Liebe Leserinnen und Leser,

die Burma.Initiative und das Asienhaus möchten sich für Ihr Interesse an unserer Arbeit und Ihre Unterstützung bedanken, wir wünschen Ihnen frohe Weihnachtstage und ein gutes und friedliches Jahr 2005.

Ulrike Bey

 

BURMA NACHRICHTEN 21/2004 , 22. Dezember 2004

Meldungen:
SICHERHEIT VON AUNG SAN SUU KYI GEFÄHRDET
GEHEIMDIENST AUFGELÖST
KAREN-REBELLENFÜHRER ZURÜCKGETRETEN
INTERNATIONALE FINANZINSTITUTIONEN IN BURMA
ÖLGESCHÄFTE; UNOCAL MUSS ZAHLEN
WELTBUDDHISMUS-GIPFEL
BURMA IM HALBFINALE BEIM TIGER-CUP
VERANSTALTUNGSHINWEIS JANUAR: KONFLIKTLÖSUNG IN SÜDOSTASIEN

 

SICHERHEIT VON AUNG SAN SUU KYI GEFÄHRDET

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Die Oppositionspartei Nationale Liga für Demokratie (NLD) befürchtet eine Gefährdung für die Generalsekretärin der Partei, Aung San Suu Kyi, nachdem die Junta die Zahl ihrer persönlichen Sicherheitsleute von 13 auf sechs reduziert hat. Außerdem wurde der regelmäßige Besuch ihres Hausarztes von drei- auf einmal in der Woche beschränkt. Die Sorge ist nicht unbegründet, gehen doch die meisten ihrer Unterstützer davon aus, dass Suu Kyi bei den Übergriffen in Depayin im Mai vergangenen Jahres nur knapp einer Ermordung entkommen ist.
UNO-Generalsekretär Annan äußerte sich in einer Presseerklärung besorgt und forderte das Regime auf, für die Sicherheit der Oppositionspolitikerin zu sorgen. Auch die US-Regierung zeigte sich „tief besorgt“ über das Wohlergehen Aung San Suu Kyis.
Außerdem ist bekannt geworden, dass 13 NLD-Mitglieder kurz vor der Freilassung der mehr als 5000 Gefangenen in Burma inhaftiert wurden.
AFP 15.,16.,17.12.04, UN-Presseerklärung 16.12.04

 

GEHEIMDIENST AUFGELÖST

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Burmas Militärführung hat damit begonnen, die Geheimdiensteinheit, die früher unter der Führung des abgesetzten Premierministers General Khin Nyunt stand, vollständig aufzulösen. 2000 der insgesamt 10000 Geheimdienstangehörigen sollen bereits pensioniert oder zu den Armeetruppen transferiert worden sein, bis Ende des Monats soll der gesamte Stab aufgelöst werden. In der Zwischenzeit hat das Geheimdienstbüro eine Namensänderung erfahren, es wird nun unter der Bezeichnung „Office of Military Affairs Security“ geführt. Khin Nyunt war es im Oktober „gestattet“ worden, aus „Gesundheitsgründen zurückzutreten“, er wurde unter Hausarrest gestellt. Mit ihm wurde eine Reihe von hohen Geheimdienstangehörigen verhaftet und Unternehmen und Geschäfte des Geheimdienstes geschlossen oder konfisziert.
Agence France Presse 19.12.04, Japan Economic Newswire 19.12.04

 

KAREN-REBELLENFÜHRER ZURÜCKGETRETEN

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General Bo Mya, der langjährige stellvertretene Vorsitzende und Oberbefehlshaber der Karen National Union (KNU) ist aus Gesundheitsgründen zurückgetreten. Der 77jährige hatte seit 1949 für die Karen gekämpft und die letzten Waffenstillstandsverhandlungen mit dem SPDC initiiert. General Bo Myas Rücktritt folgt seinem Rückzug vom Posten des Vorsitzenden des National Council of the Union of Burma, einer Dachorganisation für Oppositionsgruppen im Exil. Sein Nachfolger auf beiden Posten ist General Tamla Baw. Bo Mya spielt weiterhin eine führende Rolle innerhalb der KNU.
Die letzte Verhandlungsrunde um einen Waffenstillstand zwischen Karen und SPDC im Oktober war durch die „Umstrukturierung“ der Führungsriege des SPDC mit der Absetzung von Premierminister Khin Nyunt unterbrochen worden. Die Waffenstillstandsverhandlungen sollen Anfang 2005 fortgesetzt werden.
Zurzeit führt das burmesische Militär seine alljährlichen Militäroperationen gegen Karen, Karenni und Shan durch, Tausende Zivilisten fliehen nach Thailand. Das geht aus einem Bericht der Organisation Chistian Solidarity Worldwide hervor. 8000 Flüchtlinge sollen kürzlich in Flüchtlingslagern in Thailand angekommen sein, 5000 sollen sich in den Dschungeln des Karen-Staates verbergen.
Associated Press 7.,13.12.04, Irrawaddy 8.12.04, Christian Solidarity Worldwide 14.12.04

 

INTERNATIONALE FINANZINSTITUTIONEN (IFI) IN BURMA

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Der burmesische Premierminister, Generalleutnant Soe Win, hat Repräsentanten des Internationalen Währungsfonds (IWF), der Weltbank (WB) und der Asiatischen Entwicklungsbank (ADB) empfangen. Der Besuch ist Teil der jährlichen Reise dieser IFI zur Einschätzung der Wirtschaftslage im Land. Die Besucher trafen auch Vertreter der Vereinten Nationen und verschiedene Botschaften. Das Regime erhält seit Jahren keine direkte Hilfe von internationalen Finanzinstitutionen, indirekt profitiert Burma beispielsweise in einem multilateralen Abkommen zur Infrastruktur- und Wirtschaftsentwicklung der Mekongregion (Greater Mekong Subregion) mit Unterstützung der ADB. Hierzu gehört der Bau von Schnellstraßen, Kraftwerken und Dämmen für die Region. Eines der Hauptprojekte ist die Schaffung eines „Ost-West-Wirtschaftskorridors“, der von Vietnam über Laos, Thailand nach Burma reicht. Die Mekong-Länder unterzeichneten hierzu eine Reihe von Abkommen zur Erleichterung des Güterverkehrs und der Bewegungsfreiheit von Personen. Außerdem wollen sie mehr auf den Privatsektor setzen.
Associated Press 15.12.04, Kyodo News Service 16.12.04

 

ÖLGESCHÄFTE; UNOCAL MUSS ZAHLEN

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Ein Konsortium von Unternehmen aus China und Singapur hat einen Vertrag zur Erforschung von Öl- und Gasvorkommen mit Burma abgeschlossen. Das Geschäft wurde mit der staatlichen Myanmar Oil and Gas Enterprise (MOGE) und dem Konsortium bestehend aus China National Offshore Oil Co (CNOOC), Huanqiu Contracting and Engineering Corp und Singapure Golden Aaron Pte Ltd unterzeichnet. Der Vertrag schließt die Erkundung der westlichen Arakan (Rakhine)-Küste und des Golf von Mottama in der südlichen Tanintharyi-Provinz ein. Burma hat Dutzende Verträge mit ausländischen Öl- und Gasunternehmen unterzeichnet, die Geschäfte mit Öl und Gas sind die größte Einnahmequelle für den Staat.
Der us-amerikanische Energiegigant Unocal, gegen den in den USA Verfahren wegen seiner Aktivitäten im Zusammenhang mit dem Bau der Gaspipeline in Burma laufen, hat sich mit den Anklägern auf eine Abfindung geeinigt. In einer gemeinsamen Erklärung gaben Unocal und die Menschenrechtsorganisation Earthrights International bekannt, dass sie eine grundsätzliche Einigung in Verbindung mit dem Yadana-Gaspipeline-Projekt erzielt hätten. Es wurde nicht erwähnt, wie hoch die Abfindungen sein würden. Allein die Prozesskosten sollen für Unocal 25 Millionen US-Dollar betragen.
12 Burmesen hatten den Fall in Kalifornien vor die Gerichte gebracht unter der Begründung, Burmas Militär habe Zwangsarbeit, Mord, Vergewaltigung ausgeübt, um den Weg für die Pipeline für den Ölmulti Unocal zu ebnen. Das Unternehmen hätte von diesen Aktivitäten profitiert (und sogar gewusst), auch wenn es sie nicht ausdrücklich befürwortet habe. Diese Einigung über die Abfindungen könnte große Auswirkungen auf andere multinationale Unternehmen haben. In Frankreich und Belgien sieht sich das Unternehmen Total ähnlichen Klagen gegenüber.
Agence France Presse 16.12.04, Xinhua General News Service 14.12.04, Associated Press 14.12.04, The Guardian 15.12.04

 

WELTBUDDHISMUS-GIPFEL

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Am dreitägigen Weltbuddhismus-Gipfel in Rangun haben – nach unterschiedlichen Angaben - zwischen 1000 und 2600 Mönche teilgenommen. Zur Eröffnung waren Regierungschefs aus Thailand, Sri Lanka und Laos angereist. Die meisten Delegierten kamen aus Asien, jedoch auch aus den USA, Großbritannien und Australien. Der Gipfel endete damit, dass Repräsentanten aus 17 Ländern eine gemeinsame Erklärung verabschiedeten, in der sie sich für eine größere Förderung des Buddhismus weltweit durch Verbreitung der Lehren, Zusammenarbeit und den Wiederaufbau ehrwürdiger Glaubensmonumente einsetzen.
Einige einheimische Mönche, die nicht am Gipfel teilgenommen hatten, verurteilten das Treffen als Farce, die lediglich dazu diene, das Ansehen der Junta innerhalb der internationalen Gemeinschaft zu fördern, jedoch nichts mit dem Glauben zu tun habe. Die meisten Mönche gingen ins Gefängnis, wenn sie sich nicht dem Regime fügten, so ein Mönch. Die Menschenrechtsorganisation Assistance Association for Political Prisoners mit Sitz in Thailand hatte zu einem Boykott des Gipfels aufgrund der anhaltenden Inhaftierung von etwa 300 Mönchen durch das Regime aufgerufen.
Viele Delegierte sagten, sie wären sich über die Kontroverse rund um den Gipfel nach dem Rückzug des Hauptsponsors bewusst gewesen, doch blieben sie bei ihrer Meinung, Religion und Politik nicht zu vermischen. Japans Nenbutsushu-Gemeinde, die den Gipfel alle zwei Jahre ausgerichtet hat, hatte seine finanzielle Unterstützung zurückgezogen, nachdem Premierminister Khin Nyunt im Oktober unter Hausarrest gestellt worden war.
Agence France Presse 11.12.04, Irrawaddy 10.12.04

 

BURMA IM HALBFINALE BEIM TIGER CUP

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Burmas Fußballnationalmannschaft hat das Halbfinale im Tiger-Cup erreicht. Am 29. Dezember tritt sie gegen Singapur an, Finale ist am 15. Januar. Titelverteidiger Thailand ist bereits vor dem Halbfinale ausgeschieden. Die Tiger Cup-Meisterschaften der ASEAN-Football Federation finden seit 1996 alle zwei Jahre statt und sind das wichtigste Fußball-Ereignis der Region.
Bis vor kurzem war Burma von der internationalen Fußballarena verschwunden, in den letzten Jahren nahm das Land jedoch wieder regelmäßig an den Südostasien-Spielen und dem Tiger-Cup teil. In den 60er und 70er Jahren war Burmas Nationalelf gefürchtet: Zwischen 1965 und 1973 gewann sie fünfmal hintereinander der Titel der zweijährlich stattfindenden Südostasien-Spiele und zweimal die Asien-Spiele 1966 und 1970.
Der internationale Fußballbund hatte Burma zur Förderung des Fußballsports 4 Millionen US-Dollar zur Verfügung gestellt. Als der Sportjournalist Zaw Thet Htwe in der Zeitschrift „First Eleven“ kritisch nach dem Verbleib dieses Zuschusses forschte, wurde er im Juli 2003 verhaftet und wegen Hochverrats zum Tode verurteilt. Später wurde die Todesstrafe in eine Gefängnisstrafe umgewandelt.
Irrawaddy 13.12.04, www.aseanfootball.com

 

VERANSTALTUNGSHINWEIS IM JANUAR: KONFLIKTLÖSUNG IN SÜDOSTASIEN

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22. Januar 2005: Tagesseminar "Konfliktlösung von unten in Südostasien"
Ort: Carl-Duisberg-Centrum, Hansaring 49-51, Köln
Als Antwort auf die gegenwärtigen Herausforderungen gewalttätiger Konflikte hat sich das Asienhaus zum Ziel gesetzt, durch Informations-, Forschungs- und Bildungsarbeit für eine Kultur des Friedens und der Gerechtigkeit zu arbeiten. Ziel des Seminars soll es sein, alternative Konfliktlösungsansätze jenseits militärischer Modelle anhand regionaler und lokaler Erfahrungen und Ansätze zu bearbeiten und im deutschsprachigen Raum bekannt zu machen.
Praktische Beispiele der Friedensarbeit von lokalen Friedensinitiativen, Religionsgemeinschaften, Nichtregierungsorganisationen und autonomen Basisorganisationen – aber auch gelungene Modelle mit staatlicher Beteiligung – sollen dargestellt werden, die zur Transformation von einem gewaltförmigen Umgang mit Konflikten zu einem gewaltfreien, konstruktiven Dialog zwischen den kontrahierenden Parteien beitragen und versuchen, eine Kultur des Friedens aufzubauen. Eine Veranstaltung der Südostasien Informationsstelle in Zusammenarbeit mit dem philippinenbüro e.V. und der Burma.Initiative des Asienhauses. Informationen, Programm und Anmeldung unter www.asienhaus.de/angebote/konfliktloesung220105.pdf

 

Bereits erschienene Burma-Nachrichten sind in der Burmalibrary Online unter http://www.burmalibrary.org/show.php?cat=1587&lo=d&sl=0 nachzulesen.

 

Burma.Initiative Asienhaus
Bullmannaue 11
45327 Essen
Tel. +49 (0) 201 - 830 38 25
Fax +49 (0) 201 - 830 38 30
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