Asienhaus-Rundbrief 22/2004, 20.12.2004

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In Kürze:
1) Allen unseren Lesern wünschen wir ein gutes Neues Jahr

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) Veranstaltungshinweise 
3) 4.-5.2.05, Amsterdam: Einladung zur Mitarbeit am Asia-Europe-Peoples' Forum
3) Arundhati Roy: Kapital und NGO
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ad 1) Allen unseren Lesern wünschen wir ein gutes Neues Jahr

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Ein ereignisreiches Jahr geht zu Ende. Wir möchten diese letzte Ausgabe des Asienhaus-Rundbriefes in diesem Jahr nutzen, um Ihnen allen ein frohes Weihnachtsfest und ein gutes Neues Jahr zu wünschen.

Das kommende Jahr wird für das Asienhaus ein besonderes werden. Am 21. Mai 2005 wird das Asienhaus sein zehnjähriges Bestehen feiern - im Rahmen einer Veranstaltung auf der Zeche Zollverein, zu der wir Sie schon jetzt herzlich einladen möchten. Sie erwartet interessante Beiträge aus Asien und Europa sowie ein buntes Kulturprogramm. Gleichzeitig bieten wir anderen Organisationen die Möglichkeit, sich mit Informationsständen im Rahmen dieses Festes vorzustellen. Die Veranstaltung wird Ihnen gleichzeitig die Möglichkeit geben, das Weltkulturerbe Zeche Zollverein kennen zu lernen.

Wir freuen uns auf Ihre Teilnahme und bedanken uns für Ihr Interesse am Asienhaus.

ad 2) Veranstaltungshinweise
siehe auch www.asienveranstaltungen.de 

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Wir möchten Sie auf folgende Veranstaltungen hinweisen, die das Asienhaus und seine Mitgliedsvereine im Januar 2005 durchführt - alleine oder in Zusammenarbeit mit verschiedenen Kooperationspartnern.
Der Film dokumentiert einen Workshop der amerikanischen Lehrerin und Trainerin Jane Elliott. Darin versucht sie einerseits, den Teilnehmern im Rollenspiel jene Gefühle nahe zu bringen, die Menschen empfinden müssen, die aus rassistischen oder sonstigen vorurteilsgesteuerten Gründen in der Gesellschaft ausgegrenzt, marginalisiert und diskriminiert werden, andererseits Menschen zu zeigen, die diese Ausgrenzungen und Diskriminierungen bewusst hinnehmen oder sogar verstärken.

Weitere Filme werden am 9.2. und am 9.3. zur gleichen Zeit am gleichen Ort gezeigt. 

 In diesem Jahr wurden in neun asiatischen Ländern – Afghanistan, Hongkong, Indien, Indonesien, Malaysia, Philippinen, Sri Lanka, Südkorea und Taiwan – neue Staats- und Regierungschefs und / oder lokale, nationale Parlamente gewählt, deren Ergebnisse von Bedeutung für die weitere politische Entwicklung der Region sind. 

In Zusammenarbeit mit dem Asienhaus Essen und verschiedenen nordrhein-westfälischen Universitäten finden im Wintersemester 2004/2005 politikwissenschaftliche Seminare statt, in denen die Wahlen im Hinblick auf ihren Verlauf und ihre Ergebnisse sowie ihre Bedeutung für den weiteren Demokratisierungsprozess reflektiert wurden. In einer abschließenden Gemeinschaftsveranstaltung sollen die Analysen und Ergebnisse aus den einzelnen Seminaren in einem eintägigen Workshop am 21. Januar 2005 (10-17 Uhr) im Asienhaus Essen einem breiteren Publikum vorgestellt und diskutiert werden. Weitere Infos gibt es bei Dr. K. Fritsche (klaus.fritsche@asienhaus.de) und Dr. A. Fleschenberg (fleschenberg@uni-duisburg.de).

Als Antwort auf die gegenwärtigen Herausforderungen gewalttätiger Konflikte hat sich das Asienhaus zum Ziel gesetzt, durch Informations-, Forschungs- und Bildungsarbeit für eine Kultur des Friedens und der Gerechtigkeit zu arbeiten. Ziel des Seminars soll es sein, alternative Konfliktlösungsansätze jenseits militärischer Modelle anhand regionaler und lokaler Erfahrungen und Ansätze zu bearbeiten und im deutschsprachigen Raum bekannt zu machen.

Praktische Beispiele der Friedensarbeit von lokalen Friedensinitiativen, Religionsgemeinschaften, Nichtregierungsorganisationen und autonomen Basisorganisationen – aber auch gelungene Modelle mit staatlicher Beteiligung – sollen dargestellt werden, die zur Transformation von einem gewaltförmigen Umgang mit Konflikten zu einem gewaltfreien, konstruktiven Dialog zwischen den kontrahierenden Parteien beitragen und versuchen, eine Kultur des Friedens aufzubauen.

ad 3) 4.-5.2.05, Amsterdam: Einladung zur Mitarbeit am Asia-Europe Peoples' Forum
Kontakt: klaus.fritsche@asienhaus.de 

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ASEM 5 ist vorbei, ASEM 6 naht. Der nächste Gipfel wird im Herbst 2006 in der finnischen Hauptstadt Helsinki stattfinden. Nach der Durchführung des ASEM5 Peoples' Forum in Hanoi (6.-9. September 2004) ziehen jetzt auch die daran beteiligten asiatischen und europäischen Nichtregierungsorganisationen Bilanz. Zu diesem Zweck wird vom 4.-5. Februar in Amsterdam ein Treffen des internationalen Organisationskomitees stattfinden, um die Erfahrungen der Arbeit der letzten zwei Jahre auszuwerten und zu diskutieren, wie und mit welchen Themen die Arbeit weitergehen soll.

Ein besonderes Anliegen ist schon jetzt, weitere Organisationen zu gewinnen, sich an der Arbeit des Asia-Europe-Peoples' Forum zu beteiligen. In Deutschland war es bisher das Asienhaus, das federführend als Mitglied des internationalen Organisationskomitees an der Arbeit beteiligt war. Wir würden es begrüßen, wenn sich weitere Organisationen in die zukünftige Arbeit einbringen werden und möchten interessierte NRO zur Mitarbeit einladen.

Für das Treffen in Amsterdam ist vorgesehen, das aus jedem beteiligten Land möglichst zwei Organisationen an den Beratungen teilnehmen. Wenn Ihre Organisation an einer Mitarbeit interessiert ist, bitten wir um Rückmeldung an Klaus.Fritsche@asienhaus.de. Gemeinsam sollte dann diskutiert werden, welche Organisationen an dem Treffen in Amsterdam teilnehmen.

ad 4) Arundhati Roy: Kapital und NGO
Quelle: Le Monde Diplomatique, Oktober 2004, S.11 (deutsche Ausgabe)  

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Im folgenden dokumentieren wir einen Artikel von der bekannten indischen Antiglobalisierungsaktivistin Arundhati Roy, die in der Tätigkeit von vielen NRO vor allem ein Mittel sieht, den aktiven Widerstand gegen die neoliberale Globalisierung zu brechen. 

Eine nicht unbedeutende Gefahr für die aktuellen Protestbewegungen ist das, was ich als NGOisierung des Widerstands bezeichnen möchte - womit ich keinen Generalvorwurf gegen alle Nichtregierungsorganisationen (NGOs) erheben will. Denn es gibt zwar etliche Pseudo-NGOs, die in trüben Wassern fischen und die nur gegründet wurden, um Geld zu machen oder Steuern zu hinterziehen. Aber natürlich gibt es auch NGOs, die wertvolle Arbeit leisten. Wir müssen also die NGOs in einem breiteren politischen Kontext betrachten.

Nehmen wir das Beispiel Indien. Hier setzte der NGO-Boom in den später 1980er- und frühen 1990er-Jahren ein, in deer Phase also, in der die indischen Märkte nach neoliberalen Rezepten "geöffnet" wurden. Damals kürzte der indische Staat, um sich den Strukturanpassungsprogrammen zu unterwerfen, die Mittel für die Entwicklung ländlicher Regionen wie auch für Landwirtschaft, Energieversorgung, Transportwesen und öffentliche Gesundheitsdienste. Als der Staat seine traditionelle Rolle aufgab, sprangen die entsprechend spezialisierten NGOs ein, wobei ihnen aber nur ein winziger Bruchteil der Summen zur Verfügung stand, um die man zuvor die öffentlichen Ausgaben gekappt hatte.

Hinzu kommt, dass die meisten großen NGOs finanziell und politisch von Hilfs- und Entwicklungsagenturen abhängig sind, die wiederum von westlichen Regierungen, der Weltbank, der UNO und einigen multinationalen Konzernen finanziert werden. Und auch da, wo es sich nicht um genau diese abhängigen Agenturen handelt, gehören sie auf jeden Fall zu dem losen Verbund von politischen Institutionen, die das neoliberale Projekt umsetzen und überwachen und die überhaupt erst die Forderung nach Kürzung der Statsausgaben auf die Tagesordnung gesetzt haben.

Warum aber sollten diese Agenturen NGOs finanzieren? Aus einem altmodischen missionarischen Eifer heraus oder etwas aus Schuldgefühl? Es steckt gewiss ein bisschen mehr dahinter. NGOs vermitteln häufig den Eindruck, dass sie das Vakuum füllen, das der Staat durch seinen Rückzug erzeugt hat. Und das tun sie auch, wenngleich mit materiell völlig unzureichenden Mitteln. Ihre eigentliche Leistung besteht darin, dass sie den politischen Aufruhr entschärfen und Leistungen, auf die eigentlich jeermann einen Anspruch haben sollte, in Form von Hilfsgeldern oder mildtätigen Spenden verteilen.

Die NGOs verändern mithin die Psyhe der Menschen, die sie zu abhängigen Opfern machen, und nehmen dem politischen Widerstand den Wind aus den Segeln. NGOs bilden so eine Art Puffer zwischen dem Staat und seinen Untertanen. Sie sind zu Vermittlern und Interpreten geworden, die anderen die Arbeit erleichtern.

Auf lange Sicht gesehen, sind NGOs ihren Geldgebern Rechenschaft schuldig und nicht den Menschen, mit denen sie arbeiten. Sie sind das, was man in er Botanik eine Indikatorspezies nennt. Denn fast hat es den Anschein, als ob umso mehr NGOs aus dem Boden schießen, je größer die Zerstörungen ausfallen, die auf die neoliberalen Strategien zurückgehen. Das krasseste Beispiel für diesen verqueren Zusammenhang bieten die USA, wenn sie die Invasion eines Landes vorbereiten und zugleich NGOs unter die Arme greifen, die hinterher die angerichteten Zerstörungen wieder beseitigen sollen.

Wenn NGOs ihre Finanzierung nicht gefährden wollen und gewährleisten wollen, dass die Regierungen der Länder, in enen sie aktiv sind, ihre Arbeit nicht behindern, müssen sie diese so harmlos wie möglich darstellen und auf politische oder historische Bezüge weitgehend verzichten. Oder zumindest auf solche Bezüge, die man im Gastland nicht gerne hört.

Apolitische - und deshalb gerade äußerst politische - Katastrophenberichte aus armen Ländern und Kriegsgebieten bewirken am Ende, dass die (dunkelhäutigen) Menschen dieser (dunklen) Länder wie pathologische Opfer präsentiert werden: der soundsovielte unterernährte Inder, die verhungernde Äthiopierin, das afghanische Flüchtlingslager, die verkrüppelte Sudanesin - sie alle sind auf die Hilfe des weißen Mannes angewiesen. Damit tragen NGOs unbeabsichtigt dazu bei, rassistische Vorurteile zu bestärken und die Errungeschaften, die Annehmlichkeiten und das Mitgefühl der westlichen Gesellschaft zu unterstreichen. Sie sind also die weltlichen Missionare der modernen Welt.

Und schließlich spielt das den NGOs verfügbare Kapital in Bezug auf alternative Strategien eine ähnliche Rolle wie das spekulative Kapital, das in armen Wirtschaftsräumen anlegt und wieder abgezogen wird - nicht in denselben Dimensionen zwar, aber auf noch perfidere Weise. Dieses NGO-Kapital beginnt die Themen zu bestimmen, Konfrontation in Verhandlungen zu verkehren und damit den Widerstand zu entpolitisieren. Es dränt sich in regionale Bewegungen hinein, die bis dahin autonom gearbeitet haben. NGOs haben Gelder, mit denen sie Einheimische anheuern können, die sich ansonsten in Widerstandsbewegungen engagieren würden, denen man aber nun das Gefühl gibt, dass sie etwas unmittelbar Wirksames tun, einer guten Sache dienen (und sich damit auch noch einen Lebensunterhalt verdienen).

Doch auf dem Weg des wahren politischen Widerstands gibt es solche Abkürzungen nicht. Die NGOisierung der Politik droht also, den Widerstand zum wohlanständigen, vernünftigen, bezahlten Vollzeitjob zu machen, der im Übrigen noch etliche andere Gratifikationen bietet. Echter Widerstand aber verlangt echte Konsequenzen, ein Gehalt bekommt man dafür nicht.

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Bestellung und Abbestellung des Asienhaus-Rundbriefes
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