Eintrag

27.10.2015

Strategien für transnationale Solidarität mit der Arbeiterbewegung in der Palmölindustrie

10:00
- 16:00 Uhr
© Pison Jaujip
https://www.flickr.com/photos/pisonjaujip/6977817509/in/photolist-ohk271-ofkC91-ofkCb5-oj8EEv-nZUcjX-ofkC8E-ohbM3h-ohk1ZC-ohhTVd-9ztF22-nZZg3Q-9ztFvp-9zwE1b-ohhSAj-ohtDp8-bYXp5C-9ztKaZ-frhyQY-9zwBdj-9ztCga-9ztCWk-9ztDZH-9ztDdx-9ztJCZ-9zwKsJ-e5mjUF-bCB93r-

Die berechtigte umweltpolitische Kritik an Palmöl (Regenwaldzerstörung, Klimawandel) und die Kritik des Landgrabbing (und damit einhergehenden Landkonflikten und Menschenrechtsverletzungen) ist in Deutschland sehr präsent. Es gibt schon eine palmölkritische Zivilgesellschaft in Deutschland, die mit NGOs in Europa und in Indonesien gut vernetzt ist. Bislang keine große Rolle spielen die Arbeitsverhältnisse auf den Plantagen und in den Mühlen, die ArbeiterInnen selbst treten hier nicht als eigener Akteur in Erscheinung. Mit diesem Workshop wollen wir dies ändern. Ziel ist es, umweltpolitische Organisationen, die zu Palmöl arbeiten, mit gewerkschaftlichen Initiativen zusammenzubringen, um so konkrete Verknüpfungspunkte und Kampagnenideen um die Themen Ausbeutung, soziale Rechte und Umweltgerechtigkeit zu entwickeln.

Die Veranstaltung besteht aus zwei Teilen. Zunächst werden wir uns inhaltlich austauschen zu den Themen PlantagenarbeiterInnen, Ausbeutung in der Palmölindustrie, Migration und gewerkschaftliche Initiativen. Im zweiten Teil sollen dann konkrete Ansätze für transnationale Solidarität und Kampagnenideen entwickelt werden.

Wir bitten um Anmeldung bis zum 21. Oktober 2015.

Hier geht es zur Anmeldung via Online-Formular

Telefonische Anmeldung: 0221-71612111

 

Programm

10.00 – 10.30 Einführung und Vorstellung der TeilnehmerInnen

10.30 – 11.00 PlantagenarbeiterInnen und das Recht auf Nahrung

Die globalisierte Nahrungsmittelindustrie basiert zum großen Teil auf der Arbeit von hunderten von Millionen PlantagenarbeiterInnen. Niedrige Löhne, fehlende soziale Absicherung, prekarisierte Arbeitsbedingungen und der Einschränkung gewerkschaftlicher Arbeitsrechte kennzeichnen diesen Sektor. Dies führt zu einem perversen Widerspruch: diejenigen, die unsere Nahrung produzieren, leiden oft an Hunger und Unterernährung. FIAN stellt hier eine neue Studie zur globalen Situation von PlantagenarbeiterInnen und das Recht auf Nahrung vor, die sie zusammen mit dem IUF und Misereor erstellt hat.

Input: Roman Herre (FIAN)

11.00 – 11.30 Neue gewerkschaftliche Initiativen in der Palmölindustrie in Südostasien

Die Gewerkschaftsbewegung in Indonesien und Malaysia erholt sich nur langsam von den historischen Niederlagen der 50er und 60er, bei der freie Gewerkschaften zerschlagen und in Indonesien hunderttausende von ArbeiteraktivistInnen ermordet worden sind. Als relativ neue und expandierende Industrie, ist der Palmölsektor noch weitgehend gewerkschaftsfrei. Prekarisierte Arbeitsverhältnisse, politische Repression und die Existenz von „gelben“ Gewerkschaften sind große Herausforderungen. Am Beispiel der Serikat Buruh Perkebunan Indonesia (SBPI, eine junge und militante Gewerkschaft in Nordsumatra) und der Sabah Plantation Industry Employees Union (SPIEU, eine Gewerkschaft in Sabah, Malaysia, die auch indonesische MigrantInnen organisiert) wollen wir Probleme und Potentiale der Gewerkschaftsbewegung im Palmölsektor diskutieren.

Input: Yuyun Harmono (Asienhaus AK Ressourcenpolitik)

11.30 – 12.00 Migration, Transnationale Vernetzungen und Alltagswiderstand

Die Palmölindustrie funktioniert nur durch die massenhafte Migration von Arbeitern. In Indonesien suchen viele Arbeitslose aus Java, Madura, Lombok und Sulawesi nach Jobs in den neuen Plantagengebieten in Kalimantan, Südsumatra oder West Papua. Sie bilden auch 90% der PalmölarbeiterInnen in Malaysia. Die Organisierung der MigrantInnen wird durch hohe Fluktuation, Prekarisierung und ein repressives Migrationsregime erschwert. Gleichwohl entwickeln die MigrantInnen Praktiken von Alltagswiderstand, die als Basis für politische Organisierung dienen könnten. Wir berichten von der Gründung eines Netzwerkes zur transnationalen Organsierung von PalmölarbeiterInnen vom März dieses Jahres und von den ersten Ansätzen, die hier entwickelt werden.

Input: Ramlah Daud (Universitas Malaysia Sabah)

12.00 – 12.30 PalmölarbeiterInnen und die Umweltfrage

Wie können die sozialen Forderungen der PalmölarbeiterInnen mit der Frage nach Umweltgerechtigkeit verknüpft werden? Im Arbeitsalltag sind gerade die ArbeiterInnen, die unter gesundheitsschädlichen Pestiziden leiden, die ersten Opfer einer umweltfeindlichen Produktionsweise. Das macht sie aber noch nicht automatisch zu einem Bündnispartner für Umweltgerechtigkeitsbewegungen. Wir wollen die These diskutieren, dass signifikant höhere Löhne die Profitraten der Palmölindustrie schmälern und damit die finanzmarktgetriebene Expansion ausbremsen könnte. Selbstbewusste und politische Arbeiterorganisationen könnten wichtige Bündnispartner für Umweltorganisationen werden, wenn es darum geht, alternative Zukunftsszenarien für die Palmölindustrie zu entwickeln und einzufordern.

Input: Oliver Pye (Stiftung Asienhaus)

12.30 – 13.30 PAUSE - Mittagessen

Kampagnen und die „Was kann ich tun Frage“ Viele Palmölkritische Kampagnen fangen mit dem Konsumprodukt an: ob Nutella, Kitkat oder Rama, die Politisierung des Palmöls in diesen Produkten ist eine gute Möglichkeit, die Auswirkungen von Palmöl in Südostasien in den Alltag der Menschen in Deutschland zu transportieren. Diese Kampagnen bieten auch gleich konkrete Handlungsmöglichkeiten, entweder durch Briefe an bekannte Markenfirmen oder in Form des kritischen Konsums, in dem man Palmölprodukte zu vermeiden versucht. Wie könnten aber beim Thema Arbeitsbedingungen, gewerkschaftliche Organisierung und Menschenrechten solche konkreten Handlungsaufforderungen aussehen?

13.30 – 14.10 Organisierung entlang der Wertschöpfungskette

Das Transnational Information Exchange (TIE) berichtet von Erfahrungen mit dem ExChains Network, in dem Arbeiter entlang von Wertschöpfungsketten sich vernetzen und organisieren. Könnte das Model auch für die Palmölindustrie funktionieren? Ein möglicher erster Schritt wäre die Gründung einer Arbeitsgruppe „Gewerkschaften und Palmölkritik.“

Input: Michael Fütterer (TIE Bildungswerk e.V)

14.10 – 14.50 Menschenrechte und Solidaritätsarbeit

Die Organisation FIAN, die für das Menschenrecht auf Nahrung streitet, entwickelt einen Schwerpunkt zu Menschenrechten und Arbeitsbedingungen auf Plantagen. Welche konkreten Möglichkeiten gibt es, von Deutschland aus die Einhaltung von Menschen- und Arbeiterrechten zu unterstützen und Solidarität mit von Repression betroffenen AktivistInnen auszuüben?

Input: Roman Herre (FIAN)

14.50 – 15.30 Fund an Organiser!

Eine konkrete und wohl effektivste Form der Solidarität ist die Finanzierung von Organisers, die Diskussionszirkel, Gewerkschaftsgruppen, Protest und Streiks vor Ort initiieren können. Hier wollen wir überlegen, wie Palmölkampagnen diese Form der Unterstützung mit Mechanismen wir crowdfunding operationalisieren können. Eine Möglichkeit wäre eine Veranstaltungsreihe verknüpft mit „ sponsored runs“, bei dem Interessierte Aktivisten das Thema in ihrem Umfeld publik machen können.

Input: Oliver Pye (Stiftung Asienhaus)

15.30 – 16.00 Konkrete Absprachen und Arbeitsaufträge

 

 

Gefördert von   

 

und Engagement Global im Auftrag des

Veranstalter: Stiftung Asienhaus, FIAN und TIE Bildungswerk e.V.

Veranstaltungsort: Asienhaus, Hohenzollernring 52, 50672 Köln

Details & Anfahrt: Asienhaus

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von Südostasien-Informationsstelle / philippinenbüro / Stiftung Asienhaus

Titelseite südostasien 2/2016