Umwelt

Umweltgerechtigkeit, Industrie und Klimaschutz

Photo by Thijs Stoop on UnsplashDie Corona-Pandemie trifft uns während eines akuten Klimanotstands. Beide Krisen bedrohen Leben, insbesondere im Globalen Süden. Der Klimawandel darf jedoch nicht hinter COVID-19 angestellt werden. Maßnahmen, die bisher als nicht realisierbar eingestuft wurden, und einen drastischen Rückgang an ausgestoßenen Treibhausgasen bewirkten und die Verschmutzung von Gewässern reduzierten, wurden zur Eindämmung der Pandemie durchgesetzt. Gleichzeitig wird Industrien Unterstützung in Milliardenhöhe versprochen, ohne ihnen dabei Forderungen nach mehr Nachhaltigkeit aufzuerlegen. Die aktuelle Situation macht deutlich, dass Umweltschutzmaßnahmen zeitnah umsetzbar sind. Es ist möglich beiden Krisen zu begegnen und eine Wendung zum Positiven hin im Kampf gegen globale Ungerechtigkeit zu bewirken.

09.07.2020

Indien, Nepal und Pakistan berichten von einem starken Anstieg von Wilderei. So wurden bedrohte Tierarten wie seltene Vögel, Leoparden und Nashörner illegal gejagt und verkauft. Grund für den Anstieg sei die schwierige wirtschaftliche Lage in der Pandemie. Viele Menschen haben ihre Lebensgrundlage verloren und jagen nun, um damit Einkommen zu erwirtschaften. Ein besonderes Risiko besteht auch, da zoonotische Krankheiten über den Verzehr der wilden Tiere übertragen werden könnten.

09.07.2020

Jedes Jahr fürchtet Indonesien Waldbrände, deren 'Haze' und Smog sich über ganz Südostasien ausbreiten können. Nun könnte sich die Lage wegen der Pandemie noch viel drastischer entwickeln. Auf Grund der angespannten wirtschaftlichen Lage fehlt es an finanziellen und personellen Ressourcen, die zur Bekämpfung möglicher Waldbrände benötigt würden. So wurden Teile des Budgets für Brandbekämpfung zu Covid-19-Maßnahmen umgeleitet. Ebenfalls könnte sich die Ansteckungsgefahr erhöhen; die schlechte Luftqualität führt bei vielen Menschen zu Atembeschwerden, welche sie anfälliger für das Virus machen.

27.05.2020

Durch die Corona-Pandemie erleidet Thailand Rückschläge im Kampf gegen sein Plastikmüllproblem. 2020 sollten die Plastikabfälle um 30% reduziert werden, Einwegplastik wurde verboten. Seit den Einschränkungen haben Plastikabfälle wieder drastisch zugenommen. Ein großer Anteil daran haben Lebensmittellieferungen, z.B. beim Bestellen von Essen. 

18.05.2020

Am 12. Mai wurde in Jakarta ein Gesetz verabschiedet, das den indonesischen Bergbau stark deregulierte. Fortan entfällt die bisherige Obergrenze von 15.000 Hektar pro Schürfgenehmigung, was eine ungehemmte Ausdehnung der Minen und weitere Abholzung begünstigt. Eine automatische Verlängerung der Schürfrechte wurde ebenfalls eingeführt, wodurch eine effektive Kontrolle der Umweltauflagen erschwert wird.

Ähnliche Gesetze zur Deregulierung wurden bereits früher entworfen und in das indonesische Parlament eingebracht. Angesichts massiver Straßenproteste mussten diese Pläne allerdings eingestellt werden. Wegen der Corona-Pandemie und den damit einhergehenden Ausgangsbeschränkungen durften sich die Menschen nun nicht mehr versammeln. In der Folge konnte auch kein öffentlicher Druck auf die Regierung aufgebaut werden, was die Verabschiedung des Gesetzes erleichterte. Erst die Corona-Pandemie ermöglichte demnach eine zunehmende Ausbeutung der natürlichen Lebensgrundlagen.

14.05.2020

Tony La Viña and Joy Reyes beschreiben in ihrem Kommentar den Zusammenhang zwischen der Pandemie und klimatischen Veränderungen. Sie rufen zu einem dringlichen Handeln aller Akteur*innen aus Regierungen, Wirtschaft und Zivilgesellschaft auf, um der Pandemie sowie dem Klimawandel entgegenzuwirken. Sie argumentieren, dass der Verlust an Biodiversität Probleme in der Nahrungsversorgung verursacht und zu einem potenziellen Anstieg von Krankheiten führt. La Viña und Reyes rufen dazu auf, den fossile Energien abzuschwören, Plastik zu reduzieren und die Landwirtschaft sowie die Wirtschaft klimafreundlich zu transformieren. Nicht zuletzt drängen sie darauf, die Rechte der Menschen zu respektieren und einen gerechten Übergang insbesondere für marginalisierte Gruppen zu ermöglichen.

07.05.2020

Der Beitrag auf dem Blog "Stimmen aus China" der Stiftung Asienhaus thematisiert den Wildtierverzehr in China: Sehr wahrscheinlich begann die Verbreitung des Coronavirus in einem Wildtiermarkt in Wuhan. In der Online-Debatte auf Weibo, dem populärsten Medienportal in China, spalten sich die Ansichten. Manche behaupten, dass der Handel mit exotischen Tiere traditionell in der Geschichte Chinas verankert und besonders in der chinesischen Medizin essentiell ist. Andere hingegen meinen, dass heutzutage kaum noch jemand exotische Wildtiere verzehrt. Auch wird der Schutz der Natur und der wilden Tiere gefordert. Die chinesische Regierung verbietet nun den Verzehr von Wildtieren und kontrolliert die Märkte scharf. 

05.05.2020

Seit Monaten dreht sich die Aufmerksamkeit der Weltgemeinschaft um die steigenden Covid-19 Todeszahlen. UN Generalsekretär António Guterres verkündete: „Die neuartige Coronavirus-Pandemie hat jetzt weltweit oberste Priorität, und der Klimawandel muss warten.“ Diese Haltung verkennt allerdings, dass beide Krisen insbesondere den globalen Süden gleichrangig treffen.

So mangelt es beispielsweise in Indonesien an Krankenhausbetten und Personal, um effektiv auf die Corona-Pandemie zu reagieren. Gleichzeitig verlieren zahlreiche Bewohner*innen der indonesischen Inselwelt ihre Lebensgrundlage wegen des steigenden Meeresspiegels.

In der Pandemie sind zum ersten Mal seit Jahrzehnten die globalen CO2-Emissionen signifikant gesunken. Der Smog in chinesischen und indischen Städten hat sich aufgelöst. Ähnlich war es nach der Ölkrise in den 1970ern und nach der internationalen Finanzkrise 2008/09, jedoch ohne langfristige Besserung. Ein Rückfall in dieses Schema würde zu einer Verschlimmerung der Klimakatastrophe führen. Deshalb sollte gerade jetzt ein globaler „Green New Deal“ angestrebt werden. Denn der Klimawandel wartet nicht, wie Guterres es hofft, auf ein Ende der Corona-Pandemie.