Corona in Asien

Menschenrechte, politische Systeme, soziale Ungleichheit, internationale Solidarität und die Umwelt im Spiegel der Corona-Pandemie

Die Corona-Pandemie entlarvt die Ungerechtigkeiten der globalen Ordnung besonders deutlich. Nicht nur Staaten unterscheiden sich fundamental darin wie sie ausgestattet sind, um die Gesundheit ihrer Bevölkerung zu schützen bzw. wiederherzustellen. Sondern jede*r Einzelne ist der Pandemie unterschiedlich ausgesetzt, abhängig von Klasse, Herkunft, Race oder Geschlecht. Die Corona-Pandemie muss als Wendepunkt genutzt werden, um die globale Ordnung zu verändern und menschen-, sozial- und umweltgerechter zu gestalten.

Die Stiftung Asienhaus und das philippinenbüro sammeln auf dieser Seite zivilgesellschaftliche Länderperspektiven, um Handlungsoptionen für eine gerechtere Welt und internationale Solidarität zu finden. Im Vordergrund steht dabei die Frage was die Corona-Pandemie für die Menschen im Globalen Süden bedeutet. Diese möchten wir mit Hilfe von fünf Themen und aus der Sicht ausgewählter Länder in Asien beantworten.

Übersicht

Corona - Menschenrechte
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Corona - Politische Systeme
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Soziale Ungleichheit
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Internation. Solidarität
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Menschenrechte

Grundrechte, Rassismus und Räume der Zivilgesellschaft

Photo by LICADHOUm die Corona-Pandemie einzudämmen, verordnen Regierungen rund um den Globus weitreichende Einschränkungen des alltäglichen Lebens, erlassen Notstandgesetze und verfügen über Sonderbefugnisse. Zivilgesellschaftliche Räume, die bereits vor der Pandemie staatlichen Repressionen ausgesetzt waren, stehen nun – unter dem Deckmantel der Sorge und des Schutzes - besonders unter Druck. Vielerorts erleben Ressentiments gegen Minderheiten und Rassismus Konjunktur. Insbesondere in dieser Zeit braucht es eine wachsame Zivilgesellschaft, die Grund- und Menschenrechtsverletzungen benennt und ihnen entgegenwirkt.

12.04.2021

Amnesty International und die Menschenrechtsorganisation LICADHO haben die kambodschanische Regierung aufgefordert, die im Mai 2020 angekündigten Maßnahmen zur Entlastung überfüllter Gefängnisse anzugehen. Insbesondere COVID-19-Risikogruppen, Frauen mit Kindern, Nichtvolljährige und Inhaftierte, denen ein geringes und gewaltloses Vergehen vorgeworfen wird, sollten frei gelassen werden. Im Mai hatte der Justizminister Reformen angekündigt, da Gefängnisse völlig überfüllt und Gerichte mit offenen Rechtsfällen überlastet sind. Der Innenminister erklärte, dass Gefangene entlassen werden könnten; als Beispiel nannte er 10.000 Personen landesweit.

Die Ankündigungen blieben jedoch folgenlos. Im Dezember 2020 veröffentlichen LICADHO, Amnesty International und Human Rights Watch eine gemeinsame Stellungnahme in welcher erneut auf die prekären Bedingungen hingewiesen wurde. Eine Belegquote in kambodschanischen Gefängnissen von durchschnittlich über 300 Prozent, unzureichender Zugang zu sauberem Wasser und Hygieneartikeln sowie das Fehlen von Corona-Testmöglichkeiten für Angestellte und Insassen könnten massenhafte Infektionen mit dem Virus begünstigen.

Das im März 2020 erlassene Gesetz zur Durchsetzung präventiver Maßnahmen zum Schutz vor Covid-19 Infektionen sieht bei Verstößen mitunter strenge Gefängnisstrafen von bis zu zwanzig Jahren vor und könnte bei einer Konsequenten Anwendung die Zahl der Inhaftierten noch weiter in die Höhe treiben.

06.04.2021

Vertreter*innen der kambodschanischen Zivilgesellschaft (u.a. NGOs, Communities, Gewerkschaften) warnen vor einer Enteignungswelle im Land. In Kambodscha haben mehr als 2,5 Millionen Menschen einen Mikrokredit aufgenommen. Da durch die Corona-Pandemie der Verlust tausender Arbeitsplätze, z.B. in der Textilindustrie, droht, werden Tausende anstehende Tilgungen und Zinszahlungen nicht mehr aufbringen können. Da Mikrokredite in Kambodscha oft mit Landtitel besichert sind, könnten besonders ärmere Familien, die in Zahlungsschwierigkeiten kommen, so ihr Land verlieren. Aktuelle Berichte der Zivilgesellschaft unterstützten diese Annahme. NGOs, auch in Deutschland, fordern daher eine Aussetzung der Tilgungs- und Zinszahlungen. Zwei Verbände der Finanzbranche reagierten ihrerseits mit einem offenen Brief, indem sie Korrekturen der Berichte fordern, was die Organisationen zurückweisen.

Währenddessen nehmen die Existenzängste unter den Betroffenen weiter zu, was sich auch auf drastische Weise in der Zunahme häuslicher Gewalt – teilweise mit tödlichem Ausgang – und einem Anstieg der Suizidrate widerspiegelt. Um den finanziellen Druck der Kreditnehmer*innen zu linder haben Anfang April 2021 erneut über 100 Gruppierungen und Interessenvertreter*innen der kambodschanischen Zivilgesellschaft die nachdrückliche Forderung gestellt Tilgungs- und Zinszahlungen für mindestens drei Monate auszusetzen. Indessen können Kreditinstitute weiter Rekordgewinne verzeichnen, da sie zwar die Aussetzung von Tilgungszahlungen gewähren, dies jedoch zum Anlass nehmen, um Kreditverträge umzugestalten und Zinsen zu erhöhen. Mittel- bis langfristig wird sich die Lage für Kreditnehmer*innen unter diesen Voraussetzungen nur weiter verschlechtern.

29.03.2021

Sophia Hornbacher-Schönleben thematisiert das kontroverse Vorgehen der indonesischen Regierung in der Corona-Pandemie. Die Regierung hatte eingeräumt, die Fallzahlen von COVID-19 Erkrankungen zurückgehalten zu haben, um die Bevölkerung nicht zu beunruhigen. So konnte die Regierung Maßnahmen aufschieben, welche die Wirtschaft negativ beeinflussen. Die Autorin spricht daher von einer Bevorzugung der Wirtschaft vor dem Wohlergehen der Bürger. Insbesondere schutzbedürftigen Menschen haben nun mit den Konsequenzen zu kämpfen.

Diese Priorisierung spiegelt sich ebenfalls in der Impfstrategie und dem geplanten Weg zur Herdenimmunität wider. Zunächst sollten neben medizinischem Personal und Staatsbediensteten die Gruppe der 18 bis 59-Jährigen priorisiert werden. Diese würden nicht nur als Erwerbstätige, sondern auch als Konsument*innen effektiv zur Stabilisierung der indonesischen Wirtschaft beitragen. Nach heftiger Kritik ist die Regierung davon jedoch wieder abgerückt und hat die über 60-Jährigen inzwischen höher kategorisiert.

Schon bald soll es auch privaten Unternehmen ermöglicht werden Impfdosen für ihre Mitarbeiter*innen und deren Familienangehörige zu erwerben. Kritiker*innen befürchten eine steigende Ungerechtigkeit und Kommerzialisierung von Impfdosen.

Politische Systeme

Reaktionen des Staates und Informationspolitik

Photo by Martin Sanchez on UnsplashMit dem Ausbruch des Coronavirus in Wuhan, China Ende 2019/ Anfang 2020 brach zugleich eine Debatte über das vermeintlich bessere politische System aus: westliche Demokratien gegen die autokratische Volksrepublik. Die berechtigte Kritik an der Informationspolitik der chinesischen Regierung wurde dabei zunehmend von einer Fokussierung auf systemische Reaktionen überschattet. Dies verstellte den Blick auf die praktischen Erfahrungen der Menschen mit der Corona-Pandemie, Möglichkeiten der Vorbereitung in Europa und anderswo sowie einen Transferdialog und Lernaustausch.

06.04.2021

Die indonesische Legislative fand sich seit Beginn der Pandemie hauptsächlich für das im Eilverfahren verabschiedete Omnibus-Gesetz in den Schlagzeilen. Generell wird zudem ein unzureichendes Handeln in Bezug auf die Pandemie bemängelt; aber auch mangelnde Transparenz und ein schlechter Informationsfluss bezüglich der Überwachung von Corona-Maßnahmen sind Kritikpunkte. In der öffentlichen Diskussion sowie den Medien, wird das Parlament als demokratische Institution und den damit verknüpften Aufgaben oft übersehen. Stattdessen liegt der Fokus einzig auf dem Präsidenten und seinem Kabinett. Die Rechenschaft des Parlaments gegenüber der Bevölkerung, ebenso wie Gesundheitsversorgung, Bildung, Sozialhilfe und ein funktionierendes Justizwesen, müssen von den Bürger*innen und Interessenvertreter*innen im Rahmen öffentlicher Debatten aktiv eingefordert werden.

24.03.2021

Mit dem Nachlassen der vierten Corona-Welle in Hongkong ist eine deutlich verringerte Akzeptanz für die Maßnahmen zur Eindämmung der Pandemie in der Öffentlichkeit zu beobachten. So liegt die Impfbereitschaft der Bevölkerung Hongkongs Umfragen zufolge bei weniger als 40 Prozent – und das trotz prägender Erfahrungen mit der Bekämpfung früherer Pandemien wie SARS, welche lediglich knapp 20 Jahre zurückliegen.

Auch andere Maßnahmen zur Eindämmung des Virus wie die Hongkonger Corona-App LeaveHomeSafe können nicht flächendeckend Fuß fassen. Für die Zurückhaltung der Hongkonger*innen sei insbesondere das tiefe Misstrauen gegenüber der Regierung verantwortlich zu machen. Dieses ist im Zuge der Massendemonstrationen gegen das Auslieferungsgesetz und das nationale Sicherheitsgesetz in den vergangenen zwei Jahren deutlich angestiegen und prägt die öffentlichen Reaktionen auf die Corona-Maßnahmen der Hongkonger Regierung.

Ein weiterer Grund für das stockende Voranschreiten der Impfkampagne liegt in dem vornehmlich verwendeten chinesischen Vakzin Sinovac. Die noch immer lückenhafte Datenlage zur Wirksamkeit des Impfstoffs verstärkt das ohnehin bestehende Misstrauen in Hongkong gegenüber chinesischen Pharmazeutika. So werden nur 72 Prozent der Impftermine zum Einsatz von Sinovac wahrgenommen. Verglichen hierzu liegt die aktuelle Aufnahmerate des Impfstoffes von Biontech/Pfizer bei 90 Prozent. Mit der kürzlichen Ausweitung des Impfprogramms auf alle Bürger*innen im Alter von über 30 Jahren und einer vermehrten Öffnung von Impfzentren zur Verabreichung des Biontech/Pfizer-Impfstoffes soll nun das Ziel der Hongkonger Regierung, alle 7,5 Millionen Einwohner*innen bis Ende des Jahres impfen zu lassen, weiter verfolgt werden.

Verstärkt unter externen Druck, sich mit Sinovac impfen zu lassen, könnten zukünftig vor allem reisende Hongkonger*innen geraten. Denn nur Personen, welche das chinesische Vakzin verabreicht bekommen haben, sollen ohne die bislang verpflichtende zwei- bis dreiwöchige Quarantäne nach China einreisen dürfen. Zum Nachweis der Impfung steht ein digitales Gesundheitszertifikat, welches als Miniprogramm in das soziale Netzwerk WeChat eingebettet ist, bereit. Es soll über den Scan eines QR-Codes Auskunft über PCR- und Antikörpertests sowie Impftermine und Namen des verwendeten Impfstoffs bieten. Expert*innen befürchten allerdings, dass die Fälschung derartiger Impfpässe zunehmend zum Problem werden könnte.

In der digitalen Sphäre verhindert weiterhin vor allem die Angst vor staatlichen Zugriffsmöglichkeiten auf persönliche Daten eine flächendeckende Nutzung der Corona-Rückverfolgungsapp. So forderte unter anderem die Hospital Authority Employees Alliance (HAEA) zu einem öffentlichen Boykott der App auf. Die Gewerkschaftsgruppe äußert die Befürchtung, diese stelle ein Spionageinstrument der Regierung dar. Tatsächlich entscheiden sich immer mehr Bürger*innen gegen eine Installation der App, und versuchen deren verpflichtende Nutzung bei beispielsweise Restaurantbesuchen durch verschiedene Ausweichstrategien zu umgehen.

Auch Lockdowns als weitere zentrale Maßnahme zur Bekämpfung der Pandemie stießen verstärkt auf öffentliche Kritik. Zur Eindämmung von Infektionsherden in besonders dicht besiedelten Gebieten sperrte die Regierung Ende Januar ohne Vorwarnung ganze Wohnblöcke ab. Betroffen waren vor allem ärmere Gegenden, welche bereits besonders hart mit den Auswirkungen der Pandemie zu kämpfen hatten. Die Ausgangssperren wurden erst aufgehoben, nachdem alle Bewohner*innen sich obligatorischen Coronatests unterzogen hatten. Dass diese weitestgehend negativ ausfielen, warf darüber hinaus die Frage auf, ob derart drastische Maßnahmen angebracht seien.

08.10.2020

Die Suche nach einem Impfstoff gegen das Coronavirus geht mit einer medizinethischen Debatte einher. Regierungen auf der ganzen Welt erörtern, inwieweit sie die üblichen Protokolle zur Entwicklung von Medikamenten aussetzen würden, um so schnell wie möglich Impfstoffe auf den Markt zu bringen. Länder wie Deutschland und Südkorea erklärten schon früh, dass sie bei der Impfstoffentwicklung keine Abstriche machen würden. Im Gegensatz dazu haben in China bereits hunderttausende Menschen experimentelle Impfstoffe bekommen. Deren gesundheitliche Wirkungen und Risiken wurden noch nicht unabhängig überprüft. Der Vorgang wirft Unklarheiten zu schutzwürdigen Interessen der Empfänger*innen auf, die bei der Impfstoffsuche bedacht werden sollten.

Offiziellen Angaben zufolge wurden seit dem 22. Juli 2020 mindestens vier Impfstoffe an Menschen in China verabreicht. Keiner dieser Impfstoffkandidaten hat die medizinisch essentielle Phase 3 (Massentestung) bisher bestanden. Somit hätte China drei Wochen vor Russland damit begonnen, Impfstoffe an Menschen außerhalb der klinischen Prüfung zu verabreichen. Alle drei chinesischen Impfstoffhersteller sind entweder Staatsunternehmen oder kooperieren seit Langem mit lokalen und nationalen Regierungsbehörden. Zunächst werden wohl Personenkreise in essentiellen Bereichen, wie z.B. medizinisches Fachpersonal, für eine Impfung in Betracht gezogen. 

Im Vordergrund der Kritik an diesem Vorgang stehen die gesundheitliche Sicherheit sowie die Freiwilligkeit der Empfänger*innen. Einen Impfstoff außerhalb der klinischen Prüfung zu verabreichen, widerspricht dem internationalen Standard. Fehlerhafte Impfstoffe können erhebliche Gesundheitsprobleme verursachen. Es ist nicht klar, ob die Empfänger*innen umfassend über die Risiken gewarnt wurden. Wenn sich der Impfstoff als fehlerhaft herausstellen sollte, dann könnte der übereilte Prozess ein weit verbreitetes Misstrauen gegenüber einer Impfung verursachen. Außerdem könnten sich infizierte Empfänger*innen fälschlich in Sicherheit wägen und weitere Personen anstecken. 

Das Chinesische Zentrum für Krankheitskontrolle und -prävention versicherte zuletzt, dass keine*r der Empfänger*innen ernsthafte Nebenwirkungen gezeigt oder sich mit dem Coronavirus angesteckt habe. Die Sicherheit der Impfstoffe sei gewährleistet und die Wirksamkeit werde genau überwacht. Die Impfstoffhersteller und lokale Regierungen betonen, dass die Einnahme freiwillig sei. Viele hätten den etwa 126 Euro teuren Testimpfstoff aus eigener Tasche gezahlt. Gleichzeitig haben Mitarbeiter*innen eines Herstellers vor der Impfung eine Geheimhaltungsvereinbarung unterschrieben, welche es ihnen verbietet, an die Medien heranzutreten und über die Prozedur zu berichten. 

Es benötigt keinen offensichtlichen Zwang, um die Freiwilligkeit der Empfänger*innen infrage stellen zu können. Die Kommunistische Partei Chinas spricht vom "Volkskrieg" gegen das Virus als patriotische Herausforderung. Druck vom Arbeitgeber, der Gesellschaft oder die Angst um Diffamierung könnten bereits die Entscheidungsfreiheit der Empfänger*innen einschränken. Es ist nicht bekannt, was passiert, wenn die Menschen eine Testimpfung ablehnen. Derartige spekulative, aber plausible Befürchtungen könnten nur von außenstehenden Expert*innen oder Zeug*innen bestätigt werden. In Anbetracht des beschriebenen Vorgangs bleibt jedoch die Frage offen, inwiefern solche unabhängigen Stimmen in einem autoritären System an die Öffentlichkeit kommen können.

Soziale Ungleichheit

Armut, Gesundheit und Gender

Photo by Ern Gan on UnsplashDie Corona-Pandemie und die Maßnahmen zu deren Bekämpfung offenbaren die soziale Ungleichheit in den Gesellschaften der Welt. Während Menschen mit geregeltem Einkommen und ausreichend Wohnraum der Forderung nach Social Distancing nachkommen können, stellt sich die Situation in vielen Städten der Welt für z.B. Tagelöhner*innen ganz anders dar. In Staaten ohne eine gesetzliche Krankenversicherung sind zahlreiche Menschen von einer Behandlung des Virus ausgeschlossen. Im Zuge der Umstellung auf Home Office in vielen Arbeitsbereichen wird deutlich, dass die meisten als „systemrelevant“ deklarierten Berufe z.B. im Einzelhandel und der Pflege von Frauen ausgeübt werden. Sie sind täglich einem hohen Ansteckungsrisiko ausgesetzt, das sich nicht in einer entsprechenden Vergütung widerspiegelt.

09.04.2021

Textilunternehmen haben weltweit ihre Aufträge reduziert, storniert oder geben keine neuen Bestellungen auf. Die Krise trifft Kambodscha hart, die Bekleidungsindustrie – der Hauptarbeitgeber für junge Frauen – stellt im Land mit schätzungsweise einer Millionen Arbeitsplätzen den größten privaten Arbeitgeber dar. Etwa 130 Fabriken haben ihren Betrieb ganz oder teilweise eingestellt und etwa 200.000 Arbeiter*innen derzeit ihren Job verloren. Der Verlust von Arbeitsplätzen könnte weitere Folgen haben und besonders in wirtschaftlich schwächeren Haushalten zu Zahlungsschwierigkeiten von Familien die Mikrokredite aufgenommen haben, Landenteignungen oder Unterernährung führen. Die Entschädigungszahlungen welche vom Staat und Arbeitgeber übernommen werden sollten, fielen bis jetzt in zu geringem Maße aus, um ein stetiges Einkommen zu ersetzen. Laut einem Bericht von CARE International, leben die Hälfte der entlassenen Arbeiter*innen inzwischen unterhalb der internationalen Armutsgrenze von 1,90 US-Dollar pro Tag. An die Textilindustrie sind weitere Dienstleistungssektoren wie Einzelhandel und Logistik gekoppelt. Zahlreiche informell beschäftigte und selbstständige Kambodschaner*innen haben dort ihre Arbeit verloren.

Die international rückläufige Nachfrage nach Textilprodukten hat im asiatischen Raum für eine Überproduktion gesorgt, was Käufern wiederum einen wirkungsvollen Hebel in Preisverhandlungen verschafft und sich letztlich auch in Lohndumping und schwindenden Arbeitsstandards niederschlagen könnte. Gewerkschaftsarbeit und Arbeitsschutzgesetze könnten in den kommenden Jahren mehr in den Hintergrund rücken, während sich die Industrie von den pandemiebedingten Einbrüchen erholt.

22.03.2021

Seit über einem Jahr kämpft die Weltbevölkerung mit der Corona-Pandemie. Durch die Beschränkungen und Auswirkungen in Politik und Wirtschaft gilt sie als internationalübergreifender Wendepunkt. Einen Überblick über Herausforderungen und Erfolge der Virusbekämpfung in Asien bietet der folgende Beitrag.

18.03.2021

Die Ausgabe 1/2021 unseres Online-Magazins südostasien beleuchtet die aktuelleren und vielschichtigen Erfahrungen von Menschen in Südostasien mit der Pandemie. Die Autor*innen berichten aus den Ländern der Region und geben Aufschluss über die Auswirkungen der Pandemie auf Zivilgesellschaft, Politik, Wirtschaft und Umwelt. Die Artikel decken auch tiefergehende Strukturen von Ungerechtigkeiten und Missstände auf, die durch die Pandemie erneut hervorgetreten sind.

Internationale Solidarität

Zivilgesellschaftliches Engagement und internationale Kooperationen

Photo by Tim Marshall on UnsplashEine Antwort auf die Corona-Pandemie erfordert internationale Solidarität, von Staaten, Unternehmen, zivilgesellschaftlichen Organisationen und Einzelpersonen. Während nationale Gesundheitssysteme besonders unter Druck stehen und in einigen Ländern kollabieren, engagieren sich weltweit Menschen, um strukturelle Defizite durch private Initiative wettzumachen. Dies hilft in der derzeitigen Krisensituation, sollte aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass Solidarität durch gerechte globale Strukturen verstetigt werden sollte und der Privatisierungsdrang im Gesundheits- und Pflegewesen beendet werden muss. Zukünftige ökonomische, ökologische und sozialpolitische Strategien reicherer Länder und der Europäischen Union müssen zusammen mit Ländern des Globalen Südens gedacht werden.

11.01.2021

Marginalisierte und basisdemokratische Gemeinschaften in ganz Südostasien sind mit den ungleichen und lang anhaltenden Auswirkungen der COVID-19-Pandemie in ihren Orten konfrontiert. Der Bericht legt Zeugnis ab von der Kraft der Menschen, Entwicklung nach ihren eigenen Bedingungen zu definieren und Möglichkeiten für soziale Solidarität und kollektives Handeln zu verwirklichen. Mögen ihre Beispiele Lektionen für alle Gemeinschaften sein, die die Pandemie durch Alternativen bekämpfen.

22.07.2020

Die jüngste Unlock-Umfrage der ECFR zeigt, dass sich die Wahrnehmung Chinas in einigen Ländern infolge der globalen Pandemie verschlechtert hat. In Deutschland beispielsweise haben 48 Prozent der Befragten nun eine negativere Einstellung zu Peking. Selbst in Italien, das während der Krise breite Unterstützung aus Peking erhielt, sehen fast 80 Prozent der Menschen China nicht positiver.

Der European Solidarity Tracker des ECFR enthält zudem einen Datensatz über chinesische Spenden an EU-Mitgliedsstaaten, um die Transparenz über Chinas Interaktionen zu erhöhen. Das Ergebnis: eine mangelnde Transparenz bei der Bereitstellung von Hilfe deutet darauf hin, dass die chinesische Maskendiplomatie gescheitert ist. Es könnte zu einem Coronavirus-Effekt kommen, der sich auf die Zusammenarbeit zwischen China und Europa eher schlecht auswirkt.

05.07.2020

In Sri Lanka befürchtet die in der zivilen Friedensarbeit tätige Organisation National Peace Council (NPC) ein Zunehmen religiöser Konflikte, nachdem zwei an COVID-19 verstorbene Muslime nicht ihrer Religion entsprechend beerdigt wurden. Die Organisation betont, wie wichtig der richtige Umgang mit den Todesopfern der Pandemie ist. Andere wiederum behaupten, die Regierung nutze die Pandemie als Deckmantel, um Muslime zu diskriminieren. Auch seien Muslime in den Medien für die Verbreitung des Virus verantwortlicht gemacht worden.

Umwelt

Umweltgerechtigkeit, Industrie und Klimaschutz

Photo by Thijs Stoop on UnsplashDie Corona-Pandemie trifft uns während eines akuten Klimanotstands. Beide Krisen bedrohen Leben, insbesondere im Globalen Süden. Der Klimawandel darf jedoch nicht hinter COVID-19 angestellt werden. Maßnahmen, die bisher als nicht realisierbar eingestuft wurden, und einen drastischen Rückgang an ausgestoßenen Treibhausgasen bewirkten und die Verschmutzung von Gewässern reduzierten, wurden zur Eindämmung der Pandemie durchgesetzt. Gleichzeitig wird Industrien Unterstützung in Milliardenhöhe versprochen, ohne ihnen dabei Forderungen nach mehr Nachhaltigkeit aufzuerlegen. Die aktuelle Situation macht deutlich, dass Umweltschutzmaßnahmen zeitnah umsetzbar sind. Es ist möglich beiden Krisen zu begegnen und eine Wendung zum Positiven hin im Kampf gegen globale Ungerechtigkeit zu bewirken.

07.04.2021

Zu Ostern brachte der Zyklon Seroja in Timor-Leste die schlimmsten Überschwemmungen und Erdrutsche seit 40 Jahren. Er trifft das Land im ersten Lockdown der Pandemie besonders hart.
Mehr als 34 Menschen kamen bisher ums Leben, Dutzende werden immer noch vermisst und schätzungsweise 10.000 Timores*innen mussten ihr Zuhause verlassen, um sich in Sicherheit bringen. Notunterkünfte mit Sicherheitsabstand und Hygieneregeln nach Pandemievorschriften zu errichten, ist zusätzlich eine Herausforderung. Im vergangenen Monat war die Zahl der Virusinfizierten nämlich drastisch von 100 auf 700 gestiegen und so wird Timor-Leste mit zwei sich überschneidenden Krisen konfrontiert – einer Naturkatstrophe in Zeiten der Covid-Pandemie. Die UN und die EU sagten sofort Hilfe zu und auch die angekündigte Impfstofflieferung gibt Hoffnung.

16.10.2020

Die Coronavirus-Pandemie hat einen Ansturm auf Einwegplastik ausgelöst. Insbesondere in Hongkong hat die Verwendung von Einwegartikeln wie Besteck und Kaffeetassen zugenommen. Cafés und Restaurants begannen, wiederverwendbare Behälter aus finanziellen Gründen abzulehnen, und die Lebensmittellieferungen boomten. Daten und Interviews mit Vertreter*innen der Industrie zeigen, dass in der Pandemie mehr in Plastik als in nachhaltige Kunststoffe investiert wird, was ein Rückschlag im weltweiten Kampf für mehr Umweltschutz ist.

Die beliebten Einwegmasken bereiten der Umwelt ein weiteres Problem. Im Februar 2020 begannen in Hongkong verwickelte, quallenartige Objekte an Land gespült zu werden. Umweltgruppen waren bestürzt, Hunderte von gebrauchten Gesichtsmasken zu finden. Das trägt zu den 13 Millionen Tonnen Plastik bei, die laut Berichten der Vereinten Nationen jährlich weltweit ins Meer gekippt werden.

07.10.2020

Indien, Nepal und Pakistan berichten von einem starken Anstieg von Wilderei. So wurden bedrohte Tierarten wie seltene Vögel, Leoparden und Nashörner illegal gejagt und verkauft. Grund für den Anstieg sei die schwierige wirtschaftliche Lage in der Pandemie. Viele Menschen haben ihre Lebensgrundlage verloren und jagen nun, um damit Einkommen zu erwirtschaften. Ein besonderes Risiko besteht auch, da zoonotische Krankheiten über den Verzehr der wilden Tiere übertragen werden könnten. Vietnam wiederum zog Anfang des Jahres als Reaktion auf diese Entwicklungen ein Handelsverbot für Wildtiere in Erwägung. Auch wenn Wilderei gesetzlich hart bestraft wird, bleibt die Rechtsdurchsetzung weiterhin das größte Problem für den Tierschutz.