| Reaktionen philippinischer Kirchen auf die Krise und auf den Kampf der Menschen |
Es gibt in den Philippinen bekannterweise eine große Zahl an Kirchen und kirchlichen Organisationen. Bezüglich der sozio-ökonomischen und politischen Krise und deren Ursachen vertreten sie sehr unterschiedliche Meinungen. Einig sind sie sich jedoch vor allem über eins, nämlich den Widerspruch, daß in einem Land, das so reich an Ressourcen ist wie die Philippinen, die Bevölkerung auffällig arm ist. Wie sehen unter diesem Vorzeichen die Reaktionen der diversen Kirchen und kirchlichen Gruppen auf die Krise und den Kampf aus?
Sharon Rose Joy Ruiz-Duremdez
Laientheologin beim Rat der Philippinischen Baptistischen Kirchen. Beteiligt sich aktiv in verschiedenen Basisbewegungen.
Es gibt Reaktionen, die spirituell geprägt sind. Diese manifestieren sich in Gebetstreffen, Bibelstunden und Evangelisierungsprogrammen.
Darüber hinaus gibt es eine Reaktion in Form einer Bildungsoffensive. Kirchenmitglieder erleben in Streikzentren, in Gebieten städtischer Armut und in Fischerdörfern, auf dem Land und in Minoritätengemeinden, mit welchen Problemen die Armen konfrontiert werden und wie sie mit diesen umgehen. Auf lokaler, provinzieller, regionaler und nationaler Ebene werden bereits regelmäßig Fortbildungen angeboten. Mit ihrer Hilfe können sich die Menschen mit den Problemen der Armen besser vertraut machen. Aus den dort gewonnenen Einsichten entspringen Aktivitäten. Gleichzeitig engagieren sich kirchliche Organisationen auch in den Bereichen Forschung, Dokumentation und Veröffentlichung, um die Öffentlichkeit über den Kampf der Menschen zu informieren.
Es läßt sich außerdem eine Reaktion auf juristischer Ebene feststellen. Für die spezifischen Bedürfnisse der an den Rand der Gesellschaft gedrängten (z.B. durch IWF Regeln über Liberalisierung, Privatisierung und Deregulierung) wird Lobbyarbeit betrieben und versucht, Regierungsämter taktisch unter Druck zu setzen. Kirchengruppen organisieren fact finding missions, Suchtrupps, die Informationen über Menschenrechtsverletzungen, Militarisierung, Entwicklungsaggression, Bergbau- und Holzfälleraktivitäten sammeln und veröffentlichen. Kirchen und kirchliche Institutionen organisieren und beteiligen sich außerdem an Petitionskampagnen (z.B. zum Boykott von Nestle Produkten, zu Ölpreiserhöhungen, Landnutzungsumwandlungen usw.). (...)
Eine weitere Reaktion äußert sich in der technischen und materiellen Unterstützung des Volkskampfes. Die Reaktionen reichen von der Verteilung von Hilfsgütern an Opfer von Naturkatastrophen und logistischer Unterstützung bis zum Organisieren von Treffen und technischer Hilfe bei der Organisation, beim Management und bei der Ressourcenerzeugung.
Es gibt die Reaktion der Vernetzung. Die organisierten Armen und Kirchenführer haben die Möglichkeit, sich über ihre Alltagserfahrungen in leitenden Kirchenorganen auszutauschen. Oft entstehen in diesen Sitzungen offizielle Stellungnahmen der Kirche gegen Regierungsprogramme, die die Mehrheit der Bevölkerung in ihrer Wahlfreiheit entmündigen würden.
Die Vernetzung hat auch Möglichkeiten der bilateralen Zusammenarbeit zwischen Basisgruppen in den Philippinen und Kirchen und kirchlichen Gruppen im Ausland ermöglicht. Durch diese Verbindungen konnten wichtige Themen auch Kirchenmitgliedern in anderen Ländern nahegebracht werden, was diese Menschen für die mißliche Lage der armen Bevölkerung in den Philippinen sensibilisiert hat. In dem Sinn wird Zusammenarbeit gefördert; die Beteiligten stellen ihre Aktivitäten in den Kontext einer weltweiten Bewegung für Gerechtigkeit und Frieden.
Darüber hinaus gibt es auch die Unterstützung, die sich in der direkten sektoralen Organisation zeigt. Gemeinden und Einzelpersonen fühlen sich in ihren Handlungen und Taten inspiriert von Jesu Einswerden mit dem Leben der Armen. (...) Protestantische Pastoren und römisch katholische Schwestern organisieren z.B. die Arbeiterinnen in der Mactan Export Processing Zone. Kirchenmitglieder haben Bauernorganisationen in den Visayas und in Mindanao gegründet.
Schließlich gibt es Reaktionen der aktuellen Begleitung. Dort wo Arbeiter, Bauern, Minderheiten, städtische Arme, Frauen und Fischer zusammenkommen, um gemeinsam zu protestieren, ist die Kirche immer präsent, ob sie ökumenische Gottesdienste feiert, ob sie ihre Unterstützung für den Kampf der Menschen zum Ausdruck bringt oder ob sie einfach nur da ist und neben den Marginalisierten marschiert.
Die Kirchen setzen ihr Engagement im Volkskampf fort, weil die philippinische Gesellschaft immer noch von der »Logik der Macht« charakterisiert wird. Ein kleiner und mächtiger Teil der Bevölkerung, von ausländischen Machtinteressen gestützt, kann weiterhin ihren Willen der Mehrheit des Volkes aufoktroyieren. Es hat sich noch nichts geändert. Während die Kirchen sich in dem Kampf des Volkes engagieren, müssen sie feststellen, daß auch sie die Situation nicht ändern können. Die Kirchen sind nicht die Hauptakteure; sie stehen nicht im Mittelpunkt. Dennoch engagieren sich die Kirchen und der Kampf des Volkes wird zu ihrem Kampf, genau wie am Ende der Sieg des Volkes auch ihr Sieg sein wird.
Der Artikel wurde der April-Juni 1998 Ausgabe von NCCP entnommen und wurde außerdem von der Autorin bei der NCCUSA Anhörung über den Einfluß des IWF-Strukturanpassungsprogrammes in den Philippinen vorgetragen.
(Quelle: südostasien 3-98, S. 74-75)
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Stand: 02. Juli 2004, © Asienhaus
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