| WAZ Essen zu Besuch im Asienhaus |
Asien ist in Katernberg zu Hause - In der ehemaligen Zeche Zollverein sind engagierte Gruppen unter einem Dach
Westdeutsche Allgemeine Zeitung vom 18.7.2000 - Liliane Zuuring
Das dunkelrote Haus erhebt sich majestätisch in den Katernberger Himmel. Einst saßen hier die Verwaltungschefs der Zeche Zollverein. Statt Kohlenstaub liegt heute Asien in der Luft. Das Eingangsschild verrät: Hier sitzen Asienstiftung, Korea-Verband, Philippinenbüro, Südasien-Büro, Südostasien-Informationsstelle und Tibet-Initiative.
Hinter dem säulenflankierten Portal öffnet sich ein Flur, an der rosafarbenen Wand hängt die Liebeserklärung: An alle Mitbürger, die von dort herkommen, wo ich Ausländer bin. Eine breite Treppe führt hinauf in die erste Etage des Gebäudes Bullmannaue 11. Hier hat das 1995 von fünf Vereinen gegründete Asienhaus seine Bleibe. Bitte klingeln: Zwei Mitarbeiter zugleich reagieren, kommen lächelnd aus den Büros mit gepolsterten Türen - ein Relikt aus Verhandlungstagen.
Wer hier Migranten vermutet, sucht vergebens. Dem Asienhaus, das u.a. von der Asienstiftung und Spenden lebt, geht's nicht um einen Migranten-Treff: Wir wollen ein Brückenkopf zwischen den Gesellschaften Deutschland-Asien, eine Vernetzung der sozialen und Umweltschutz-Organisationen und eine Anlaufstelle für Asien-Interessierte sein, so Katharina Stahlenbrecher.
Stolz zeigt die Pressesprecherin die Bibliothek neben der chinesischen Wochenend-Schule für in Deutschland aufwachsende chinesische Kinder. Gleich ob Literatur über Laos, Osttimor, Lanka, Birma oder Brunei - wer etwas zu politischen Problemen und sozialen Projekten sucht, wird fündig.
Vieles ist europaweit nur hier zu bekommen. Die Bibliothek hat einen guten Ruf, Fachleute aus dem In- und Ausland vermachen uns ihre Bücher, so Katharina Stahlenbrecher.
In den beiden Büros der Bundeshauptgeschäftstelle der Tibet-Initiative riecht's nach Räucherstäbchen: Handgerollt, betont Geschäftsführerin Barbara Rummel, die hier mit zwei Kolleginnen arbeitet. Fotos des Dalai Lama zieren die Wände. Selbst für den tibetanischen Praktikanten Tashi Feger, der in Frankreich studiert und Zeitungsausschnitte für ein Archiv ordnet, ist noch Platz zwischen Kisten voller Kalender, Fähnchen und Free Tibet-Tassen.
Nebenan beraten Klaus Fritsche, Asienstiftung, und Niklas Reese, Philippinenbüro-Geschäftsführer, Gäste: Wir vermitteln den philippinischen Gewerkschafterinnen Kontakt zu diversen Organisationen, so Reese.
Wer zu Saskia Busch,Südostasien-Informationsstelle, möchte, erreicht sie durch die Küche, die zugleich Poststelle ist. Schattenspielpuppen und ein Plakat mit bewaffneten Frauen, das an die Anfänge der Stelle erinnert, hängen hier, ein Döschen russischen Tees hat sich ins Regal verirrt. Die Ehrenamtliche betreut die Zeitschrift Südostasien: Uns fehlt Geld - wir haben keinen hauptamtlichen Mitarbeiter.
Die Regale von Roland Wein, Korea-Verband-Geschäftsführer, füllen Bücher auf Koreanisch. Er arbeitet an der nächsten Ausgabe des ,Korea-Forum' und dem dritten ,Asia Europe Meeting' in Seoul.
Am Ausgang klebt gerade Ryan Gardiner ein provisorisches Schildchen an: Büro für Zukunftsgestaltung. Der neue Mieter passt hierher - denn um eine lebenswerte Zukunft geht es allen.
Stand: 02. Juli 2004, © Asienhaus Essen / Asia House Essen
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