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Asienhaus-Rundbrief 20/2006, 17.11.2006

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In Kürze:
1) Neujahrsgrüße aus dem Asienhaus
2) 20.1.07, Essen: Workshop zum Thema "Angriff aus Fernost?"

3) Ankündigung: "China und Südostasien"

4) Hintergrund: Öl - Segen oder Fluch für Kambodscha
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ad 1) Neujahrsgrüße aus dem Asienhaus

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Liebe Leserinnen und Leser,

Sie erhalten heute die letzte Ausgabe 2006 des Asienhaus-Rundbriefs. Diese Ausgabe möchten wir verbinden mit den besten Wünschen für ein frohes Weihnachtsfest und ein gutes Neues Jahr. 

Ich hoffe, Sie haben im vergangenen Jahr interessante Hinweise und Beiträge erhalten. Auch im nächsten Jahr werden wir dieses Angebot weiterführen und freuen uns über Ihr Interesse und Ihre Zusammenarbeit. 

Ich möchte aber auch die Gelegenheit nutzen, Sie zu bitten, die Herausgabe dieses Asienhaus-Rundbriefs durch Ihre Spende zu unterstützen oder Mitglied im neu gegründeten Förderverein Asienhaus eV zu werden (Unter www.asienhaus.de/foerderverein finden Sie die Satzung und ein Beitrittsformular). 

Mit herzlichen Grüßen aus dem Asienhaus
Klaus Fritsche
PS: Sie können hier über eine sichere Verbindung spenden.

ad 2) 20.1.07: Workshop zum Thema "Angriff aus Fernost?"
Kontakt: klaus.fritsche@asienhaus.de, zum Einladungsflyer/Anmeldeformular

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Am 11. September veröffentlichte der Spiegel seine Ausgabe mit der martialischen Titelseite „Angriff aus Fernost - Weltkrieg um Wohlstand“. Der Hauptartikel stammt von Gabor Steingart, Leiter des Spiegelbüros in Berlin, und fasst wichtige Bestandteile des gleichnamigen Buches „Weltkrieg um Wohlstand“ (Piper, Müncher 2006) zusammen. Seitdem hat sich eine ausführliche und kontroverse Diskussion über dieses Buch und seine Schlussfolgerungen entwickelt. Zur Diskussion dieser Frage siehe auch die Beiträge im Asienhaus-Blog und im Blog Stimmen-aus-China.

Artikel wie Buch stellen aber nur die Spitze des Eisberges dar. Die Diskussion über eine „chinesische“ bzw. „asiatische“ Bedrohung wird inzwischen weltweit geführt. Sie berührt dabei Bereiche, die weit über das unmittelbare Verhältnis zu China hinausgehen und grundlegende Fragen der weiteren globalen Entwicklung ansprechen.

Das Asienhaus lädt Sie deshalb ein, gemeinsam mit uns die Frage zu diskutieren, welche Herausforderungen sich aus dieser Debatte für die asienpolitische Arbeit ergeben und gemeinsam Ideen für Aktivitäten zu entwickeln.

Als Referenten haben wir bisher gewonnen: Dr. Hermann Halbeisen (Universität Köln und Kuratorium der Asienstiftung) und Shi Ming (Deutsche Welle, Köln). Wir bitten um Anmeldungen bis zum 15.1.2007.

 

ad 3) Ankündigung: "China und Südostasien"
Bestellung: vertrieb@asienhaus.de, zum Inhaltsverzeichnis

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Mitte Dezember wird die Ausgabe 4/2006 der Zeitschrift südostasien zum Schwerpunktthema "China und Südostasien" erscheinen. Die Ausgabe gibt einen Überblick über die gegenseitigen Wahrnehmungen und die Entwicklung des chinesischen Einflusses in Südostasien. An verschiedenen Themen werden Chancen und Risiken des wachsenden chinesischen Einflusses für Südostasien diskutiert.

Das Heft hat einen Umfang von 82 Seiten und kann zum Preis von 5 Euro bei vertrieb@asienhaus.de bestellt werden.

ad 4)  Hintergrund: Öl - Segen oder Fluch für Kambodscha
von Robert Luchs

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Das schwarze Gold könnte in dem südostasiatischen Königreich vieles verändern

Phnom Penh – Kambodscha ist eines der ärmsten Länder der Welt. Das könnte sich innerhalb weniger Jahre ändern, wenn das südostasiatische Land seine erst kürzlich entdeckten reichen Ölvorkommen im Golf von Thailand zum Segen der 14 Millionen Kambodschaner nutzt. Die Zweifel allerdings sind groß, ob die Regierung unter Ministerpräsident Hun Sen den Verlockungen des noch im Meer schlummernden Reichtums widerstehen kann. Ist Hun Sen doch dafür bekannt, engste persönliche Kontakte zu großen meist ausländischen Konzernen zu pflegen. Strohmänner sorgen dafür, dass der starke Mann an der Regierungsspitze nicht leer ausgeht, wenn Verträge unterzeichnet und Konzessionen vergeben werden. 

 

Im Sihanoukville, dem einzigen Seehafen Kambodschas, sind sie schon zu besichtigen: Hunderte von Röhren, meterhoch aufgetürmt, von einem mächtigen Zaun abgesichert und von schwer bewaffneten Sicherheitsmännern rund um die Uhr bewacht. In diesen Rohren soll das schwarze Gold fließen, das dem Land mehr Einnahmen bescheren soll als alle anderen Wirtschaftszweige, wie Textilindustrie, Landwirtschaft und Tourismus zusammen. Es wird nicht mehr lange dauern, bis der Ölgigant Chevron-Texaco die Rohre vor die Küste verschifft hat. 

 

Chevron hat sich Block A gesichert, eine von sechs küstennahen Zonen, die Öl- und Gaseinnahmen in Höhe von 700 Millionen bis zu einer Milliarde Dollar jährlich verspricht. Das ist fast soviel wie der gesamte Staatshaushalt. Mit bis zu 200 000 Barrels Öl täglich wird nach Probebohrungen gerechnet. Inzwischen sind die großen Ölkonzerne dabei, sich gegenseitig den Rang abzulaufen. Der Ölriese Total aus Frankreich wetteifert mit einer der große chinesischen Ölfirmen um die Rechte, den Block B auszubeuten zu dürfen. 

 

Bereits im Juli hatten sich Vertreter der chinesischen Firma mit Ministerpräsident Hun Sen getroffen und ihr Interesse an einer Exploration bekundet. Mit Total hingegen würden die Verhandlungen schwierig verlaufen, so ein Sprecher der kambodschanischen Ölbehörde. Den Zuschlag bekäme derjenige, der das “für die Regierung und die Bevölkerung beste Angebot“ abgebe. Ein Schelm, der bei solchen Äußerungen Böses vermutet. Es ist kein Geheimnis, dass zwischen Peking und Phnom Penh ausgezeichnete Beziehungen bestehen, und die Volksrepublik ihren Einfluss von Jahr zu Jahr verstärkt.

 

Der Sprecher bestätigte auch, dass dem thailändischen Unternehmen PITEP für Block B ein dreißigprozentiger Anteil zugestanden worden sei. Außerdem bemühen sich Ölfirmen aus Singapur, Malaysia und Australien um die Erforschung von Block B. Die Wirtschaftsabteilung der französischen Botschaft hat bereits zu erkennen gegeben, dass die frühere Kolonialmacht Frankreich sich wesentlich stärker in  Kambodscha engagieren werde, wenn Total den Zuschlag erhalten würde. 

 

Yet Soy Sokhan, Wirtschaftsberater im Kabinett, meinte dieser Tage, es sei noch zu früh darüber zu reden, wie die Einkünfte aus dem Ölgeschäft verwendet würden – ob für das Gesundheitswesen oder den Erziehungsbereich. Beides sind Bereiche, in denen Kambodscha einen erheblichen Nachholbedarf hat. Entwicklungsexperten widersprechen: Einnahmen aus dem Ölgeschäft in dieser Größenordnung müssten genau verplant werden und warnen vor einer massiven Inflationsgefahr. Ein rasantes Ansteigen der Teuerung aber wäre Gift für die kambodschanische Wirtschaft und den derzeit boomenden Tourismus als einer der wichtigsten Einnahmequellen.

 

Wirtschaftsberater nennen Botswana als Vorbild. Als Diamanten dem afrikanischen Land unerwarteten Reichtum bescherten, investierte die Regierung zunächst viele Milliarden in ausländische Beteiligungen. Damit wurde die Landeswährung in der Balance gehalten und Inflationstendenzen vermieden. Negatives Beispiel ist Nigeria, das in über 35 Jahren rund 450 Milliarden Dollar aus den Öleinnahmen scheffelte. Hochrangige Politiker schafften Unsummen außer Landes – ein Gouverneur zweigte 90 Millionen Dollar auf Privatkonten ab. Jahre danach müssen 60 Prozent der nigerianischen Bevölkerung mit einem Dollar pro Tag auskommen, und das Land trägt an einer Schuldenlast in Höhe von 30 Milliarden Dollar. 

 

Verfehlte Wirtschaftspolitik sagen die einen, doch in Wirklichkeit ging das Land an der Gier seiner Regierenden zugrunde. 80 Prozent der Einkünfte aus den Ölvorkommen deckten die Staatseinnahmen ab, so dass Steuern keine Rolle mehr spielten. Diese vermeintliche Unabhängigkeit zerstörte die Bindungen an die Bevölkerung, und als die Ölpreise fielen, verschuldete sich Nigeria total. „Nigeria scheiterte an der durch den Ölreichtum entstandenen Einstellung seiner Politiker und an deren Bürgerferne,“ sagen Experten.

 

Diese Warnung gilt auch und vor allem für Kambodscha.  Wenn das Ölgeschäft anläuft, werden die Multis nicht mehr getan haben, als die Bohranlagen vor die Küste geschafft und das schwarze Gold gefördert zu haben. Die Gelder, die in die Kassen der Regierung fließen, dürften die Korruption hingegen noch befördern. Auf dem Korruptionsindex von Transparency International ist Kambodscha in diesem Jahr auf Platz 151 von 163 untersuchten Staaten zurückgefallen. Nur Burma, das heutige Myanmar, liegt in Asien noch weiter hinten. 

 

Vom Gewinnstreben oder der Weitsicht der Regierenden wird es abhängen, ob der unerwartete Ölreichtum Kambodscha zum Fluch oder zum Segen gereichen wird.

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