05.02.2018

Call for Papers südostasien 1/2018: Reichtum

Verteilungsungerechtigkeit führt dazu, dass es auf der einen Seite Armut und auf der anderen Seite Reichtum gibt. Dass die Verteilungsungerechtigkeit im globalen kapitalistischen System wächst, ist bekannt, und lässt sich am Gini-Koeffizient ablesen. Je höher der Gini-Koeffizient auf einer Skala von Null bis 100 ist, desto ungleicher ist die Einkommensverteilung. Keiner der ASEAN-Staaten kann demnach als verteilungsgerecht angesehen werden

 

[Info: Die südostasien 01/2018 wird unsere erste reine Online-Ausgabe sein - www.suedostasien.net].

In Indonesien besitzen die vier reichsten Menschen gemeinsam so viel Vermögen wie die Summe des Vermögens der 100 Millionen Ärmsten. Im südostasiatischen Durchschnitt müssen geschätzte 15 Prozent der Bevölkerung mit weniger als zwei Dollar am Tag auskommen. Ein Fakt, der in vielen Sonntagsreden von Politikern beklagt wird. Auch die Massenmedien reihen sich ein in den vermeintlichen Kampf gegen Armut. Seltener beleuchtet werden jene, die von der Verteilungsungerechtigkeit profitieren. Reichtum wird deshalb das Thema der nächsten Ausgabe der südostasien sein und zwar nicht der Naturreichtum (obwohl auf dessen Plünderung häufig der materielle Reichtum Einzelner beruht), sondern der Reichtum jener, die das Forbes-Magazin in schöner Regelmäßigkeit nach ihrem Vermögen in Listen aufführt.

Für Deutschland ist aus der Reichtumsforschung bekannt, dass die Superreichen überwiegend männlich sind, häufig aus vermögenden Elternhäusern stammen und dass sie beste Verbindungen zu Personen mit gesellschaftlichem Einfluss und den Schaltstellen der Politik haben.

Gilt das auch für Südostasien? Laut Forbes Magazin (2017) gibt es im ASEAN-Raum 89 Dollar-Milliardäre, ihr Reichtum entspricht rund 10 Prozent des GDP der Region. 21 von ihnen leben in Singapur, je 20 in Indonesien und Thailand, 14 auf den Philippinen, 12 in Malaysia und zwei in Vietnam. Der reichste Mann Südostasiens ist laut Rappler (2017) der thailändische Brauerei-Tycoon Charoen Sirivadhanaabhakdi. Ist seine Geschichte vom Sohn des armen Straßenhändlers zum Milliardär typisch für die Region? Oder sind es eher jene der Familien von Politikern wie Indonesiens Diktator Suharto, dessen Sprösslinge zu den reichsten des Landes gehören und dessen Sohn Tommy Suharto jüngst in den Paradise Papers wieder auftauchte.

Folgende Fragen werden uns beschäftigen:

• Wie wird Reichtum generiert? (Erbschaften, Unternehmen, Immobilien etc.)
• Welche Unternehmer-Dynastien gibt es und in welche wirtschaftlichen, politischen und gesellschaftlichen Ebenen wirken sie hinein, lokal und global?
• Welchen Lebensstil pflegen die Superreichen, stellen sie ihren Reichtum offen zur Schau oder verstecken sie ihn?
• Welcher Stellenwert wird Reichtum in den Gesellschaften Südostasiens beigemessen und wie wird Reichtum legitimiert? Dominiert im Diskurs eine Verherrlichung der „Leistungseliten“ und eine unkritische Abbildung ihres Lebensstils (wie in deutschen Boulevard-Magazinen) oder findet sich auch eine kritische Diskussion, die Ausbeutungsverhältnisse thematisiert?
• Gibt es eine wissenschaftliche Beschäftigung zum Thema Reichtum, Spitzenkarrieren, Netzwerke sowie deren Verbindung mit sozialer Herkunft und Bildungschancen?
• Steht Reichtum in Verbindung mit Verantwortung für die Gesellschaft (gesetzlich a la „Eigentum verpflichtet“, oder moralisch)?
• Gibt es soziale Unternehmer*innen?
• Was tun Staaten (ggf.) für Umverteilung von Reichtum (Steuerpolitik, Unternehmen etc.)?

 

Deadline für Artikel ist der 2. März 2018. Bitte schickt uns zum Artikel passende, qualitativ gute Fotos (etwa 300 dpi). Copyrightfragen sollten vorab geklärt und die Bilder beschriftet werden (Fotograf und Bildtitel). Für unsere fortlaufende Rezensionssparte suchen wir zudem kurze Besprechungen von aktuellen Buch-, Film- und Musikveröffentlichungen aus und über Südostasien.

Kontakt zur Redaktion: soa_mag@asienhaus.de