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Rainer Werning
Der Autor befasst sich seit Anfang der 70er Jahre intensiv mit der Mindanao- und Moro-Problematik und hat die Region seitdem mehrfach bereist. Im Juli dieses Jahres kehrte er von einer neuerlichen Reise nach Mindanao, Basilan und Jolo zurück. Überblick über den Inhalt der
Zeitschrift südostasien 4/2001In den Südphilippinen, vor allem auf der Insel Basilan, herrscht seit dem 13. Juli 2001 faktisch der Ausnahmezustand. Dort geht ein Gespenst um - das Gespenst des Terrorismus. Seit den Anschlägen in New York und Washington soll auf Basilan, der Wiege der Abu Sayyaf, mit US-amerikanischer Unterstützung der Terror bis Ende November mit Stumpf und Stiel ausgemerzt worden sein. Doch: In Südostasiens ältester Konfliktregion ist vieles komplexer und komplizierter, als sich das unbedarfte Kommissköpfe und lernresistente Politiker /innen im fernen Manila vorstellen.
Sie nennen sich »Vater des Scharfrichters« (Abu Sayyaf), kämpften in Afghanistan während der sowjetischen Besatzung und sorgen seit einem Jahrzehnt für Unruhe im südlichen Teil der Philippinen. International bekannt wurde die Abu Sayyaf-Gruppe (ASG), als sie im Frühjahr 2000 von der ostmalaysischen Ferieninsel Sipadan mehrere westliche Touristen, darunter die Göttinger Familie Wallert, entführte und sie erst nach monatelangem Verhandlungspoker und hohen Lösegeldzahlungen wieder auf freien Fuß setzte.
Nach den Terroranschlägen in New York und Washington ließ US-Präsident George W. Bush die Abu Sayyaf wegen ihrer Afghanistan-Verbindung und vermeintlicher Kontakte zu Osama bin Laden auf die Liste von 27 Organisationen setzen, deren weltweite Netzwerke es zu zerstören gelte. Das schürt vor allem auf den beiden südphilippinischen Inseln Basilan und Jolo zusätzliche Spannungen. US-amerikanische »Berater« sind bereits vor Ort. Erneut ist es die Zivilbevölkerung, die unter den Bedingungen einer regulierten Anarchie leidet und tiefer Deckung suchen muss, wenn dort von Frieden schwadroniert wird.
Fragiler Frieden
So paradox es klingt: Es waren - letztlich gescheiterte - Friedensverhandlungen, die in dieser Region, die gleichzeitig Südostasiens älteste Konfliktregion ist, einen Faktor für das Aufkommen des Phänomens Abu Sayyaf bildeten. Ende der achtziger Jahre hatte die damals größte politische Organisation des muslimischen Widerstandes, die Moro Nationale Befreiungsfront (MNLF) unter Führung des charismatischen Nur Misuari, Friedensverhandlungen mit Präsidentin Aquino geführt, die Anfang 1986 den langjährigen Diktator Marcos beerbt hatte. Die MNLF war seit Beginn der 70er Jahre in einen blutigen Bürgerkrieg gegen die philippinischen Streitkräfte (AFP) verwickelt worden, der etwa 150.000 Tote forderte und auf dem Höhepunkt der Kampfhandlungen über eine halbe Millionen südphilippinische Muslime in den benachbarten ostmalaysischen Bundesstaat Sabah ins Exil trieb.
Die Friedensverhandlungen führten nicht nur in die Sackgasse. Das ursprünglich propagierte Ziel der MNLF, in den Südphilippinen einen unabhängigen, säkularen Staat, die Bangsa Moro Republic, zu gründen, wurde seitens der Misuari-Führung zunehmend der Forderung nach Autonomie untergeordnet. Erst am 2. September 1996 kam es in der Hauptstadt Manila zur feierlichen Unterzeichnung des so genannten »Endgültigen Friedensabkommen« zwischen der MNLF und der philippinischen Regierung. Zwei Kernpunkte dieses Abkommens sahen vor, einstige MNLF-Kader, darunter natürlich auch Misuari, mit Regierungsposten und Pfründen zu versorgen und insgesamt 7.500 Ex-Kombattanten der MNLF in die Nationalpolizei und AFP zu integrieren. Ein heikles Unterfangen, wie sich später noch zeigen sollte.
Aus Sicht einer wachsenden Zahl von Kritikern und Gegnern Misuaris - der einst die Ambition hegte, zum »Arafat der Moros« zu mutieren - geradezu ein Affront. Da hatte sich eine Befreiungsbewegung zielstrebig auf jene Staatsapparate hinbewegt und sich in ihnen aufgelöst, die jahrelang erbittert bekämpft worden waren und einen hohen Blutzoll in dieser von Massenarmut geprägten Region gefordert hatten. Resultat: Tiefe Enttäuschung, Demütigung, Verbitterung und wachsende Rachegelüste auf der einen, Neuformierung politischen Protests und militärischen Widerstands auf der anderen Seite. Organisatorisch fand dies in unterschiedlicher Form seinen Ausdruck: sowohl bei den Abu Sayyaf und der stetig an Einfluss gewinnenden Moro Islamischen Befreiungsfront (MILF) unter Führung des an Kairos altehrwürdiger Al Azhar Universität ausgebildeten Hashim Salamat.
Operierte die ASG von Anfang an als ein »lost command« der MNLF, widmete sich die MILF neben dem Aufbau regulärer Streitkräfte und der Konsolidierung sektoraler Massenorganisationen der Schaffung modellhafter muslimischer Gemeinwesen als alternative Struktur zum philippinischen Staatsverband. Camp Abubakar, gleichzeitig das Hauptquartier der MILF, war ein solches Gemeinwesen mit über 30.000 Seelen, bis es im Sommer 2000 im Rahmen des von Manila propagierten »totalen Krieges« gegen den Moro-Widerstand bombardiert und weitgehend zerstört wurde.
Afghanistan- Connection
Enttäuscht über die Kapitulation ihres einstigen Führers Misuari und die ihrer Meinung nach Missachtung des islamischen Elements in der Politik der MNLF, rückten auf Basilan mit Ustadz Wahab Akbar und Ustadz Abdurajak Janjalani zwei Männer zunehmend ins Blickfeld öffentlichen Interesses, die einer von ihnen inspirierten Erneuerungsbewegung den Namen Al Harakatul al Islamiya (Islamische Bewegung) gegeben hatten. Akbar, ausgebildet in Ägypten, schwebte wie Janjalani ein »reiner« islamischer Staat auf Basilan und später auf ganz Mindanao vor. Bevor letzterer aus Afghanistan zurückkehrte und später auf Basilan als islamistischer Führer großes Ansehen genoss und junge Talente um sich zu scharen vermochte, die ihre Studien in Ländern des Nahen und Mittleren Ostens absolviert hatten, hatte sich Akbar seinerseits unter jungen Basilenos dafür eingesetzt, den Koran in Arabisch zu lesen. Janjalani war erst Ende der 80er Jahre über Umwege im Ausland nach Basilan zurückgekehrt. Anstatt nach dem Islam- und Militärstudium in Saudi-Arabien und Libyen (lange Zeit der Aufenthaltsort der um Nur Misuari gruppierten MNLF-Führung) direkt in seine Heimat aufzubrechen, hatte er sich in Afghanistan als Mujahideen im Kampf gegen die sowjetische Besatzungsmacht rekrutieren lassen. Dort soll er in einer Guerillaeinheit unter dem Kommando von Prof. Abdul Rasul Abu Sayyaf gedient haben, der seine Gruppe im Jahre 1986 aufgebaut hatte und dessen - programmatischen? - Beinamen sich Janjalani später zulegen sollte.
In Afghanistan soll er sich seine Sporen als furchtloser Kämpfer verdient haben, was ihm später unter seiner - vorwiegend jugendlichen - Gefolgschaft in Basilan Hochachtung einbrachte: Ein Kontrast zur kooptierten MNLF-Führung unter Misuari. 1989 endete in Afghanistan der Jihad mit dem Abzug der letzten russischen Truppenverbände. Und kurz darauf war Abu Sayyaf erstmalig auf Basilan und in der vorgelagerten Stadt Zamboanga zu einem Begriff geworden.
Zur Führungsschicht der ASG zählten in der Phase der Formierung dieser Gruppe neben Janjalani und Akbar auch zwei jüngere Kader: Abdul Ashmad war für Aufklärung und Edwin Angeles für Operationen der Gruppe zuständig. Da die ASG sich zu dem Zeitpunkt nicht als klandestine Organisation verstand, war sie anfällig für das Einsickern von Elementen, die gänzlich andere Ziele als die ursprünglich formulierten verfolgten. Diese Ziele hatte Ashmad wie folgt benannt: 1) Beseitigung aller katholischer Symbole in den muslimischen Gemeinschaften; Fischfangverbot ausländischer Flotten in den Gewässern von Basilan und Sulu und 3) die Einbeziehung von Geistlichen (ulema) in anstehende Verhandlungen.
Angeles hingegen, zwischenzeitlich zum Islam konvertiert und innerhalb der ASG besser als Ibrahim Yakub bekannt, stand gleichzeitig aber mit philippinischen Geheimdienststellen in Zamboangas SouthCom (dem für die gesamte Region zuständigen Südkommando der AFP) und mit Intelligence Units der Philippinischen Nationalpolizei (PNP) in Kontakt und befürwortete Kidnapping als für die Organisation unerlässliche Einkommen schaffende Maßnahme. Anfang Mai 2000 mochte der philippinische Senatspräsident Aquilino »Nene« Pimentel nicht ausschließen, dass auch der US-amerikanische Geheimdienst CIA in der Formierungsphase von Abu Sayyaf seine Finger im Spiel hatte. Zumal deren geistigen Ziehväter in Afghanistan ja damals noch zu den geschätzten Verbündeten der USA zählten.
Ab 1992 machte Abu Sayyaf mit ersten Entführungen auf sich aufmerksam und schreckte im Frühjahr des darauffolgenden Jahres nicht davor zurück, selbst einen Fünfjährigen (Luis »Ton-Ton« Biel) und dessen Großvater zu kidnappen und erst gegen Zahlung eines Lösegelds wieder auf freien Fuß zu lassen. Dies brachte die gesamte Basilan-ASG offensichtlich auf den Geschmack. Seither zählen Geiselnahmen - nebst Anschlägen gegen öffentliche Einrichtungen - zum wesentlichen Bestandteil ihrer Strategie.
Heutiger Gouverneur von Basilan ist kein Geringerer als Wahab Akbar, der bei sämtlichen Entführungen der ASG in der Region seit Frühjahr 2000 im Hintergrund Fäden knüpfte und womöglich seinen Teil der seitdem geflossenen immensen Lösegeldsummen einheimste. Abdurajak Janjalani und Edwin Angeles (dieser als mutmaßlicher Doppelagent) wurden hingegen Ende 1998 beziehungsweise Anfang 1999 von philippinischen Sicherheitskräften erschossen. Seitdem führt Janjalanis jüngerer Bruder Khadafy die Basilan-ASG an.
Dreamteams der Jolo-Unterwelt
Als Mitte der 90er Jahre Scharmützel zwischen ASG-Mitgliedern und AFP-Einheiten Janjalani und seine Getreuen zum zeitweiligen Rückzug (nach Jolo) gezwungen hatten, wurden dort erste Bande mit gänzlich desillusionierten Söhnen ehemaliger MNLF-Kommandeure und -Kombattanten geknüpft. Dort entstand so etwas wie eine lukrative Jolo-Filiale der Abu Sayyaf, ihrerseits befehligt von jungen »Heißspornen«, die, nachdem deren Familien von Misuari gänzlich im Stich gelassen worden waren, von dem Gedanken beseelt waren, sich an ihrem einstigen Idol und nunmehr zum Regierungsvertreter entpuppten »Verräter« zu rächen.
Es verwunderte deshalb nicht, dass die erste Forderung im Geiseldrama der im Frühjahr 2000 von der ostmalaysischen Ferieninsel Sipadan entführten philippinischen und ausländischen Touristen kategorisch lautete: Keine Anerkennung Nur Misuaris als Manilas Sondergesandter und Vermittler!
So geschah es denn auch. Stattdessen übernahm von Regierungsseite der damals für so genannte »flagship projects« (groß angelegte Vorzeigeprojekte Manilas) verantwortliche Roberto Aventajado das Zepter.
Die Abu Sayyaf nutzten ihre »akquirierten« Gelder für die Rekrutierung neuer Gefolgsleute und zur Anschaffung modernen Waffengeräts und Schnellboote, um die sie noch heute die philippinische Marine beneidet. Von ursprünglich etwa 20 Mann (auf Basilan) zu Beginn der 90er Jahre war die Abu Sayyaf bis Mitte der Neunziger auf etwa 600 und am Ende des Jahrzehnts (nunmehr inklusive Jolo) auf über 1.000 Personen angewachsen. Um die Jahreswende 2000/2001 dürften sich in der Region möglicherweise annähernd 2.000 Personen als »Abus« verstanden haben.
Mittlerweile auf Jolo in die Patikul- und Talipao-Fraktion unterteilt, benannt nach dem jeweiligen Operationsgebiet und früheren Aufenthaltsorten der Sipadan-Geiseln. Diese Expansion vollzog sich unbehelligt von staatlichen Sicherheitskräften, waren darin doch seit dem Friedensabkommen vom September 1996 etliche Ex-Kombattanten der MNLF integriert worden, die vielfach verwandtschaftlich, zumindest aber aus alter Kameraderie mit den »Abus« verbandelt sind. Und oberste Maxime philippinischen Familienlebens wie auch der hohen (und niederen) Politik im Lande ist und bleibt die Pflege des Sozialen - »Blut ist halt dicker als Wasser«.
All das hinderte andere Segmente der AFP nicht daran, gleichzeitig in Zentralmindanao »totalen Krieg« gegen die MILF zu führen, nach dem Ende des Geiseldramas Mitte September 2000 die Zivilbevölkerung um Jolo City als Geisel zu schikanieren und Tausende Familien über Nacht zu internen Flüchtlingen werden zu lassen.
Gangstertum auf Gegenseitigkeit
Als Konsequenz der Geiselnahmen und Entführungen, von denen mittlerweile auch mehrere US-Staatsbürger betroffen waren, sollte die Schlagkraft der Counter-Terrorist Force (CTF) erhöht werden. Die CTF, eine »Entwicklungshilfe« Washingtons an Manila unmittelbar nach dem Ende des Sipadan-Geiseldramas, ist eine aus zwei Kompanien der philippinischen Streitkräfte bestehende und eigens von US-amerikanischen Counterinsurgency-Experten gedrillte Eliteeinheit, die im Bedarfsfall von Marines unterstützt werden soll.
Auf Basilan kursiert seit diesem Sommer der makabre Witz: »Was unterscheidet die AFP von der ASG? Erstere schikanieren und inhaftieren Leute auf unbestimmte Zeit. Die ASG lässt dich wenigstens bei Lösegeldzahlung wieder frei.«
Die Durchschlagskraft der CTF konnte freilich nicht unter Beweis gestellt werden. Und trotz eines militärischen Großaufgebots von etwa 7.000 Soldaten allein auf Basilan vermochte es die AFP bislang nicht, der ASG Herr zu werden. Selbst ganze Dörfer auf Basilan und der Nachbarinsel Jolo gewährten den »Abus« zum Leidwesen von Militärsprechern immer wieder Unterschlupf; sie seinen »Keimzellen des Terrors«. Aufsehen erregte auch die Tatsache, dass Offiziere gegen Zahlung von Schmiergeldern wegschauten, als die Abu Sayyaf mitsamt Ende Mai 2001 - diesmal in einem Urlaubsressort auf Palawan - gekidnappten Geiseln am helllichten Tage in Lamitan (Basilan) eine Kirche und ein Krankenhaus stürmten und trotz eines Belagerungsrings und Helikopter-Überwachung entweichen konnten. Eine bittere Blamage für das Militär, deren Spitzen noch am 10. September erwogen hatten, deshalb ihren Dienst zu quittieren.
Dann wurden nach den Anschlägen in New York und Washington einen Tag später Militärs und Sicherheitskräfte auf einen Schlag und allerorten wichtiger denn je. Die anglo-amerikanisch geschmiedete und stetig erweiterte »Allianz gegen den Terror« fand in der philippinischen Präsidentin Gloria Macapagal-Arroyo Südostasiens glühendste Befürworterin. Mitte November, zeitgleich mit Glorias Beginn ihrer Staatsvisite in die Vereinigten Staaten und der Freilassung von sieben Palawan-Geiseln durch die »Abus«, flog US-Admiral Dennis Blair von seinem Hauptquartier in Honolulu (Hawaii) nach Zamboanga, um dort in Absprache mit Generalstabschef Diomedio Villanueva, Verteidigungsminister Angelo Reyes und SouthCom-Chef Generalleutnant Roy Cimatu zu konferieren und bereits präsente Kontingente von FBI, CIA und GIs im Rahmen des bilateralen Visiting Forces Agreement (VFA) auf ihren verstärkten Einsatz in der Region vorzubereiten. Blair ist Oberkommandierender der gesamten US-Pazifikstreitkräfte (CINCPAC), mithin ranghöchster US-Militär in diesem weltweit größten Operationsgebiet.
Derweil tauchten in US-amerikanischen Medien sporadisch Berichte über eine vermeintliche philippinisch-malaysisch-indonesische Verbindung zu Osama bin Ladens Al Qaida-Netzwerk auf, die es schärfer unter die Lupe und in die Mangel zu nehmen gelte. In diesem Zusammenhang bekundeten philippinische Behörden, ihrerseits verstärkt gegen die International Islamic Relief Organisation (IIRO) und von dieser unterstützten NGOs vorzugehen. Der von Mohamed Jamal Khalifa (einem Schwager Osama bin Ladens) geleiteten IIRO wird vorgeworfen, unter dem Deckmantel humanitärer Hilfe auf Mindanao die ASG finanziert zu haben.
Tatsächlich verbrachte Khalifa eine längere Zeit in den Südphilippinen und setzte sich 1996 ab. Mit Hilfe von IIRO-Geldern sollen auch Trainingsprogramme für indonesische Laskar Jihad-Anhänger auf Mindanao finanziert worden sein und zumindest informelle Bande zur ASG bestanden haben. Die Laskar Jihad-Gruppe war ihrerseits für mehrere Terroranschläge auf den Molukken verantwortlich (wo sie offen für eine »christen-freie Region« die Trommel rührt), erfreut sich gewisser Rückendeckung unter Offizieren, die noch immer Ex-Diktator Suharto nahe stehen, und dürfte der indonesischen Präsidentin Megawati Sukarnoputri noch einiges Kopfzerbrechen bereiten.
Sackgasse - militärische Lösung
Solange die Zentralregierung in Manila den Süden des Archipels militärisch befrieden will und dabei im Sinne ihrer bedingungslosen Unterstützung der von Washington geführten weltweiten »Allianz gegen den Terror« auch den aktiven Einsatz von GIs befürwortet, eskaliert Gewalt und vertieft sich die Kluft zwischen der dortigen muslimischen Bevölkerung und christlichen Siedler/innen. Selbst wenn es Manila und Washington gelänge, die ASG gemäß ihrer selbstgesetzten Deadline - Ende November - aufzureiben, ist zu befürchten, dass dann ein neues, ASG-ähnliches Phänomen auftaucht. Dann allerdings mit weitaus radikalerem Impetus, als er die Gründer der »Väter der Scharfrichter« auszeichnete.
Denn Widerstand hat in der Region Tradition: Zuerst gegen ausländischen - spanischen, amerikanischen und japanischen - Kolonialismus und seit der Unabhängigkeit der Philippinen (1946) auch gegen interne Kolonisierung. Die Wurzeln des Konflikts sind ungelöste Landprobleme, soziale Benachteiligung, Massenarmut und kulturelle Geringschätzung. Die legitime Autonomie-Forderung der Moros droht durch nichtstaatlichen wie staatlichen Terror und Gegenterror vereitelt zu werden.
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Stand: 18. März 2002, © Asienhaus Essen / Asia
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