Asienhaus-Rundbrief 24/2003, 8.8.2003

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In Kürze:
1.) Erinnerung: Bitte um Feedback zum Asienhaus-Rundbrief 
2.) Zeitschrift Südasien 2/2003 erschienen
3.) Philippinen: Wenn Soldaten erneut rebellieren
4.) Vorschau: 25/2003 befaßt sich mit der Lage in Nordkorea

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Tagungsprogramm: "Soziale Folgen der Globalisierung in Asien", 8.-10.10.2003
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ad 1) Erinnerung: Bitte um Feedback zum Asienhaus-Rundbrief
Kontakt: klaus.fritsche@asienhaus.de

Um die Nutzung des Asienhaus-Rundbriefes zu vereinfachen, können Sie jetzt direkt vom Inhaltsverzeichnis auf die Sie interessierende Meldung springen. Wir haben diese neue Funktion auf  auf Anregung eines Lesers eingeführt.

Bitte nehmen Sie sich  - wenn noch nicht geschehen - drei Minuten, um uns ein Feedback zum Asienhaus-Rundbrief zu geben. Nach Ausfüllen des Fragebogens erhalten Sie sofort einen Blick auf den Stand der Befragung. Bitte gehen Sie zu
www.asienhaus.de/angebote/ah-leserumfrage.htm.

Wie schon im letzten Asienhaus-Rundbrief ausgeführt, dient diese Umfrage dazu, den Rundbrief weiter zu verbessern und auf die Bedürfnisse und Interessen der Leser abzustimmen. 

ad 2) Südasien 2/2003 erschienen
Bestellung: suedasienbuero@suedasien.de, oder Südasienbüro e.V., Adenauerallee 23; 53111 Bonn, 
Tel: 0228 - 9125605 

Im 23. Jahrgang berichtet die vom Südasienbüro in Bonn herausgegebene Zeitschrift in jährlich vier Ausgaben über politische und wirtschaftliche Ereignisse, über Militarisierung und regionale Konflikte, Ökologie und Industrialisierung, Frauen, Landwirtschaft, Menschenrechte und Medien.

Die Ausgabe 2/2003 befaßt sich in einem einleitenden Überblick mit dem Thema "Asien nach dem Irakkrieg". Der Aufsatz wurde gemeinsam von drei Wissenschaftlern der Friedrich-Ebert-Stiftung gemeinsam verfaßt. Das Redaktionsmitglied Thomas Bärthlein beleuchtet anschließend die Hintergründe für das überraschende Tauwetter in den Beziehungen zwischen Indien und Pakistan. Benedikt Korf untersucht in seiner Analyse, wie sich die im Falle Sri Lanka gewählte Konfliktlösungsstrategie in der Praxis auswirkt. Anderthalb Jahre nach dem Sturz der Taliban zieht Dr. Conrad Schetter Bilanz über die Situation in Afghanistan und der preisgekrönte Photograf Wolf Böwig gibt mit eindrucksvollen Bildimpressionen dem immer noch präsenten Leid und Elend am Hindukusch ein Gesicht. Weitere Beiträge und Nachrichten runden die Ausgabe ab.

Das Heft ist zum Einzelpreis von 6,50 Euro zu beziehen, das Jahresabo kostet 26 Euro (Inland).

ad 3) Manila: Wenn Soldaten erneut rebellieren  
Kontakt: d.guerrero@asienhaus.de 

Was wollen diese aufrührerischen Soldaten? Wer steht hinter ihnen und wie wirken sich die Ereignisse auf die heikle Lage der heutigen Demokratie aus, ein Jahr vor den Präsidentenwahlen im Jahr 2004? Der folgende Bericht von Dorothy Guerrero (Mitarbeiterin des Asienhauses), die sich während der Ereignisse in Manila aufhielt, gibt Antworten auf diese Fragen. Die Übersetzung besorgte Esther Hermann.

Am Sonntag morgen, den 27. Juli, wurde Manila durch die Nachricht über einen Staatsstreich aufgeweckt. 321 rebellische Soldaten der philippinischen Armee, inklusive 70 Junioroffiziere, besetzten das elegante Oakwood Premier Hotel und das Residential Suites Gebäude in Makati. Der 24-Stunden andauernde Versuch, die Regierung zu stürzen, beinhaltete ein geplantes Attentat auf die Präsidentin Gloria Macapagal-Arroyo. Die Filipinos sind vertraut mit solchen dramatischen Vorfällen, welche die Amtszeit aller Präsidenten nach Marcos begleiteten.

Putschisten fördern Rücktritt von Präsidentin und Armeeführung

Fernsehsender übertrugen Szenen, die rebellische Soldaten seelenruhig beim Montieren von Bomben und Sprengfallen im Glorietta Parkhaus des Geschäfts- und Finanzviertels zeigten. In allen Montagszeitungen waren Bilder der rebellischen Führer zu sehen, wie sie ihre Forderungen an die Regierung während einer gut besuchten Pressekonferenz vortrugen. Auf dem linken Arm stellten sie eine rote Flagge mit demselben Abzeichen zur Schau, das die philippinischen Revolutionäre im Krieg gegen die spanischen Besetzer im Jahr 1896 getragen hatten - statt der gegenwärtigen dreifarbigen republikanischen gestellt.

Mit Ausnahme dieser Leistungsfähigkeiten bei der Kommunikation und Nutzung der Medien waren die Eskapaden der abenteuerlichen Militäroffiziere jedoch zweitklassig. Wie bei früheren Versuchen war der Schauplatz wieder ein vornehmes Hotel in einem Geschäftsviertel. Die Anstifter beabsichtigten, das Wirtschaftszentrum durch größtmöglichen öffentlichen Schaden und kurzzeitige Zerstörung der gegenwärtigen Regierung zu erschüttern. Wie in der Vergangenheit fungierte ein verärgerter, kluger, junger und charismatischer Offizier als Sprecher der Gruppe.

Da der missglückte Putschversuch um 3.00 Uhr begann, nutzten die Rebellen das unbestrittene Monopol der Medien, um ihre Tat zu begründen und um darzulegen, warum die Präsidentin und ihre Oberbefehlshaberin Gloria Macapagal Arroyo abdanken sollte. Sie beschuldigten den pensionierten Stabschef und den derzeitigen Verteidigungsminister Angelo Reyes sowie den Brigadegeneral und Geheimdienstchef Victor Corpus, hinter dem Davao Bombenattentat in Mindanao zu stecken, um weitere militärische Hilfe von den Vereinigten Staaten zu erhalten. Sie ließen verlauten, es bestehe eine geheime Absprache zwischen leitenden Militäroffizieren und ihren verfeindeten Armeen. Tatsächlich verkaufen die leitenden Offziere Waffen und Munition an die muslimischen Gruppen Islamic Liberation Front und Abu Sayaff sowie an die kommunistische New People’s Army. Auch behaupten sie, dass ein Regierungsplan zur Erklärung des Kriegsrechts im August existiere, um die Amtszeit der Präsidentin Macapal-Aroyo zu verlängern.

Vor allem aber beklagten sie sich über die hohe Diskrepanz der Lebensbedingungen zwischen Offizieren niedrigen Ranges und leitenden Offizieren, die einen ausschweifenden Lebensstil genießen. Die Rebellenführer Marineleutnant  zweiten Grades Antonio Trillanes IV (Sprecher der Rebellengruppe), Marineunteroffizier James Layug, Marinekapitän Gary Alejano, die Armeekapitäne Gerardo Gambala, Milo Maestrocampo sowie Armeeleutnant Florentino Somera werden nun  von dem Justizministerium des Staatsstreiches angeklagt. Sie stehen unter strenger Bewachung und dürfen keinerlei öffentliche Äußerungen abgeben.

Anliegen der Putschisten finden breite Unterstützung

Der Putschversuch war zeitlich gut geplant, denn es war das Wochenende vor der letzten Rede der Präsidentin zur Lage der Nation vor der gemeinsamen Sitzung von Senat und Repräsentantenhaus. Stellungnahmen aus verschiedenen philippinischen Gesellschaftsgruppen waren sich einig über die Berechtigung der Klagen der Soldaten, doch zur selben Zeit kritisierten sie das gewählte Mittel der militärischen Gewaltanwendung. Selbst Manilas bekannter und einflussreicher Kardinal Jaime Sin zeigte Verständnis, als er über die Notwendigkeit grundlegender Veränderungen im Militär sprach, um die steil ansteigende Korruption innerhalb dieser Institution zu besiegen. So wird z.B. in Mindanao die „Freundschaft“ zwischen korrupten Beamten und muslimischen Rebellen wie ein offenes Geheimnis behandelt.

Ist das Militär in Bombenanschläge verwickelt?

Auf den ersten Blick schienen die von den Rebellen geforderten Köpfe rollen zu müssen. So akzeptierte Macapagal-Arroyo die Abdankung des Brigadegenerals Corpus am 31. Juli. Es ist sehr interessant, aus diesem Blickwinkel tiefer sich die Forderungen der Rebellengruppen näher zu betrachten. Die Beschuldigung, an der Explosion in Davao verwickelt zu sein, benötigt eine gründliche und ehrliche Untersuchung. Diese Frage hat Implikationen, die die Hauptkritikpunkte zivilgesellschaftlicher Organisationen über die Abhängigkeit der Regierung von den USA. Es könnte als ein Fall für die Forderung nach Beendigung der vielfach kritisierten gemeinsamen Militärübungen von philippinischen und US-Soldaten genutzt werden, die gegen lokale Rebellengruppen unter dem Deckmantel der Beschützer des Landes gegen die terroristischen Netzwerke durchgeführt werden. Es könnte den schon lange vorhandenen Verdacht über die Existenz von Kräften im Militär beweisen, das die Friedensverhandlungen zwischen der Regierung und muslimischen Rebellentruppen in Mindanao sabotiert. Die Davao-Explosion ereignete sich fast zur gleichen Zeit wie die Wiederaufnahme der Gespräche.

Rollte der falsche Kopf?

Eine beachtliche Menschengruppe aus zivilen Gesellschaftsorganisationen, die Medien und die Akademie hegen dennoch Sympathie für den zurückgetretenen Brigadegeneral Corpus. Viele denken, dass er als Leiter der Abteilung für zivile Beziehungen wirkungsvoller wäre als als Geheimdienstchef. Er wird oft in Interviews mit Positionen zitiert, die denen von NRO ähnlich sind. Außerdem wurde er auch als inkorrupt angesehen. Obwohl seine Leitung des Geheimdienstes vom ilitär als schwach betrachtet wurde, hatte er recht mit seiner Voraussage über diesen Putsch. Kabinettmitglieder glaubten ihm letzten Juni nicht, als er in einem Bericht auf diese Möglichkeit hinwies. 

Brigadegeneral Corpus hat eine sehr vielfältige Geschichte hinter sich, seitdem er in den 70er Jahren als junger Oberst der New People’s Army beitrat. Sein Übertritt in die kommunistische Armee erregte Aufmerksamkeit, da er, um Munition für die Guerrilla zu erhalten, eine Waffenkammer überfiel, bevor er sich in den Untergrund begab. Unter Marcos wurde er gefasst, im Gefängnis gehalten und später wieder ins Militär aufgenommen, als Präsidentin Corazon Aquino 1987 allen politischen Gefangenen Amnestie gewährte. Er stellte sich auf die Seite von General Reyes, als dieser seine Unterstützung für die Präsidentin Macapagal-Arroyo verkündet wurde, was ausschlaggebend für die Entscheidung war des Militärs war, 2001 Ex-Präsident Joseph Estrada die Unterstützung zu entziehen. nun als People Power 2 bekannt, zu erhalten. Reyes war ein bekannter Rivale des jetzigen Senators Panfilo Lacson für den Posten des Armeechefs unter Präsident Estrada. Für seine entscheidende Rolle, das Militär auf ihre Seite zu bringen, berief Macapagal-Arroyo ihn als Nachfolger Lacsons zum Stabschef.

Hinweise auf Beteiligung Estradas

Ergebnisse der Untersuchung deuten nun auf eine mögliche Beteiligung von Estrada, Lacson und Estradas Helfer bei dem Putschversuch. Die Kosten werden auf ca. 30 Millionen Pesos (600,000 Euro) geschätzt. geschätzt. Einige Offiziere wurden vor dem Putsch für 115 Dollar pro Tag im Oakwood Hotel untergebracht. Reporter bemerkten, dass die Putschisten neue Uniformen, importierte Rucksäcke, Velcro Armbänder und moderne Kommunikationseinrichtungen besaßen, die nicht zur militärischen Ausrüstung gehörten. Die Rebellen drückten auch ihre Bewunderung und Unterstützung für das National Recovery Program aus, das vom Ex-Oberst und heutigem Senator Grogorio Honasan geschrieben wurde. Honasan führte Putschversuche gegen Aquino in den Jahren 1987 und 1989 an.

Militärreform für Stabilisierung der Demokratie notwendig

Der misslungene Staatsstreich deutet erneut auf das tiefsitzende Problem innerhalb des philippinischen Militärs hin. Es zeigt, dass es während der seit mehr als einer Dekade anhaltenden angeblichen Reform nicht gelang, politisches Abenteuer, messianisches Komplex und Missachtung eines konstitutionellen Prozesses unter uniformierten Männern auszumerzen. Es zeigt, dass der schlechte Schatten von Marcos’ Kriegsrechtsära immer noch über dem Militär hängt, indem den jungen Soldaten der Gedanke eingetrichtert wird, das Gesetz und irgendwelche Rechtstaatlichkeit zu missachten, wenn sie meinten, einen Grund zum Vorrücken zu haben. Die Putschversuche während des Aquinoregimes sind auf den Glauben des Militärs zurückzuführen, dass Aquino ihnen ihre Präsidentschaft schuldete, was nicht mit der heutigen Situation vergleichbar ist, weil niemand auf den Philippinen ihnen diese Rolle für People Power 2 zugesteht. Doch die Auffassung, dass die philippinische Politik sie braucht, besteht immer noch.

Unglücklicherweise hängt ein weiterer Putschversuch in der Luft. Zusätzliche Truppen verstärkten letzte Woche die Sicherheit in Manila. Der Putschplan ist misslungen, jedoch meinen viele Analysten, dass das Militär das Gefühl der Unsicherheit ausnutzen wird, um weitere Wahlpläne von Lacson zu stärken.

Der Gedanke, dass nur ein starker Mann das widerspenstige Militär bezwingen kann, wird der Antrieb für solche Propaganda sein. Macapagal-Arroyo erklärte vorher, dass sie nicht für eine weitere Amtszeit kandidieren wird, doch Spekulationen über das Gegenteil bestehen weiterhin. Estradas Leute könnten immer noch Einfluss nehmen und noch immer besitzen sie Ladungen von Bargeld für die Finanzierung weiterer Versuche, um politische Krisen zu entfachen.

Währenddessen wächst die Armut im Land weiter und Verzweifelung ist weit verbreitet. Einige entschieden, einfach aus dem Land auszuwandern. Jeden Tag fliegen ungefähr 2600 Filipinos ab Manila International Airport in irgendein Land, um eine vorübergehende Arbeit zu finden oder die Philippinen ganz zu verlassen. Diejenigen, die dieses auf keinen Fall tun, ertragen stillschweigend das Unglück, das sie von der schlechten Regierungszeit her kennen.

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