Asienhaus-Rundbrief 6/2004, 19.3.2004

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In Kürze:
1.) Düsseldorf - 3.4., 11.30: Eröffnung der Rikscha-Ausstellung
2.) Seoul: Staatsanwaltschaft fordert 15 Jahre für Prof. Song Du-Yul 
3.) Indien: Tödliche Vergiftungen durch Bayer-Pestizide (Presseerklärung)
4. 7.-8.5., Königswinter: Südasien im Wahljahr 2004
5.) Kommentar:  Viel Wind um wenig - Die Demokratisierung Südostasiens stockt
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ad 1) Düsseldorf - 3.4., 11.30: Eröffnung der Rikscha-Ausstellung
Kontakt: ulrike.bey@asienhaus.de, www.rikscha-rikscha.de 

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Vom 1. bis zum 21. April wird die Rikscha-Ausstellung in der Düsseldorfer Volkshochschule am Bertha-von-Suttner-Platz 1 (am Hauptbahnhof) gastieren. 

Am Samstag, den 3. April, 11.30 findet die Eröffnungsveranstaltung zur Ausstellung statt. Sprechen wird einer der Produzenten der Ausstellung, Dr. Thomas Hoffmann. 

Die Ausstellung wird gezeigt in einer Kooperation des Asienhauses mit dem ADFC, dem Eine Welt Forum Düsseldorf und der Voklshochschule Düsseldorf.

Auch in Düsseldorf bieten wir nach Absprache Führungen an, insbesondere im Rahmen der Ferienbetreuung. Die Begleitmaterialien für den Unterricht stehen nun unter www.rikscha-rikscha.de zum Download zur Verfügung. 

 

ad 2) Seoul: Staatsanwaltschaft fordert 15 Jahre für Prof. Song Du-Yul
siehe www.freesong.de    

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Der Prozeß gegen Prof. Song Du-Yul nähert sich seinem Ende. Am 9. März wurden die Plädoyers gehelten. Die Staatsantwaltschaft forderte dabei eine Haftstrafe von 15 Jahren für Professor Song – nicht ohne zu erwähnen, dass “eigentlich eine lebenslange Haft angemessen wäre, sich aber aufgrund der gewandelten innerkoreanischen Atmosphäre nach dem Gipfeltreffen im Jahre 2000 diese Strafe erklären ließe”.

Beobachter zeigten sich schockiert und fassungslos, da die Staatsanwaltschaft wiederum keinerlei Beweise für die Behauptungen in ihrem Plädoyer angaben und den gesamten Prozessverlauf komplett zu ignorieren schien: es handelte sich vielmehr um eine diffuse und haltlose Aneinanderreihung von Anschuldigungen und Verleumdungen, in einem Tonfall, der den kalten Krieg wiederaufleben ließ. Das Denken Professor Songs wurde gefährlicher eingeschätzt als eine Waffe, “sein Wirken und sein Einfluss in Südkorea wären noch schlimmer als Morde an hochrangige südkoreanische Persönlichkeiten”. Toleranz könne man nicht zeigen in diesem “schwerwiegendsten Spionagefall seit der Existenz des Nationalen Sicherheitsgesetzes”, da “Nordkorea immer noch eine akute Gefahr Südkoreas darstelle”.

Die Verteidigung plädierte auf Freispruch in allen Anklagepunkten, legte ausführlich Gegenbeweise fuer alle Anschuldigungen vor und sprach gleichzeitig von der “großen Scham, die man in Zukunft empfinden wird, wenn man auf diesen Prozess zurückblicken wird”.

Professor Song erläuterte in seinem Schlusswort: “Was wird der Ausgang dieses Prozesses den Menschen sagen, deren Herzen voller Hoffnung sind, dass die Teilung unseres Landes dem Ende zu geht und die Zeit der Vereinigung gekommen ist?”… “Ich wünsche mir, dass ein Impuls ausgelöst wird, der die Menschen untereinander und die Menschen und die Natur in diesem zweigeteilten Land einen Schritt weiter aufeinander zugehen lässt, auf dem Weg zur Versöhnung dieses herrlichen Landes.”

Das Urteil wird am 30.3. um 10h verkündet werden.

ad 3)  Indien:  Tödliche Vergiftungen durch Bayer-Pestizide (Presseerklärung)
siehe: www.CGBnetwork.de 

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Die "Coordination gegen die Bayer-Gefahren" informierte in einer Erklärung über tödliche Vergiftungen durch Pestizide, die von Bayer produziert werden, jedoch in Europa verboten sind. Hier folgt der volle Wortlaut:

Im südindischen Baumwollgürtel kommt es zu einer hohen Zahl von Vergiftungen durch Pestizide der Firma BAYER. Dies belegen Recherchen der TV-Journalistin Inge Altemeier. Da die Landarbeiter nicht über die Risiken des Gifteinsatzes aufgeklärt werden und keine Schutzkleidung besitzen, kommt es täglich zu tödlichen Vergiftungen. Allein im Krankenhaus der Provinzhauptstadt Warangal müssen monatlich bis zu eintausend Fälle behandelt werden. 

BAYER kontrolliert in Indien rund 80 % des Pestizidmarkts. Große Mengen der in Europa nicht mehr zulassenen Agrogifte wie Monocrothopos lässt der Konzern von Subunternehmern produzieren - besonders im Industriegebiet von Vapi. Aufgrund fehlender Sicherheitsstandards sind Unfälle dort an der Tagesordnung. Das Grundwasser ganzer Landstriche ist mit Agrogiften verseucht, so dass sich die Bewohner aus Tankwagen versorgen müssen und hierfür einen großen Teil ihres Einkommens aufbringen müssen. 

Die von BAYER vertriebenen Pestizide gelangen über die Baumwolle auch in die Textilproduktion. Die dort beschäftigten Arbeiterinnen atmen die Gifte in großen Mengen ein. Im  Textilstandort Tripur beträgt die Lebenserwartung lediglich 35 Jahre.

"BAYER muss seiner Verantwortung nachkommen und die indischen Landarbeiter über die Gefahren der Pestizide aufklären. Die von der WHO mit der Gefahrenklasse I gekennzeichneten Pestizide müssen sofort vom Markt genommen werden, sonst sterben immer mehr Menschen", so Markus Saxinger von der Coordination gegen BAYER-Gefahren (CBG). Der BAYER-Konzern ist weltweit der zweitgrößte Pestizidhersteller. Das Unternehmen hatte 1995 angekündigt, Wirkstoffe der höchsten Gefahrenklasse innerhalb von fünf Jahren aus dem Sortiment zu nehmen. Dieses Versprechen wurde jedoch bis heute nicht umgesetzt.

Bei der Verwendung von Agrogiften ist der Baumwollgürtel im Bundesstaat Andrha Pradesh "Welt-Spitzenreiter". Zunehmend werden dort Missbildungen von Kindern beobachtet, auch die Krebsrate steigt. Aufgrund von Resistenzbildung werden immer größere Giftmengen eingesetzt. Wegen Überschuldung nahmen sich im letzten Jahr allein in Andrha Pradesh 700 Bauern das Leben.

Textilien aus Tripur werden in großer Menge auch nach Deutschland exportiert. Viele gefährliche Pestizide fehlen auf der Liste der zu prüfenden Schadstoffe und gelangen so auch in hierzulande verkaufte Kleidung

ad 4) 7.-8.5., Königswinter: Südasien im Wahljahr 2004 (Seminar) 
siehe: www.azk.de 

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Unter dem Titel "Diktatur, Demokratur, Demokratie - Südasien im Wahljahr 2004", veranstaltet das Südasienbüro Bonn in Kooperation mit dem Arbeitnehmerzentrum Königswinter vom 7.-8. Mai dieses Seminar (Arbeitnehmer-Zentrum Königswinter, Johannes-Albers-Allee 3, 53639 Königswinter).

Nähere Informationen über den Verlauf des Seminars und Anmeldemöglichkeiten finden sich auf der Homepage des Arbeitnehmerzentrums.

ad 5) Kommentar: Viel Wind um wenig -Die Demokratisierung Südostasiens stockt 
von Moritz Kleine-Brockhoff

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Moritz Kleine-Brockhoff arbeitet als Korrespondent in Südostasien. Der folgende Artikel wurde erstmals am 5.3.2004 im Berliner Tagesspiegel veröffentlicht. Wir danken dem Autor und dem Tagesspiegel für die Abdruckgenehmigung. 

 

Bewegt sich was in Südostasien? Malaysias Ministerpräsident Abdullah Badawi hat das Parlament aufgelöst, in den kommenden zehn Monaten wird in Südostasien in vier Ländern gewählt: in Malaysia, Indonesien, Thailand und auf den Philippinen. Kambodscha hat das schon getan, wartet aber noch auf die neue Regierung. Auch viele Singapurer glauben, dass sie einen neuen Regierungschef bekommen. Und die Junta in Myanmar (Birma) verspricht, dass dort – sechzehn Jahre nach der blutigen Niederschlagung der Demokratiebewegung – wieder ein Parlament zusammentreten darf. Doch was nach Bewegung aussieht, ist weitgehender Stillstand. Die Demokratisierung stockt.

 

Der Militärdiktatur Myanmars traut niemand. Das Land gehört zu den vier Polit-Monolithen im Staatenbund Asean. Wie Brunei, wo ein Sultan herrscht, wie Vietnam und Laos, wo die Kommunisten am Ein-Parteien- System festhalten. In Malaysia und Singapur gibt es eine Opposition, aber mit Fesseln, ohne Meinungsfreiheit, ohne Versammlungsrecht. Die Wahlen sind nicht fair, Wahlkampf ist kaum möglich. Malaysias Ministerpräsident Abdullah hat sein Amt im Herbst geerbt. Das Parlament löst er auf, weil er rasche Wahlen für günstig hält. Der Wirtschaft geht es gut, Abdullah hat mit einer Antikorruptionskampagne Pluspunkte gesammelt. Verlieren kann er nicht, der einzige ernst zu nehmende Konkurrent sitzt seit 1998 im Gefängnis – weil er die Regierung kritisiert hat.

 

Singapur erledigt laute Oppositionelle durch Verleumdungsklagen. Vorbestraft und nach hohen Geldbußen bankrott, dürfen und können sie sich nicht politisch betätigen. An dieser Praxis wird ein Wechsel wenig ändern. Lee Hsien Loong soll Goh Chok Tong als Regierungschef ablösen – und die Lee-Dynastie fortsetzen. Sein Vater hatte Singapur gegründet und jahrzehntelang regiert, vom Sohn erwartet niemand Überraschungen.

 

Die wird es auch in Kambodscha nicht geben, wo seit 1985 der „starke Mann“ Hun Sen regiert. Nach etwas Demokratisierung und „nur“ 31 politischen Morden vor der letzten Wahl hat Hun Sen doch tatsächlich seine Zweidrittelmehrheit verloren! Statt eine Koalitionsregierung zu bilden, streiten sich Kambodschas Politiker. So regiert Hun Sen eben ohne Parlament. Auch Nachbar Thailand hat seit 2001 einen starken Mann, Thaksin Shinawatra. Im Land mit der modernsten Verfassung Südostasiens erhielt die Partei des Populisten so viele Stimmen, dass Thaksin machen kann, was er will. Unter dem asiatischen Berlusconi ist alles Chefsache. Thaksin ordnete einen Krieg gegen Drogen an, bei dem 2500 Menschen erschossen wurden. Die Medien kontrolliert oder drangsaliert er. Acht Prozent Wirtschaftswachstum, billige Arztbesuche für alle, Regierungskredit für jedes Dorf – Thaksin wird wieder gewählt.

 

Spannende Wahlen dürfte es nur in Indonesien und auf den Philippinen geben. In Manila war Präsidentin Gloria Arroyo vor drei Jahren durch einen friedlichen Staatsstreich an die Macht gekommen. Jetzt will sie gewählt werden, obwohl sie wegen des unsauberen Aufstiegs versprochen hatte, „aus Patriotismus“ nicht zu kandidieren – um das Land nicht zu spalten. Jetzt tritt sie doch an. Gegen Herrn Poe, einen Filmstar ohne politische Erfahrung und Programm. Arroyos gewählter Vorgänger war ebenfalls Exschauspieler.

 

Aus Indonesien dringen schlimme Terrormeldungen. Nur wenige bemerken, dass das islamische Land sich erfolgreich reformiert: Nach langer Militärherrschaft wächst seit 1998 eine Demokratie, im Juli wählen die Bürger den Präsidenten erstmals direkt. Leider wissen sie nicht, wen. Die passive Präsidentin Megawati Sukarnoputri hat enttäuscht – und bleibt doch Favoritin, weil von den vielen Konkurrenten keiner so richtig populär ist. Einer müsste die Opposition bündeln, vielleicht Exminister Wiranto vor der Stichwahl. Er war General und Armeestabschef des Diktators Suharto, jetzt gibt er den Reformer. Der Adjutant des Diktators als erster direkt gewählter Präsident des endlich demokratischen Indonesien? Das hört sich unglaublich an. Ist aber in Südostasien gut möglich.

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