Internationale Solidarität

Zivilgesellschaftliches Engagement und internationale Kooperationen

Photo by Tim Marshall on UnsplashEine Antwort auf die Corona-Pandemie erfordert internationale Solidarität, von Staaten, Unternehmen, zivilgesellschaftlichen Organisationen und Einzelpersonen. Während nationale Gesundheitssysteme besonders unter Druck stehen und in einigen Ländern kollabieren, engagieren sich weltweit Menschen, um strukturelle Defizite durch private Initiative wettzumachen. Dies hilft in der derzeitigen Krisensituation, sollte aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass Solidarität durch gerechte globale Strukturen verstetigt werden sollte und der Privatisierungsdrang im Gesundheits- und Pflegewesen beendet werden muss. Zukünftige ökonomische, ökologische und sozialpolitische Strategien reicherer Länder und der Europäischen Union müssen zusammen mit Ländern des Globalen Südens gedacht werden.

22.07.2020

Die jüngste Unlock-Umfrage der ECFR zeigt, dass sich die Wahrnehmung Chinas in einigen Ländern infolge der globalen Pandemie verschlechtert hat. In Deutschland beispielsweise haben 48 Prozent der Befragten nun eine negativere Einstellung zu Peking. Selbst in Italien, das während der Krise breite Unterstützung aus Peking erhielt, sehen fast 80 Prozent der Menschen China nicht positiver.

Der European Solidarity Tracker des ECFR enthält zudem einen Datensatz über chinesische Spenden an EU-Mitgliedsstaaten, um die Transparenz über Chinas Interaktionen zu erhöhen. Das Ergebnis: eine mangelnde Transparenz bei der Bereitstellung von Hilfe deutet darauf hin, dass die chinesische Maskendiplomatie gescheitert ist. Es könnte zu einem Corona-Virus-Effekt kommen, der sich auf die Zusammenarbeit zwischen China und Europa eher schlecht auswirkt.

05.07.2020

In Sri Lanka befürchtet die in der zivilen Friedensarbeit tätige Organisation National Peace Council (NPC) ein Zunehmen religiöser Konflikte, nachdem zwei an Covid-19 verstorbene Muslime nicht ihrer Religion entsprechend beerdigt wurden. Die Organisation betont, wie wichtig der richtige Umgang mit den Todesopfern der Pandemie ist. Andere wiederum behaupten, die Regierung nutze die Pandemie als Deckmantel, um Muslime zu diskriminieren. Auch seien Muslime in den Medien für die Verbreitung des Virus verantwortlicht gemacht worden.

27.05.2020

Mit dem Ausbruch des Coronavirus in Myanmar wurde China zum wichtigsten Unterstützer in der Pandemie-Bekämpfung. Neben diversen chinesischen Behörden leisten insbesondere große Unternehmen einen zentralen Beitrag zur medizinischen Hilfe. Die Zivilgesellschaft fürchtet, dass China damit erfolgreichen Druck auf Myanmars Regierung ausüben könnte, um seine Infrastrukturprojekte zu beschleunigen.

27.05.2020

Mit animierten Videoclips klärt die Casa de Produção Audiovisual (CPA) in Timor-Leste zu Themen rund um Corona auf. „Es liegt in deinen Händen“, lautet zum Beispiel der Titel des Clips, der mit den poppigen Cartoons und einem souligen Händewasch-Song über Hygiene aufklärt. Trickfilme sind besonders geeignet, "um Menschen in ländlichen Gebieten mit eingeschränktem Zugang zu Information und Bildung zu erreichen“, so Direktor Rui Muakandala. "Auch die unsichtbare Gefahr von Covid-19 lässt sich mit Animationen gut visualisieren", ergänzt Anemi Wick, die CPA als Zivile Friedensfachkraft unterstützt.

18.05.2020

Indonesien kann seit vielen Jahren ein vielversprechendes Wirtschaftswachstum aufweisen. Aber durch die Krise wird das Land zurückgeworfen und wird - so die Prognose - hoch verschuldet aus dieser hervorgehen wird. Insbesondere Jugendliche sind mit großer Arbeitslosigkeit konfrontiert.

Sehr stark betroffen sind auch Arbeiter*innen des informellen Sektors, da diese vom sozialen Sicherungssystem nicht erfasst werden. Die Solidarität der Menschen untereinander ist jedoch hoch. Zivilgesellschaftliche Initiativen springen dort ein, wo auf Hilfe von der Regierung noch gewartet wird, und verteilen Nahrungsmittel und Hygieneartikel.

28.04.2020

Hunderte Rohingya befinden sich auf zwei Booten in der Bucht von Bengalen in der Hoffnung auf Asyl. Und wieder einmal entziehen sich anliegende Staaten ihrer Verantwortung, Hilfe zu leisten und Asyl zu gewähren. Die Corona-Pandemie und der Schutz der Bürger*innen wird hier wie auch anderswo als zentrales Argument vorgeschoben. Dominique Virgil beleuchtet kritisch in seinem Beitrag in der Bangkok Post, warum COVID-19 keine Rechtfertigung für die Verletzung internationaler Vereinbarungen und daraus abgeleiteter staatlicher Pflichten sein kann.

26.04.2020

Im ostmalaysischen Bundesstaat Sabah sind indonesische Arbeiter*innen auf Ölpalmenplantagen besonders von der Pandemie betroffen. Die meisten Ölpalmenplantagen und -mühlen sowie -raffinerien haben den Betrieb eingestellt. Durch eine Verordnung zur Bewegungseinschränkung der Regierung sind die Arbeiter*innen in den Plantagen eingeschlossen und können sie nicht verlassen, um z.B. Lebensmittel zu kaufen. Auch mobile Händler*innen können die Plantagen nicht anfahren. Nahrungsmittel werden knapp. Und Nahrungsmittelhilfen zielen zumeist nicht auf die Migrant*innen ab. 

Eine Arbeitsgruppe der Sabah Plantation Industry Employee's Union (SPIEU), Borneo Komrad, Gabungan Persatuan Belia Bahagian Tawau und der Sabah Family Planning Association hat zusammen mit dem Asia Monitor Resource Centre und der Transnational Palm Oil Labour Solidarity Grundnahrungsmittel an die Arbeiter*innen und ihre Familien sowie Medikamente, Masken und Handschuhe verteilt.

20.04.2020

Arbeitsmigration ist ein zentraler Bestandteil der philippinischen Wirtschaft und tief mit gesellschaftlichen Strukturen verwoben. 10 Prozent der Bevölkerung arbeiten in Übersee, viele davon im Gesundheitssektor. Westliche Staaten sind seit Jahrzehnten auf Krankenpflegepersonal aus dem Globalen Süden angewiesen. Insgesamt fehlen der Welt laut Weltgesundheitsorganisation (WHO) sechs Millionen Krankenpfleger*innen. Aurora Almendral richtet ihren Blick auf philippinische Krankenpfleger*innen, die in den USA, Großbritannien und Spanien COVID-19 Patient*innen behandeln und selbst der Infektionsgefahr ausgesetzt sind. Im April hat die philippinische Regierung Krankenpflegekräfte an der Ausreise gehindert. Laut der Regierung fehlen den Philippinen 300.000 Krankenpflegkräfte.

09.04.2020

Die wirtschaftlichen Auswirkungen der Coronakrise treffen Myanmars Textilarbeiter*innen besonders hart: Rund 250.000 Arbeiter*innen wurden entlassen und ihre Zukunftsperspektiven sind bis auf Weiteres unklar. Die Europäische Union hat nun ihre Unterstützung zugesichert und stellt ab Mai fünf Millionen Euro für die Textilarbeiter*innen bereit. Die EU ist die wichtigste Handelspartnerin für Myanmars Textilsektor, rund 70 Prozent der Exporte gehen in europäische Staaten.

21.03.2020

Du Mingjun ist Psychotherapeutin in Wuhan. In einem Telefon-Interview mit Yang Xifan von der ZEIT spricht sie über die Auswirkungen von Quarantänemaßnahmen auf das Leben der Menschen. „Kleine Änderungen im Alltag können viel bewirken“, resümiert sie mit Blick auf die Kommunikation mit Angehörigen und nachbarschaftliche Hilfe. Gleichzeit spricht sie über die Verschärfung von sozialen Konflikten in Familien, z.B. eine Zunahme von häuslicher Gewalt.