Corona in Asien

Menschenrechte, politische Systeme, soziale Ungleichheit, internationale Solidarität und die Umwelt im Spiegel der Corona-Pandemie

Die Corona-Pandemie entlarvt die Ungerechtigkeiten der globalen Ordnung besonders deutlich. Nicht nur Staaten unterscheiden sich fundamental darin wie sie ausgestattet sind, um die Gesundheit ihrer Bevölkerung zu schützen bzw. wiederherzustellen. Sondern jede*r Einzelne ist der Pandemie unterschiedlich ausgesetzt, abhängig von Klasse, Herkunft, Race oder Geschlecht. Die Corona-Pandemie muss als Wendepunkt genutzt werden, um die globale Ordnung zu verändern und menschen-, sozial- und umweltgerechter zu gestalten.

Die Stiftung Asienhaus und das philippinenbüro sammeln auf dieser Seite zivilgesellschaftliche Länderperspektiven, um Handlungsoptionen für eine gerechtere Welt und internationale Solidarität zu finden. Im Vordergrund steht dabei die Frage was die Corona-Pandemie für die Menschen im Globalen Süden bedeutet. Diese möchten wir mit Hilfe von fünf Themen und aus der Sicht ausgewählter Länder in Asien beantworten.

Übersicht

Corona - Menschenrechte
Menschenrechte
Corona - Politische Systeme
Politische Systeme
Corona - Soziale Ungleichheit
Soziale Ungleichheit
Corona - Internationale Solidarität
Internation. Solidarität
Corona - Umwelt
Umwelt

Menschenrechte

Grundrechte, Rassismus und Räume der Zivilgesellschaft

Photo by LICADHOUm die Corona-Pandemie einzudämmen, verordnen Regierungen rund um den Globus weitreichende Einschränkungen des alltäglichen Lebens, erlassen Notstandgesetze und verfügen über Sonderbefugnisse. Zivilgesellschaftliche Räume, die bereits vor der Pandemie staatlichen Repressionen ausgesetzt waren, stehen nun – unter dem Deckmantel der Sorge und des Schutzes - besonders unter Druck. Vielerorts erleben Ressentiments gegen Minderheiten und Rassismus Konjunktur. Insbesondere in dieser Zeit braucht es eine wachsame Zivilgesellschaft, die Grund- und Menschenrechtsverletzungen benennt und ihnen entgegenwirkt.

25.05.2020

Nepal befindet sich im Lockdown. Dieser ist für Menschen in informellen Siedlungen jedoch schwer einzuhalten, da sie unter miserablen Lebensbedingungen wohnen müssen. Mehrere Zivilisten wurden bei Verlassen ihrer Häuser von der Polizei angegriffen und brutal verprügelt. Gegen die Polizeigewalt gehen Menschenrechtsorganisationen nun rechtlich vor. "Für viele wirtschaftlich und gesellschaftlich Benachteiligte bedeutet das Leben im Lockdown eine elementare Bedrohung ihrer Menschenrechte und ihrer Existenz."

Auch Wanderarbeiter*innen leiden unter den Bedingungen. Obdachlos und arbeitslos harren viele von ihnen an den Grenzen aus oder versuchen über illegale Wege nach Nepal zu kommen. Der Lockdown schränkt den zivilgesellschaftlichen Handlungsspielraum sowie die Menschenrechte stark ein.

22.05.2020

Kommentare wie "Ching Chang Chong" sind für Menschen asiatischer Herkunft in Deutschland nichts Neues. Mit der Corona-Pandemie haben sich die Diskriminierungen jedoch verschärft; oft werden Asiat*innen für den Ausbruch der Pandemie verantwortlich gemacht. Der Artikel stellt drei Aktivist*innen vor, die sich seit der Pandemie verstärkt gegen Anti-Asiatischen Rassismus einsetzen.

20.05.2020

Während die Welt gegen das Coronavirus kämpft, verschlimmerten sich die seit Jahren anhaltenden Kämpfe zwischen der Arakan Army und dem Militär in Rakhine. Die Folge sind tausende Flüchtlinge, die aus ihren Dörfern vertrieben wurden und in Camps unter miserablen Bedingungen leben müssen. Lebensmittelmangel und schlechte Hygiene- und Sicherheitsstandards treffen besonders Frauen schwer. Außerdem ist zu erwarten, dass ein Ausbruch von Covid-19 in diesen Gebieten besonders viel Schaden anrichten würde. Angesichts der anhaltenden Kämpfe haben viele Menschen jedoch wenig Optionen, sich vor dem Virus zu schützen.

Politische Systeme

Reaktionen des Staates und Informationspolitik

Photo by Martin Sanchez on UnsplashMit dem Ausbruch des Coronavirus in Wuhan, China Ende 2019/ Anfang 2020 brach zugleich eine Debatte über das vermeintlich bessere politische System aus: westliche Demokratien gegen die autokratische Volksrepublik. Die berechtigte Kritik an der Informationspolitik der chinesischen Regierung wurde dabei zunehmend von einer Fokussierung auf systemische Reaktionen überschattet. Dies verstellte den Blick auf die praktischen Erfahrungen der Menschen mit der Corona-Pandemie, Möglichkeiten der Vorbereitung in Europa und anderswo sowie einen Transferdialog und Lernaustausch.

15.05.2020

Mitte April hielt ASEAN (Verband Südostasiatischer Nationen) eine Videokonferenz, bei der Maßnahmen gegen die Pandemie diskutiert wurden. Unter anderem wurde zur Solidarität der Nationen aufgerufen. Von nun an solle zum Beispiel eine stärkere Kooperation bei der Allokation von Medikamenten und Schutzkleidung stattfinden. Kritiker aber finden, dass diese Maßnahmen zu wenig Substanz hätten. Auch das Vorgehen vereinzelter Staaten zu Beginn der Pandemie zeige, dass die Staaten mit zu wenig Transparenz agiert hätten- Vietnam zum Beispiel schloss die Grenzen zu Kambodscha, ohne sich vorher abgesprochen zu haben.

14.05.2020

Seit langer Zeit hat Pakistan mit Mangelernährung und sozialer Ungleichheit zu kämpfen. 68 Prozent der Familien leiden unter inadäquater Lebensmittelversorgung, insbesondere ländliche Regionen sind schwer betroffen. Covid-19 verstärkt diese Krise. Die landwirtschaft leidet erheblich unter der Schließung von Lebensmittelmärkten und dem Preissturz verschiedener Produkte. Die Autoren beschreiben, wie ein Weg aus der Krise gefunden werden kann.

13.05.2020

Ein Jahr nach dem Referendum muss sich die Bangsamoro Regierung im Süden der Philippinen nicht nur als funktionierende und glaubwürdige Regierung beweisen, die einen Übergang von Krieg zu Frieden schafft. Die Bangsamoro Transition Authority (BTA) ist gleichermaßen mit der Angst vor der gegenwärtigen Pandemie konfrontiert. Das Ausmaß der Infektionen in der autonomen Region bleibt aufgrund von fehlenden Testmöglichkeiten ungewiss. Georgi Engelbrecht beschreibt die allgemeine Situation der BTA und diskutiert die Gefahren sowie Chancen, die mit der besonderen Herausforderung durch Covid-19 einher gehen könnten.
Engelbrecht argumentiert, dass das örtliche Gesundheitssystem einer Pandemie nicht gewachsen ist, die BTA in der Krise jedoch einmal mehr die Möglichkeit geboten bekäme sich durch eine gute Handhabe gegenüber den Clans sowie der Bevölkerung als fähige Institution zu behaupten.

Soziale Ungleichheit

Armut, Gesundheit und Gender

Photo by Ern Gan on UnsplashDie Corona-Pandemie und die Maßnahmen zu deren Bekämpfung offenbaren die soziale Ungleichheit in den Gesellschaften der Welt. Während Menschen mit geregeltem Einkommen und ausreichend Wohnraum der Forderung nach Social Distancing nachkommen können, stellt sich die Situation in vielen Städten der Welt für z.B. Tagelöhner*innen ganz anders dar. In Staaten ohne eine gesetzliche Krankenversicherung sind zahlreiche Menschen von einer Behandlung des Virus ausgeschlossen. Im Zuge der Umstellung auf Home Office in vielen Arbeitsbereichen wird deutlich, dass die meisten als „systemrelevant“ deklarierten Berufe z.B. im Einzelhandel und der Pflege von Frauen ausgeübt werden. Sie sind täglich einem hohen Ansteckungsrisiko ausgesetzt, das sich nicht in einer entsprechenden Vergütung widerspiegelt.

19.05.2020

"Frauen insgesamt, vor allem aber alleinerziehende und alleinstehende Frauen Frauen sind besonders gefährdet", betont ily Thapa, Gründerin der ZFD-Partnerorganisation WHR „Women for Human Rights“. Als alleinige Ernährer ihrer Familie sind sie nun mit Hunger, Arbeitslosigkeit und Gewalt konfrontiert. Die Organisation WHR verteilt Lebensmittel und engagiert sich für mehr Sicherheit für nepalesische Frauen während der Ausgangssperre. WHR befürchtet, dass auch nach der Krise langfristige soziale Nachteile für Frauen in Nepal bestehen werden.

 

 

18.05.2020

Indonesien kann seit vielen Jahren ein vielversprechendes Wirtschaftswachstum aufweisen. Aber durch die Krise wird das Land zurückgeworfen und wird - so die Prognose - hoch verschuldet aus dieser hervorgehen wird. Insbesondere Jugendliche sind mit großer Arbeitslosigkeit konfrontiert.

Sehr stark betroffen sind auch Arbeiter*innen des informellen Sektors, da diese vom sozialen Sicherungssystem nicht erfasst werden. Die Solidarität der Menschen untereinander ist jedoch hoch. Zivilgesellschaftliche Initiativen springen dort ein, wo auf Hilfe von der Regierung noch gewartet wird, und verteilen Nahrungsmittel und Hygieneartikel.

13.05.2020

Bangladeschs Wirtschaft ist extrem abhängig von der Textilindustrie, insbesondere von Exporten in die EU oder USA. Der Lockdown dieser Länder sowie die Unterbrechung der Lieferketten stellt eine ernsthafte Problematik dar: Bestellungen in Höhe von 4 Milliarden Dollar wurden bereits storniert. In der Textilindustrie sind etwa 3,5 Millionen Arbeiter*innen angestellt, von denen ein Drittel Frauen sind. Die Regierung hat als Unterstützung diesen Arbeiter*innen Geldmittel in Form von subventionierten Krediten sowie eine Versorgung mit Lebensmitteln zugesichert.

Internationale Solidarität

Zivilgesellschaftliches Engagement und internationale Kooperationen

Photo by Tim Marshall on UnsplashEine Antwort auf die Corona-Pandemie erfordert internationale Solidarität, von Staaten, Unternehmen, zivilgesellschaftlichen Organisationen und Einzelpersonen. Während nationale Gesundheitssysteme besonders unter Druck stehen und in einigen Ländern kollabieren, engagieren sich weltweit Menschen, um strukturelle Defizite durch private Initiative wettzumachen. Dies hilft in der derzeitigen Krisensituation, sollte aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass Solidarität durch gerechte globale Strukturen verstetigt werden sollte und der Privatisierungsdrang im Gesundheits- und Pflegewesen beendet werden muss. Zukünftige ökonomische, ökologische und sozialpolitische Strategien reicherer Länder und der Europäischen Union müssen zusammen mit Ländern des Globalen Südens gedacht werden.

18.05.2020

Indonesien kann seit vielen Jahren ein vielversprechendes Wirtschaftswachstum aufweisen. Aber durch die Krise wird das Land zurückgeworfen und wird - so die Prognose - hoch verschuldet aus dieser hervorgehen wird. Insbesondere Jugendliche sind mit großer Arbeitslosigkeit konfrontiert.

Sehr stark betroffen sind auch Arbeiter*innen des informellen Sektors, da diese vom sozialen Sicherungssystem nicht erfasst werden. Die Solidarität der Menschen untereinander ist jedoch hoch. Zivilgesellschaftliche Initiativen springen dort ein, wo auf Hilfe von der Regierung noch gewartet wird, und verteilen Nahrungsmittel und Hygieneartikel.

28.04.2020

Hunderte Rohingya befinden sich auf zwei Booten in der Bucht von Bengalen in der Hoffnung auf Asyl. Und wieder einmal entziehen sich anliegende Staaten ihrer Verantwortung, Hilfe zu leisten und Asyl zu gewähren. Die Corona-Pandemie und der Schutz der Bürger*innen wird hier wie auch anderswo als zentrales Argument vorgeschoben. Dominique Virgil beleuchtet kritisch in seinem Beitrag in der Bangkok Post, warum COVID-19 keine Rechtfertigung für die Verletzung internationaler Vereinbarungen und daraus abgeleiteter staatlicher Pflichten sein kann.

26.04.2020

Im ostmalaysischen Bundesstaat Sabah sind indonesische Arbeiter*innen auf Ölpalmenplantagen besonders von der Pandemie betroffen. Die meisten Ölpalmenplantagen und -mühlen sowie -raffinerien haben den Betrieb eingestellt. Durch eine Verordnung zur Bewegungseinschränkung der Regierung sind die Arbeiter*innen in den Plantagen eingeschlossen und können sie nicht verlassen, um z.B. Lebensmittel zu kaufen. Auch mobile Händler*innen können die Plantagen nicht anfahren. Nahrungsmittel werden knapp. Und Nahrungsmittelhilfen zielen zumeist nicht auf die Migrant*innen ab. 

Eine Arbeitsgruppe der Sabah Plantation Industry Employee's Union (SPIEU), Borneo Komrad, Gabungan Persatuan Belia Bahagian Tawau und der Sabah Family Planning Association hat zusammen mit dem Asia Monitor Resource Centre und der Transnational Palm Oil Labour Solidarity Grundnahrungsmittel an die Arbeiter*innen und ihre Familien sowie Medikamente, Masken und Handschuhe verteilt.

Umwelt

Umweltgerechtigkeit, Industrie und Klimaschutz

Photo by Thijs Stoop on UnsplashDie Corona-Pandemie trifft uns während eines akuten Klimanotstands. Beide Krisen bedrohen Leben, insbesondere im Globalen Süden. Der Klimawandel darf jedoch nicht hinter COVID-19 angestellt werden. Maßnahmen, die bisher als nicht realisierbar eingestuft wurden, und einen drastischen Rückgang an ausgestoßenen Treibhausgasen bewirkten und die Verschmutzung von Gewässern reduzierten, wurden zur Eindämmung der Pandemie durchgesetzt. Gleichzeitig wird Industrien Unterstützung in Milliardenhöhe versprochen, ohne ihnen dabei Forderungen nach mehr Nachhaltigkeit aufzuerlegen. Die aktuelle Situation macht deutlich, dass Umweltschutzmaßnahmen zeitnah umsetzbar sind. Es ist möglich beiden Krisen zu begegnen und eine Wendung zum Positiven hin im Kampf gegen globale Ungerechtigkeit zu bewirken.

18.05.2020

Am 12. Mai wurde in Jakarta ein Gesetz verabschiedet, dass den indonesischen Bergbau stark deregulierte. Fortan entfällt die bisherige Obergrenze von 15.000 Hektar pro Schürfgenehmigung, was eine ungehemmte Ausdehnung der Minen und weitere Abholzung begünstigt. Eine automatische Verlängerung der Schürfrechte wurde ebenfalls eingeführt, wodurch eine effektive Kontrolle der Umweltauflagen erschwert wird.

Ähnliche Gesetze zur Deregulierung wurden bereits früher entworfen und in das indonesische Parlament eingebracht. Angesichts massiver Straßenproteste mussten diese Pläne allerdings eingestellt werden. Wegen der Corona-Pandemie und den damit einhergehenden Ausgangsbeschränkungen durften sich die Menschen nun nicht mehr versammeln. In der Folge konnte auch kein öffentlicher Druck auf die Regierung aufgebaut werden, was die Verabschiedung des Gesetzes erleichterte. Erst die Corona-Pandemie ermöglichte demnach eine zunehmende Ausbeutung der natürlichen Lebensgrundlagen.

14.05.2020

Tony La Viña and Joy Reyes beschreiben in ihrem Kommentar den Zusammenhang zwischen der Pandemie und klimatischen Veränderungen. Sie rufen zu einem dringlichen Handeln aller Akteur*innen aus Regierungen, Wirtschaft und Zivilgesellschaft auf, um der Pandemie sowie dem Klimawandel entgegenzuwirken. Sie argumentieren, dass der Verlust an Biodiversität Probleme in der Nahrungsversorgung verursacht und zu einem potenziellen Anstieg von Krankheiten führt. La Viña und Reyes rufen dazu auf, den fossile Energien abzuschwören, Plastik zu reduzieren und die Landwirtschaft sowie die Wirtschaft klimafreundlich zu transformieren. Nicht zuletzt drängen sie darauf, die Rechte der Menschen zu respektieren und einen gerechten Übergang insbesondere für marginalisierte Gruppen zu ermöglichen.

07.05.2020

Der Beitrag auf dem Blog "Stimmen aus China" der Stiftung Asienhaus thematisiert den Wildtierverzehr in China: Sehr wahrscheinlich begann die Verbreitung des Coronavirus in einem Wildtiermarkt in Wuhan. In der Online-Debatte auf Weibo, dem populärsten Medienportal in China, spalten sich die Ansichten. Manche behaupten, dass der Handel mit exotischen Tiere traditionell in der Geschichte Chinas verankert und besonders in der chinesischen Medizin essentiell ist. Andere hingegen meinen, dass heutzutage kaum noch jemand exotische Wildtiere verzehrt. Auch wird der Schutz der Natur und der wilden Tiere gefordert. Die chinesische Regierung verbietet nun den Verzehr von Wildtieren und kontrolliert die Märkte scharf.