Sie können den Text nicht lesen? Klicken Sie hier!

Asienhaus-Rundbrief 2/2009, 19.2.2009
Ziel 5.000 Euro-Stand 615 Euro. Helfen Sie, das Ziel zu erreichen. Hier klicken.  

--------------------------------------------------------------------------------------
In Kürze:
1) Anke-Reese-Stipendium zum sechsten Mal vergeben
2) 27.-29.3.: Erneuerbare Energien in den Philippinen
3) Kambodscha: Prozess gegen Rote Khmer von Korruptionsvorwürfen begleitet
4.) Kenneth Flemming: Reflektionen zu einem Besuch in Burma/Myanmar
5.) Sri Lanka: Der Bürgerkrieg eskaliert
 
--------------------------------------------------------------------------------------

ad 1) Anke-Reese-Stipendium zum sechsten Mal vergeben
Kontakt: Klaus.Fritsche@asienhaus.de,
Online-Spende für das Stipendium

Zurück

 

Mitte Februar wurde zum sechsten Mal das Anke-Reese-Stipendium vergeben, mit dem Praktika junger Menschen in einer asiatischen NRO unterstützt werden. Dieses Jahr fiel die Entscheidung auf Stephanie Peter, die für sechs Monate das Projekt "Growing Together" in Yangon (Burma) unterstützt. Es handelt sich dabei um eine Organisation, die Vorschulkindern aus einkommensschwachen Familien Betreuung und Unterricht in englischer Sprache anbietet.

 

Finanziert wird dieses Stipendium z. Zt. mit 990 Euro. Dies sind die Erträge aus der Anlage der seit 2003 erhaltenen Spenden, die in einem Sondervermögen der Asienstiftung angelegt sind. D.h., jede Spende ist auf Dauer angelegt, nur die Erträge werden ausgegeben. Mit einer Spende fördern Sie als dauerhaft. Machen Sie mit, damit wir im nächsten Jahr die Höhe des Stipendiums weiter erhöhen können. (Hier finden Sie einen Überblick über die Wertentwicklung dieser Anlagen.) 

 

 

ad 2) 27.-29.3.: Erneuerbare Energien in den Philippinen
Kontakt: philippinenbuero@asienhaus.de, Programm und Anmeldeformular 

Zurück

 

"Power to the People". Unter diesem Titel findet das Jahresseminar 2009 des philippinenbüro e.V. im Asienhaus und des Partnerschaftsseminars der VEM vom 27.-29. März 2009 in der  Ökumenische Werkstatt Bethel (Bielefeld) statt. Die Tagungsgebühr beträgt: 90 Euro für Verdienende und 45 Euro für Geringverdiendende. ReferentInnen sind u.a. Cathrine Maceda, Alternative Energy Coalition, Philippinen; Jürgen Maier, Stiftung Umwelt und Entwicklung undJudith Meyer-Kahrs, Infostelle Klimagerechtigkeit.

 

Die Philippinen haben kaum nennenswerte Vorkommen fossiler Energieträger, jedoch ein großes Potential an erneuerbaren Energien. Ebenfalls wurde im Dezember 2008 das Renewable Energy Law, das philippinische Erneuerbare Energien Gesetz (EEG) unterzeichnet. Aktivisten/innen hatten dies zuvor seit vielen Jahren gefordert.

Vor diesem Hintergrund wird das Seminar einen differenzierten Einblick in die Diskussionen um erneuerbare Energien in den Philippinen geben und diese Diskussionen mit den hiesigen in Verbindung bringen. Mit Cathrine Maceda ist es uns gelungen eine wichtige Persönlichkeit der philippinischen Umweltbewegung einzuladen. Gemeinsam mit weiteren hochkarätigen Experten aus Deutschland werden wir so die wichtigen Fragen diskutieren können.

Der Spaß bleibt dabei wie üblich nicht auf der Strecke und für lustige Abendunterhaltung wird gesorgt sein! Wir freuen uns auf ein Wiedersehen und Kennenlernen!

 

ad 3) Kambodscha: Prozess gegen Rote Khmer von Korruptionsvorwürfen begleitet
von Robert Luchs

Zurück

Phnom Penh – Der erste Prozess gegen einen führenden Vertreter der Roten Khmer  vor dem internationalen Tribunal in Kambodscha wird von massiven Korruptionsvorwürfen überschattet. Mehrere Menschenrechtsorganisationen haben nicht nur kambodschanischen Juristen, sondern auch der Verwaltung des Tribunals finanzielle Unregelmäßigkeiten vorgeworfen. Gut unterrichtete Kreise in der Hauptstadt Phnom Penh schließen nicht aus, dass die Korruptionsvorwürfe sogar zu einem Scheitern des Tribunals führen könnten, das aus internationalen und kambodschanischen Juristen besteht. Kambodscha  wird von der Organisation Transparency International als eines der korruptesten Länder Asiens bezeichnet.

Über zweieinhalb Jahre nach Vereidigung der Richter begann am 17. Februar der Prozess gegen Kaing Guek Eav, genannt Duch, der während der Herrschaft der Roten Khmer von 1975 bis 1979 das berüchtigte Foltergefängnis Tuol Sleng in Phnom Penh leitete. Zwischen 15 000 bis 17 000 Menschen wurden Geständnisse erpresst, bevor sie auf den „Killing Fields“ vor den Toren der Hauptstadt umgebracht wurden. Der Prozess gegen Duch wird im März fortgesetzt, wobei der genaue Termin noch nicht feststeht.

Erst kürzlich wurde die Anklage gegen Duch (65) wegen „Verbrechen gegen die Menschlichkeit“ um die Tatbestände Mord und schwere Folter erweitert. Duch, der vor fast zehn Jahren festgenommen wurde, hat sich im Gegensatz zu anderen führenden Khmer Rouge zu seinen Taten bekannt und auch eingeräumt, viele der Ermordeten seien unschuldig gewesen. Nach seiner Festnahme hatte der gelernte Lehrer gesagt: „Es tut mir sehr leid, was damals passiert ist. Jetzt muss Gott über meine Zukunft entscheiden.“ Zunächst aber muss sich der Duch mit seinen irdischen Richtern auseinandersetzen. Seine Verteidiger werden ins Feld führen, dass es allen internationalen Standards widerspreche, dass ihr Mandant zehn Jahre ohne Anklage im Gefängnis gesessen habe. 

Vier weitere Ermittlungsverfahren gegen führende Köpfe der Roten Khmer sind eingeleitet worden. Es handelt sich um den damaligen Parlamentspräsidenten Nuon Chea, der auch Chefideologe des 1998 verstorbenen Anführers der Roten Khmer, Pol Pot, gewesen ist. Mit Nuon Chea werden sich außerdem der  frühere Außenminister Ieng Sary, dessen Frau Thirith und das damalige Staatsoberhaupt Khieu Samphan zu verantworten haben. 

Duch, zum Auftakt des Prozesses werden Zeugen gegen ihn benannt werden, gilt als eine der wichtigsten Schlüsselfiguren des Regimes, das vor über dreißig Jahren den „Steinzeitkommunismus“ erfand und die meisten Intellektuellen im Land ermorden ließ.  Fast zwei Millionen Kambodschaner kamen in dieser Schreckensperiode ums Leben; wer nicht erschlagen wurde, erlag Krankheiten oder verhungerte.

In entfernten Provinzen des südostasiatischen Landes leben noch heute zahlreiche Kader der Roten Khmer, unter falschem Namen und meist unerkannt. Sie werden sich nach einer vor Beginn des Tribunals getroffenen Vereinbarung zwischen den Vereinten Nationen und der kambodschanischen Regierung aller Voraussicht nach nicht vor Gericht zu verantworten haben. Seit sich allerdings immer mehr Opfer und auch Zeugen am Tribunal melden und eine Reihe von ihnen als Nebenkläger anerkannt worden sind, wächst der Druck auf die Ankläger; sollten neue Beweise gegen Khmer Rouge vorgelegt werden, werden die Staatsanwälte auf weitere Anklageerhebungen nicht verzichten können. 

Um so wichtiger ist Duch für die Ermittler, der an der Nahtstelle zwischen oberster Hierarchie der Roten Khmer und dem Sicherheitsgefängnis saß, wo die „Feinde“ des Regimes unter dem Vorwand, Spione zu sein, grausam gefoltert und umgebracht wurden. Als die Vietnamesen 1979 in Phnom Penh einmarschierten, fanden sie im Gefängnis Tuol Sleng nur noch sieben Gefangene lebend vor. 

Duch soll das Schreckensgefängnis mit eiskalter Präzision geleitet haben. Er führte sogar feste Tage für die Ermordung bestimmter Gruppen ein: für Frauen von „Feinden“, für deren Kinder, für Fabrikarbeiter. Sogar frühere Vorgesetzte ließ er umbringen. 

Bevor Duch zu den Roten Khmer stieß, verdiente er als seinen Lebensunterhalt als Mathematiklehrer. Er galt als freundlich und soll zahlreichen Studenten aus armen Familien geholfen haben. Nach dem Ende des Regimes hieß es, Duch sei tot. Erst 1999 wurde er von dem irischen Fotografen Nic Dunlop aufgespürt. Zum Christentum konvertiert, hatte der des Massenmordes beschuldigte Duch ausgerechnet für eine christliche Hilfsorganisation an der Grenze zu Thailand gearbeitet. 

Unterdessen ist das Ergebnis einer Untersuchung bekannt geworden, die ein Forscherteam der Universität Berkeley/Kalifornien mit Förderung des Deutschen Entwicklungsdienstes (DED) durchgeführt hat. Die Studie zeigt, dass mehr als zwei Drittel der Befragten die Einrichtung des Tribunals begrüßt. 74 Prozent der Befragten versprechen sich davon Gerechtigkeit für die Opfer der Khmer Rouge und ihre Angehörigen. 67 Prozent glauben, dass die Prozesse zur nationalen Versöhnung beitragen werden. Der Kenntnisstand ist allerdings nach wie vor gering: Nicht einmal zehn Prozent ist klar, dass bereits fünf ehemalige Führer der Roten Khmer angeklagt worden sind. 

ad 4) Kenneth Fleming: Reflektionen zu einem Besuch in Burma/Myanmar
Kontakt: Ulrike.Bey@asienhaus.de, Text als pdf-Datei 

Zurück

Vom 16.-27. Januar besuchte eine Gruppe deutscher Theologen und KirchenmitarbeiterInnen Burma. Ziel war das Myanmar Institute of Theology, der bekannteste Teil eines Komplexes von drei benachbarten theologischen Schulen auf dem „Seminary Hill“ in Yangons Insein-Distrikt. Hier erhalten viele Pastoren und Lehrer für die protestantischen Kirche Myanmars ihre theologische Ausbildung.

Angesichts der politischen Situation hatte diese Reise  zwei Ziele: sich im theologischen Austausch zu engagieren und ein Zeichen der Solidarität und des ökumenischen Anliegens zu setzen. Das Seminar fand mit Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der  verschiedenen theologischen Institute statt. Vorträge wurden von beiden Teilnehmerseiten zu einer Vielzahl von Themen vorgestellt. Das Spektrum reichte von einer Kritik an der Asian Development Bank bis zu theologischen Themen wie Kontextualisierung und interreligiösen Dialog.

Kenneth Fleming war Teil der Delegation und beschreibt seine Erfahrungen und Schlussfolgerungen dieser Reise. Hier geht es zum Bericht.

ad 5) Sri Lanka: Politische Gewalt eskaliert
von Peer Bruch
Text online auf suedasien.info

Zurück

 

Zwischen den Fronten. Der Bürgerkrieg in Sri Lanka macht Hunderttausende zu Flüchtlingen und lässt die politische Gewalt eskalieren

Die Armee Sri Lankas hat die Befreiungstiger von Tamil Eelam (LTTE) militärisch nahezu besiegt. Über 200.000 Zivilisten sind zusammen mit den letzten Kampfeinheiten der tamilischen Rebellen eingekesselt. Die in den vergangenen Monaten eroberten Gebiete und Städte sind teilweise so schwer zerstört, dass ein Großteil der Bevölkerung fliehen musste, aber weiterhin Übergriffen seitens der Kampfparteien ausgeliefert ist. Unabhängigen Beobachtern wird immer noch der Zugang in den von den Sicherheitsdiensten isolierten Nordostteil der Insel verwehrt. Lokale Mitarbeiter von Hilfsorganisationen berichten von katastrophalen Zuständen in den Flüchtlingslagern. Der vermeintliche Antiterrorkampf gegen die LTTE und angebliche Unterstützer führt zu einer landesweiten Eskalation der Gewalt und politische Morde fordern prominente Opfer.

Sri Lankas Verteidigungsstaatssekretär Gotabaya Rajapaksa war ungehalten, er wollte sich seinen Sieg über die Rebellen der Befreiungstiger von Tamil Eelam (LTTE) nicht schmälern lassen. Der jüngere Bruder von Präsident Mahinda Rajapaksa drohte am 31. Januar 2009 in der Hauptstadt Colombo offen ausländischen Botschaftern, Medien und internationalen Organisationen mit „harten Konsequenzen“. Gerade jetzt, wo man „die Terroristen der LTTE endgültig zerschmettere“, handelten ausländische Kräfte seiner Meinung nach „unverantwortlich“. Der Tageszeitung The Island zufolge kritisierte Rajapaksa, dass UN-Hilfsorganisationen und das Internationale Rote Kreuz zusammen mit CNN, BBC und al-Jazeera in ihren Berichten das zivile Leid übertreiben würden. Ausländische Diplomaten, besonders der deutsche und der schweizerische Botschafter, versuchten mit ihrem Ruf nach Verhandlungen die LTTE künstlich am Leben zu halten.

Gerne hätten die Rajapaksas ihrem Land zum 61. Unabhängigkeitstag am 4. Februar den Sieg über die LTTE präsentiert, was einen großen Propagandacoup dargestellt hätte. In der Tat steht der militärische Konflikt im Nordosten des südasiatischen Inselstaates kurz vor einer wichtigen Zäsur. Die seit 1983 gegen die Regierung kämpfenden Tiger halten nach dem Verlust der Stadt Mullaitivu nur noch ein Gebiet von rund 140 Quadratkilometern – was ungefähr der Fläche Bonns entspricht. Auf dem Höhepunkt ihrer Macht hatten die LTTE dagegen rund ein Drittel der Insel kontrolliert und dort einen Parallelstaat aufgebaut. Die Tiger verfügten zeitweilig sogar über eine schlagkräftige Marine, 2002 war es ihnen gelungen, die Regierung zu einem Waffenstillstand zu bewegen.

Doch die Zeit arbeitete gegen die Tiger. Sie versäumten nicht nur, innertamilische Konflikte zu lösen, sondern verschärften sie durch den autokratischen Führungsanspruch der Clique um LTTE-Chef Velupillai Prabhakaran. Die Regierung wiederum verhinderte nach dem Tsunami von 2004 gezielt, dass die LTTE-Gebiete angemessene Hilfe bekamen. Hochrangige Tiger aus dem Osten stellten sich auf die Seite der Regierung, Prabhakarans Guerilleros wurden schrittweise zurückgedrängt, schließlich kündigte die Regierung im Januar vergangenen Jahres den Waffenstillstand offiziell auf.

Vormarsch der Armee löst Flüchtlingsdrama aus

Anfang dieses Jahres gelang es der Armee, die Stadt Kilinochchi, den Sitz der LTTE-Führung, einzunehmen. Danach ging es Schlag auf Schlag, am 25. Januar fiel Mullaitivu. Beide Städte sollen nahezu zerstört und die Bevölkerung größtenteils zur Flucht gezwungen worden sein. Unabhängige Berichte aus dem Nordosten der Insel gibt es kaum, da sowohl Medien als auch internationalen Beobachtern und Hilfsorganisationen wegen „Sicherheitsbedenken“ seit Monaten kein Zugang gewährt wird. Deren lokale Partner zeichnen ein düsteres Bild der Lage – die Infrastruktur sei weitestgehend zerstört, die Versorgungslage in den eroberten Gebieten mangelhaft. Es herrsche ein Klima der Angst, da die Armee und die mit ihnen verbündeten Milizen, Zivilisten als potenzielle Tiger oder deren Unterstützer betrachten.

Die Bevölkerung muss in Flüchtlingslager ziehen – oft unfreiwillig. Offiziell heißt es, nur so könnte derzeit ihre Versorgung gewährleistet werden. Von tamilischer Seite wird dies dagegen als Zwangsumsiedlung gewertet, da so langfristig die Selbstversorgung zerstört werden dürfte, weil die Äcker nicht mehr bestellt werden können. Da außerdem auch keinerlei Wartungs- und Wiederaufbaumaßnahmen an der Infrastruktur möglich wären, würde dies ein Leben in den bisherigen Siedlungen unmöglich machen. Berichten des LTTE-nahen TamilNet zufolge sollen Übergriffe auf die Zivilbevölkerung in diesen „Internierungslagern“ (detention camps) an der Tagesordnung sein. Am 8. Februar sprengte sich eine Attentäterin, die dem Militär zufolge den Black Tigers (den Selbstmordkommandos der LTTE) angehörte, an einem Kontrollpunkt vor einem der Lager in Visuamadu östlich der Stadt Kilinochchi in die Luft und tötete dabei 15 Soldaten und acht Zivilisten.

Zivilisten zwischen den Fronten

Äußerst dramatisch ist die Lage in den noch von den Tigern gehaltenen Gebieten. Diese bestehen überwiegend aus Dschungel und Sümpfen. Mindestens 2.000 Kämpfer haben sich dort verschanzt, darunter auch LTTE-Frauenregimenter sowie Kindersoldaten, die in den letzten Monaten wieder vermehrt rekrutiert worden sein sollen. Zwischen 200.000 bis 300.000 Zivilisten sollen dort zusammen mit ihnen eingekesselt sein. Die Armee weist zwar so genannte Schutzzonen aus, die jedoch kaum Sicherheit bieten. Die LTTE beschuldigt die Armee, Hospitäler und Schulen wiederholt mit Artillerie, Kampfhubschraubern und Bombern in diesen Gebieten anzugreifen. Das Militär hingegen wirft den Tigern vor, die Menschen als Schutzschild zu missbrauchen.

Nachdem in den vergangenen Wochen Hilfsorganisationen – trotz der bekundeten Absicht beider Kriegsparteien, zumindest einen schmalen Korridor entlang einer Straße ins umkämpfte Rebellenterritorium einzurichten – tagelang nicht mit Versorgungskonvois passieren konnten, gelang es dem UN-Flüchtlingshilfswerk am 29. Januar erstmalig, Nahrungsmittel in den Kessel hinein und hunderte Verletzte heraus zu bringen. Was sie über die dortige Lage berichteten, führte zu den kritischen Stellungnahmen hochrangiger UN-Mitarbeiter. Denen folgten Appelle zahlreicher Staaten, worauf die Regierung Sri Lankas mit der einseitigen Ankündigung einer zweitägigen Waffenruhe am 1. Februar reagierte, die jedoch nur wenige Stunden hielt.

Triumph der Hardliner

Präsident Mahinda Rajapaksa und sein Bruder Gotabaya sind zusammen mit Generalstabschef Fonseka die Hauptnutznießer der militärischen Erfolge. Die Armee hat sich inzwischen ein Fünftel des Staatsetats gesichert. Mit einer in der Geschichte der Insel einmaligen Propagandaschlacht gelingt es ihnen, von der anhaltenden Wirtschaftskrise und den sozialen Missständen abzulenken. Die größte Oppositionspartei UNP gratuliert kleinlaut zu den Siegen der Kriegsherren. Der Großteil der Medien schart sich im nationalistischen Siegestaumel um den Präsidenten und seine Gefolgsleute. Der ließ sich feiern, als er jüngst die Fernstraße über den Elefantenpass zur Halbinsel Jaffna wiedereröffnete, die seit Jahren geschlossenen war, weil sich die Tiger dort fest eingeigelt hatten.

Gerne sieht es die Regierung, wenn die Presse Bilder von sich ergebenden LTTE-Kämpfern zeigt, die freundlich von der Armee begrüßt werden. Man sieht Dutzende tote tamilische Tiger, die angeblich von ihren eigenen Leuten ermordet wurden, weil sie als Verletzte beim Rückzug hinderlich waren. Das Militär präsentiert nach Eroberung einer geheimen Werft der Rebellen Mini-U-Boote, welche die LTTE für Selbstmordmissionen gebaut hätte. Der Guerillaführer Prabhakaran soll sich mit einem der drei verbliebenen Kleinflugzeuge der AirTigers ins Ausland abgesetzt haben, der Armeeführung zufolge vermutlich in Richtung Malaysia. Die politische Führung der LTTE widerspricht dieser Darstellung vehement, bleibt aber seit Monaten Foto- oder Videobeweise schuldig.

Politische Gewalt gegen Kritiker

Es herrscht eine landesweite Sicherheitshysterie, unzählige Checkpoints beherrschen in Colombo und andernorts das Straßenbild. Nach einem nahen Sieg sieht das nicht aus, vielmehr nach einem konstanten Belagerungszustand. Immer wieder gelingt es Selbstmordattentätern der Tiger sich in die Luft zu sprengen. Zugleich sind auch andere Extremistengruppen aktiv, die Sprengfallen legen, auf missliebige Personen schießen oder sie verschwinden lassen.

Wer gegen die rücksichtslose Taktik der Militärs und der Milizen ist oder die teilweise mafiösen Querverbindungen zwischen Politikern und Extremisten kritisiert, wird schnell als Feind gebrandmarkt. Journalistenverbände werfen Regierungsmitgliedern vor, starken Druck auszuüben – und können dies durchaus mit aufgezeichneten Drohanrufen belegen. Immer wieder kursieren Listen mit so genannten Staatsfeinden. Seit 2006 wurden amnesty international zufolge 14 Journalisten in Sri Lanka ermordet. Keine dieser Taten wurde aufgeklärt, obwohl an jeder Ecke ein Uniformierter der Polizei oder Armee steht.

Der private TV-Sender Sirasa, dem wiederholt von Ministern der Regierung Parteilichkeit zugunsten der oppositionellen UNP vorgeworfen wurde, bekam am 6. Januar ungebetenen Besuch von einer Gruppe bewaffneter Männer, die einen Großteil der technischen Anlagen zerstörten und Feuer legten. Verteidigungsminister Rajapaksa präsentierte prompt wenige Tage später angebliche Beweise, dass diese Attacke von Sender selbst initiiert worden sei. Seiner Ansicht nach sei Sirasa zu einer „Stimme der Tiger“ geworden und wolle sich als Opfer stilisieren. Die Angestellten des Fernsehsenders wiederum berichten, dass die Attentäter in Beziehung mit dem Militär und den Sicherheitsdiensten stehen müssten, da sie mit Waffen und Sprengsätze aus deren Beständen ausgerüstet gewesen seien.

Tödliche Meinungsfreiheit

Wer versucht, das Regime mit den Kreisen gewalttätiger Extremisten in Verbindung zu bringen, die oft in einem Umfeld von ethnischen Nationalisten und organisierter Kriminalität sowie der Geheimdienste agieren sollen, muss um sein Leben fürchten. In Erwartung seiner eigenen Ermordung schrieb Lasanthe Wickrematunga, Chefredakteur des Sunday Leader, Anfang Januar den Artikel „Als sie mich holten“. Er stellt darin fest: „Kaum ein Beruf verlangt, dass man sein Leben für ihn lässt, das tut nur die Armee und, in Sri Lanka, der Journalismus.“ Der Artikel behandelt den Nexus von politischer Gewalt und den Terror der LTTE sowie des Staates. Dem Präsidenten, mit dem er bis dahin freundschaftlich verbunden war, obwohl er erst kürzlich über eine dessen Bruder betreffende Korruptionsaffäre berichtet hatte, warf er darin Scheinheiligkeit vor und warnte ihn zugleich, er könne selbst ein Opfer der Gewalt werden. Am 8. Januar wurde Wickrematunga auf offener Straße in seinem Fahrzeug erschossen, mitten in einem der Hochsicherheitsgebiete der Hauptstadt, am Sonntag darauf erschien sein Artikel posthum.

Ernüchternder Ausblick

Der militärische Erfolg nutzt allenfalls der Armeeführung und einigen Regierungspolitikern. Eine gerechte und dauerhafte Lösung für die Minderheiten, allen voran die Tamilen, scheint derzeit unwahrscheinlich. Die Wunden nach 26 Jahren Bürgerkrieg werden alsbald nicht verheilen. Es ist damit zu rechnen, dass die LTTE weiterkämpfen wird, wenn auch eher mit Guerillaattacken und Terroranschlägen. Die militärische Lösung des Konflikts wird von dem Fehlen eines politischen Masterplans konterkariert, der eine Partizipation und Aufarbeitung des gegenseitigen Unrechts einschlösse. Die humanitäre Lage der Flüchtlinge ist katastrophal, die Versorgung unzureichend und Sicherheit vor Gewalt und Beschuss vielerorts nicht gewährleistet – und von den Kampfparteien vermutlich nicht gewollt.

Der Kampf gegen die LTTE dient ebenfalls als Rechtfertigung, um regierungskritische Stimmen zum Verstummen zu bringen. Die Meinungsfreiheit wird stärker denn je bedroht. Wer sich gegen Gewalt und politischen Machtmissbrauch stellt, muss um sein Leben fürchten, egal ob Journalist, Menschenrechtler oder Gewerkschafter – wobei es längst nicht mehr nur um ethnische Zugehörigkeit oder Religion geht. Sri Lanka ist 61 Jahre nach seiner Unabhängigkeit noch weit von einer funktionierenden Demokratie und einem gerechten Frieden entfernt.

----------------------------------------------------------------------
Bücher im Internet bestellen - Das Asienhaus fördern!
siehe www.asienhaus.de/buchladen 
----------------------------------------------------------------------
Asienstiftung/Asienhaus, Bullmannaue 11, D-45327 Essen,
Tel.: +49-201-8303838, Fax: +49-201-8303830
weitere Kontakte unter www.asienhaus.de/ansprechpartner 
verantwortlich: Klaus Fritsche
----------------------------------------------------------------------
Zur Abbestellung klicken Sie hier
--------------------------------------------------------------------------------