monaten redlich bemüht, den Versöhnungsprozess zwischen SPDC und Opposition wieder aufleben zu lassen. Nicht zuletzt seinem Engagement war es zu verdanken, dass es vor zweieinhalb  Jahren überhaupt zu ersten vertrauensbildenden Gesprächen zwischen beiden Seiten gekommen war. Allerdings zeigte er sich zunehmend frustriert über den mangelnden politischen Fortschritt und schloss auch eine Niederlegung seines Mandats nicht aus. Razalis Reise am Freitag ist die erste seit sechs Monaten, doch die Junta in Rangun hat schon deutlich gemacht, dass ein Besuch bei der inhaftierten Oppositionsführerin so gut wie ausgeschlossen sei. 

Verschiedene europäische Regierungen, darunter auch die Bundesregierung, sowie die Europäische Union, Australien, die USA und Japan haben die Inhaftierungen verurteilt und die sofortige Freilassung Suu Kyis und ihrer Parteikollegen gefordert. 

Auch Thailand hat das Vorgehen des SPDC gegen die demokratischen Kräfte kritisiert und vor den negativen Auswirkungen möglicher Unruhen in Burma auf Thailand und die ganze Region gewarnt. 

Von den anderen Nachbarn ist nicht viel Kritik zu erwarten. Bis auf eine Anfrage zur Aufklärung der Vorfälle in Burma halten sich die ASEAN-Staaten an ihre Nicht-Einmischungspolitik. Darüber hinaus hat sich Burma in den vergangenen Monaten bemüht, die Beziehungen zu v.a. Bangladesh, Indien und China zu verbessern und neue Wirtschaftsabkommen geschlossen. Diese gerade gestärkten Beziehungen vor allem zu Bangladesh und Indien sollen nun mit Sicherheit nicht durch kritische Stellungnahmen  gefährdet werden.  

Schon werden Rufe nach neuen Sanktionen laut. Doch z.B. das bestehende Waffenembargo der EU zu verschärfen ist angesichts der neuen Waffenlieferungen Indiens und Russlands effektlos. Die EU könnte die für den Herbst angedrohte Verschärfung ihrer Sanktionen (Waffenembargo, Erweiterung des Visa-Banns für Militärangehörige und deren Familien, Einfrieren der Konten hier) vorziehen und um echte Wirtschaftssanktionen wie einen Investitions- und Importbann erweitern. 

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