Buchbesprechung "Islam in Asien"
von Rüdiger Siebert
in: epd-entwicklungspolitik, Nr. 15-16/2001, Oktober, S. 67Klischees, Vorurteile, Stimmungsmache sind wohlfeil und populär. Aber es hilft alles nichts und kann mühevoll sein: man muss sich mit dem Islam beschäftigen, muss Informationen sammeln und verstehen, um sich diesem Welt-Thema seriös zu nähern. Hilfe kommt aus dem Asienhaus in Essen. Welche Rolle der Islam in Asien spielt, ist nun in einem grundlegenden Sammelwerk nachzulesen, das Klaus H. Schreiner herausgegeben hat.
Die einzelnen Kapitel gehen auf Referate und Vorlesungen zweier Veranstaltungen in Deutschland zurück: die Ringvorlesung "Islam in Asien", die im Wintersemester 1997/98 in Zusammenarbeit mit dem Institut für Entwicklungspolitik an der Ruhr-Universität Bochum stattfand, und die Tagung "Islamische Antworten auf die Globalisierung - Positonen in süd- und Südostasien", die das Essener Asienhaus im Herbst 1998 gemeinsam mit der Evangelischen Akademie Haus Ortlohn in Iserlohn ausrichtete.
Das Buch vereint die Beiträge von zwölf Autoren, die als Kenner der asiatischen Verhältnisse und des Islam ausgewiesen sind: neben den deutschen auch Autoren aus Pakistan und Indien.
In dieser ost-westlichen Sichtweise liegt ein Vorzug der Publikation. Sie öffnet einen doppelten Blickwinkel. Zum einen wird die Herausforderung analysiert, der sich der Islam in seinen vielfältigen Aspekten, Schulen, Strömungen in der gegenwärtigen Entwicklung stellen muss; zum anderen wird die Herausforderung für den Rest der Welt deutlich, sich mit eben dieser Entwicklung sachlich und fair auseinander zu setzen. Statt Kampf sollte der Dialog der Kulturen befördert werden. Das macht Hans Küng in seinem Vorwort zur Maxime: "Wie es Muslime gibt, die bewusst ein Feindbild vom Christentum kultivieren, so gibt es viele Christen, die ein Feindbild des Islam propagieren."
In diesem Spannungsverhältnis tragen die Beiträge zur Aufklärung und Information bei, ohne eine Seite zu verdammen oder zu idealisieren. Fakten und Nüchternheit sind angesagt. Da werden historische Entwicklungen aufgezeigt, der Wesensgehalt des Islam verdeutlicht und die die jeweilige Besonderheit des Islam in den einzelnen Staaten behandelt. Letzteres zeigt, dass es den Islam in Asien gar nicht gibt, sondern eine vielfältige Ausprügung islamisch geformten Geistes. Das macht die Verallgemeinerung unmöglich; und je mehr Fakten aufgereiht werden, desto klarer wird dem Leseser, dass sich pauschale Urteile verbieten. Auch dies gilt für beide Seiten.
Das Kompendium in Sachen Islam ist ebenso eine Einladung für Muslime, sich krtiisch mit ihrem eigenen Islambild zu beschäftigen. Hans Küng ist vorbehaltlos zuzustimmen: "Dieser Band kann Unkundige und Kundige für das Verstehen sowohls Asiens wie des Islam vieles Lehren." Mann muss es nur wollen.
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Stand: 22. April 2005, © Asienhaus Essen / Asia
House Essen