Publikationen

Call for Papers Zeitschrift südostasien 1/2017: Justiz, Rechtskultur und Rechtssicherheit, 2016

Was ist eigentlich gerecht? Alles was Recht ist! Es ist eine immerwährende Debatte in den Rechts- und Kulturwissenschaften, welcher Quelle das Recht entspringt und welche kulturellen und gesellschaftlichen Voraussetzungen Rechtsysteme beeinflussen und die Rechtsanwendung (mit-) bestimmen. Ist es der Staat, der das Recht erschafft? Ist Recht nur das, was in den Gesetzbüchern steht? Oder ist Recht nicht vielmehr in der Kultur verwurzelt jenseits der Gesetzbücher? Wer ist überhaupt befugt, das Recht auszulegen und anzuwenden? Welchen Akteuren gelingt es das Recht zu umgehen und warum ist das so?

In der ersten südostasien-Ausgabe des Jahres 2017 möchten wir uns mit diesem Themenfeld beschäftigen und suchen dafür Artikel, Berichte, Interviews und Analysen, die insbesondere folgende Themenaspekte und Fragen ins Licht rücken:

Rechtskultur

In Bezug auf die Länder Südostasiens wollen wir der Frage nachgehen, welches Recht jeweils herrscht und woher es stammt.

• Wurde das Recht dieser Länder von westlichen Kolonialisten und beeinflusst deren Rezeption womöglich noch heute die Rechtsprechung, oder entspricht es den Interessen der heutigen politischen und wirtschaftlichen Machthaber? Wo und wie weit entstammt es dem historischen, kulturellen und religiösen Kontext der jeweiligen Gesellschaften? Inwieweit kann die Bevölkerung ihre Interessen in den Aushandlungs-prozessen neuer Gesetze zwischen verschiedenen involvierten Akteuren durchsetzen? (Bsp.: Arbeitsrecht in Myanmar)

• Inwiefern ist ein Konzept von Menschenrechten in den südostasiatischen Gesellschaften verwurzelt oder sind sie ein westlicher Import?

• Was wären die originären lokalen Rechtsquellen, auf die sich ein lokal verwurzeltes Rechtssystem berufen könnte? Wo gibt es Beispiele religiös überlieferter Rechte oder tradiertes Gewohnheitsrechts? Wie können westliche, staatlich gesetzte und religiöse Rechtskulturen und -regime nebeneinander existieren?

Justiz

Die Situation von Rechtsanwendung und Gerichtsbarkeit – insbesondere des Strafrechts – soll in dieser Ausgabe auch Beachtung finden:

• Wie sieht die Anwendung und Implementierung des bestehenden Strafrechts in den Ländern Südostasiens aktuell aus?

• Wo findet eine effektive juristische Aufarbeitung von (staatlichen und nicht-staatlichen) Menschenrechtsverbrechen statt und wo gelingt dies nicht? (Stichwörter: Transitional Justice, ECCC in Kambodscha, bzgl. Indonesien das People’s Tribunal for 1965 in Den Haag.)

• Welche Arten von politischer Gefangenschaft gibt es? Welche Fälle staatlichen Missbrauchs von Gesetzen gegen sogenannte staatsbedrohende Aktionen?

• Welche Rolle spielt die Todesstrafe in den verschiedenen Rechtssystemen? (Stichwörter: Todesstrafe bei Korruptionsfällen, Verhältnismäßigkeit von Todesurteilen bei Drogendelikten)

• Welche Fälle von Amnestien politischer Natur gibt es in welchen Kontexten? Wo versagt der Strafanspruch wegen herrschender Verkrustungen? (Politik, Militär, Mafia / Polizeigewalt, die nicht sanktioniert wird etc.)

• Welche Möglichkeiten/Szenarien existieren für die juristische Aufarbeitung laufender Konflikte wie bspw. in Myanmar / Süd-Philippinen?

Rechtssicherheit

Wenn der Staat sich selbst nicht an seine Gesetze hält… Auch das zivilgesellschaftliche Engagement für die Gewährleistung von Rechten und den effektiven Rechtszugang soll beleuchtet werden:

• Welche juristischen und politischen Möglichkeiten gewähren die Verfassungen der einzelnen Nationen ihren „Rechtssubjekten“?

• Was und wie arbeiten zivilgesellschaftliche Akteure, die gegen Rechtsmissbrauch und staatliche Willkür kämpfen? Inwiefern haben NGOs wirklich ein Mandat von der Bevölkerung oder sind sie selbst (insbesondere INGOs) mit ihrer menschenrechtsbezogenen Kritik am Kolonialismus ein ebenso westlicher Import?

• Welche Rolle spielt dabei der Aktivismus gegen landgrabbing (Welche der bestehenden Gesetze entstanden viel mehr im Dienst der Wirtschaftsinteressen als zum Schutz der Bevölkerung eines Gebietes)

• Wie hängen staatliche Willkür einerseits und Selbstjustiz auf der anderen Seite zusammen, wenn die Betreffenden kein Vertrauen (mehr) in das Rechtssystem haben?

 

Formatangaben

Maximale Zeichenzahl pro Seite (mit Leerzeichen): 1 Seite = 3.800, 2 Seiten = 6.900, 3 Seiten = 11.000. Artikel sollten nicht länger als 3 Seiten und in einer genderneutralen Sprache verfasst sein. Die Zeichenanzahlen beinhalten die Überschrift, Zwischenüberschriften und ein Foto pro Seite.

Formatierung

Keine, bzw. nur Absatzzeichen; Fußnoten und Anmerkungen als Fließtext, nicht als Fußnoten formatieren, max. 4 Literaturangaben.

Bilder

Bitte zum Artikel passende, qualitativ gute Fotos mit senden (etwa 300 dpi). Copyrightfragen klären und Bilder beschriften (Fotograf und Bildtitel).

Rezensionen

Für unsere fortlaufende Rezensionssparte suchen wir zudem kurze Besprechungen von aktuellen Buch-. Film- und Musikveröffentlichungen aus und über Südostasien.

 

Redaktionsschluss ist der 30. Dezember 2016.

Kontakt: suedostasien.zeitschrift[at]gmail.com

Download: