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Asienhaus-Rundbrief 5/2006, 10.3.2006

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In Kürze:
1) Bücher bei Libri bestellen - das Asienhaus fördern  
2) 25.-26.3.: Ehrenamtlichen Workshop des Asienhauses

3) Ankündigung: Materialien zur Auseinandersetzung über den philippinischen Notstand

4) Hintergrund: Thailand - Eine zerrissene Psyche
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Leserumfrage zum Asienhaus-Rundbrief: Nehmen Sie sich 2 Minuten Zeit! 

ad 1) Bücher bei Libri bestellen - Das Asienhaus fördern!
siehe www.asienhaus.de/buchladen 

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ad 2) 25.-26.3: Ehrenamtlichen Workshop im Asienhaus
Kontakt: Klaus.Fritsche@asienhaus.de, zum Anmeldeformular

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Am 25.-26. März findet ein zweitägiger Workshop in Essen statt, deren Ziel es ist, InteressentInnen an ehrenamtlicher Mitarbeit im und Zusammenarbeit mit dem Asienhaus zusammenzubringen und Möglichkeiten und Formen der Zusammenarbeit zu diskutieren.. Die Einladung finden Sie hier

 

 

ad 3) Ankündigung: Materialien zum philippinischen Notstand
Kontakt: philippinenbuero@asienhaus.de
 

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Am 24.2. hat die philippinische Präsidentin Gloria Macapagal Arroyo hat nach einem angeblichen Umsturzversuch am Freitag den Notstand über das Land verhängt. Der Notstand wurde zwar am 3. März aufgehoben, die politische Situation ist dadurch aber nicht viel stabiler geworden.

Über Hintergründe über Ursachen, Verlauf und Konsequenzen dieser politischen Entwicklung wird die nächste Ausgabe von philippinen aktuell informieren. Die können diese Publikation entweder regelmäßig und kostenlos bestellen (www.asienhaus.de/newsletter). Sollten Sie nur an dieser Ausgabe interessiert sein, können Sie sie per mail beim Philippinenbüro (philippinenbuero@asienhaus.de) bestellen.

ad 4) Hintergrund: Thailand - eine zerrissene Psyche
von Surin Pitsuwan

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In Thailand gehen immer mehr Menschen auf die Straße, um gegen Premierminister Thaksin zu demonstrieren. Dieser hat das Parlament aufgelöst und kurzfristig Neuwahlen für den April angesetzt. Der folgende Artitel von Surin Pitsuwan stellt diese Entwicklung in den Rahmen tiefgreifender gesellschaftlicher Wandlungen in Thailand. Surin Pitsuwan ist Mitglied des Parlaments und stellvertretender Vorsitzender der Demokratischen Partei. Er ist Muslim aus dem Süden Thailands und war von 1997 bis 2001 Außenminister. (Der Artikel erschien in der Bangkok Post vom 24.2.2006)

Eine zerrissene Psyche
Von Surin Pitsuwan

Die thailändische Psyche leidet an einer Form von Schizophrenie, hin- und hergerissen zwischen zwei Führungsmustern – eines „traditionell“, das andere „digital“. Es besteht kaum Zweifel, welches Modell aufrechterhalten und welches verworfen werden muss.

Wie so vieles in der thailändischen Gesellschaft ist auch das politische Drama, das sich auf Bangkoks Straßen abspielt, ein komplex strukturiertes, tief sitzendes Phänomen. Während diejenigen Thais, die an den Demonstrationen teilnehmen, selbst nicht ganz verstehen, wie ein persönlicher Konflikt zwischen zwei ehemaligen Geschäftspartnern zu einem stetig wachsenden Volksaufstand mutieren konnte, der das einst unbesiegbare Thaksin-Regime zu stürzen droht, sind ausländische Beobachter sogar noch fassungsloser angesichts der Geschwindigkeit, mit der die sich verschlimmernden Ereignisse einmal mehr auf einen unmittelbar bevorstehenden politischen Wechsel zusteuern. Zunächst ist das Drama viel mehr als ein parlamentarisches Manövrieren zwischen der überwältigenden Mehrheit der regierenden Thai Rak Thai-Partei und der schwachen Opposition. Und es ist auch noch nicht einmal ein klassisches Machtspiel zwischen den größeren Fraktionen innerhalb des Parlaments, oder verschiedenen Lagern der Regierungspartei. Es ist auch kein Aufeinanderprallen kollidierender Interessen der Hauptunterhändler traditioneller thailändischer Machthaber - Militär, Bürokratie, politische Parteien und Geschäftswelt. Das derzeitige Drama gründet sich vielmehr auf dem Zusammenstoß zweier Führungsmuster. Das Drama ist psychologischer Natur, und die Bühne liegt im Bereich der thailändischen Psyche selbst.

Zwei Führungsmodelle

Während der letzten 60 Jahre – also für einen Großteil der Geschichte seiner parlamentarischen Demokratie –  war das thailändische Volk mit einer Anteil nehmenden, weisen, vernünftigen, entgegenkommenden, sanften, intellektuellen und mitreißenden Führung gesegnet. Zu allen Zeiten nationaler Krisen konnte das Volk von ihrem Souverän, einem Quell der Weisheit und Rechtschaffenheit, moralisch einwandfreie Leitung erwarten. Der Studentenaufstand am 14. Oktober 1973, das Massaker des 6. Oktober 1976, der Schwarze Montag 1992 und die Finanzkrise 1997 – alle wurden Zeugen beruhigender und bewegender Ermahnung. Und der „traditionelle thailändische Führungsstil“ diente von je her als moralischer Kompass für die gesamte thailändische Gesellschaft, ohne einen Unterschied zu machen zwischen wirtschaftlicher Schicht oder ethnischer und religiöser Abstammung. Die Ermahnung basierte stets auf den traditionellen thailändischen Werten des jahrhundertealten Buddhistischen Dharma und des kulturellen Erbes. Rat war immer willkommen und wurde wie „Tropfen milden Regens vom Himmel“ aufgenommen. Der behutsame Führungsstil offenbarte die beste Form „sanfter Gewalt“ in der Kunst der Herrschaft. Rat wurde stets voller Mitgefühl und Wohlwollen zum Vorteil des Volkes erteilt, niemals eigennützig, niemals im Scherz. Er war beständig konstruktiv und der angesprochenen Zielgruppe angemessen. 

Während der letzten fünf Jahre war das thailändische Volk einem gänzlich anderen Führungsstil unterworfen. Ziemlich selbstsüchtig, bombastisch, ungehobelt, unverschämt, aggressiv, materialistisch, kämpferisch und frei von jeglicher philosophischen und moralischen Dimension. 

All dies wurde als „intellektuell, modern, informativ und rational“ präsentiert. Einige gingen sogar so weit, von einem „digitalen Führungsstil“ zu sprechen. Er ist schnell, präzise, zeitgemäß, beruhigend und erfrischend für Ungeduldige. Doch bei näherer Betrachtung handelt es sich bloß um eine Führung, die praktische Anleitungen gibt. Wie man reich wird, wie man zu mehr Macht gelangt, wie man besser verkauft, wie man anderen ein Stück weit voraus ist, wie man Menschen beeinflusst, wie man sie betrügt ohne dabei erwischt zu werden, wie man sie ausraubt und ungeschoren davonkommt. 

Die meisten der „neuen Bücher, die ich dieses Wochenende gelesen habe und die man einfach gelesen haben muss“ sind genau das. Nichts Ethisches, nichts Philosophisches, nichts Ästhetisches, nichts Moralisches und ganz sicherlich nichts Historisches. Oftmals werden die Thais beraten, wie sie reicher würden. „Macht es wie ich. Verschuldet euch. Wie kann man reich werden, wenn man sich nicht zuerst verschuldet? Seht mich an. Ich bin jetzt reich.“ Bedauerlicherweise sind viele leichtgläubige Thais dieser Art von Ratschlag gefolgt und sind nun höher verschuldet als sie es jemals vorgehabt hätten. Der entgegengesetzte Rat der traditionellen Führung war die „Subsistenzwirtschaft“. „Lebt nicht über eure Verhältnisse. Verausgabt euch nicht zu sehr. Verschuldet zu sein ist eine schlimmere Art des Leidens.“ Das ist sehr weise, und gewiss sehr buddhistisch. 

Eine zerrissene Psyche

Die thailändische Psyche leidet nun also an einer Form von Schizophrenie, hin und hergerissen zwischen zwei Führungsmustern. Während die „Himmlische Stimme“ verdrängt wird von dem „teilenden Ruf“, der die Thais den Weg zur Selbstzerstörung entlangprügelt, ist die gesamte thailändische Gesellschaft in Verwirrung gestürzt. Sie sind überzeugt, dass der traditionelle Führungsstil, den sie gewöhnt waren und nach dem sie sich die letzten sechs Dekaden gerichtet hatten, verlässlicher ist, besser aufrecht zu erhalten, und beruhigender; die letzten fünf Jahre wurden sie wie Vieh einem fernen Trugbild entgegengetrieben, das über einer trockenen Wüste immer weiter gen Horizont zu entweichen schien. 

Die Thais ähneln nun einem Patienten, der auf der Couch einer psychiatrischen Abteilung analysiert wird. Das Bedauerliche ist, dass weder der Arzt noch der Patient wissen, dass die Grundursache ihrer Ernüchterung in ihrem eigenen Karma liegt: Man erntet, was man sät. Alles Leiden hat seine Ursache. Und immer ist es unser eigenes Tun. 

Es ist Zeit für die Abrechnung. Und sehr bald werden wir alle herausfinden, dass wir all die Jahre in die Irre geführt worden sind, betrogen und übers Ohr gehauen. So viel zur „digitalen Führung“.

Die gegenwärtige Welle der Demonstrationen kann demnach verstanden werden als Symptom einer leidenden Psyche, durcheinandergebracht durch übermäßigen Konsum, aus dem Gleichgewicht gebracht durch übertriebenen Ehrgeiz, eine Psyche, die sich nach der richtigen Ausgeglichenheit sehnt, die ihr einzig durch eine weise Führung beschert werden kann. Die Konfrontation wird kein Ende nehmen, der Druck wird nicht weichen und die Legitimität wird nicht wiederhergestellt werden, bis die „ungehobelte, unverschämte, materialistische und kämpferische“ Führung weicht und ersetzt wird. Denn was auf den Straßen tobt ist nicht, was es auf den ersten Blick scheint. Es spiegelt eine tiefer sitzende Erkrankung wider, die das thailändische Wohlbefinden gänzlich zerfrisst. Das wird nicht länger geduldet. Die Psyche muss sich von diesem fremdartigen Eingriff in ihr Gebiet befreien. Es ist der Traditionelle Führungsstil, der an Macht und Raum zurückfordert, was der Digitale übernommen hatte. Die traditionellen „Vorrechte“ schlagen zurück. Und die psychische Gesundheit der thailändischen Nation wird in den idealisierten buddhistischen Zustand von Harmonie und Ausgeglichenheit zurückkehren müssen. Alle Kräfte werden jetzt entfesselt, um diese entscheidende Schlacht zu gewinnen. Bis dahin werden wir nichts als Haltlosigkeit und Unsicherheit erfahren. 

Die thailändische Persönlichkeit sieht sich in Stücke gerissen von den zwei Führungsstilen, die sich auf dem Gebiet der thailändischen Psyche gegenüberstehen. Sie gleicht einem Schiff auf einer rauhen See aus Drohungen und Herausforderungen des rasanten Umbruchs und dem wachsendem Druck der Globalisierung und Konkurrenz.  Die Krankheit kann nicht geheilt werden, bevor nicht die Tröstende Hand wieder die Kontrolle übernimmt über den gefahrvollen Kurs. Und diese Rückkehr steht unmittelbar bevor.

In dieser Zeit der Unordnung und lauten Demonstrationen in der Hauptstadt lachen sich die Menschen im Süden kaputt. Sie lehnen jegliche Mitverantwortung an dem Elend, das einem in der Hauptstadt begegnet, ab. Sie sagen, sie hätten ihn von Anfang an durchschaut: „Wir haben ihn erst gar nicht in die Regierung gewählt“, sagen sie.

Wir wollen unsere traditionelle Führung wiederhaben! Lang lebe die Traditionelle Führung!

(Die Übersetzung besorgte Michaela Unterbarnscheidt).

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