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Asienhaus-Rundbrief 3/2007, 16.3.2007

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In Kürze:
1) Viertes Anke-Reese-Stipendium vergeben
2) EU-ASEAN-Außenministertreffen: Presseerklärung von Asienhaus und WEED

3)
Hintergründe: Philippinen - Wir leben doch im Matriarchat!
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ad 1) Viertes Anke-Reese-Stipendium vergeben
Kontakt: klaus.fritsche@asienhaus.de; mehr Informationen

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Das vierte Anke-Reese-Stipendium wurde am 8. März an Oda Riehmer vergeben. Es ist mit 750 Euro dotiert und soll junge Menschen unterstützen, die ein Praktikum in einer asiatischen NRO absolvieren. Unser Wunsch ist, das Stipendium noch weiter zu erhöhen. Durch eine Spende können Sie dazu beitragen. Diese fließt in den Kapitalstock ein und nur die Zinserträge werden ausgeschüttet. Sie helfen damit also mit, ein auf Dauer angelegtes Projekt zu fördern.

Die diejährige Stipendiatin Oda Riehmer studiert Kommunikationswissenschaft und Germanistik aus Bamberg und ist Mitglied der thüringisch-kambodschanischen Gesellschaft.  Oda Riehmer wird von Ende März an für drei Monate in Kambodscha sein. In der Hauptstadt Phnom Penh macht sie ein Praktikum bei der lokalen NRO COMPED.

Dort wird es ihre Aufgabe sein, das Projekt „Medien und Demokratisierung“ der NRO mit Hilfe der Fachkenntnisse aus ihrem Studium zu unterstützen. COMPED will untersuchen, inwiefern die Presse und der Rundfunk den bisher nicht immer gradlinigen Transformationsverlauf begleiten. Können Massenmedien die Demokratisierung in Ansätzen so unterstützen, wie sie es beispielsweise in unserem eigenen Land tun?

Dazu wird die NRO mit der Unterstützung von Oda Riehmer empirische Untersuchungen durchführen, Journalisten und Rezipienten befragen und die Ergebnisse auswerten. Außerdem wird Oda Riehmer auch Einblicke in die anderen Projekte der NRO bekommen: wie z.B. das Umweltbildungszentrum, die Kompostierungsanlage, die Patenschaften und Schulprojekte.

Ihre Erfahrungen wird Oda Riehmer nach ihrer Rückkehr in die Arbeit der thüringisch-kambodschanische Gesellschaft einbringen.

ad 2) EU-ASEAN: Presseerklärung von Asienhaus und WEED
Kontakt: klaus.fritsche@asienhaus.de, klaus.schilder@weed-online.org 

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Am 14.-15. März fand in Nürnberg das EU-ASEAN-Außenministertreffen (Schlußerklärung und Hintergründe) statt. Ein Thema auf der Tagesordnung war die bevorstehende Aufnahme von Verhandlungen über ein EU-ASEAN-Freihandelsabkommen. Aus diesem Grund veröffentlichten Asienhaus und WEED die folgende Presseerklärung, die die im Februar in Bangkok formulierten Besorgnisse asiatischer und europäischer zivilgesellschaftlicher Organisationen zum Ausdruck brachte (siehe hier). 

 

Essen und Berlin, 13. März 2007: Anläßlich des morgen beginnenden EU-ASEAN Außenministertreffens der EU und der ASEAN-Mitgliedsländer in Nürnberg warnen die entwicklungspolitischen Organisationen Asienhaus und WEED vor negativen sozialen und ökologischen Auswirkungen eines geplanten interregionalen Freihandelsabkommens zwischen den beiden Wirtschaftsblöcken. Ein breites europäisch-asiatisches Netzwerk von Nichtregierungsorganisationen hatte im Februar 2007 bei einem Treffen die „Bangkok-Erklärung“ formuliert und darin die offizielle „WTO-plus“-Agenda der Regierungsverhandlungen zurückgewiesen.  

 

„Die Verhandlungen gleichen einer Fahrt im Nebel“, stellt Klaus Fritsche vom Asienhaus fest. „Obwohl eine weitreichende Marktöffnung in neuen Themen wie Investitionen und geistiges Eigentum über die WTO hinaus (WTOplus) negative Effekte für Ernährung, Ausbildung, Gesundheit und die Armutssituation in vielen ASEAN-Staaten haben wird, gibt es bislang keine detaillierten Nachhaltigkeitsverträglichkeitsstudien über die Konsequenzen für die betroffene Bevölkerung.“

 

„Den bisherigen EU-ASEAN Verhandlungen fehlt die demokratische Legitimation. Sie wurden ohne ernstzunehmnede Konsultation der Parlamente und der Zivilgesellschaft geführt,“ kritisiert Klaus Schilder von WEED. „Gleichwohl bietet die EU der Privatwirtschaft priviligierte Gespräche bei der Formulierung des rechtlichen Rahmens für ihre Investitionsaktivitäten an - mit Konsequenzen, die an den Interessen der breiten Bevölkerung vorbeilaufen.“

 

Die EU-Kommission wird Mitte März 2007 über ein Verhandlungsmandat für das bilaterale Frei-handels- und Investitionsabkommen mit den ASEAN-Staaten entscheiden. Die EU plant ehrgeizige Verträge, die neben dem Warenhandel die Liberalisierung von Investitionen, Dienstleistungen, des öffentlichen Beschaffungswesens sowie geistiger Eigentumsrechte umfassen. Im Hinblick auf die Förderung nachhaltiger Entwicklung beschränkt sich die EU auf den Ruf nach der Liberalisierung des Handels mit Umweltgütern und –dienstleistungen. Dieses wird jedoch von Umweltorganisationen scharf kritisiert, da die Definition von Umweltgütern und -dienstleistungen strittig ist und darunter auch die Liberalisierung und Privatisierung der Wasserversorgung versucht wird.

 

ad 3) Hintergründe: Philippinen - Wir leben doch im Matriarchat!
von Niklas Reese

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Der folgende Beitrag von Niklas Reese setzt sich mit Geschlechterkonzepten und -verhältnissen in den Philippinen auseinander. Eine ausführlichere Fassung des Artikels (mit allen Anmerkungen und Quellenangaben) steht auf der Homepage des Asienhauses zum Download zur Verfügung. Weitere Informationen finden Sie im vom philippinenbüro veröffentlichten Handbuch Philippinen, das zum Preis von 14,90 über vertrieb@asienhaus.de oder in jeder Buchhandlung zu beziehen ist.

Immer wieder bekommt man zu hören, die Philippinen seien faktisch ein Matriarchat. Die Frauen hätten die Entscheidungsgewalt über die Haushaltsausgaben (power of the purse), besetzten die eigentlich entscheidenden Ämter in Organisationen und zögen die Strippen im Hintergrund. G. Castillo and S. Guerrero etwa hielten im Jahre 1969 die Philippinen für „eine von Männern dominierte Gesellschaft (in der Öffentlichkeit), die von Frauen (im Privaten) geleitet wird“ (nach Medina). Viele im Lande – nicht nur Männer – würden ihnen wohl auch heute noch zustimmen.

Auch in der politischen Sphäre sind Frauen durchaus präsent: Seit Januar 2001 steht mit der Präsidentin Gloria Macapagal-Arroyo eine Frau an der Spitze des Staates – die zweite Präsidentin innerhalb kurzer Zeit. Die Philippinen waren zudem eines der ersten Länder, die in einem „Gesetz zu Frauen in Entwicklung und Nationbuilding“ (Republic Act 7192) festgelegt haben, dass alle Regierungsstellen 5 Prozent ihres Budgets für frauenspezifische Projekte einsetzen sollen. Viele Filipinas können durchaus durch Tatendrang und Entschlossenheit beeindrucken. Und doch ist die Vorstellung, die Philippinen seien ein von Frauen dominiertes Land, eine extrem oberflächliche Sicht der Dinge. Männer und Frauen sind zwar formal gleichberechtigt. Trotzdem sind die Philippinen auch am Anfang des dritten Jahrtausends eine patriarchalische Gesellschaft, die „um das Privileg von Männern und die Einwilligung von Frauen herum aufgebaut ist“ (Michael Tan, PDI, 30.9.2003).

Wirtschaftlich hat der Mann das Sagen

Männer haben den besseren Zugang zu politischer Macht, zu Land, Kapital oder Arbeit. Sie verfügen über mehr Bewegungsfreiheit und sexuelle Freiheit. Der Arbeitsmarkt ist weitgehend in „Männer- und Frauenberufe“ aufgeteilt. Frauen finden sich vor allem dort, wo Fürsorge, Dienstleitung, Verlässlichkeit und Detailgenauigkeit gefragt sind – etwa als Verkäuferinnen, Haushaltsangestellte oder Lehrerinnen. Bus- oder Taxifahrerinnen und Bauarbeiterinnen hingegen gibt es so gut wie gar nicht.

Je höher die Position, desto mehr Männer sind dort zu finden. Hingegen ist das durchschnittliche Einkommen in einer Branche tendenziell umso niedriger, je größer der Anteil der dort beschäftigten Frauen ist. In Familienunternehmen sind die Chefs meist die Männer; ihre Frauen gelten als "mithelfende Familienangehörige" – auch wenn sie in der Regel meistens genau so viel tun.

Erwerbsarbeit und Hausarbeit sind getrennte Sphären. Haushalt ist Frauenangelegenheit. Da die Frauen als „traditional care-givers“ gelten, fällt nicht nur die eigentliche Hausarbeit in ihre Zuständigkeit, sondern auch die psychische Unterstützung von Mann und Kindern und die Pflege von Kranken, Älteren und Behinderten. Zur Rolle der Sorgenden gehört überdies auch, dass Frauen in Zeiten des Mangels (die für viele Familien chronisch sind) ihre Bedürfnisse hintanstellen. Die älteste Tochter hilft bei der Erziehung und Versorgung der jüngeren Geschwister mit. Wenn die Eltern alt werden, bleibt oft ebenfalls ihr deren Versorgung überlassen. Aber auch die Jüngste, bei der das Geld für die Ausbildung nicht mehr reicht, ist prädestiniert für diese Aufgabe.

Nur wenige der Tätigkeiten zu Hause gelten als Männeraufgaben. Zu besonderen Anlässen – etwa an seinem Geburtstag - übernimmt der Mann das Zubereiten des Essens. Das bereitet Ehre, die Alltagsarbeit hingegen nicht. Häufig ist zwar zu hören, dass Männer mehr und mehr bereit sind, auch im Haushalt mitzuhelfen; „Ehemänner“, so Michael Tan, „sind (dabei aber) ziemlich wählerisch. Kinderhüten und Wasserholen ja, aber nicht das Geschirr spülen, Wäsche waschen oder den Boden putzen.“

Obwohl Frauen in 43 Prozent aller philippinischen Haushalte den Hauptteil des Geldes verdienen, gelten sie gemäß der patriarchalen Familienideologie trotzdem nur als „Hinzuverdiener“. Ihr Anteil am Broterwerb wird – auch von den Frauen selber – traditionell eher als „Erweiterung ihrer Rolle als Hausfrau und Mutter“ verstanden.

Der Mythos von der „Herrin im Haus“

Untersuchungen haben ergeben, dass es mit der viel beschworenen „power of the purse“ nicht sehr weit her ist. Diese beschränkt sich weitgehend auf den Kauf von Lebensmitteln und Haushaltswaren. Über große Ausgaben entscheiden dagegen meist die Männer. Unter Bedingungen der Armut bedeutet 'power of the purse' eher, dass Frauen das Geld zusammen zu halten haben und fehlendes Geld durch zusätzliche Erwerbsarbeit oder die Eigenproduktion von Essen und Kleidern erwirtschaften müssen. Mehrere Untersuchungen sind außerdem zu dem Ergebnis gekommen, dass selbst in Bereichen, von denen behauptet wird, dass die Entscheidungen gemeinsam getroffen werden, der Mann im Konfliktfall die letzte Entscheidung trifft, „weil es sein Einkommen ist, das verwendet wird.“ (Medina). Elizabeth Uy Eviota kommt daher zu dem Schluss, dass „die so genannte Entscheidungsgewalt von Frauen in erster Linie die Verantwortlichkeit von Frauen für das tägliche Überleben (ist). [...] In Wirklichkeit handelt es sich hier um die Fähigkeit von Männern, ihre Verantwortung für Haushalt und Kinder zu umgehen.

Die gleichen Untersuchungen sind allerdings auch zu dem Ergebnis gekommen, dass das Entscheidungsmonopol des Mannes über Haushaltsausgaben, Erziehungsfragen oder Familienplanung dann eingeschränkt wird, wenn Frauen ein beträchtliches eigenes Einkommen haben oder über mehr Bildung verfügen. Zureichende ökonomische Unabhängigkeit der Frauen scheint ihnen die nötige soziale und psychische Unabhängigkeit zu verschaffen. Für Mittelklassefrauen, die finanziell auf eigenen Füssen stehen, wird die Doppelmoral von Männerrechten und Frauenpflichten zunehmend inakzeptabel, „Paare kämpfen und trennen sich wie nie zuvor“ (Medina). Anders als Mina Roces, die die informelle Macht von Frauen als hoch einschätzt, geht Eviota davon aus, dass „Filipinas nur als unabhängige Unternehmerinnen zu Entscheidungsträgerinnen werden.“

Allerdings kommen die Untersuchungen auch zu dem Ergebnis, dass die Frage der Verfügungsgewalt über Ressourcen nicht alles ist. Bei strittigen Entscheidungen hat der Mann weiterhin oft das letzte Wort.

Männerbilder, Frauenbilder

Als Familienoberhaupt – so die typische Ansicht – sei es die Hauptrolle des Mannes, seine Familie zu versorgen und näher zu Gott zu bringen, seine Frau zu führen, und weise, aber bestimmt, Entscheidungen zu treffen. „Dafür hat er Anspruch auf Respekt, Gehorsam und alle Annehmlichkeiten im Haus, die ihm seine Frau zur Verfügung zu stellen hat, einschließlich sexuelle Befriedigung.“ (Medina)

Das Idealbild des „Filipino Machismo“, so Eviota, zeichnet sich durch „ausgiebigen vorehelichen und außerehelichen Sex (Jäger), den Beweis männlicher Fruchtbarkeit durch die frühe und schnelle Produktion von Kindern, die negative Einstellung gegenüber Kondomen, ein dominantes Verhalten gegenüber Frauen, die Geringschätzung häuslicher Pflichten, die Missbilligung außerhäuslicher Erwerbsarbeit ihrer Frauen und die Betonung von körperlicher Stärke (und oft Gewalt) als Form der Lösung von Meinungsverschiedenheiten“ aus. Männer, die im Haushalt helfen, werden von anderen Männern ­ aber auch von älteren Frauen ­ als Pantoffelhelden verspottet.

Frauen sind aber nicht nur Opfer dieser Verhältnisse, sondern tragen auch aktiv zu der Kontinuität ihrer Unterordnung bei. Sie wählen Aufgaben, die ihnen die Männer überlassen und erwerben vornehmlich berufliche Qualifikationen, die eng an die in der Hausarbeit verlangten Qualifikationen anknüpfen. Sie beteiligen sich an der Reproduktion geschlechtsspezifischer Ungleichheit, indem sie ihre Rollen akzeptieren und ihre Töchter in diese Strukturen einführen. So werden Mädchen für gewöhnlich zu Bescheidenheit, Sittsamkeit und Hilfsbereitschaft erzogen, während von Jungen passend zu ihrer späteren gesellschaftlichen Rolle schon früh Kraft, Verwegenheit und Machotum erwartet wird. Diese unterschiedlichen Rollenmuster äußern sich in eindeutigen Vorrechten des Mannes. So dürfen zum Beispiel nur Männer im öffentlichen Raum Alkohol trinken oder rauchen. Für Frauen verbietet sich dieses Verhalten, wollen sie nicht als schamlos oder gar als „leichtes Mädchen“ gelten.

Sexualität – Heilige und Huren

Es sind vor allem die doppelten Standards im Bereich Sexualität und die Verdinglichung des weiblichen Körpers, in denen sich die Priorität leiblich äußert.

Aktive Sexualität ist ein männliches Privileg. Wenn Männer Sex haben, „benutzen“ sie die Frau (gumagamit), Frauen selbst reden dabei von „benutzt werden“(ginagamit), das sei ganz natürlich, „natural lang“.

„Sex ist ein Privileg, das Männern Selbstachtung gibt, für Frauen ist er eine Pflicht. (...) Für Männer ist außerehelicher Sex eine Eroberung, für Frauen eine Erniedrigung. Frauen, die an Sex interessiert sind, gelten als promisk, Männer als völlig normal. (...) Sex ist zu einem Gebiet geworden, in dem die systematische Ungleichheit der Macht zwischen Männern und Frauen ausgespielt wird.“ (Eviota), Ausdruck dieses Machtungleichgewichts ist auch, dass der Großteil der Männer die Benutzung von Kondomen verweigert. Infolgedessen werden Frauen in besonderem Maße Opfer von AIDS. Während die Promiskuität der Männer gesellschaftlich anerkannt ist, gilt es als Vertrauensbruch, wenn eine Ehefrau den möglicherweise infizierten Mann um den Gebrauch eines Kondoms bitten würde.

In den Philippinen wird zwischen 'gutem' und 'schlechtem Sex' bzw. Frauen (!) unterschieden. Gute Sexualität ist mit der Verpflichtung zu heiraten und Kinder zu bekommen verbunden. Die ‚guten’ Frauen sind im Rahmen dieser Zuschreibung die Mütter und Ehefrauen. Von daher gilt es für Frauen als eine Tugend, ihre Jungfräulichkeit bis in die Ehe zu bewahren. Dagegen ist es ein verbreiteter Initiationsritus, dass junge Männer ins lokale Bordell gehen, es gibt gar eine kulturelle Erwartung, dass der Mann mit sexueller Erfahrung in die Ehe geht und seiner Frau die Liebe beibringt. 

Eine Frau, die ihre Jungfräulichkeit vor der Ehe verliert, würde kein Mann mehr heiraten. Schafft sie es dennoch, ihren ‘Entjungferer’ zu ehelichen, heißt es, sie habe ihre Jungfräulichkeit gut investiert. Frauen, denen das nicht gelingt, verlieren jegliches Ansehen im Dorf. „Dann kann sie auch gleich Prostituierte werden.”, heißt es. Und tatsächlich ist dies eine der gängigen Vorgeschichten von Prostituierten oder Straßenkindern.

'Schlechte Frauen' – Prostituierte und Geliebte (Queridas) – sollen die sexuellen und anderen Bedürfnisse erfüllen, die gute Frauen in einer legitimierten oder ‚heiligen’ ehelichen Beziehungen nicht erfüllen können. Hier, so Eviota, komme zum Ausdruck, dass dem Mann ein Besitzrecht über den weiblichen Körper eingeräumt wird.

Schönheit

Filipinas, besonders diejenigen in der aufstiegsorientierten unteren Mittelklasse und oberen Unterklasse (C und D-Klassen), sind sehr stark von der (kolonialen) Idee geprägt, dass es erstrebenswert sei, eine möglichst helle Haut und keine Stupsnase zu haben. Diese Nase zu korrigieren, wäre zu teuer, doch nahezu jede Seife verspricht, heller (maputi) zu machen. Die oft gewünschte Heirat mit einem Weißen hat nicht nur finanzielle Gründe, sondern wurzelt auch in dem Wunsch, weißere Kinder zu bekommen.

Dass Frauen in den Philippinen sehr stark über ihren Körper definiert werden, führt dazu, dass Schönheit (maganda) nicht nur mit Sexualität und der Verdinglichung von Frauen in Verbindung gebracht wird, sondern weibliche Schönheit auch einen Machtfaktor darstellt.

Die Beziehung zwischen Schönheit und Macht ist dabei dialektisch: „Schönheit“, so Roces „kann eine Quelle von Macht sein, aber die Nähe zur Macht ist ebenso eine Quelle für Schönheit. Eine Frau, die an bestimmten Codes des Auftretens und Verhaltens festhält, kann als schön empfunden werden, wie auch immer ihre körperlichen Attribute sein mögen, solange sie mit politischer Macht assoziiert wird.“ Viele Schönheitsköniginnen sind in die Politik gegangen oder wurden von wichtigen Politikern geheiratet, die sie nun unterstützen.

Die Folgen der Modernisierung

Immer mehr Frauen sind in den letzten Jahren erwerbstätig geworden – sei es, weil das Einkommen des Mannes nicht ausreicht, sei es, weil Frauen durch einen verbesserten Bildungszugang mehr Chancen offen stehen oder weil sie den Wunsch umsetzen, selber Geld zu verdienen und sich beruflich zu verwirklichen. Oft hat die Beschäftigung in Freihandelszonen oder die Migration in die Stadt bzw. ins Ausland Frauen zu den Hauptverdienerinnen in ihren Familie werden lassen. Gleichzeitig haben Urbanisierung und Massenmedien zur Aufweichung sexueller Rigidität geführt. Erwerbstätigkeit und Migration bieten Frauen eine Gelegenheit, den traditionellen Geschlechterrollen und dem patriarchalen Familienkonzept teilweise zu entkommen. All diese Entwicklungen unterminieren die traditionelle Autorität und Macht des Mannes. Seine Familie nicht mehr versorgen zu können und der Ernährerrolle nicht mehr gerecht zu werden, zieht für die Männer indes eine gehörige Einbuße an Selbstsicherheit nach sich.

a. Karrierefrauen

Berufstätigkeit und gesellschaftliches Engagement sind für Frauen aus den Mittelschichten nicht unüblich. Theoretisch stehen Frauen alle Berufe offen. Es gibt heute wesentlich mehr Ärztinnen, Juristinnen oder Ingeneurinnen als früher – Berufsfelder, die lange fast gänzlich Männern vorbehalten waren. Nach Angaben der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO) waren 1995 bereits 32,8 Prozent aller leitenden Positionen von Frauen besetzt (1986: 22,7 Prozent).

Zum einen müssen sich Frauen dabei allerdings an die „maskuline Natur von Geschäftswelt und Strategieplanung“ (Roffey) anpassen, zum anderen ist dadurch die klassische Zuweisung von Haushalt und Kindern an Frauen nicht aufgebrochen worden. 

Bei dieser Doppelbelastung von Familie und Beruf sind es selten die Männer, die in die Bresche springen. In besser gestellten Haushalten übernehmen Frauen aus unteren Schichten als Kindermädchen (Yayas) oder Hausangestellte diese Aufgabe. So hat die „Flexibilisierung des Arbeitsmarktes [...] mehr Gleichberechtigung zwischen hoch qualifizierten Frauen und Männern der Mittelklasse erzeugt, während sie zu größerer Ungleichheit unter Frauen aus unterschiedlichen Klassen, Ethnien und nationalen Zugehörigkeiten geführt hat. Hausangestellte sind die Voraussetzung, um Frauen der Mittelklasse Berufskarrieren zu ermöglichen.“ Vielen Frauen fehlt allerdings das Geld, jemanden anzustellen. Besonders Frauen, die sich von ihren Männern getrennt haben, verweigert das Umfeld häufig die Unterstützung. Sie können kaum ein ausreichendes Einkommen erwirtschaften.

b. Migration

Die zunehmende Feminisierung der Migration bringt das traditionell patriarchale Geschlechterverhältnis gehörig durcheinander. Oft werden Frauen durch das vergleichsweise hohe Einkommen im Ausland zu den wichtigsten Familienversorgerinnen. Das stellt allerdings das Ideologem der „Hinzuverdienerin“ in Frage. „Weil die Frau traditionell als Hausfrau und Hauptsorgende (primary caregiver) gilt, durchläuft eine Familie viel mehr Anpassungsprozesse, wenn Mütter gehen, als wenn Väter auswandern.“, so Asis.

Alicia Pingol hat in ihrer Untersuchung über Männer von Arbeitsmigrantinnen verschiedene Reaktionen festgestellt. Die einen werden zu Alkoholikern und vernachlässigen ihre Arbeit und ihre Kinder. Andere dagegen weisen traditionelle Frauenaufgaben nicht von sich, sondern redefinieren sie in einer Weise, dass sie sich mit ihrem Männlichkeitsverständnis vereinen lassen, „das von ihnen verlangt, die Kontrolle zu behalten.“ (Pingol). Sie betrachten Hausarbeit zum Beispiel als Ausdruck ihrer männlichen Organisationsfähigkeit.

Pingol hat allerdings auch festgestellt, dass die Arbeitsmigrantinnen sehr bemüht sind, die Egos ihrer Männer zu schützen. Sie lassen ihn fühlen, dass sie ihn weiter als Kopf der Familie betrachten, zum Beispiel indem sie ihn fragen, ob sie ihre Verträge verlängern dürfen.

c. „Häusliche Gewalt“

Insgesamt, so das Ergebnis einer Studie der De La Salle University, ist die Rollenverunsicherung ein zentraler Anlass für Gewalt von Männern an ihren Frauen und Kindern. „Die Konfliktursachen sind eindeutig auf Abweichungen von den gesellschaftlich zugewiesenen Rollen von Männern, Frauen und Kindern zurückzuführen, also auf „[...] die Unfähigkeit des Mannes, für die Familie zu sorgen, [...] Frauen, (die) ihre reproduktiven und produktiven Aufgaben nicht erfüllen und Ungehorsam und Trotz von Seiten der Kinder.“ (De La Salle, 2004). So erklärte ein Teilnehmer an dem Forschungsprojekt: „Hat der Mann keine Arbeit und versucht nicht, eine zu finden, verliert die Frau ihren Respekt vor ihm und tadelt ihn ständig. Der Mann wird wütend und beschimpft seine Frau.“ Gerade unter armen Männern ist ein solches Verhalten festzustellen: „Männer, die kein Land oder Besitz haben, eignen sich die einzige Sphäre an, die ihnen zugänglich ist: die sexuelle.“ (Eviota)

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