Eintrag

03.07.2015
- 05.07.2015

Seminar: „Bühne der Wahrheit“ - Gerechtigkeit und Versöhnung durch Wahrheitskommissionen und Strafgerichte

17:00
- 15:00 Uhr

Nach Gewaltkonflikten stehen Staaten und Gesellschaften vor der schwierigen Aufgabe, wie mit dem begangenen Unrecht umzugehen ist: Wie können die gesellschaftlichen Gräben und die tiefen Gewaltprägungen überwunden werden, so dass eine langfristig friedensfähige Gesellschaft auf einem gerechten Fundament entstehen kann? In vielen Ländern gab es in jüngster Zeit national und international gesteuerte Aufarbeitungsprozesse durch Wahrheitskommissionen und Strafverfolgung. Sie konnten, wie wir aufzeigen und diskutieren möchten, in unterschiedlichem Maße zu Gerechtigkeit, Wahrheit und Versöhnung beitragen.

Einen Königsweg im Umgang mit der belasteten Vergangenheit gibt es nicht. Aufarbeitungsprozesse sind von langfristiger Natur und jede Gesellschaft muss dabei ihren eigenen Weg finden. Es ist ein stetiges Ausbalancieren von unterschiedlichen Interessen, ein nicht immer geradlinig verlaufender Weg. Wie viel Aufarbeitung verträgt eine Gesellschaft, wann ist dazu der richtige Zeitpunkt? Wie lässt sich den Forderungen der Opfer nach Gerechtigkeit entsprechen, wie Täter wieder in die Gesellschaft integrieren? Aus den Erfahrungen anderer Gesellschaften lässt sich zwar lernen, aber Maßnahmen lassen sich nicht einfach übertragen. Vielmehr gilt es, die jeweiligen gesellschaftlichen und kulturellen Kontexte zu beachten und vor allem die Ausgestaltung der Versöhnungsprozesse in der Verantwortung der Gesellschaften zu belassen. Zugleich ist es eine wichtige Errungenschaft, dass heute die strafrechtliche Verfolgung schwerer Menschenrechtsverbrechen als Norm der Staatengemeinschaft festgeschrieben und über sie einzufordern ist. Amnestien und Amnesien finden heute als extrem täterbezogene Maßnahmen Ächtung, und Opfer von Gewaltanwendungen werden in ihrem Anliegen durch das Recht auf Wahrheit und Reparationen gestärkt.

Gerechtigkeit und Versöhnung sind zwei Seiten einer Medaille, und beiden wohnt das Element der Wahrheitsfindung inne: Strafprozesse allein können gesellschaftliche Wunden nicht gänzlich heilen, Versöhnung kann ohne eine Übernahme der Verantwortung der Täter und einer Bereitschaft der Opfer nicht stattfinden.

Anhand ihrer Arbeitserfahrungen stellen die Seminarleiterinnen verschiedene  Aufarbeitungsprozesse in Nachkriegsgesellschaften vor. Die Auswirkungen auf die Konfliktbearbeitung werden beleuchtet und die Teilnehmenden dabei aktiv in den Informations- und Erfahrungsaustausch einbezogen. An Hand von partizipativen Methoden lernen die Teilnehmenden Möglichkeiten kennen, mit denen sie sich unterschiedliche Zugänge im Umgang mit der Vergangenheit erschließen können.

Seminarzeiten:

Freitag     17:00 – 20.30
Samstag  10:00 – 18.00
Sonntag  10:00 – 15.00

Seminarleitung:

Monika Schlicher
Promovierte Politologin und Historikerin zu Südostasien. Von 1997 bis 2012 arbeitete sie bei der Menschenrechtsorganisation Watch Indonesia!, heute leitet sie die Stiftung Asienhaus. Der Umgang mit der gewaltsamen Vergangenheit und der Kampf gegen die Straflosigkeit sind ein Schwerpunkt ihrer Arbeit. Sie konzipierte u.a. eine Filmreihe zu „Asiens Wunden“, begleitete die Wahrheits- und Versöhnungskommission in Osttimor sowie die Bemühungen um juristische Aufarbeitung und ist Autorin zahlreicher Publikationen.     

Juliane Westphal
Mediatorin M.A, interkulturelle Trainerin und Beraterin für Medienprojekte. 2005-2007 entwickelte sie Projekte zur öffentlichen Aufklärung über die Prozesse der Wahrheits- und Versöhnungskommissionen in Sierra Leone und Liberia. Publizistisch stelle sie die Arbeit von Wahrheitskommissionen in Radiofeatures vor. Sie arbeitet heute als freie Trainerin u.a. Für die GIZ in der Akademie für internationale Zusammenarbeit in Bad Honnef, Brot für die Welt, Mediation in Diversity, der Hochschule Wildau und Hannover.

Referent:

Tejan Lamboi, Journalist, Mediator, Trainer mit einem Master in interkulturellem Konfliktmanagement.
Seit 2010 ist er Berater für die NGO Organisation medico International sowie für andere Institutionen in Deutschland. Zwischen 1996 und 2007 arbeitete er als Journalist in Freetown (Sierra Leone). Er ist der Gründer und internationaler Koordinator des netzwerkes Asylum Seekers (NEAS-SL).

Das Seminar ist kostenfrei. Es gibt eine Teilnahmebegrenzung. Eine verbindliche Anmeldung unter Angabe Ihrer Adresse und Telefonnummer ist aber zwingend erforderlich. Sie erhalten eine Anmeldebestätigung.

Die Veranstaltung wird realisiert mit Mitteln der Stiftung Deutsche Klassenlotterie Berlin.

Anmeldung bei Birgit Guth, guth(at)bildungswerk-boell.de

Veranstaltungsort: Bildungswerk Berlin der Heinrich-Böll-Stiftung, Sebastianstr. 21, 10179 Berlin

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von Südostasien-Informationsstelle / philippinenbüro / Stiftung Asienhaus

Titelseite südostasien 1/2016