Asienhaus-Rundbrief 33/2003, 28.11.2003

--------------------------------------------------------------------------------------
In Kürze:
1.) 2004: Wahlen in Asien
2.) Unterzeichnen Sie die Petition für die Freilassung von Irene Fernandez, Malaysia
3.) Neu: Newsletter der Deutschen Osttimor Gesellschaft
4.) 1.12., 18.30, Dortmund: Eröffnung der Rikscha-Ausstellung
5.) 13.11., 11-17 Uhr, Asienhaus: Einführung für Indien-Reisende
6.) China: Soziale Verwerfungen auf dem Lande (eine Buchbesprechung)
--------------------------------------------------------------------------------------
Neu: Der Newsletter zu "Informationen über Wahlen in Asien 2004"
Bestellen Sie hier!
--------------------------------------------------------------------------------------

ad 1) 2004: Wahlen in wichtigen asiatischen Ländern
Nähere Einzelheiten unter www.asienhaus.de/wahlen2004

Zurück

Im nächsten Jahr stehen in einer großen Zahl asiatischer Länder Wahlen an, die große Bedeutung für die weitere politische und soziale Entwicklung in diesen Ländern und in der gesamten Region haben werden. In Hongkong, Indonesien, Indien, Malaysia, die Philippinen, Südkorea und Thailand sind die Wähler aufgerufen, neue Repräsentanten zu wählen.

Das Asienhaus wird diese Wahlen mit einem Webangebot und einem Newsletter begleiten und dabei insbesondere der Frage nachgehen, welche Bedeutung diese Wahlen für die Entwicklung der Demokratie und der Rolle der Zivilgesellschaft in diesen Ländern haben werden.  

ad 2) Unterzeichnen Sie die Resolution für die Freilassung von Irene Fernandez, Malaysia

Zurück

Unterzeichnen Sie hier: siehe: http://www.ipetitions.com/campaigns/irene_fernandez/

Am 16. Oktober wurde Irene Fernandes, Direktorin der malaysischen Frauenrechtsorganisation Tenaganita zu 12 Monaten Gefängnis verurteilt, weile sie im August 1995 ein Memorandum zu"Abuse , Torture and Dehumanized Treatment of Migrant Workers in Detention Cetnres" im Auftrag ihrer Organisation veröffentlicht hatte.

Weitere Einzelheiten und weitergehende Informationen über das Memorandum finden Sie auf der Webseite von Tenaganita.  

ad 3) Neu: Newsletter der Deutschen Osttimor Gesellschaftl 
siehe www.osttimor.de, Bestellungen an: osttimor@yahoo.de 

Zurück

Die Deutsche Osttimor-Gesellschaft hat die erste Ausgabe ihres Newsletters erstellt. Sie will mit diesem Newsletter über Entwicklungen in und um Osttimor, über Aktivitäten zu Osttimor und über die Aktivitäten der Deutschen Osttimor-Gesellschaft informieren.

Sie können den Newsletter unter der o.g. e-mail-Adresse bestellen. Die erste Ausgabe kann auch über diesen Link direkt aus dem Internet heruntergeladen werden.

ad 4) 1.12., 18:30, Dortmund: Eröffnung der Rikscha-Ausstellung 
Berswordthalle (Stadthaus) am Friedensplatz

Kontakt: ulrike.bey@asienhaus.de 

Zurück

Die nächste Station der Rikscha-Ausstellung ist Dortmund. Sie wird dort vom 1.12. bis zum 21.12. in der Berswordthalle (Stadthaus) am Friedensplatz gezeigt werden.

Die Eröffnung der Ausstellung findet statt am 1. Dezember, 18:30. Sie wird eröffnet vom Stadtrat Ulrich Sierau und mit einem Vortrag von Rüdiger Siebert.

Für Lehrerinnen und Lehrer wurden von Thomas Hoffmann Unterrichtsmaterial zum Themenbereich "Rikscha" erstellt. Diese können gegen Unkostenerstattung als Kopien oder auf CD über die genannte Kontaktadresse bezogen werden.

Die Erstellung der Unterrichtsmaterialien wie die Durchführung der Rikscha-Ausstellung in Dortmund wurde gefördert von der Nordrhein-Westfälischen Stiftung für Umwelt und Entwicklung.

ad 5) 13.12., 11-17 Uhr, Asienhaus: Einführung für Indien-Reisende 
Anmeldung und Kontakt: niklas.reese@asienhaus.de  

Zurück

Am 13.12. veranstaltet das Asienhaus einen Tagesworkshop zu Indien. Insbesondere den TeilnehmerInnen am Weltsozialforum, das vom 16.-21.1. in Mumbai stattfinden wird, soll die Möglichkeit gegeben werden, sich auf Land und Leute einzustimmen. Eingeladen sind jedoch auch alle anderen Indien-Interessierten, die eine Einführung in die Situation Indiens bekommen wollen und durch Verhaltenshinweise ihren Aufenthalt ergebnisreicher gestalten wollen.

Referent ist Jürgen Clemensmeier vom Bergsträsser-Institut Freiburg.

ad 6) China: Soziale Verwerfungen auf dem Lande
von Dr. Manfred Kulessa 

Zurück

Der folgende Artikel bespricht das Buch von Mingrui Qin, Vom Aufbruch zum Verfall, Der Wandel eines chinesischen Dorfes, Dietrich Reimer Verlag, Berlin 2003, 327 S., ISBN 3-496-02749-5. Der Autor ist Dr. Manfred Kulessa, u.a. Mitglied im Kuratorium der Asienstiftung.

In dem Mitteilungsblatt der Deutschen China-Gesellschaft (1/2003) bezeichnet der ehemalige deutsche Botschafter Hanspeter Hellbeck die Landwirtschaft als “das Stiefkind der chinesischen Erfolgsstory”. Die große Zahl der Wanderarbeiter in den Städten ist als deutlichstes Symptom einer offensichtlichen Fehlentwicklung bekannt und wird meist auf eine Kombination von Push- und Pullfaktoren zurückgeführt. Wer sich über solche Generalisierung hinaus dafür interessiert, worin diese Fehlentwicklung auf dem chinesischen Dorf tatsächlich besteht, dem sei das Buch von Qin Mingrui empfohlen. Da das Thema von großer politischer Bedeutung ist,  wünscht man dieser soliden Arbeit  eine höhere Auflage und weitere Verbreitung.

Der Autor stammt aus der Provinz Hubei, kam im Jahre 1982 als Student nach Deutschland und lebt heute als Dozent in Lausanne. Nach mehreren Besuchen faßte er den Plan, die soziale und wirtschaftliche Situation der Menschen seines Heimatdorfes Changjiang zum Gegenstand einer Studie zu machen. Nach sorgfältiger Vorbereitung folgte im Jahre 1996 die Erhebung der Daten in zwölf Bereichen von der Land- und Hauswirtschaft bis zum religiösen Verhalten, der sozialen Sicherung und der Dorfverwaltung.  Dieses umfangreiche Material wird in dem vorliegenden Band dargestellt und ausgewertet. Dabei ergibt sich ein ungewöhnlich detailliertes Bild vom Bauernleben und seinen gegenwärtigen Nöten. 

Ländliche Feldforschung hat in China eine beachtliche Tradition. Schließlich hat etwa der junge Mao seine politische Arbeit  immer wieder auf eigene Erhebungen über die Lage der Bauern gestützt, und eine Reihe bürgerlicher Sozialwissenschaftler haben zu diesem Thema hervorragende Arbeiten vorgelegt. Wenn man Qin glauben darf, ist es damit heute weniger gut bestellt. Der besondere Wert seiner Arbeit liegt jedenfalls darin, dass er die Interviews in einer vertrauten und vertrauensvollen Umgebung machen konnte. In einem Ort wie Changjiang  (40 % Analphabeten) kann man nicht einfach Fragebogen verteilen. Wichtig ist auch, dass es sich nicht etwa um ein Dorf in einer Westprovinz oder einer anderen Gegend extremer Armut handelt. Der Ort liegt am Ufer des Yangtse im “Land von Reis und Fisch” und sollte gute Chancen für  Landwirtschaft und Fischzucht bieten. Ist das nicht der Fall, besteht in der Tat Anlaß zu großer Besorgnis. Dies will das Buch von Qin anzeigen.

Ursprünglich hatten die Deng’schen Reformen vor einem Vierteljahrhundert mit der Abschaffung der Kommunen und einem Akt der Bauernbefreiung begonnen. In den folgenden Jahren hatten erfolgreiche Landwirte oft sogar den Neid der Kader in Partei und Industrie erregt.  Inzwischen haben sich die Kosten der Produktionsmittel,  die Korruption der Kader und die von ihnen erhobenen Abgaben so erheblich erhöht, dass viele Bauern keinen Gewinn mehr erwirtschaften können. Qin berichtet z.B., dass die Abgabenlast in den Neunziger Jahren zwischen 30 und 60 Prozent der Einnahmen lag. Gewaltsam ausgetragene Konflikte und Landflucht sind oft genug die Folgen. ( Ein weiterer Fluchtgrund ergibt sich aus der Bevölkerungspolitik. So versuchen Ehepaare mit mehreren Töchtern, an einen anderen Ort zu fliehen, um dort  doch noch den ersehnten Sohn zu bekommen. ) 

Zu den manifesten Symptomen des Verfalls gehört die Verschlechterung des Gesundheitszustandes, seit die Basisversorgung (Stichwort  Barfußärzte) aufgelöst wurde und die  Privatisierung zu einem System rücksichtsloser Bereicherung geführt hat. Ebenso bedenklich erscheint es, wenn Eltern ihre Kinder nicht mehr in die Schule schicken,  um das Schulgeld zu sparen. Und von den “fünf Garantien” sozialer Sicherung auf dem Lande ist längst nicht mehr die Rede.

Für die Anhänger einer  Politik von Dezentralisierung und Basisdemokratie bieten die Beobachtungen des Autors konkretes Anschauungsmaterial. Offenbar ist in der Gegend von Changjiang die Position des von oben ernannten Parteisekretärs nach wie vor mit entscheidender Autorität ausgestattet, und die anderen Mitglieder des Dorfkomitees werden auch nicht von allen Einwohnern gewählt. Andererseits lernt der Leser einiges über die Bedeutung der vielfach schon überlebt geglaubten Klanzugehörigkeit. 

 Qin’s Fazit : “Die Probleme der Bauern sind dringend. Es müssen Lösungen dafür gefunden werden, wenn das Land vor grossen sozialen Unruhen, die in der Geschichte immer wieder auftreten, bewahrt werden soll.”  Das sollte zu denken geben.

___________________________________
Bestellung und Abbestellung des Asienhaus-Rundbriefes
--------------------------------------------------------------------------------

Asienstiftung Essen/Asienhaus Essen, Bullmannaue 11, D-45327 Essen,
Tel.: +49-201-8303838, Fax: +49-201-8303830

Koreaverband: koreaverband@asienhaus.de
Philippinenbüro: philippinenbuero@asienhaus.de
SOA-Infostelle: soainfo@asienhaus.de
Burma.Initiative: burma@asienhaus.de

Projekt Nachhaltigkeit: d.guerrero@asienhaus.de
China-Projekt: chinaag@asienhaus.de 

Spendenkonto des Asienhauses: 8204102, Bank für Sozialwirtschaft, BLZ 370 205 00
----------------------------------------------------------------------