Spenden für die Stiftung Asienhaus

China-AG zu Olympia unter Zero Covid

Bei der 5. China-AG wurden die Olympischen Winterspiele 2022 unter Chinas Zero-Covid-Strategie diskutiert. Das Treffen drehte sich um den Vergleich von Sommerspielen 2008 zu Winterspielen 2022 aus politischer, sportlicher, journalistischer und zivilgesellschaftlicher Perspektive. Ein Kurzbericht.

Freiräume vs. Kontrolle

In einem ersten Impuls wurde aus journalistischer Perspektive auf die XXIX. Sommer- und XXIV. Winterspiele geschaut. 2008 standen die Freude gegenüber den Besucher:innen aus der ganzen Welt auf Seiten der Bevölkerung und die Hoffnung auf ein offeneres China auf Seiten der ausländischen Kommentaror:innen wie auch einem Teil der chinesischen Bevölkerung im Vordergrund. So hatten Journalist:innen 2008 gewisse Freiräume um unabhängig zu arbeiten. Die Situation 2022 ist eine ganz andere, geprägt von zahlreichen roten Linien in Bezug auf politisch sensible Themen und einer strengen Überwachung ausländischer Berichterstattung sowie Quarantänemaßnahmen im Rahmen von Chinas Zero Covid-Strategie.

Der zweite Impulsvortrag ging aus wissenschaftlicher Perspektive auf die zwei Seiten der Winterspiele 2022 ein. Einerseits ist Olympia eine globale Sportveranstaltung, die es China ermöglicht sich als Gastgeberland zu profilieren, nationale Erfolge einzufahren und mit Blick auf die Bevölkerung den nationalen Zusammenhalt zu stärken. Andererseits ist Olympia in Zeiten der Corona-Pandemie eine geschlossene Veranstaltung mit „Olympia-Blasen“ in Peking und Zhangjiakou. Sportler:innen und Journalist:innen sind abgeschottet von der chinesischen Bevölkerung. Begegnungen sind so gut wie nicht möglich.

Einseitigkeit, Vielfalt der Meinungen und Widerstand gegen Olympia

Die nachfolgende Diskussion war geprägt von der China-Berichterstattung in Deutschland, der Frage nach dem Abhalten von Olympischen Spielen in Autokratien, sowie unterschiedlichen Wahrnehmungen der Stimmung in der chinesischen Bevölkerung. Es bestand ein Konsens darüber, dass die deutsche China-Berichterstattung um die Winterspiele 2022 ein sehr negatives Bild vom Land gezeichnet hat. Die Ursachen dafür wurden z.B. in der selektiven Auswahl von Berichtsinhalten, aber auch in den Einschränkungen für journalistische Arbeit in China gesehen.

Es wurde festgehalten, dass die Vergabe und Durchführung der Olympischen Spiele nie unpolitisch ist, wie so oft vom International Olympischen Komitee beteuert. Es entstand eine Diskussion über autokratische und demokratische Staaten als Ausrichter und wie sich vor allem in demokratischen Staaten großer Widerstand aufgrund der Kosten, Umweltfolgeschäden und mangelnder Nachhaltigkeit der Olympischen Spiele in den letzten Jahren gebildet hat. So gab es für die Winterspiele 2022 letztlich nur zwei Bewerberstädte: Peking und Almaty (Kasachstan). Die Stadt München und angrenzende Landkreise/Gemeinden z.B. waren aufgrund von ablehnenden Bürger:innenentscheiden mit einer Bewerbung gescheitert.

Was denken Chines:innen über Olympia?

Besonders gegensätzliche Meinungen gab es bei der Wahrnehmung der Stimmung innerhalb der chinesischen Zivilbevölkerung. Während die einen Begeisterung und starken Nationalstolz, vor allem innerhalb der Jugend, wahrnahmen, sahen andere eher ein Desinteresse mit Blick auf die Winterspiele. Gründe für Letzteres könnten darin liegen, dass China kein traditionelles Wintersportland ist. Zudem interpretierten einige Teilnehmer:innen das Schweigen ihrer chinesischen Kontakte zu den Winterspielen als möglichen Ausdruck des Unbehagens gegenüber einer staatlich verordneten Euphorie gegenüber einer elitären Veranstaltung in einer Krisenzeit.

Nehuen Stoppa

Kategorien China | Online-Beiträge | Stiftung Asienhaus | Politische Systeme | Zivilgesellschaft

Mehr zu China

Zurück