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Asienhaus-Rundbrief 2/2006, 27.1.2006

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In Kürze:
1) NRW-FDP: Rikscha-Ausstellung des Asienhauses "Verschwendung von Steuermitteln" 
2) Neue Bildungsmaterialien zu Bangladesch

3) ASIEN 98 erschienen

4) Newsletter "Asien im Ruhrgebiet" - Neu aus dem Asienhaus

5
) Hintergrund: Der Wiederaufbau von Ko Phi Phi (Südthailand)

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Leserumfrage zum Asienhaus-Rundbrief: Nehmen Sie sich 2 Minuten Zeit! 

ad 1) NRW-FDP: Rikscha-Ausstellung des Asienhauses "Verschwendung von Steuermitteln"
Kontakt: klaus.fritsche@asienhaus.de, zur Kurzdokumentation

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Auf dem Neujahrsempfang am 15. Januar nahm Dr. Gerhard Papke, Vorsitzender der FDP-Fraktion im NRW-Landtag die Förderung der Eine-Welt-Arbeit durch die NRW-Stiftung Umwelt und Entwicklung ins Visier. Eines der Projekte, die ihm ein Dorn im Auge waren: die zwischen 2002 und 2004 vom Asienhaus gezeigte Rikscha-Ausstellung. Dabei handele es sich, so Papke, um Verschwendung von Steuergeldern. Und der FDP-Abgeordnete Holger Ellerbrock setzte am 24.1. in der BILD nach: "Der Etat der Stiftung sollte nicht um, sondern auf 10 Prozent gekürzt werden."

Mit diesen Angriffen will die FDP offensichtlich der öffentlichen Förderung der Eine-Welt-Arbeit in NRW an den Kragen. NRW galt lange als Musterland für die Förderung des Eine-Welt-Gedankens. Gefördert wurden Promotoren in verschieden Städten und zu verschiedenen Themen, deren wichtigstes Ziel es war, verschiedene Aktivi­täten im Bereich Umwelt und Entwicklung zu bündeln und zu vernetzen. Zudem wurden Kommunen in Abhängigkeit von der Zahl der Einwohner Mittel für lokale Arbeit zur Verfügung gestellt.

Nachdem diese Programme schon im letzten Haushalt der rot-grünen Landes­re­gierung erheblich gekürzt worden sind, stehen unter der neuen schwarz-gelben Koalition weitere tiefgehende Einschnitte bevor und gefährden die Arbeit vieler Initiativen. Aber bisher scheint die neue Landesregierung von einer vollständigen Streichung der Mittel abzusehen. Dies scheint der FDP nicht weit genug zu gehen. So sind die jetzt begonnenen Angriffe als Versuch zu sehen, im Zuge der zur Zeit stattfindenden Haushaltsdiskussionen Nägel mit Köpfen zu machen und die Förderung der Eine-Welt-Arbeit vollständig zu liquidieren. 

Dabei greifen die FDP-Vertreter zu Unterstellungen und Halbwahrheiten. Dies gilt sowohl für die öffentliche Beschreibung einzelner Projekte wie für die Behauptung, dass die „NRW-Stiftung Umwelt und Entwicklung“ Mittel aus Steuergeldern erhält. In einer Presseerklärung vom 19.1.2006 wies die Stiftung deshalb darauf hin, dass sie nicht aus dem Landeshaushalt NRW gespeist wird. Sie erhalte ihre Fördermittel in Höhe von ca. fünf Millionen Euro jährlich vielmehr aus den Erträgen der Oddset-Wette, die lediglich über die Landesregierung zugewiesen werden. 

Bemerkenswert bei all diesen Angriffen ist der Verzicht der FDP auf inhaltliche Argumente für oder gegen die Förderung der Eine-Welt-Arbeit und welchen Beitrag dieses für die Stärkung der interkulturellen Zusammenarbeit, der Integration von Migranten und Migrantinnen in die deutsche Gesellschaft und die Stärkung des Ehrenamtes in unserer Gesellschaft leistet. 

Das Asienhaus hat in einem offenen Brief an Dr. Papke diese Vorwürfe zurückgewiesen und ruft Sie auf, gegen diese Angriffe Stellung zu nehmen und sich für den Erhalt der Förderung der Eine-Welt-Arbeit in NRW einzusetzen. Eine Kurzdokumentation, die eine Meldung von dpa, Presseerklärungen des Asienhauses und der NRW-Stiftung Umwelt und Entwicklung sowie den offenen Brief des Asienhauses an Dr. Papke enthält, steht für Sie auf unserer Webseite zur Verfügung. Klicken Sie hier!

ad 2) Neue Bildungsmaterialien zu Bangladesch
Bestellung: netz@bangladesch.org  

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NETZ, Partnerschaft für Entwicklung und Gerechtigkeit, stellt neue entwicklungspolitische Bildungsmaterialien zu Bangladesch zur Verfügung. 

ad 3) ASIEN 98 erschienen 
Bestellung: post@asienkunde.de, zum Inhaltsverzeichnis und Bestellmöglichkeiten

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Die ASIEN-Ausgabe 98 bietet dieses Mal drei referierte wissenschaftliche Artikel zu den ostasiatischen Themen "Gesellschaftliche Heterogenität, Staat und Demokratie in Ostasien: Ein statistischer Ländervergleich", "Towards the End of a Long Journey: Assessing the Debate on Taiwanese Nationalism and National Identity in the Democratic Era" und "Erwachsenenbildung in Süd-Korea". In der Rubrik "Asien aktuell" werden mit dieser Ausgabe so unterschiedliche Themen wie "Der zerplatzte Traum: Ein japanischer Dauersitz im VN-Sicherheitsrat ist nicht in Sicht", "Dunkelheit am Ende des Tunnels? Der politische Machtkampf in den Philippinen" und die "Wahlen in Afghanistan" eingehend analysiert.

Konferenzberichte und Rezensionen sowie Hinweise zur neueren Literatur Asiens und asien- sowie diesmal auch chinarelevante Informationen runden die Ausgabe ab. Wie immer findet sich in der Januarausgabe das komplette Inhaltsverzeichnis des abgelaufenen Jahres. Die Inhaltsverzeichnisse und Abstracts der Zeitschrift ASIEN (1981-2006) sind auch komplett online gestellt. Unter http://www.asienkunde.de/asienzeitschrift/index.html  finden Sie neben den Verzeichnissen auch die Möglichkeit der Online-Nachbestellung. Ein Einzelheft kostet 12,50 € zzgl. Porto.

ad 4) Newsletter "Asien im Ruhrgebiet" - Neu aus dem Asienhaus
Zum Bestellformular: www.asienhaus.de/ruhr/ruhrgebiet.htm 

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Um den Asienhaus-Rundbrief, der von Interessierten in ganz Deutschland gelesen wird, von Informationen zu entschlacken, die außerhalb des Ruhrgebiets nicht von Interesse sind, haben wir uns zu einem neuen Newsletter entschlossen, mit dem sich zielgerichtet Asien-Interessierten aus dem Ruhrgebiet über asienbezogene Aktivitäten in der Region informieren können. Dieser neue Newsletter wird vorerst je nach Bedarf erscheinen.

Wenn Sie den Rundbrief abonnieren wollen, gehen Sie auf www.asienhaus.de/ruhr/ruhrgebiet.htm.  

ad 5) Hintergrund: Der Wiederaufbau von Ko Phi Phi
von Martin Friese und Evelin Selau (Text als pdf-Datei)

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Ein Jahr nach dem Tsunami stellt sich auch in Südthailand die Frage, welche Ziele mit dem Wiederaufbau verbunden sind. Der folgende Artikel analysiert die Entwicklungen und gesellschaftlichen Auseinandersetzungen am Beispiel von Ko Phi Phi. Martin Friese ist Doktorand am Institut für Geographie der Universität Münster und promoviert über Tourismuskonflikte in Thailand. Evelin Selau studierte Geographie, Anglistik und Soziologie an der Universität Heidelberg. In ihrer Diplomarbeit beschäftigte sie sich mit den Akteuren und Problemen der Tourismusentwicklung auf Ko Phi Phi vor dem Tsunami Wir danken den Herausgebern von Pacific News für die Nachdruckerlaubnis. 
In der gleichen Ausgabe der Pacific News findet sich ebenfalls ein interessanter Artikel zu "Thailand's Tourism Industry after the Tsunami".

Ko Phi Phi: Das Tropenparadies

Bis zur Tsunamikatastrophe vom 26.12.2004 war die Insel (thailändisch „Ko“) Phi Phi nicht nur Inbegriff eines „Tropenparadieses“, sondern auch ein Paradebeispiel für die ökologischen Negativwirkungen der sich äußerst dynamisch entwickelnden thailändischen Tourismusindustrie. Das noch 1980 isolierte, von äußeren Einflüssen weitgehend abgeschnittene, und nur von wenigen Individualtouristen besuchte Phi Phi machte insbesondere ab Ende der 1980er Jahre eine rasante Entwicklung durch und reifte innerhalb weniger Jahre zu einer international etablierten Tourismusdestination heran. Im Jahre 2004 zählte die thailändische Tourismusbehörde (TAT) 400.000 Besucher auf der Insel. Die stürmische Entfaltung des Tourismus auf Ko Phi Phi blieb nicht ohne Folgen. Die illegale Bebauung von Strandgrundstücken und Landkonflikte zwischen Einheimischen, Investoren und der staatlichen Forstbehörde (RFD) nahmen zu. Der Ausbau der notwendigen Ver- und Entsorgungsinfrastruktur konnte mit der zügig vorangetriebenen Ausweitung des Tourismus zu keinem Zeitpunkt Schritt halten. Die Einleitung ungeklärter Abwässer ins Meer, Wassermangel, Müllprobleme sowie eine extreme bauliche Verdichtung ließen Ko Phi Phi immer mehr als „Slum“ erscheinen. Zwar wurden von der TAT und anderen Regierungsbehörden immer wieder Pläne erarbeitet, mit deren Hilfe die unkontrollierte Entwicklung in geregelte Bahnen gelenkt werden sollte. Deren konsequente Umsetzung scheiterte jedoch unter anderem an den vor Ort herrschenden Machtstrukturen sowie an den wirtschaftlichen Interessen lokaler Schlüsselakteure.

Ko Phi Phi, der Tsunami und die Vision vom geregelten Wiederaufbau 

Der Tsunami setzte der rasanten Entwicklung des Tourismus auf der Insel ein abruptes Ende. Zwar blieben die Strände an der Ostküste der Insel von den Flutwellen weitgehend verschont. Das auf einem schmalen Isthmus gelegene „Zentrum“ der Insel, das „Tonsai Village“, wurde jedoch völlig verwüstet (Foto 1). 956 Gebäude bzw. 80% der Bausubstanz, wurden komplett oder teilweise zerstört. Die geschätzten Schäden beliefen sich auf über 5 Mrd. Baht. Offiziellen Angaben zufolge starben mindestens 753 Menschen, über Tausend werden bis heute vermisst. Noch unter dem Schock der Katastrophe setzte in der thailändischen Öffentlichkeit eine Debatte darüber ein, wie mit den zerstörten Touristenzentren weiter zu verfahren sei. Mit Blick auf die vor dem Tsunami in vielen Fremdenverkehrsdestinationen begangenen Umweltsünden lautete der Titel eines Kommentars in der thailändischen Tageszeitung „The Nation“ am 08.01.2005: „There has never been a better time for righting wrongs.“ Für den weitgehend zerstörten Isthmus von Ko Phi Phi galt dies nach dem Tsunami in besonderer Weise. Bereits zwei Tage nach dem Tsunami teilte der thailändische Umweltminister Suwit Khunkitti mit, dass sein Ministerium fest entschlossen sei, „Ordnung“ in den von den Flutwellen betroffenen Gebieten herzustellen. Resorts, die auf den Stränden illegal errichtet worden waren, sollten nicht wieder aufgebaut werden. Am 12.01.2005 legte das Department of Public Works and Town and Country Planning einen Planungsentwurf zur Rehabilitation Ko Phi Phis vor. Kernpunkt dieses Planes war ein sog. „Land Readjustment Scheme“, das im Zuge des „Katastrophenschutzes“ und eines geregelten Wiederaufbaus eine Flächennutzungszonierung die Umsiedlung der Inselbevölkerung auf höher gelegenes Gelände, sowie die Überführung großer Teile des Isthmus in öffentliche Freiflächen vorsah. Zur Durchsetzung der Planungen schlug der Entwurf neben einem Aufkauf von Flächen durch die Regierung und Flächentausch notfalls sogar Enteignungen vor.

Das zerstörte „Tonsai Village“ als „Schlachtfeld“ unterschiedlicher Akteursinteressen

Ob solche Planungen eines „geordneten Wiederaufbaus“ politisch durchsetzbar sind, ist allerdings fraglich. Im Laufe der touristischen Entwicklung Ko Phi Phis bildete sich ein in sich gefestigtes lokales Akteursnetzwerk aus einheimischer Elite, Provinzpolitikern und Investoren heraus, welches große Teile der Einnahmen aus dem Tourismus unter sich aufteilte. Zwar wurde ein Großteil der Bausubstanz auf Ko Phi Phi zerstört oder beschädigt – doch die Netzwerke der Schlüsselakteure haben Bestand. Jede von Bangkok angeordnete Veränderung des Status Quo berührt zwangsläufig deren wirtschaftlichen Interessen – und diese werden ihre „Pfründe“ und ihre lokalen Machtpositionen nicht kampflos aufgeben. Die „Pfründe“ sind vor allem an Landbesitz gekoppelt, und Land gibt es auf Ko Phi Phi nur wenig: Der Isthmus der Insel hat eine Fläche von gerade einmal 280 rai (1 rai = 1.600m2), die weniger als 30 Landbesitzer unter sich aufteilen. Der Hauptteil der verfügbaren Flächen liegt im Besitz von nur 3-4 Schlüsselakteuren: Der Chao Koh Clan, eine Großfamilie aus Ko Phi Phi, besitzt bzw. kontrolliert neben zahlreichen Resorts auch mehrere Tauchschulen, Restaurants, Reisebüros sowie Anteile an der Fährgesellschaft nach Krabi. Die größte und gleichzeitig älteste Hotelanlage im „Tonsai Village“ sowie fast die gesamte westliche Hälfte des Isthmus gehören einem lokalpolitisch sehr einflussreichen Provinzpolitiker. Weitere ausgedehnte Grundstücke, zahlreiche Ladenzeilen sowie zwei Hotelanlagen befinden sich im Besitz einer wohlhabenden Investorin aus Hat Yai. Auch der Dorfbürgermeister besitzt größere Flächen Land und ein kleines Hotel. Ihre Einnahmen erzielten diese Akteure nicht nur aus eigenen Investments in der Tourismusindustrie, sondern auch durch die Verpachtung ihres Grundbesitzes: Die Mehrzahl der touristischen Einrichtungen auf Ko Phi Phi, die durch den Tsunami zerstört wurden, wurde auf ihrem Land errichtet. Die Pächter dieser Flächen verfügen nicht nur über gültige, z.T. langfristige Mietverträge, sondern sind teilweise durch klientelistische Strukturen an den Landbesitzer gebunden.

Der schwierige Wiederaufbau als räumlicher Konflikt zwischen Regierung, Landbesitzern und Provinzpolitikern

Die Reaktionen auf die Pläne der Regierung waren auf lokaler Ebene dementsprechend heftig. Der Bürgermeister vom Tonsai Village zeigte zwar Verständnis für den Plan der Regierung, die Flächen auf dem Isthmus teilweise für eine öffentliche Nutzung freizugeben. Gleichzeitig betonte er jedoch, dass er legale Verfügungsrechte über sein Land besitze und nicht bereit sei, das „Land seiner Ahnen“ vollständig zu opfern. Auch der Vorsitzende der Provinzbaubehörde betonte, dass Land auf Ko Phi Phi teuer sei, und die einheimischen Akteure nicht dazu bereit seien, dies zu verkaufen. Am 07.03.2005 marschierten 30 lokale Akteure zum Regierungsgebäude in Bangkok und forderten Premierminister Thaksin Shinawatra auf, die Pläne zur Umsiedlung und Enteignung der Insulaner fallen zu lassen. Einer der Protestler sagte im Interview mit der Zeitung „The Nation“: „This is a conspiracy by civil servants, politicians and investors to take advantage of villagers' woes [...]. We are now facing a second Tsunami (08.03.05).“

Ob es sich bei den Plänen der Regierung tatsächlich um eine „Verschwörung“ handelt, sei dahingestellt. In Wahrheit dürfte es bei den Auseinandersetzungen zwischen der Regierung und den lokalen Netzwerken jedoch um weit mehr gehen, als um die Neuordnung der Landflächen aus Gründen des Umweltschutzes oder dem Schutz vor neuen Tsunamis. Die Zentralregierung versucht seit Jahren, zahlungskräftige “Qualitätstouristen” (vgl. hierzu den Beitrag von CHAIPAN & CHAIPAN in diesem Heft) ins Land zu locken und setzt dabei vor allem auf Großinvestoren. Durch ein “Land Readjustment Scheme” könnte sich die Regierung Zugriff auf große Teile des Isthmus verschaffen und diese Flächen an Investorengruppen verpachten (The Nation vom 08.03.05). Für die lokalen Akteure hingegen würde eine Neuordnung der Landbesitzstrukturen nicht nur den Verlust eines erheblichen Teils ihrer Mieteinnahmen, sondern auch die Beschneidung ihrer Machtpotenziale durch einflussreiche Akteure aus Bangkok bedeuten.

Die Strategie der Regierung – Verzögerungstaktik und die Kräfte des Marktes

Der thailändischen Regierung scheint mittlerweile klar geworden zu sein, dass ein zu offensives „Durchgreifen“ des Staates auf Ko Phi Phi politisch nicht durchsetzbar ist. Dafür ist der Einfluss der lokalen Schlüsselakteure zu groß. Es hat vielmehr den Anschein, dass Bangkok nunmehr indirekte Strategien verfolgt und vor allem auf die Mechanismen des Marktes setzt, um den Einfluss der örtlichen Akteure zurückzudrängen. Bereits wenige Tage nach dem Tsunami wurde ein Baustopp verhängt, und seither warten die Akteure vor Ort vergeblich auf den lange angekündigten Masterplan zum Wiederaufbau der Insel. Dieser wurde Ende Oktober für den Januar 2006 angekündigt – mehr als ein Jahr nach dem Tsunami. Solange dieser Plan nicht in Kraft ist, können die lokalen Akteure ihre zerstörten Betriebe nicht wieder aufbauen. Für die auf Ko Phi Phi verbliebenen Geschäftsleute bedeutet das: Eine ungewisse Zukunft und keine Einnahmen. Nur diejenigen Akteure mit Ausdauer und genügend finanziellen Ressourcen werden sich auf Ko Phi Phi halten können. Alle anderen werden vom Markt verschwinden und ihr Land, falls noch nicht geschehen, wird in den Besitz einflussreicherer Akteure übergehen. Die Aussage des Leiters des für die Insel zuständigen Sub-Distrikts Ao Nang bestätigt diese Annahme: „Local residents are worried,“ [...] "We fear the new town plan, which has proceeded at a snail's space, may benefit outside investors rather than local operators and residents who need it most." (Bangkok Post vom 14.10.05).

Hi Phi Phi –  Vertreter lokaler Interessen und „Gegengewicht“ zur Regierung

Interessanterweise sind es weder die Provinzpolitiker, noch lokale Akteure, die der Zentralregierung bei der Umsetzung ihrer Pläne am wirkungsvollsten entgegentreten. Es sind Ausländer. Schon kurz nach der Katastrophe trafen verschiedenste private Hilfsinitiativen auf Ko Phi Phi ein oder wurden von ausländischen Kleininvestoren vor Ort gegründet. Im Januar 2005 schlossen sie sich unter dem Dach der Initiative Help International Phi Phi („Hi Phi Phi“) zusammen. Wenige Tage nach dem Tsunami konnte man in den Guesthouses in Krabi und anderen Backpackerzentren Aushänge lesen, in denen freiwillige Helfer für den Wiederaufbau Ko Phi Phis gesucht wurden. In Backpackerkreisen sprach sich dieses „Angebot“ schnell herum. In den Monaten nach dem Tsunami räumten die Freiwilligen nicht nur hunderte Tonnen Trümmer beiseite, sondern reparierten die Schule, das Inselkrankenhaus, legten Wege an und pflanzten Palmen. Fast wichtiger noch als diese direkte Hilfen sind die indirekten Auswirkungen des Engagements von „Hi Phi Phi“. Während Bangkok noch immer an Wiederaufbauplänen feilt, arbeitet „Hi Phi Phi“ aktiv an der Revitalisierung der Insel und unterstützt damit indirekt ausgerechnet die schwächeren Akteure, welche die Regierung wohl am liebsten von der Insel verdrängen würde. Das Heer der Freiwilligen stellt nicht nur ihre Arbeitskraft kostenlos zur Verfügung, sondern gibt auch eine Menge Geld aus. Auf Plakaten fordern die Macher der Initiative „volunteers“ und Touristen auf: „You can help just by buying something from the SMALL shops!“.

Selbst die Regierung erkennt das Engagement von „Hi Phi Phi“ inzwischen an - denn deren Aktivitäten bringen Ko Phi Phi zurück auf die touristische Landkarte. Die Besucher und Helfer, die angetrieben von einer Mischung aus Katastrophentourismus und Hang zum „volunteering“ die Insel seit dem Tsunami bereist haben, sind wohl das beste Marketing, das sich die Regierung wünschen kann. Sie alle haben gesehen, dass es mit Ko Phi Phi wieder aufwärts geht und werden ihre positiven Erlebnisse auf der Insel in ihren Heimatländern weitererzählen. In Flugblättern und in Aufrufen an die Reiseveranstalter verbreitete „Hi Phi Phi“ schon sechs Monate nach dem Tsunami: „Phi Phi island is open to visitors! After a massive effort by the local Thai community and over 2000 foreign volunteers, Ko Phi Phi has risen from the waves of Dec. 26th 2004. Ko Phi Phi is a paradise rediscovered. We invite you to be part of that discovery. Help Phi Phi by visiting now!“ Das Echo der internationalen Medien über „Hi Phi Phi“ ist bis heute gewaltig. Der von Bangkok entsandte Provinzgouverneur Krabis verlieh der Initiative bislang drei „certificates of recognition“.

Ausblick

Viele Akteure, die vor dem Tsunami auf Ko Phi Phi investiert hatten, sind bereits verschwunden. Der Landbesitz schwächerer Akteure ohne finanzielle Rücklagen wird wahrscheinlich nach und nach in den Besitz finanzkräftigerer Akteure übergehen. „Hi Phi Phi“ vereinigte und organisierte die Interessen der Akteure vor Ort und bildete in gewisser Weise ein Gegengewicht zu den Planungen Bangkoks. In den Worten eines einheimischen Resortbesitzers ausgedrückt heißt das: „Hi Phi Phi gave us hope!“. Langfristig gesehen wird der Wiederaufbau Ko Phi Phis wohl ein Kompromiss zwischen den Planungen der Zentralregierung und den Interessen der verbliebenen Akteure vor Ort sein.

Literatur:
Marshall, A.
(2005): Help International Phi Phi. Paradise Resurrected. – In: Time Asia vom 03.10.2005
McGowen, K. (2005): Rebuilding Thailand’s Dream Island. – In: BBC News vom 18.03.2005
Selau, E. (2005): Akteure und Probleme der Tourismusentwicklung auf Ko Phi Phi, Südthailand. Eine handlungsorientierte geographische Untersuchung. Unveröffentlichte Diplomarbeit am Geographischen Institut der Universität Heidelberg

Internet
Help International Phi Phi (www.hiphiphi.com)
Bangkok Post (www.bangkokpost.com), verschiedene Ausgaben
The Nation (www.nationmultimedia.com), verschiedene Ausgaben

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