Außenhandel BRD-Burma

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Außenhandel zwischen Burma und Deutschland im Steigflug
von Susanne Gotthart

Von nationalen und internationalen Experten werden die Wirtschaftssanktionen als wichtiges Instrument gesehen, um die Demokratisierungsbestrebungen in Burma voranzutreiben. Nicht zuletzt auf die ILO- (International Labour Organization) Initiative wird die jüngste Gesprächsbereitschaft der Militärjunta zurückgeführt. Diese ruft zum internationalen Boykott gegen Burma auf, solange sich die Situation dort nicht verändert (Zwangsarbeit, Menschenrechtsverletzungen).

Burma ist ein rohstoffreiches Land, das wegen seiner geostrategischen Lage zwischen Indien, China und Thailand ein interessanter Handelspartner für die BRD darstellen könnte. Doch aufgrund der politischen Lage, werden laut dem Auswärtigen Amt seit 1996 die Wirtschaftsbeziehungen auf einem niedrigen Niveau gehalten. Das war nicht immer so. Bis 1988 als das Militär die Macht übernahm, war die BRD der wichtigste westliche Partner, was Wirtschaftsbeziehungen und Entwicklungshilfe betrifft. Es flossen 1,25 Mrd. DM Entwicklungsgelder bis zu diesem Zeitpunkt. Durch das bundeseigene Unternehmen Fritz Werner, das ab 1955 bei der Errichtung einer Rüstungsindustrie in Burma geholfen hatte, wurden Politik und Wirtschaft eng verknüpft. Als die Waffen 1988 gegen die burmesische Bevölkerung gerichtet wurden und die Demokratiebestrebungen der Militärdiktatur unterlegen waren, mußte diese Zusammenarbeit als gescheitert angesehen werden. Die deutsche Wirtschaft und Politik zog sich zurück. Seitdem gibt es seitens des Bundes keine entwicklungspolitischen Aktivitäten mehr. Allerdings besuchte Klaus Kinkel 1994 als damaliger Außenminister und offizieller Vertreter der EU Burma. Er signalisierte der Militärjunta Gesprächsbereitschaft seitens der EU. Ein Jahr später erfolgte die Aufhebung des Hausarrestes von Aung San Suu Kyi. Daraufhin war die Bundesregierung bereit, die Beziehungen zu normalisieren. Die Wirtschaft hat diesen Schritt schon eher vollzogen. Im Januar 1994 war die BRD wieder zum viert wichtigsten Handelspartner aufgestiegen.

Wenn man sich die deutsch-burmesischen Handelsbeziehungen von 1990 bis 1999 vor Augen führt, zeigt sich, dass sich das Importvolumen aus Burma von 1990 (17.6 Mio. DM) bis 1995 (37,4 Mio. DM) mehr als verdoppelt hat. Zwischen 1996 und 1998 hat es sich allein um 81 % gesteigert. Die steigende Tendenz ist anhaltend (Lstat.). Dabei sind noch nicht die Importe, die über Singapur nach Deutschland geliefert werden, enthalten. Mit dem Export verhält es sich anders. Von 1990 bis 1995 sank der Export um 14,3 Mio. DM auf 50,6 Mio. DM. Stiegen bis 1997 dagegen die Exportzahlen auf 91,3 Mio. DM an, war 1998 wieder ein Rücklauf zu verzeichnen, der 1999 voraussichtlich überwunden worden sein wird (Lstat.) Dieser Trend könnte auf die Asienkrise zurückgeführt werden.

Burma 1990 1995 1996 1997 1998 1999
in Mio. DM
Export BRD 64,9 50,6 69,2 91,3 90,0 103,5
Import BRD 17,6 37,4 49,5 65,2 89,8 113,3

(Zahlen für 1999 vorläufig)

Hauptimportgüter aus Burma waren Bekleidung, Fisch und Fischzubereitung sowie Bau- und Nutzholz (Teak). Die starke Zunahme an Kleidungsimporten spiegelt die steigende Bedeutung von Zwangsarbeit in der burmesischen Wirtschaft wider.

Die Exportwarenpalette umfasste neben Maschinen und elektrotechnischen Erzeugnissen auch feinmechanische und optische Erzeugnisse, Kraftfahrzeuge und pharmazeutische Erzeugnisse sowie Eisenwaren, Farbstoffe, Farben und Lacke. Das Gros machten Maschinen und elektrotechnische Erzeugnisse aus.

 

Nach Ludwig hätten schon Mitte der neunziger Jahre deutsche Unternehmen die "günstigen" Bedingungen in Burma genutzt, um dort Investitionen zu tätigen. Neben vielen mittelständischen Unternehmen seien auch Siemens, Bosch, BMW, Triumph und die Deutsche Bank dort angesiedelt. Diesem Aspekt der deutsch-burmesischen Handelsbeziehungen muss noch genauer nachgegangen werden.

Wirtschaftliche Beziehungen NRW - Burma

Was das Land Nordrhein-Westfalen betrifft, sanken die Exportzahlen kontinuierlich. Umfassten sie 1990 11,1 Mio DM, waren es Ende 1996 nur noch 6,4 Mio. DM und verringerten sich im Jahre 1997 nochmals auf 3,8 Mio. DM. Im Jahre 1998 stiegen sie auf 5,5 Mio. DM und steigerten sich im folgenden Jahr wiederum , so dass sie 1999 19,4 Mio. DM ausmachten.

Der Import nach NRW stieg ständig an und erreichte 1999 die Summe von 45,7 Mio. DM, was ausgehend von 2,9 Mio. DM im Jahre 1990 eine Steigerung um 1476 Prozent bedeutet. In der zweiten Hälfte der neunziger Jahre stieg der Import um 716 Prozent. Der große Sprung geschah dort allerdings zwischen 1998 (27 Mio. DM) und 1999 (45,7 Mio. DM). Anbetracht der nordrhein-westfälischen Wirtschaftsstruktur ist zu vermuten, dass vor allem der Anteil an Kleiderimporten gestiegen ist.

Das bedeutet, dass auf NRW durchschnittlich 11,3 % der Exporte und 23,2 % der Importe der 90er Jahre entfallen.

Burma 1990 1995 1996 1997 1998 1999
in Mio. DM
Export NRW 11,1 6,3 6,4 3,8 5,5 19,4
Import NRW 2,9 5,6 8,7 12,9 27 45,7

Fazit

Ausgehend von der Situation vor 1988 als die BRD der wichtigste Handelspartner war, ist ihr Engagement in Burma zurückgegangen. Anbetracht dessen, wie die Militärjunta die burmesische Bevölkerung behandelt, erscheinen die wachsenden wirtschaftlichen Beziehungen bedenklich. Durch weitere wirtschaftliche Sanktionen könnte sich die Militärjunta gezwungen sehen, mit dem Ausland zu kooperieren und so zu Zugeständnissen an die Opposition gezwungen werden.

Quellen:

 

S. Gotthart studiert Ethnologie an der Universität Münster und absolvierte im März 2001 ein Praktikum im Asienhaus. Im Rahmen dieser Arbeit entstand dieser Artikel.

 

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Stand: 02. Juli 2004, Asienhaus Essen / Asia House Essen
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