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Asienhaus-Rundbrief 7/2007, 11.5.2007

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In Kürze:
1) Osttimor: Ramos-Horta neuer Präsident
2) 12.6., Essen: Bedroht China wirklich unsere Zukunft?

3)
Kambodscha: ARS-Stipendiatin in Aktion
4) Diskussion: Eine Welt mit chinesischen Charakteristika
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ad 1) Osttimor: Ramos-Horta neuer Präsident 

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Fast unbemerkt von der deutschen Öffentlichkeit fanden in Osttimor die Präsidentschaftswahlen statt, Ende Juni werden die Parlamentswahlen folgen. Im nächsten Asienhaus-Rundbrief wird ein ausführlicher Bericht zu den Wahlen erscheinen. Der folgende Bericht von Moritz Brocke-Kleinhoff erschien am 10. Mai in der Frankfurter Rundschau.

Einen überwältigenden Sieg hat der Friedensnobelpreisträger José Ramos-Horta bei den Präsidentenwahlen in Osttimor errungen: Nach Auszählung von 90 Prozent der Stimmen hatte der amtierende Premier am Donnerstag bereits 73 Prozent der Stimmen und konnte seinen Triumph feiern. Zwar ist er in ein repräsentatives Amt ohne formelle Macht gewählt worden. Doch er ist keiner für die zweite Reihe. Und er hat sich viel vorgenommen: "Ich werde nicht bloß Zeremonien leiten. Als Staatschef, das ist meine Verfassungsinterpretation, habe ich die politische und moralische Verantwortung, der Regierung und dem Parlament etwas zu sagen. Ich will zum Beispiel, dass 50 Millionen US-Dollar an die ärmsten Familien gehen." In Osttimor - die südostasiatische Inselhälfte ist erst seit 2002 unabhängig - sind fast alle Familien arm. Ramos-Horta will sofort Osttimors Petroleum-Fonds nutzen, dessen 1,2 Milliarden US-Dollar bislang unangetastet blieben.

Sein Dreitagebart wächst in drei Stunden. Seine Stimme ist tief, sie kann ganz weich und eine Minute später fürchterlich autoritär klingen. Er regt sich oft über kritische Journalisten auf, weil die ja keine Ahnung haben. Dabei war er selbst mal einer. José Ramos-Horta: Friedensnobelpreisträger, Kosmopolit, Diplomat, Staatsmann. Er ist eitel. Er ist ein beeindruckender Mann, er weiß das, und er sagt es. "Soll ich auf Englisch, Portugiesisch, Französisch, Indonesisch oder Tetum antworten?", prahlt er gern. Und er beherrscht die Sprachen wirklich.

Der Vater Portugiese, die Mutter Osttimoresin, José ist eines von zwölf Kindern. Nach katholischer Erziehung und Bildung arbeitet er als Reporter. Als Osttimor 1975 die Unabhängigkeit von der Kolonialmacht Portugal erklärt, wird Ramos-Horta Außenminister. Da ist er gerade 25. Zehn Tage später marschiert der Nachbar Indonesien ein. Ramos-Horta verlässt das Land, lebt ein Vierteljahrhundert im Exil, studiert in Europa und den USA, schätzt Jazz, verbringt zehn Jahre in New York. Unermüdlich setzt er sich für sein von Indonesien annektiertes Osttimor ein, wo Zehntausende durch Gewalt oder an Krankheiten sterben. Ramos-Horta klagt an, spricht von Völkermord und erhält als "Stimme Osttimors" 1996 zusammen mit Bischof Belo den Friedensnobelpreis. Drei Jahre später, die Indonesier ziehen nach einem Unabhängigkeits-Referendum ab, kehrt der Diplomat in seine Heimat zurück. Im unabhängigen Osttimor wird er Außen- und Entwicklungsminister, später auch Verteidigungsminister und Premier. Zwischendurch hatte Ramos-Horta sich als Nachfolger von UN-Generalsekretär Kofi Annan ins Gespräch gebracht. "Es gibt viel Unterstützung für mich", glaubte er - und irrte.

Und nun wird José Ramos-Horta Präsident. Er wird mit 56 Staatschef eines Landes, in dem vor einem Jahr Militär und Polizei auseinanderbrachen und aufeinander schossen. Seitdem sind australische Soldaten und UN-Polizisten da. Ost- und Westtimoresen brennen sich gegenseitig die Häuser ab. Verfeindete Jugendbanden bekämpfen sich. "Die Gewalt muss aufhören. Wir müssen damit aufhören!", rief Ramos-Horta im Wahlkampf. Sein erster Test im Amt kommt schnell, schon kämpfen die Parteien um die wahre politische Macht, im Juni ist Parlamentswahl. Der Friedensnobelpreisträger Ramos-Horta muss helfen, für Frieden zu sorgen.

ad 2) 12.6., 19 Uhr, Essen: Bedroht China wirklich unsere Zukunft
Kontakt: klaus.fritsche@asienhaus.deVeranstaltungsflyer, Politischer Salon Essen

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Über dieses Thema diskutieren im Politischer Salon Essen 

Die Veranstaltung findet statt im 
Cafe Central im Grillo Theater, Theaterplatz 11, 45127 Essen. 

Der Eintritt ist frei - Karten jedoch erforderlich. Diese sind zu erhalten an der Theaterkasse oder durch eine Anmeldung an andrea.kamrath@politischer-salon.de. 

ad 3) Kambodscha: Anke-Reese-Stipendiatin im Einsatz
Kontakt: Klaus.Fritsche@asienhaus.de, Informationen zur Stipendiatin 2007

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Im März 2007 wurde das diesjährige Stipendium an Oda Riehmer vergeben, die in Phnom Penh ein Praktikum bei der lokalen NRO COMPED absolviert. In Deutschland arbeitet sie bei der Thüringisch-Kambodschanischen Gesellschaft mit.

In einem Schreiben berichtet sie, dass sie einen Weblog zum Thema "Medien und Demokratie in Kambodscha" eingerichtet hat und die Mitarbeit in COMPED ihr die Möglichkeit gibt, auch in entlegende Teile des Landes zu fahren. 

Durch eine Spende für das Anke-Reese-Stipendium können Sie auch in Zukunft anderen jungen Menschen die Möglichkeit geben, ähnliche Erfahrungen durch die Mitarbeit in asiatischen NRO zu sammeln.

ad 4)  Diskussion: Eine Welt mit chinesischen Charakteristika
von David Gosset (Artikel als pdf-Datei)

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Wie China zu verstehen und wie mit der wachsenden Bedeutung Chinas umzugehen - darüber finden zur Zeit intensive Diskussionen statt. Wir veröffentlichen hier einen Artikel von David Gosset, Direktor der Akademie Sinica Europaea an der China Europe International Business School in Shanghai und Gründer des Euro-China Forums, zu diesem Thema. Er fordert die Überwindung von "Distanz, Ignoranz und Arroganz", um die chinesische Realität besser zu verstehen. 
(Veröffentlicht am 11.4.2007 in www.atimes.com. Die Übersetzung erfolgte mit freunlicher Genehmigung des Autors durch Chantal Jessica Füllbeck.)

Mit Chinas wirtschaftlicher, sozialer, politischer und kultureller Erneuerung endet eine 50-jährige Ära westlicher Dominanz. Um die kommende „neue Weltordnung“ zu verstehen, muß man sich mit der komplexen Dynamik der chinesischen Entwicklung auseinandersetzen.

Einige falsche Vorstellungen, die sich aus einer unglücklichen Kombination von Distanz, Ignoranz und Arroganz ergeben, bilden ein großes Hindernis auf dem Weg zum Verstehen der chinesischen Realität. Die Lösung von diesen Vorurteilen wäre ein großer Schritt zu einem besseren Verständnis.

Oft wird angenommen, es handle sich bei China um einen weiteren, relativ homogenen Nationalstaat, so wie es Japan, Korea oder Vietnam in Asien sind. Tatsächlich aber ist China, mutatis mutandis, das Europa Asiens. Mit anderen Worten, China ist ein hoch differenzierter und heterogener Kontinent, dessen Komplexität nach differenzierter Analyse, diplomatischen Ansätzen oder focussierter Geschäftsstrategien verlangt.

Natürlich gibt es nicht „den“ chinesischen Markt. Das Gleichgewicht zwischen den verschiedenen Facetten der chinesischen Welt zu erhalten und sicherzustellen, dass ein Fünftel der Menschheit in annehmbaren materiellen Verhältnissen leben, sind zwei Hauptaufgaben der chinesischen Führung. Dies sind auch zwei wichtige Beiträge zur globalen Stabilität.

Da sich China dem „globalen Dorf“ öffnet, haben viele den Glauben und die Erwartung, der westliche Einfluss werde China verändern. Man kann vielleicht sagen, dass westliche Praktiken und Theorien auf die Chinesen einwirken. Auch wenn es war ist, dass westliche Praktiken und Theorien die chinesischen Menschen beeinflussen, befindet sich China in einem fundamentalen Prozess, die ausländischen Einflüsse in den eigenen Kontext zu transformieren. Von Shanghai nach Chongquing, von Dalian bis Hongkong, bedeutet technisch-ökonomische Entwicklung nicht Verwestlichung. Die chinesische Welt ist keine passive Einheit, sondern eine lebendige, sich entwickelnde Matrix verschiedener Zivilisationen.

Die jetzigen Veränderungen in der chinesischen Mega-Gesellschaft lassen eine Anzahl von Kontrasten entstehen, die uns helfen, die typischen Charakteristika der chinesischen Gesellschaft herauszukristallisieren: außergewöhnliche und vielfältige Persönlichkeiten, die Suche nach Harmonie und der Glaube an Erneuerung – im Wesentlichen genährt durch Selbst-Erneuerung, wie Robert van Gulik am Ende seines maßgeblichen Werks „Sexual Life in Ancient China“ (1961) bemerkte.

Dreißig Jahre nach Deng Xiaopings „Reform und Öffnung“ geht man nun dazu über, „Chinas Integration in das Weltsystem“ zu diskutieren. Das ist ein irreführender Ausdruck. Man kann China nicht integrieren, wie es beispielsweise die Europäische Union mit ihren neuen Mitgliedern macht. Wegen seines kontinentalen Ausmaßes und seiner lebendigen Zivilisation wird China viel eher als „Co-Architekt“ einer neuen Weltordnung fungieren. Der Westen wird sich dieser neuen Welt mit chinesischen Merkmalen anpassen müssen.

Für gewöhnlich wird Chinas Aufstieg als eine Quelle der Instabilität gefürchtet. Eine solche Annahme beinhaltet zwei Ungenauigkeiten: Erstens sollte man nicht von Chinas Aufstieg – nicht einmal einem „friedlichen Aufstieg“- reden, ohne zu berücksichtigen, dass es sich um ein Wiedererscheinen handelt. Zum Zweiten sollte man sich erinnern, daß China jahrhundertelang eine strukturierende Kraft in Asien und auch darüber hinaus war.

Tatsächlich liegt in Chinas Renaissance möglicherweise die Quelle für mehr Stabilität in Asien und insgesamt für ein stabileres globales System. Werden das „neue China“ und die Vereinigten Staaten aufeinanderprallen? Vergessen wir nicht, daß während des Zweiten Weltkriegs China und Amerika Alliierte im Kampf gegen Japan waren. 35 Jahre nach dem Shanghai-Kommuniqué sind China und Amerika de facto unabhängig. Mehr und mehr Menschen in Washington und Peking realisieren, daß eine echte sino-amerikanische Beziehung eine beispiellose Ära des Friedens und Wohlstandes im Pazifik bedeuten könnte.

Die Analysten debattieren über Chinas Modernisierung aber neigen dazu, nur seine ökonomische Dimension anzuerkennen. Jedoch durchläuft das post-imperiale und post-maoistische China ebenso einen Prozess politischer Modernisierung. Eine Demokratisierung mit chinesischen Attributen wird das Vokabular westlicher Politologen bereichern. Der Grad individueller Freiheit, den chinesische Bürger heute genießen, ist in der chinesischen Vergangenheit noch nicht dagewesen, und die Anstrengungen, Rechtstaatlichkeit zu etablieren, wird soziale, wirtschaftliche und politische Verbesserungen mit sich bringen.

Die westlichen Mainstream-Massenmedien konstruieren einen  „Chindia“-Mythos, aber China und Indien in dieselbe Kategorie zu stecken, ist intellektueller Betrug. Es handelt sich um zwei völlig verschiedene Zivilisationen. Zudem beinhaltet der Diskurs über Indiens formale Demokratie ein Paradoxon: Chinesische Bürger, Männer wie Frauen, haben im Durchschnitt bessere Chancen auf Bildung, einen ordentlichen Job zu finden und können mehr sozialen Pluralismus genießen als Indiens Einwohner. In China schränken unsichtbare Barrieren die individuelle Emanzipation nicht ein, so daß sozio-politische Reformen sich direkt auf das Leben der Menschen auswirken.

Der Westen lebt weiterhin in dem Glauben, auch in Zukunft die Avantgarde der Erde zu sein, die einzige Quelle materiellen und moralischen Fortschritts. Er sollte langsam begreifen, daß China bereits einen dynamischen Beitrag zum „globalen Dorf“ leistet und möglicherweise durch seine Fähigkeit zur Innovation und Modifikation in Zukunft möglicherweise eine neue Moderne mitgestaltet, in der es erneut eine zentrale Position einnimmt.

Der Westen kalkuliert den „chinesischen Faktor“ nun mit ein, aber kann es den Drachen ohne Befangenheit und Mißverständnisse betrachten? Können wir als Nicht-Chinesen, dem Drachen ohne Angst begegnen?

Westler assoziieren den Drachen schnell mit dem Bösen, das gezähmt oder eliminiert werden muß. Die Legende vom Heiligen Georg, der den Drachen erschlug, kehrt in der abendländischen Kultur immer wieder. Im chinesischen Kontext ist der Drache ein allgegenwärtiges und sehr positiv besetztes Symbol. In dem großartigen Gedicht Lisao („Klagelied nach der Trauer“) fliegt der große Dichter Qu Yuan mit Drachen, um einen Geschmack göttlicher Perfektion zu bekommen.

Man braucht keinen Heiligen Georg, um wahllos gegen alle Drachen zu kämpfen, oder, im Gegensatz, das westliche Bild des Bösen zu verdrängen, um der Unterschiede der beiden Rezeptionen gewahr zu werden.

Jonathan Spence schrieb in seinem Buch „To Change China: Western Advisers in China“:“Wenn schließlich beide Partner in dieser Gleichung eine neue Ebene des Selbstbewußtsein erreicht haben, dann erst gibt es eine Chance, dass sich alte Missverständnisse nicht wiederholen.“ In jedem Fall sollten wir uns freuen, dass die Begegnung zwischen China und dem Abendland zu einer neuen Ebene des Verständnisses einlädt. 

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