Asienhaus-Rundbrief 8/2005, 2.5.2005

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21. Mai: 10 Jahre Asienhaus - Eine Idee macht ihren Weg!
Mehr: http://www.asienhaus.de/10jahre
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In Kürze:
1) 21. Mai: 10-Jahre Asienhaus: das Programm steht   
2) Burma: Internationale Aktion zum Geburtstag Aung San Suu Kyis

3) 11.5., Essen: Film: "We are workers, or not?"
4) ASIEN 95 erschienen
5) 31. Mai, Hattingen:"Nach der Flut - Kulturen und Eine-Welt-Arbeit in NRW"
6) Indien: Die Tsunami-Katastrophe und das Danach 
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ad 1) Wir begrüßen den 1.000 Abonnenten des Asienhaus-Rundbriefes
Kontakt: 10jahre@asienhaus.de 

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Der 21. Mai rückt näher und damit die Veranstaltung zum 10jährigen Bestehen des Asienhauses. Das endgültige Programm können Sie unserer Internetseite www.asienhaus.de/10jahre entnehmen. Es erwartet Sie ein interessantes und buntes Programm mit Politik und Kultur. Es sprechen u.a.:

Dazu gibt es ein buntes Kulturprogramm: Tänze aus Indien und Sri Lanka (Tamilen), Koreanische Trommlergruppe, Angklung-Orchester und das Quartett sonorfeo. Der Abend wird beschlossen mit einer Live-Band, die Funk und Soul spielt.

Wir freuen uns über Ihre rege Beteiligung.

ad 2) Burma: Internationale Postkarten-Aktion zum 60. Geburtstag von Aung San Suu Kyi
Kontakt: burma@asienhaus.de 

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Anlässlich des 60. Geburtstages von Aung San Suu Kyi am 19. Juni ist weltweit eine Postkartenaktion ausgerufen worden. Mit dieser weltweiten Kampagne soll an die Situation der in Haft befindlichen Friedensnobelpreisträgerin und der politischen Gefangenen in Burma erinnert werden. Sie können sich an der Aktion beteiligen: drucken Sie die Geburtstagskarte aus ( http://www.asienhaus.de/burma/dokumente/60.GeburtstagD.PDF ) und schicken Sie sie bitte an die Burma.Initiative im Asienhaus, Bullmannaue 11, 45327 Essen. Einsendeschluss ist der 1. Juni 2005. Die Geburtstagskarten werden am 17. Juni der burmesischen Botschaft in Berlin übergeben.

Bitte leiten Sie den Link weiter.

ad 3) 11.5., 19:30, Essen: Film "We are workers, or not?"
Kontakt: ulrike.bey@asienhaus.de  

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Im Rahmen der Eine-Welt-Filmreihe, die das Asienhaus gemeinsam mit dem Eine-Welt-Forum Essen, pro asyl und dem Flüchtlingsrat NRW veranstaltet, wird am Mittwoch, 
11. Mai, 19.30 GREND, Essen Steele, Wetsfalenstr. 311
dieser Film gezeigt.

WE ARE WORKERS, OR NOT?
Regie: Kim Mi Re, Südkorea 2003, 60 min., OmeU
Die Fahrer einer koreanischen Betonfabrik finden sich plötzlich in einer seltsamen Situation wieder: Gegen ihren Willen werden sie zu „selbständigen Spediteuren“, auch wenn ihnen ihre Vorarbeiter und Chefs genauso kleinlich auf die Finger schauen wie vorher. Nur der Lohn sinkt, die Arbeitszeiten werden länger, und die Reparaturen ihrer LKWs zahlen sie selbst. Als sie eine Gewerkschaft gründen und den alten Status einfordern, zerbrechen ihre Illusionen von Dankbarkeit und Gerechtigkeit Stück für Stück. Drei Jahre lang kämpfen sie mit unglaublicher, fast militärischer Disziplin und großer Verzweiflung um Anerkennung bis sich schließlich die ersten Teilerfolge einstellen. Jahre zuvor haben ihre Kollegen in Japan exakt die gleichen Erfahrungen gemacht. Der Film der koreanischen „Labor News Production“ zeigt eindrucksvoll die koreanische Widerstandskultur und verdeutlicht gleichzeitig die weltweit stattfindende Prekarisierung von Arbeitsverhältnissen.
Dokumentarfilmpreis des Fribourg International Film Festival.

ad 4) ASIEN 95 (April 2005) erschienen
Bestellung: post@asienkunde.de und Inhalt

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Die Tsunami-Katastrophe im Indischen Ozean ist noch immer allgegenwärtig, zumal ein weiteres Seebeben jüngst stattgefunden hat. Die Rubrik "Asien aktuell" der ASIEN-Ausgabe 95 (April 2005) widmet sich den Folgen und Reaktionen dieser verheerenden Naturkatastrophe mit zwei Beiträgen.

Die drei referierten wissenschaftlichen Artikel befassen sich dann mit den Themen "Vom Nichtimmigrationsland zum Immigrationsland: der regionale Kontext der neuen Migration nach Japan", "Die gesellschaftliche Heterogenität der Länder Ostasiens: ein Vergleich der Werte neuer Datensätze" und "Demokratie- und Menschenrechte im Europa-Asien Dialog – Zusammenprall von Kooperationskulturen?". Im Beitrag "Elektronisch regieren in der Löwenstadt" werden dann "Internetressourcen aus und über Singapur" in einem ersten Teil analysiert und bewertet.

Konferenzberichte und Rezensionen sowie Hinweise zur neueren Literatur Asiens runden die Ausgabe ab. Auch auf das Projekt "Deutschland in Japan 2005/06" wird in einem kurzen Beitrag hingewiesen. Die Inhaltsverzeichnisse und Abstracts der Zeitschrift ASIEN (1981-2005) sind komplett online gestellt. Unter http://www.asienkunde.de/asienzeitschrift/index.html  finden Sie die Möglichkeit der Online-Nachbestellung. Ein Einzelheft kostet 12,50 € zzgl. Porto. E-Mail der Deutschen Gesellschaft für Asienkunde e.V. (DGA): post@asienkunde.de

ad 5) 31. Mai, 12-18 Uhr, Hattingen: Nach der Flut - Die Kulturen und die Eine-Welt-Arbeit in NRW 
Kontakt und Anmeldung: christina.ensslin@munlv.nrw.de 

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Auf Einladung der Eine-Welt-Beauftragten der Landesregierung NRW Tina Jerman, der Integrationsbeauftragten der Landesregierung NRW Dr. Klaus Lefringhausen und dem Ministerium für Umwelt und Naturschutz, Landwirtschaft und Verbraucherschutz NRW findet diese Veranstaltung statt. Verschiedene Organisationen beteiligen sich an dieser Veranstaltung und rufen zur Teilnahme auf, darunter das Asienhaus.

Die Flutkatastrophe in Asien hat gezeigt: Die Welt ist näher zusammen gerückt. Die Folgen von Armut, Natur- und Umweltkatastrophen sind überall deutlich wahrnehmbar: Die Eine Welt wird zur Haftungs- und Verantwortungsgemeinschaft. 

Ausdruck dieses neuen Bewusstseins war die beeindruckende Hilfewelle nach der Flutwelle. Viele Deutsche und Nichtdeutsche Menschen und Organisationen in den Kommunen Nordrhein- Westfalens haben sich daran beteiligt, auch, indem sie spontan gespendet und ihre Kontakte und Erfahrungen aus Ländern in den betroffenen Regionen eingebracht haben. Nach der ersten Betroffenheit entstehen nun vielerorts in Städten und Gemeinden neue gemeinsame Projekte.

Die Hilfewelle hat deutlich gemacht: Ein nachhaltiger Wiederaufbau bedeutet immer längerfristige Verantwortung. Wir in Nordrhein-Westfalen wollen diese Verantwortung übernehmen.
Wer so hilft, hilft auch sich selbst und bereitet vielleicht sogar die unterschiedlichen Kulturen in unserem Land auf ein gemeinsames Krisenmanagement vor. 

Im Rahmen dieser Veranstaltung werden Initiativen und Kommunen bisherige und geplante Projekte vorstellen. Dieser erste Erfahrungsaustausch will zukünftige Kooperationen für eine nachhaltige, langfristige Partnerschaftsarbeit innerhalb der nordrhein-westfälischen Kommunen und mit den betroffenen Regionen in die Wege leiten.

Dazu laden wir Sie alle zu einem gemeinsamen Ratschlag ein: Eine-Welt-Gruppen, Frauenorganisationen, Gewerkschaften, Medien, Migrantenorganisationen, Religionsgemeinschaften, Schulen, Sportverbände, Unternehmen. 

ad 6) Tsunami - Die Katastrophe und das Danach in Indien
von S. Sumathi und V. Sudarsen

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Der folgende Bericht über die Situation in Indien nach dem Tsunami wurde von S. Sumathi und V. Sudarsen, beide aus Chennai. Wir danken Dr. Dagmar Hellmann-Rajanayagam für die Übersetzung. Am Schluß Ihres Artikels stellen die Autoren die Froagen, ob die "Menschen einer Zukunft entgegensehen (können), die sie als die ihre ansehen ud nicht als eine, die ihnen aufgezwungen wird". Eine Frage, die sich auch in den anderen betroffenen Regionen wie Sri Lanka und ACEH stellt. 

Das stille Ungeheuer, auf Japanisch tsunami genannt, hat Indien Unheil beschert. Die Menschen versuchen, den Anfangsschock zu überwinden, ein Schock, der zu Entsetzen und Verstörung geführt hat. Die Menschen haben den Überblick über die Zahl der Toten verloren. Sie verscheuchten die Geier, als sie die Toten in Massengräbern bestatteten. Sie kümmerten sich nicht darum, zu welcher Kaste oder Religion die Toten gehörten. Der Tsunami vereinte alle Überlebenden.

Nachdem die anfänglich emotionale Krise überwunden ist, versuchen die Menschen nun die Krise des Lebensunterhaltes zu überwinden. Wie soll man siedeln, wo soll man siedeln, und wie soll man aufs Meer zurückgehen, um den Lebensunterhalt verdienen; das sind die Fragen, die wie ein Damoklesschwert über jedem Haupt hängt. 

Hier in Tamilnadu (Indien) stellen sich die Menschen in den vom tsunami verwüsteten Gebieten tapfer der Situation und zeigen große menschliche Stärke. Die Menschen, einschließlich der Kinder, zeigen große Widerstandskraft und hoffen, die Folgen dieses schrecklichen Unglücks zu überwinden. Das trifft zu auf alle Orte in Tamilnadu zu, wie auch auf dem Andamanen-Archipel. 

Alle Betroffenen möchten zur Normalität zurückkehren – wollen die Kontrolle über ihr Leben übernehmen. Sie wollen aus der Abhängigkeitssituation heraus. Fischer wollen zurück in ihre Häuser am Strand und aufs Meer, Kinder wollen zurück zum Spielplatz, an den Strand und in ihre Schulen, und Frauen wollen zu ihrem Fischereikleinhandel zurückkehren. Wenn diese Dinge geschehen – und schnell geschehen – sehen die Menschen das als Rückkehr zur Normalität an.

Die Fischer stellen den größten Anteil der in Tamilnadu von der zerstörerischen Kraft der Tsunami Betroffenen.

“Für  die Gemeinschaft, vom Rest der Gesellschaft marginalisiert, ist die einzige Hoffnung, daß die Flut menschlicher Anteilnahme, die sich in den massiven Beiträgen zur Hilfe äußert, in ein dauerhaftes Band übersetzt wird, das diese Gemeinschaft aus ihrer Isolation herausholt.”*

Die Wirklichkeit vor Ort

In der Zeit unmittelbar nach der Naturkatastrophe gab es eine Aktionswelle von Personen und Organisationen, die zwei Dinge übernahmen – eins waren die Rettungsaktionen und das andere die Sicherung fundamentaler Bedürfnisse.

Direkt am Tag Zwei, dem 27. Dezember 2004, begaben sich zahlreiche Studentengruppen, NGOs und verschiedene andere Gruppen in die verheerten Gebiete. Die allererste Aufgabe war es, Überlebende zu orten, die Leichen wegzuräumen, den verletzten Überlebenden medizinische Hilfe zukommen zu lassen. Die nächste große Aufgabe war, den Betroffenend Lebensmittel und Kleidung zu geben.

Die Anstrengungen lokaler Gemeinschaften

Am ersten Tag gab es keine Lager. Die Menschen waren alle in verschiedenen Dörfern verstreut. Ohne Kenntnis vom Verbleib ihrer Familienangehörigen und im Angesicht der Schwere der Zerstörungen nahmen viele an, ihre Lieben seien tot. Kinder und Erwachsene waren in verschiedene Richtungen davongelaufen. Die Kinder wurden von anderen Familien vesorgt. Innerhalb eines Tages erfuhren die Dorfbewohner, wo all die Lager errichtet wurden. Daher konzentrierte sich ihre Suche auf diese Regionen. Die Jugend im Dorf mietete Auto-Rikshas (motorisierte Dreiräder) mit einem Lautsprechersystem und gaben die Namen und den gegenwärtigen Aufenthaltsort bekannt. Man benötigte vier Tage, um sich wieder zusammenzufinden. Das war auch die Zeit, wo endlich die Namen der Vermißten und Toten bekannt wurden.

Es brauchte ein bißchen mehr als eine Woche, um eine grobe Totenliste vorzubereiten. Es gab etwas Verwirrung bei der Erstellung der Liste, als die Leichen von Menschen, die nicht zum Dorf gehörten, geborgen wurden. Diese Menschen waren in den vom Dorf erstellten Listen nicht enthalten. Diese Fälle sind in der Tat nirgends aufgezählt.

Bevor die Hilfslager von der Regierung geöffnet wurden, öffneten die Dorfbewohner selbst ihre Tempel, Hochzeitshallen und Theater für die Unterbringung der Obdachlosen. Am ersten Tag wurde kein Essen serviert, aber alle Haushalte des Dorfes trugen zum Start einer Gemeinsschaftsküche am nächsten Tag bei. Viele der NGOs taten sich mit den örtlichen Gemeinschaften zusammen, um Gemeinschaftsküchen in allen Dörfern einzurichten. Was das Teilen von Nahrung in den Lagern betrifft, so gab es anfangs keine Kastenunterschiede. Aber am vierten Tag gab es getrennte Lager für Scheduled Castes (Dalits).

Während viele Menschen in den Notlagern blieben, kamen viele Menschen, die auch betroffen, aber in einer vergleichsweise besseren Situation waren, bei Verwandten unter. Das betraf auch die Gemeinschaften der Nicht-Fischer. Aber die Gemeinschaft der Pattinavar (eine Fischergruppe entlang der Küste Tamilnadus) war als ganze heimatlos geworden und stellten daher die Mehrheit in den Lagern. Tagsüber sah man viele Opfer in und um die Lager, wie sie Hilfsmaterial sammelten oder um wegzubleiben und ihre Verwandten nicht zu stören. Einige holten sich ihr Essen in den Lagern und nicht im Hause ihrer Verwandten. Da sie bei Verwandten wohnten, zögerten sie, die Begräbnisriten für bei Tsunami umgekommene Familienmitglieder durchzuführen.

Frauen und Kinder

Im allgemeinen waren Frauen und Kinder vom Tsunami schwer getroffen. Oft verloren Mütter ihr Leben beim Versuch, ihre Kinder zu retten.

Außerdem weist die ganze Küste eine dichte Bedeckung mit Dornenbüschen auf, und beim Versuch wegzulaufen, blieben sie mit den Haaren in den Büschen hängen und konnten nicht entkommen. Gefangen in der Tsunami-Welle zerrissen ihre Kleider, und viele Frauen riefen aus Scham nie um Hilfe. Mädchen waren zu Hause oder holten vom Strand Wasser, dies wird als ein Grund angeführt, warum mehr Frauen und Kinder starben.

Ausschließlich Frauen verbringen Stunden mit dem Anstehen nach Lebensmitteln, Wassertüten, Kleidern, Töpfe und anderem Hilfsmaterial. Die Frauen sagen, daß die Männer immer noch an ihrem männlichen Ego hängen. Männer treten vor, wenn es finanzielle Hilfen einzufordern gibt. Diese Situation könnte damit erklärt werden, daß Frauen auf die private Sphäre und Männer auf die öffentliche beschränkt sind.

Die täglichen Aktivitäten der Männer sind zum Stillstand gekommen, während der häusliche Bereich der Frauen unter großem Druck steht. In Familien, wo es keine lebenden Frauen mehr gibt, hat meist eine nahe Verwandte die Aufgabe, Wasser und Nahrung zu bringen übernommen. 

Emotionale Verstörung

Unter den betroffenen Menschen herrscht immer noch emotionale Verstörung. Der Grad des Traumas ist von Fall zu Fall unterschiedlich. Die Hilfe, die Psychologen diesen betroffenen Menschen leisten können, wird von den Psychologen selbst als ungenügend angesehen. Die Teams konnten sich nur auf akute Fälle konzentrieren. Außerdem ist es anscheinend eine schwierige Aufgabe, andere Ebenen psychologisch betroffener Menschen zu identifizieren. Die Beratungsaktivitäten, die vom Psychologenteam durchgeführt werden, werden als nicht ausreichend angesehen. 

Sehr kleine Kinder haben massenhaft Leichen herumliegen gesehen. Selbst Erwachsene waren von diesem Anblick verstört. Kinder haben auch den Abtransport verwesender Leichen gesehen. Einige haben die Leichen ihrer Freunde gesehen, die schon ein paar Wochen alt waren. Neuerdings sprechen sie viel über den Tod.

Auf Tage hinaus spielten die Kinder nicht, sie schliefen nicht. Verwandte hatten große Schwierigkeiten, für Kinder, die ihre Eltern verloren hatten, zu sorgen und sie zu füttern. Kinder, die ihre Eltern sterben sahen, waren für mehrere Tage stumm. Nadia, ein 14-jähriges Mädchen zeigte psychosomatische Störungen, sie klagte über Teilblindheit, hörte auf zu sprechen und konnte keine Gefühle ausdrücken. 

Das Wort Tsunami löst inzwischen Angst bei Kindern aus. Sie rufen und erschrecken sich beim Spiel gegenseitig. Sogar sehr kleine Kinder reagieren auf dieses Wort mit großer Furcht. Werden sie sich von dieser Furcht befreien können? Werden die Älteren wieder aufs Meer gehen? Wo werden sie sich niederlassen?

Rehabilitation

Die beiden primären Themen im Zusammenhang mit den Tsunamiopfern sind i. dauerhafte Unterkünfte bereitzustellen und ii. die Lieferung von Mitteln zum Überleben. Diese beiden Themen müssen zusammen mit der Tatsache betrachtet werden, daß mehr als 75% der Opfer der Fischergemeinschaft angehören. Die Häuser, die vollständig weggeschwemmt oder in unterschiedlichem Ausmaß zerstört wurden, befanden sich direkt am Strand in der 100 bis 200 m-Zone. Natürlich hatten die Fischergruppen ihre Häuser, ihre Boote und ihre Fischereigeräte direkt am Strand. Für die Frauen war der Strand der Ort, wo sie ihren Kleinhandel trieben, für Kinder war es der Ort der Sozialisierung und ein Spielplatz. Für die Fischer war der Strand eine Welt für sich. Ihr Weltbild erstsreckte sich vom Strand bis ins Meer. Ihr ‘Territorium’ erstreckte sich demnach aufs Meer hinaus. 

Die Küstenregulierungszone (CRZ)

Während die öffentliche Debatte über die Bereitstellung von Unterkünften tobt, vertritt die Regierung den Standpunkt, daß die dauerhaften Unterkünfte in Gebieten über 500 m von der angemessenen Flutlinie auf die Landseite hin bereitgestellten werden sollten. Dieses Argument basiert auf der existierenden Küstenregulierungszone (CRZ), die in den 1990er Jahren in Kraft trat. Die CRZ verbietet diverse Aktivitäten innerhalb der 500 m Zone einschließlich der Häuserbau, Gebrauch und Herstellung von Chemikalien. Aber die CRZ ist bis jetzt ein Papiertiger geblieben. Ihre Durchsetzung ist immer praktisch auf Null geblieben.

Aber jetzt hat sich die Regierung bei der Formulierung der Tsunami-Rehabilitationpolitik plötzlich auf die CRZ berufen. Hier ist eine schnelle Neubewertung der Fakten angebracht. Von 591 Fischerdörfern entlang der Küste Tamilnadus haben 160 in Bezug auf Menschen und Material schweren Schaden erlitten, während der Rest der Dörfer solche einschließt, die weniger schwere Verluste hatten und etwas mehr als hundert Dörfer wenig oder keine Verluste erlitten. Die Bewohner jener Dörfer, die die Wucht des Tsunami ertragen haben, sehen sich nun dem Zorn der neuen Politik gegenüber. In gewisser Weise könnte man sagen, stehen diese Menschen dem zweiten Tsunami gegenüber. Die Bewohner jener Dörfer, die vom Tsunami nicht sehr betroffen sind, sind nicht unmittelbar von der Vertreibung besdroht. Aber die Betroffenen und Opfer müssen sich der Aussicht auf Vertreibung stellen. 

Die Wiederaufbaupläne beinhalten die Umsiedlung der Fischer in vorläufige Örtlichkeiten, wo entweder Zelte oder Unterkunft von 35 m2 mit sehr wenigen Annehmlichkeiten bereitgestellt werden. Der Plan besteht darin, die Menschen erst in die vorläufigen Unterkünfte zu verbringen, bevor man Gelände für dauerhafte Unterkünfte auswählt. Die Menschen sind nun gezwungen, in die vorläufigen Unterkünfte umzuziehen, bevor andere Wiederaufbaupläne berücksichtigt werden, und das einschließlich der Bereitschaft zur Subvention beim Kauf/Reparieren ihrer Fischereigeräte.

Der ‘Oben-nach-Unten’-Ansatz

Mehrere NGOs und Handelshäuser sind bereit, an den Wiederaufbauprogrammen teilzunehmen. Aber sie können nicht unabhängig arbeiten. Die Regierung kontrolliert von oben;  sie weist die Sponsoren zum Bau vorläufiger Unterkünfte an, bestimmt die Zahl der Unterkünfe abhängig von den Geldern, die diese Organisationen bereit sind auszugeben und weist sie den Menschen nach ihren eigenen Kriterien zu. Vielleicht sollte hier ein Beispiel genannt werden. Alle kuppams (Wohnstätten der Seefischergemeinschaften) innerhalb der Stadtgrenzen Chennais wurden aufgefordert, in ihre jeweiligen zeitweiligen Unterkünfte zu ziehen. Die Leute aus den kuppams in Süd-Chennai wurden aufgefordert, nach Thoraipakkam umzusiedeln, das etwas 20 km auf der alten Straße nach Mahabalipuram liegt. Der Ort ist nicht nur weit von ihren traditionellen Wohnstätten entfernt, es hat auch keinen Zugang zum Strand. Das allein stellt eine Hürde für die Ausübung ihrer traditionellen Beschäftigung aus dar.

Dies bringt den ganzen Fragenkomplex des Rechtes auf Heimstättenland und freien Zugangs zur Ausübung ihres Berufes auf. Noch ein anderes Argument macht die Runde. Dieses Argument rührt sowohl von der Regierungsbürokratie wie von vielen NGOs her. Das Argument ist ganz einfach; es besagt, diese Menschen sollten ihr Fischerhandwerk aufgeben und sich neuen Berufen zuwenden. Es gibt zudem einen Vorschlag von Regierungsseite, daß die gut ausgebildeten Jugendlichen in Regierungsstellen aufgenommen werden sollen, wo und wann diese freiwerden. Die Tatsache bleibt bestehen, daß kaum eine Stelle im Regierungsdienst ausgeschrieben wird und daß jede Besetzung in den letzten fünf Jahren direkt erfolgte. Die Regierungspolitik ist es, auf Vertragsbasis meist durch private Agenturen einzustellen. Wenn das so ist, über was für Jobs für die Opferjugend spricht die Regierung dann?

Die Betroffenen sind dabei, die Kontrolle über ihr Leben vollständig zu verlieren. Sie werden weder im Hinblick auf ihre unmittelbaren Bedürfnisse gefragt noch werden sie darüber konsultiert, wie das Wiederaufbauprogramm aussehen sollte. Wessen Interessen werden von der Regierung und einer Mehrheit der NGOs verfolgt?

Die Fischergemeinschaften in den meisten kuppams haben dort seit Hunderten von Jahren gelebt. Sie haben ein Naturrecht auf das Heimstättenland und ungehinderten Zugang zum Strand und zum Meer.

Entlang der Küste Tamilnadus gibt es mehrere dauerhafte Strukturen innerhalb der 500 m Zone und noch mehr innerhalb der 200 m Zone. Warum der Druck auf die Fischergemeinschaft, umzusiedeln, wenn es so viele andere Strukturen gibt, die die CRZ verletzen?

Was wird mit dem Land geschehen, besonders dem Land auf dem hauptstädtischen und städtischen Grund, das hohen Handelswert besitzt?

Da das die Situation vor Ort ist, welche Möglichkeiten hat die Gemeinschaft? Können sie einer Zukunft entgegensehen, die sie als die ihre ansehen und nicht als eine, die ihnen aufgezwungen wird.

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Bestellung und Abbestellung des Asienhaus-Rundbriefes

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Tel.: +49-201-8303838, Fax: +49-201-8303830

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SOA-Infostelle: soainfo@asienhaus.de
Burma.Initiative: burma@asienhaus.de

China-Projekt: chinaag@asienhaus.de 
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Spendenkonto des Asienhauses: 8204102, Bank für Sozialwirtschaft, BLZ 370 205 00
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