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Corona in Asien: Zivilgesellschaftliche Länderperspektiven

Chinas experimentelle COVID-19-Impfstoffe

Die Suche nach einem Impfstoff gegen das Coronavirus geht mit einer medizinethischen Debatte einher. Regierungen auf der ganzen Welt erörtern, inwieweit sie die üblichen Protokolle zur Entwicklung von Medikamenten aussetzen würden, um so schnell wie möglich Impfstoffe auf den Markt zu bringen. Länder wie Deutschland und Südkorea erklärten schon früh, dass sie bei der Impfstoffentwicklung keine Abstriche machen würden. Im Gegensatz dazu haben in China bereits hunderttausende Menschen experimentelle Impfstoffe bekommen. Deren gesundheitliche Wirkungen und Risiken wurden noch nicht unabhängig überprüft. Der Vorgang wirft Unklarheiten zu schutzwürdigen Interessen der Empfänger*innen auf, die bei der Impfstoffsuche bedacht werden sollten.

Offiziellen Angaben zufolge wurden seit dem 22. Juli 2020 mindestens vier Impfstoffe an Menschen in China verabreicht. Keiner dieser Impfstoffkandidaten hat die medizinisch essentielle Phase 3 (Massentestung) bisher bestanden. Somit hätte China drei Wochen vor Russland damit begonnen, Impfstoffe an Menschen außerhalb der klinischen Prüfung zu verabreichen. Alle drei chinesischen Impfstoffhersteller sind entweder Staatsunternehmen oder kooperieren seit Langem mit lokalen und nationalen Regierungsbehörden. Zunächst werden wohl Personenkreise in essentiellen Bereichen, wie z.B. medizinisches Fachpersonal, für eine Impfung in Betracht gezogen. 

Im Vordergrund der Kritik an diesem Vorgang stehen die gesundheitliche Sicherheit sowie die Freiwilligkeit der Empfänger*innen. Einen Impfstoff außerhalb der klinischen Prüfung zu verabreichen, widerspricht dem internationalen Standard. Fehlerhafte Impfstoffe können erhebliche Gesundheitsprobleme verursachen. Es ist nicht klar, ob die Empfänger*innen umfassend über die Risiken gewarnt wurden. Wenn sich der Impfstoff als fehlerhaft herausstellen sollte, dann könnte der übereilte Prozess ein weit verbreitetes Misstrauen gegenüber einer Impfung verursachen. Außerdem könnten sich infizierte Empfänger*innen fälschlich in Sicherheit wägen und weitere Personen anstecken. 

Das Chinesische Zentrum für Krankheitskontrolle und -prävention versicherte zuletzt, dass keine*r der Empfänger*innen ernsthafte Nebenwirkungen gezeigt oder sich mit dem Coronavirus angesteckt habe. Die Sicherheit der Impfstoffe sei gewährleistet und die Wirksamkeit werde genau überwacht. Die Impfstoffhersteller und lokale Regierungen betonen, dass die Einnahme freiwillig sei. Viele hätten den etwa 126 Euro teuren Testimpfstoff aus eigener Tasche gezahlt. Gleichzeitig haben Mitarbeiter*innen eines Herstellers vor der Impfung eine Geheimhaltungsvereinbarung unterschrieben, welche es ihnen verbietet, an die Medien heranzutreten und über die Prozedur zu berichten. 

Es benötigt keinen offensichtlichen Zwang, um die Freiwilligkeit der Empfänger*innen infrage stellen zu können. Die Kommunistische Partei Chinas spricht vom "Volkskrieg" gegen das Virus als patriotische Herausforderung. Druck vom Arbeitgeber, der Gesellschaft oder die Angst um Diffamierung könnten bereits die Entscheidungsfreiheit der Empfänger*innen einschränken. Es ist nicht bekannt, was passiert, wenn die Menschen eine Testimpfung ablehnen. Derartige spekulative, aber plausible Befürchtungen könnten nur von außenstehenden Expert*innen oder Zeug*innen bestätigt werden. In Anbetracht des beschriebenen Vorgangs bleibt jedoch die Frage offen, inwiefern solche unabhängigen Stimmen in einem autoritären System an die Öffentlichkeit kommen können.

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Prekäre Zustände für philippinische Arbeiter*innen und ihre Familien

Weltweit machen sich arbeitslos gewordene Oversea Filipino/a Workers (OFW) auf den Weg zurück in ihre Heimat oder stranden unterwegs an Flughäfen, da ihnen das Geld oder die Transportmöglichkeit in die Provinzen aufgrund von Reisebeschränkungen fehlen. Durch den Einbruch des Geldstromes der OFWs in die Philippinen werden massive wirtschaftliche Folgen prognostiziert, da die Migration mitsamt ihren Rücküberweisungen ein entscheidender Wirtschaftsfaktor ist. Der Blickwechsel des philippinenbüros beleuchtet die aktuelle Situation von philippinischen Seeleuten, Kreuzschifffahrtsangestellten, LKW-Fahrern und Krankenpfleger*innen in Deutschland und Europa.

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Anstieg von Wilderei in Asien

Indien, Nepal und Pakistan berichten von einem starken Anstieg von Wilderei. So wurden bedrohte Tierarten wie seltene Vögel, Leoparden und Nashörner illegal gejagt und verkauft. Grund für den Anstieg sei die schwierige wirtschaftliche Lage in der Pandemie. Viele Menschen haben ihre Lebensgrundlage verloren und jagen nun, um damit Einkommen zu erwirtschaften. Ein besonderes Risiko besteht auch, da zoonotische Krankheiten über den Verzehr der wilden Tiere übertragen werden könnten. Vietnam wiederum zog Anfang des Jahres als Reaktion auf diese Entwicklungen ein Handelsverbot für Wildtiere in Erwägung. Auch wenn Wilderei gesetzlich hart bestraft wird, bleibt die Rechtsdurchsetzung weiterhin das größte Problem für den Tierschutz.

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Philippinen: Digitales Lernen nicht für alle zugänglich

Schulschließungen und das Lernen auf Distanz mittels digitaler Räume sind Teil des philippinischen Maßnahmenpakets zur Eindämmung der Pandemie. Dabei treten soziale Ungleichheiten zwischen Schüler*innen und Studierenden offen zutage. Viele von ihnen sind, mangels finanzieller Mittel, nicht in der Lage, das nötige technische Equipment für den Unterricht zu stellen. Hinzu kommen Stromausfälle oder schlechte Internetverbindungen in Teilen des Landes. 

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Wahlen inmitten der Pandemie: Herausforderung für demokratische Ansprüche

Der erneute Anstieg der COVID-19-Infektionen erschwert die Vorbereitungen auf die allgemeinen Wahlen am 08. November. Internationale Wahlbeobachter*innen berichten über Schwierigkeiten bei ihrer Einreise in das Land. Zudem könnten Reisebeschränkungen und die Angst vor Ansteckungen die Wahlbeteiligung massiv senken. Viele kleinere Parteien, vor allem in ländlichen Gegenden, fordern daher eine Verschiebung der Wahlen. Derweil werden Sondermaßnahmen getroffen, die Abstands- und Hygieneregelungen beim Wählen berücksichtigen sollen.

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Pakistan: Wie COVID-19 die Hungerkrise verschärft

Seit langer Zeit hat Pakistan mit Mangelernährung und sozialer Ungleichheit zu kämpfen. 68 Prozent der Familien leiden unter inadäquater Lebensmittelversorgung, insbesondere ländliche Regionen sind schwer betroffen. COVID-19 verstärkt diese Krise. Die landwirtschaft leidet erheblich unter der Schließung von Lebensmittelmärkten und dem Preissturz verschiedener Produkte. Die Autoren beschreiben, wie ein Weg aus der Krise gefunden werden kann.

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Thailand: Erholung der Ökosysteme durch sinkende Tourismuszahlen

Thailands riesiger Tourismussektor ist durch die Folgen der Pandemie radikal eingebrochen. Den Ökosystemen auf dem Land und unter Wasser scheint dies sichtlich gut zu tun. Das Meer in Phuket ist kristallklar, auf Koh Samui wurden vom Aussterben bedrohte Schildkröten seit langer Zeit wieder gesichtet. Der direkte Zusammenhang zwischen der Anzahl von Tourist*innen und der Unversehrtheit natürlicher Ressourcen lässt Stimmen laut werden, die eine Abkehr vom Massentourismus fordern.

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COVID-19 und die Klagen von Hinterbliebenen in Wuhan

Eine Rentnerin aus Wuhan erlebte den schlimmsten Alptraum einer Mutter, als im Februar 2020 ihr Sohn an den Folgen einer COVID-19-Erkrankung alleine im Krankenbett starb. Das Krankenhaus hatte ihn zuvor zwei Wochen lang abgewiesen. Die trauernde Mutter wollte daraufhin die lokale Regierung verklagen, die sie für seinen Tod verantwortlich macht. Ihre Klage wird jedoch nicht zugelassen. Das Gericht beruft sich dabei auf verfahrenstechnische Gründe.

Das Mittlere Volksgericht von Wuhan wies mindestens fünf weitere Klagen solcher Art ab. Die Familien beschuldigen die Regierungen von Wuhan und Hubei, den Ausbruch des Coronavirus verschleiert zu haben. Die Verantwortlichen hätten die Öffentlichkeit nicht rechtzeitig alarmiert, wodurch die Epidemie erst außer Kontrolle geraten konnte, so der Vorwurf. Die Hinterbliebenen sahen sich dem Druck der Behörden ausgesetzt, keine Klage einzureichen. Anwält*innen wurden nach Angaben der Beteiligten davor gewarnt, ihnen zu helfen.

Ähnliche Vorfälle lassen sich in einer tiefgründigen Reportage der BBC zum Ausbruch in Wuhan nachlesen. Demzufolge brachten lokale Behörden Bürger*innen, Journalist*innen und Mitarbeitende im Gesundheitswesen zum Schweigen. Bisher gab es keine freie und transparente Untersuchung zum Ursprung des Coronavirus und zu den Geschehnissen im Frühstadium des Ausbruchs in Wuhan.

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