Soziale Ungleichheit

Armut, Gesundheit und Gender

Photo by Ern Gan on UnsplashDie Corona-Pandemie und die Maßnahmen zu deren Bekämpfung offenbaren die soziale Ungleichheit in den Gesellschaften der Welt. Während Menschen mit geregeltem Einkommen und ausreichend Wohnraum der Forderung nach Social Distancing nachkommen können, stellt sich die Situation in vielen Städten der Welt für z.B. Tagelöhner*innen ganz anders dar. In Staaten ohne eine gesetzliche Krankenversicherung sind zahlreiche Menschen von einer Behandlung des Virus ausgeschlossen. Im Zuge der Umstellung auf Home Office in vielen Arbeitsbereichen wird deutlich, dass die meisten als „systemrelevant“ deklarierten Berufe z.B. im Einzelhandel und der Pflege von Frauen ausgeübt werden. Sie sind täglich einem hohen Ansteckungsrisiko ausgesetzt, das sich nicht in einer entsprechenden Vergütung widerspiegelt.

03.08.2020

Die Legal Aid Foundation of the Indonesian Women’s Association for Justice dokumentiert einen deutlichen Anstieg der Berichte über Gewalt gegen Frauen im April 2020. Die Auswirkungen der von der Regierung verhängten Corona -Einschränkungen könnten nicht nur Gewalt in bereits missbräuchlichen Beziehungen verschlimmern, sondern auch zu Fällen von Gewalt in Haushalten führen kann, in denen zuvor keine stattfand. Obwohl häusliche Gewalt strafbar ist, ist sie die am meisten vorkommende genderspezifische Gewalt im Land, auch bereits vor der Corona-Pandemie.

Neben der hohen Anzahl von berichteten Fällen der häuslichen Gewalt, wird auch der Stillstand von Gesetzesinitiativen zur Prävention von sexueller Gewalt und zum Schutz von Hausangestellten beanstandet. Zudem kommt es im Rahmen der Covid-19 Maßnahmen zu einer Benachteiligung von schwangeren Frauen, die sich Schnelltests unterziehen müssen. Im Falle eines positiven Resultats wurden manchen dieser Frauen Arbeits- und Zustellleistungen durch das Krankenhaus verwehrt.

23.07.2020

Die Langzeitfolgen der restriktiven Maßnahmen, die Timor-Leste zur Eindämmung des Virus ergriffen hat, stellen das Land vor neue Herausforderungen. Während dem Notstand wurden unter anderem die Schulen geschlossen, das wirtschaftliche Leben wurde zurückgefahren und es kam zur Einschränkung sozialer Kontakte. Dies führte zu einem Anstieg von häuslicher Gewalt, betroffen sind Frauen und Mädchen. Es hat auch Auswirkungen auf die mentale Gesundheit der Bevölkerung. Hierzu sind verschiedene Initiativen entstanden.

21.07.2020

Seit einem Monat gelten in Indien neue Corona-Maßnahmen. Durch die Lockerungen kommt es zu mehr Straßenkriminalität. Grund hierfür ist die aus der Corona-Krise resultierende Arbeitslosigkeit, da besonders in den großen Städten Firmen ihr Personal entlassen mussten. Doch nicht nur die Straßenkriminalität steigt neben der Infektionsrate, sondern auch die Cyber-Kriminalität. Laut Polizeibeamt*innen und Cybersicherheitsexpert*innen tauchen verstärkt falsche Webseiten auf, die sich als Lieferdienste tarnen oder mit kostenlosen Corona-Tests werben.

09.07.2020

Eine Studie der UNESCO hat gezeigt, dass fast 260 Millionen Kinder 2018 keinen Zugang zu Schulbildung hatten. Die meisten von ihnen stammen aus Süd- und Zentralasien sowie Afrika. Gesundheitskrisen verschärfen die Situartion, besonders betroffen sind Mädchen. Deswegen ruft der Bericht dazu auf, in der Bildungspolitik verstärkt zusammenzuarbeiten.

Diesem Ziel widmet sich die NGO ‘Plan International’. Durch ihre verschiedenen Länderbüros in Asien versucht das internationale Kinderhilfswerk Bildungsmöglichkeiten aufrechtzuerhalten. So wurde zum Beispiel in ihrem Länderbüro in Laos ein Programm entwickelt, dass Mädchen bei ihrem Einstieg in den Schulunterricht unterstützt.

22.06.2020

Rund 8 Prozent der Yangoner Bevölkerung lebt in informellen Siedlungen ohne behördliche Registrierung. Ein Großteil der Menschen sind Migrant*innen aus den ländlichen Gebieten, die in den Fabriken arbeiten. Die Wohnsituation in den Siedlungen ist prekär: die Menschen leben auf engstem Raum und grundlegende sanitäre Einrichtungen sind rar. Durch staatliche Maßnahmen gegen die Verbreitung von COVID-19 sind maßgeblich Frauen großen Risiken ausgesetzt. Die Rate häuslicher Gewalt in den Siedlungen hat sich im Zuge von Bewegungsbeschränkungsmaßnahmen extrem erhöht. Landesweit ist sie laut der Akhaya Women Organisation um das 7,5-fache angestiegen.

18.06.2020

Seit Jahrzehnten verlässt sich der philippinische Staat auf seine Überseearbeiter*innen (OFWs). Sie treiben die philippinische Ökonomie an und bilden das ökonomische Rückrat zahlreicher Familien. Im letzten Jahr schickten rund 10 Millionen OFWs ca. 30 Milliarden US-Dollar (ca. 27 Mrd. EUR) nach Hause, knapp 8 Prozent des Bruttoinlandsproduktes. Expert*innen gehen davon aus, dass sich dieser Betrag aufgrund der Corona Pandemie um 24 Milliarden US-Dollar verringern könnte. Tausende Überseearbeiter*innen haben ihre Arbeit verloren oder werden nicht mehr bezahlt, sitzen in Übersee oder in der Hauptstadt Manila fest. Sie fordern mehr staatliche Unterstützung.

16.06.2020

Einige Unternehmen nutzen den Lockdown, um illegalen Bergbau zu betreiben oder sich Land anzueignen, das indigenen Gruppen gehört. Dabei werden oft heilige Stätten oder Traditionen verletzt. Indigene, die sich für ihr Ahnenland und gegen dessen Zerstörung einsetzen, fürchten Verhaftungen und militärische Gewalt. Im März wurde ein Mitglied der Dumagat-Remontados entführt und misshandelt.Viele Tagelöhner*innen haben durch die Quarantänebestimmungen ihr Einkommen verloren, während der Bergbausektor teils ungehindert seinem Geschäft nachgeht. Mangelnder Zugang zu Covid-19 Informationen führen zu Angst und Unsicherheit vor dem Virus.

16.06.2020

In Kambodscha sind die Lebensmittelpreise landesweit angestiegen, da die Nahrungsmittelimporte aus seinen Nachbarländern infolge der Abriegelung zurückgingen. Durch die Pandemie verloren zahlreiche Kambodschaner*innen ihren Arbeitsplatz und Einkommen. Viele Haushalte sind daher nun auf ihre Familienmitglieder, die in der Landwirtschaft tätig sind, angewiesen. Diese stehen aber durch die Pandemie nun besonders unter Druck: Ihre Verkaufserlöse sind gesunken, da die Nachfrage auf den Märkten zurückging. Weiter gehören auch viele Kleinbauer*innen zu den ca. 2,5 Mio Kambodschaner*innnen, die bei Mikrofinanzinstituten verschuldet sind und Schulden tilgen müssen. 

15.06.2020

Viele Menschen mit Behinderung finden keinen Zugang zu Covid-19-Informationen, da ihre speziellen Bedürfnisse in der Berichterstattung nicht berücksichtigt werden. Gehörlose Menschen fordern, dass Nachrichten von Gebärdensprachdolmetschern begleitet werden. Menschen mit geistiger Behinderung leben außerdem oft in unhygienischen Bedingungen ohne Zugang zu Bildung und Information.

In Indonesien engagieren sich sogenannte Difabel-Aktivist*innen für diese Menschen. Sie verteilen zum Beispiel Lebensmittel oder Masken an Haushalte, in denen behinderte Menschen leben oder sammeln Spenden für bedürftige Menschen. Der Autor fordert, dass Menschen mit Behinderung in der Coronapolitik berücksichtigt und besonders unterstützt werden. 

13.06.2020

Auch wenn die philippinische Regierung landwirtschaftliche Tätigkeiten im Rahmen der Corona-Einschränkungen erlaubt, so sind viele Fischer*innen und Landwirt*innen durch die strikten Quarantänemaßnahmen am Verkauf ihrer Waren gehindert und mancherorts auch an der Bewirtschaftung ihrer Felder oder dem Fischen. Ökonom*innen raten zu verstärkten Investitionen in die Landwirtschaft, um neue Jobmöglichkeiten zu schaffen und der intensivierten Armut entgegenzuwirken. Die ausgewählten Artikel diskutieren sowohl die Auswirkungen der Corona Pandemie auf Fischer*innen Gemeinschaften aus einer globalen Perspektive als auch mit konkretem Bezug auf Landwirt*innen und Fischer*innen in den Philippinen.