Corona in Asien

Menschenrechte, politische Systeme, soziale Ungleichheit, internationale Solidarität und die Umwelt im Spiegel der Corona-Pandemie

Die Corona-Pandemie entlarvt die Ungerechtigkeiten der globalen Ordnung besonders deutlich. Nicht nur Staaten unterscheiden sich fundamental darin wie sie ausgestattet sind, um die Gesundheit ihrer Bevölkerung zu schützen bzw. wiederherzustellen. Sondern jede*r Einzelne ist der Pandemie unterschiedlich ausgesetzt, abhängig von Klasse, Herkunft, Race oder Geschlecht. Die Corona-Pandemie muss als Wendepunkt genutzt werden, um die globale Ordnung zu verändern und menschen-, sozial- und umweltgerechter zu gestalten.

Die Stiftung Asienhaus und das philippinenbüro sammeln auf dieser Seite zivilgesellschaftliche Länderperspektiven, um Handlungsoptionen für eine gerechtere Welt und internationale Solidarität zu finden. Im Vordergrund steht dabei die Frage was die Corona-Pandemie für die Menschen im Globalen Süden bedeutet. Diese möchten wir mit Hilfe von fünf Themen und aus der Sicht ausgewählter Länder in Asien beantworten.

Übersicht

Corona - Menschenrechte
Menschenrechte
Corona - Politische Systeme
Politische Systeme
Corona - Soziale Ungleichheit
Soziale Ungleichheit
Corona - Internationale Solidarität
Internation. Solidarität
Corona - Umwelt
Umwelt

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Menschenrechte

Grundrechte, Rassismus und Räume der Zivilgesellschaft

Photo by LICADHOUm die Corona-Pandemie einzudämmen, verordnen Regierungen rund um den Globus weitreichende Einschränkungen des alltäglichen Lebens, erlassen Notstandgesetze und verfügen über Sonderbefugnisse. Zivilgesellschaftliche Räume, die bereits vor der Pandemie staatlichen Repressionen ausgesetzt waren, stehen nun – unter dem Deckmantel der Sorge und des Schutzes - besonders unter Druck. Vielerorts erleben Ressentiments gegen Minderheiten und Rassismus Konjunktur. Insbesondere in dieser Zeit braucht es eine wachsame Zivilgesellschaft, die Grund- und Menschenrechtsverletzungen benennt und ihnen entgegenwirkt.

15.12.2020

In der aktuellen Publikation der Asien-Abteilung des Global Network for the Right to Food and Nutrition, koordiniert von FIAN International, werden die Auswirkungen von Covid-19 auf die Ernährungssicherheit beschrieben. Laut Schätzungen der Vereinten Nationen wird die Anzahl hungernder Menschen Weltweit durch die Pandemie zunehmen. Einiger Länder Asiens gehören zu den am stärksten von der Pandemie Betroffenen. Hierbei wurden bestehende Krisen verstärkt und auch die Schwachstellen des Ernährungssystems, sowie die damit einhergehenden Ungleichheiten, offengelegt.

So wurden bereits marginalisierte Gruppen, wie beispielsweise Dalits, Wanderarbeiter*innen und landlose Landwirt*innen besonders hart durch die im Zuge der Pandemiebekämpfung durchgeführten Einschränkungen bzw. Lockdowns getroffen – und auch in ihrem Recht auf Nahrung und Ernährung verletzt.

Der Bericht behandelt, wie die jeweiligen Pandemiemaßnahmen der Länder Bangladesch, Indien, Indonesien, Pakistan, Philippinen und Nepal marginalisierte Gruppen in ihrem Recht auf Nahrung und Ernährung betroffen haben. Zu jedem Land werden einzeln die jeweiligen Maßnahmen und Auswirkungen dargestellt. Der Bericht schließt mit einem Empfehlungskatalog der Mitgliedsorganisationen an die nationalen Regierungen ab.

09.12.2020

Viele Regierungen Südostasiens nehmen, ähnlich wie andere Staaten weltweit, die Pandemie zum Anlass, um Einschränkungen der Zivilgesellschaft voranzutreiben. Dieses Verhalten ist zwar nicht neu, hat aber massive Auswirkungen unter anderem auf Frauen und Jugendliche in der Region, die zu den neuen Gesichtern des Widerstands zählen. Zu der Routine in der Krise gehören dabei Notverordnungen und Übergangsgesetze, die Aufhebung von Vereinigungs- und Versammlungsfreiheit, verstärkte Überwachung und die die Einstufung von Menschenrechtsaktivist*innen als Bedrohung der nationalen Sicherheit. Trotz der widrigen Umstände wurden in einigen Regionen Wahlen abgehalten und die Einschränkungen genutzt, um sich politische Vorteile zu verschaffen. Ein Report der Denkfabrik Asia Centre analysiert die Entwicklungen seit dem Ausbruch des Virus und gibt Handlungsempfehlungen ab. Das Papier ruft vor allem dazu auf, die Zivilgesellschaft durch verstärktes internationales Engagement zu stärken, ihr bei multilateralen Diskussionen eine Stimme zu geben und sicherzustellen, dass sie mit angemessenen Mitteln ausgestattet und unterstützt wird.

29.10.2020

Die Corona-Pandemie breitet sich auch an Orten aus, die normalerweise vom Rest der Gesellschaft abgeriegelt werden. Ein Gefängnis in der Region Ayeyarwady meldet dutzende Infektionen unter Häftlingen und Mitarbeiter*innen. Anfang des Monats infizierten sich bereits über 150 Menschen im Tharyarwady-Gefängnis in der Region Bago mit dem Virus. Lokale Behörden versuchen mit umgebauten Behandlungszentren und Isolationszellen die Verbreitung einzudämmen. Viele der Maßnahmen wirken jedoch improvisiert.

Politische Systeme

Reaktionen des Staates und Informationspolitik

Photo by Martin Sanchez on UnsplashMit dem Ausbruch des Coronavirus in Wuhan, China Ende 2019/ Anfang 2020 brach zugleich eine Debatte über das vermeintlich bessere politische System aus: westliche Demokratien gegen die autokratische Volksrepublik. Die berechtigte Kritik an der Informationspolitik der chinesischen Regierung wurde dabei zunehmend von einer Fokussierung auf systemische Reaktionen überschattet. Dies verstellte den Blick auf die praktischen Erfahrungen der Menschen mit der Corona-Pandemie, Möglichkeiten der Vorbereitung in Europa und anderswo sowie einen Transferdialog und Lernaustausch.

08.10.2020

Die Suche nach einem Impfstoff gegen das Coronavirus geht mit einer medizinethischen Debatte einher. Regierungen auf der ganzen Welt erörtern, inwieweit sie die üblichen Protokolle zur Entwicklung von Medikamenten aussetzen würden, um so schnell wie möglich Impfstoffe auf den Markt zu bringen. Länder wie Deutschland und Südkorea erklärten schon früh, dass sie bei der Impfstoffentwicklung keine Abstriche machen würden. Im Gegensatz dazu haben in China bereits hunderttausende Menschen experimentelle Impfstoffe bekommen. Deren gesundheitliche Wirkungen und Risiken wurden noch nicht unabhängig überprüft. Der Vorgang wirft Unklarheiten zu schutzwürdigen Interessen der Empfänger*innen auf, die bei der Impfstoffsuche bedacht werden sollten.

Offiziellen Angaben zufolge wurden seit dem 22. Juli 2020 mindestens vier Impfstoffe an Menschen in China verabreicht. Keiner dieser Impfstoffkandidaten hat die medizinisch essentielle Phase 3 (Massentestung) bisher bestanden. Somit hätte China drei Wochen vor Russland damit begonnen, Impfstoffe an Menschen außerhalb der klinischen Prüfung zu verabreichen. Alle drei chinesischen Impfstoffhersteller sind entweder Staatsunternehmen oder kooperieren seit Langem mit lokalen und nationalen Regierungsbehörden. Zunächst werden wohl Personenkreise in essentiellen Bereichen, wie z.B. medizinisches Fachpersonal, für eine Impfung in Betracht gezogen. 

Im Vordergrund der Kritik an diesem Vorgang stehen die gesundheitliche Sicherheit sowie die Freiwilligkeit der Empfänger*innen. Einen Impfstoff außerhalb der klinischen Prüfung zu verabreichen, widerspricht dem internationalen Standard. Fehlerhafte Impfstoffe können erhebliche Gesundheitsprobleme verursachen. Es ist nicht klar, ob die Empfänger*innen umfassend über die Risiken gewarnt wurden. Wenn sich der Impfstoff als fehlerhaft herausstellen sollte, dann könnte der übereilte Prozess ein weit verbreitetes Misstrauen gegenüber einer Impfung verursachen. Außerdem könnten sich infizierte Empfänger*innen fälschlich in Sicherheit wägen und weitere Personen anstecken. 

Das Chinesische Zentrum für Krankheitskontrolle und -prävention versicherte zuletzt, dass keine*r der Empfänger*innen ernsthafte Nebenwirkungen gezeigt oder sich mit dem Coronavirus angesteckt habe. Die Sicherheit der Impfstoffe sei gewährleistet und die Wirksamkeit werde genau überwacht. Die Impfstoffhersteller und lokale Regierungen betonen, dass die Einnahme freiwillig sei. Viele hätten den etwa 126 Euro teuren Testimpfstoff aus eigener Tasche gezahlt. Gleichzeitig haben Mitarbeiter*innen eines Herstellers vor der Impfung eine Geheimhaltungsvereinbarung unterschrieben, welche es ihnen verbietet, an die Medien heranzutreten und über die Prozedur zu berichten. 

Es benötigt keinen offensichtlichen Zwang, um die Freiwilligkeit der Empfänger*innen infrage stellen zu können. Die Kommunistische Partei Chinas spricht vom "Volkskrieg" gegen das Virus als patriotische Herausforderung. Druck vom Arbeitgeber, der Gesellschaft oder die Angst um Diffamierung könnten bereits die Entscheidungsfreiheit der Empfänger*innen einschränken. Es ist nicht bekannt, was passiert, wenn die Menschen eine Testimpfung ablehnen. Derartige spekulative, aber plausible Befürchtungen könnten nur von außenstehenden Expert*innen oder Zeug*innen bestätigt werden. In Anbetracht des beschriebenen Vorgangs bleibt jedoch die Frage offen, inwiefern solche unabhängigen Stimmen in einem autoritären System an die Öffentlichkeit kommen können.

05.10.2020

Der erneute Anstieg der COVID-19-Infektionen erschwert die Vorbereitungen auf die allgemeinen Wahlen am 08. November. Internationale Wahlbeobachter*innen berichten über Schwierigkeiten bei ihrer Einreise in das Land. Zudem könnten Reisebeschränkungen und die Angst vor Ansteckungen die Wahlbeteiligung massiv senken. Viele kleinere Parteien, vor allem in ländlichen Gegenden, fordern daher eine Verschiebung der Wahlen. Derweil werden Sondermaßnahmen getroffen, die Abstands- und Hygieneregelungen beim Wählen berücksichtigen sollen.

30.09.2020

Seit langer Zeit hat Pakistan mit Mangelernährung und sozialer Ungleichheit zu kämpfen. 68 Prozent der Familien leiden unter inadäquater Lebensmittelversorgung, insbesondere ländliche Regionen sind schwer betroffen. COVID-19 verstärkt diese Krise. Die landwirtschaft leidet erheblich unter der Schließung von Lebensmittelmärkten und dem Preissturz verschiedener Produkte. Die Autoren beschreiben, wie ein Weg aus der Krise gefunden werden kann.

Soziale Ungleichheit

Armut, Gesundheit und Gender

Photo by Ern Gan on UnsplashDie Corona-Pandemie und die Maßnahmen zu deren Bekämpfung offenbaren die soziale Ungleichheit in den Gesellschaften der Welt. Während Menschen mit geregeltem Einkommen und ausreichend Wohnraum der Forderung nach Social Distancing nachkommen können, stellt sich die Situation in vielen Städten der Welt für z.B. Tagelöhner*innen ganz anders dar. In Staaten ohne eine gesetzliche Krankenversicherung sind zahlreiche Menschen von einer Behandlung des Virus ausgeschlossen. Im Zuge der Umstellung auf Home Office in vielen Arbeitsbereichen wird deutlich, dass die meisten als „systemrelevant“ deklarierten Berufe z.B. im Einzelhandel und der Pflege von Frauen ausgeübt werden. Sie sind täglich einem hohen Ansteckungsrisiko ausgesetzt, das sich nicht in einer entsprechenden Vergütung widerspiegelt.

15.12.2020

Durch ein schnelle Eingreifen gelang es der Regierung Timor-Lestes zwar, die Pandemie einzudämmen. Doch wie ein  Bericht der Vereinten Nationen zeigt, haben sich sie Maßnahmen während des Ausnahmezustandes negativ auf die Einkommen ausgewirkt. Die Einkommen sind stark gesunken – gerade in ländlichen Regionen, wo Überschwemmungen und Dürren die Situation zusätzlich verschärften.

10.12.2020

Trotz vergleichsweise niedriger Infektionsraten hat die Pandemie zu massiven wirtschaftlichen Ausfällen in vielen Staaten Asiens geführt. Dies erhöht die Risiken für die Ernährungssicherheit erheblich. In Kambodscha wurden Verbraucher*innen durch den Preisanstieg bei Grundnahrungsmitteln und den krisenbedingten Einkommensstillstand hart getroffen. Auch Naturereignisse und Wettereinflüsse, zum Beispiel im Mekongdelta, beeinflussen die Lage negativ. Die Landwirtschaft, die in den meisten asiatischen Ländern ein wichtiger Arbeitgeber ist, hat aufgrund von Einschränkungen der Freizügigkeit einen erheblichen Rückgang der Arbeitskräfte erlebt. Dies führte zu einer geringeren landwirtschaftlichen Produktivität und niedrigeren Einkommen. Viele informelle Arbeiter*innen aus betroffenen Sektoren, wie dem Tourismus, wurden mittellos. Nur sehr wenige dieser Gruppen haben Zugang zu Sozialsystemen. Infolgedessen ist der Nahrungsmittelkonsum in vielen Haushalten zurückgegangen, eine beträchtliche Zahl von Menschen berichtet, dass sie sich nicht genügend Nahrungsmittel leisten können. Länder wie Afghanistan, Nepal oder Timor-Leste gehören laut World Food Programme zu den am gefährdetsten Staaten aufgrund ihrer Abhängigkeit von Nahrungsmittelimporten und Rücküberweisungen.

03.12.2020

Die sogenannten am wenigsten entwickelten Länder der Welt (LDCs) werden im Jahr 2020 die schlechteste ökonomische Entwicklung seit 30 Jahren erleben, wie die Konferenz der Vereinten Nationen für Handel und Entwicklung (UNCTAD) in einem Bericht mitteilt. Die Folgen der Pandemie seien sinkende Familieneinkommen, mehr Arbeitslosigkeit und wachsende Haushaltsdefizite in den Staatskassen. Dies könne bis zu 32 Millionen Menschen in extreme Armut treiben. Zu den im Report aufgeführten Ländern gehören von asiatischer Seite Afghanistan, Bangladesch oder Bhutan, aber auch Kambodscha, Laos, Myanmar und Nepal. Die Situation dieser Länder stellt dabei auch ein besonderes Risiko für die globalen Gesundheits-, Bildungs- und Nachhaltigkeitsziele dar, so der Bericht. Das Gremium fordert die internationale Gemeinschaft deshalb dazu auf, besagte Staaten mit einem Aktionsplan zu unterstützen, der auf die Entwicklung lokaler Produktionskapazitäten abzielt.

Internationale Solidarität

Zivilgesellschaftliches Engagement und internationale Kooperationen

Photo by Tim Marshall on UnsplashEine Antwort auf die Corona-Pandemie erfordert internationale Solidarität, von Staaten, Unternehmen, zivilgesellschaftlichen Organisationen und Einzelpersonen. Während nationale Gesundheitssysteme besonders unter Druck stehen und in einigen Ländern kollabieren, engagieren sich weltweit Menschen, um strukturelle Defizite durch private Initiative wettzumachen. Dies hilft in der derzeitigen Krisensituation, sollte aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass Solidarität durch gerechte globale Strukturen verstetigt werden sollte und der Privatisierungsdrang im Gesundheits- und Pflegewesen beendet werden muss. Zukünftige ökonomische, ökologische und sozialpolitische Strategien reicherer Länder und der Europäischen Union müssen zusammen mit Ländern des Globalen Südens gedacht werden.

11.01.2021

Marginalisierte und basisdemokratische Gemeinschaften in ganz Südostasien sind mit den ungleichen und lang anhaltenden Auswirkungen der COVID-19-Pandemie in ihren Orten konfrontiert. Der Bericht legt Zeugnis ab von der Kraft der Menschen, Entwicklung nach ihren eigenen Bedingungen zu definieren und Möglichkeiten für soziale Solidarität und kollektives Handeln zu verwirklichen. Mögen ihre Beispiele Lektionen für alle Gemeinschaften sein, die die Pandemie durch Alternativen bekämpfen.

22.07.2020

Die jüngste Unlock-Umfrage der ECFR zeigt, dass sich die Wahrnehmung Chinas in einigen Ländern infolge der globalen Pandemie verschlechtert hat. In Deutschland beispielsweise haben 48 Prozent der Befragten nun eine negativere Einstellung zu Peking. Selbst in Italien, das während der Krise breite Unterstützung aus Peking erhielt, sehen fast 80 Prozent der Menschen China nicht positiver.

Der European Solidarity Tracker des ECFR enthält zudem einen Datensatz über chinesische Spenden an EU-Mitgliedsstaaten, um die Transparenz über Chinas Interaktionen zu erhöhen. Das Ergebnis: eine mangelnde Transparenz bei der Bereitstellung von Hilfe deutet darauf hin, dass die chinesische Maskendiplomatie gescheitert ist. Es könnte zu einem Coronavirus-Effekt kommen, der sich auf die Zusammenarbeit zwischen China und Europa eher schlecht auswirkt.

05.07.2020

In Sri Lanka befürchtet die in der zivilen Friedensarbeit tätige Organisation National Peace Council (NPC) ein Zunehmen religiöser Konflikte, nachdem zwei an COVID-19 verstorbene Muslime nicht ihrer Religion entsprechend beerdigt wurden. Die Organisation betont, wie wichtig der richtige Umgang mit den Todesopfern der Pandemie ist. Andere wiederum behaupten, die Regierung nutze die Pandemie als Deckmantel, um Muslime zu diskriminieren. Auch seien Muslime in den Medien für die Verbreitung des Virus verantwortlicht gemacht worden.

Umwelt

Umweltgerechtigkeit, Industrie und Klimaschutz

Photo by Thijs Stoop on UnsplashDie Corona-Pandemie trifft uns während eines akuten Klimanotstands. Beide Krisen bedrohen Leben, insbesondere im Globalen Süden. Der Klimawandel darf jedoch nicht hinter COVID-19 angestellt werden. Maßnahmen, die bisher als nicht realisierbar eingestuft wurden, und einen drastischen Rückgang an ausgestoßenen Treibhausgasen bewirkten und die Verschmutzung von Gewässern reduzierten, wurden zur Eindämmung der Pandemie durchgesetzt. Gleichzeitig wird Industrien Unterstützung in Milliardenhöhe versprochen, ohne ihnen dabei Forderungen nach mehr Nachhaltigkeit aufzuerlegen. Die aktuelle Situation macht deutlich, dass Umweltschutzmaßnahmen zeitnah umsetzbar sind. Es ist möglich beiden Krisen zu begegnen und eine Wendung zum Positiven hin im Kampf gegen globale Ungerechtigkeit zu bewirken.

16.10.2020

Die Coronavirus-Pandemie hat einen Ansturm auf Einwegplastik ausgelöst. Insbesondere in Hongkong hat die Verwendung von Einwegartikeln wie Besteck und Kaffeetassen zugenommen. Cafés und Restaurants begannen, wiederverwendbare Behälter aus finanziellen Gründen abzulehnen, und die Lebensmittellieferungen boomten. Daten und Interviews mit Vertreter*innen der Industrie zeigen, dass in der Pandemie mehr in Plastik als in nachhaltige Kunststoffe investiert wird, was ein Rückschlag im weltweiten Kampf für mehr Umweltschutz ist.

Die beliebten Einwegmasken bereiten der Umwelt ein weiteres Problem. Im Februar 2020 begannen in Hongkong verwickelte, quallenartige Objekte an Land gespült zu werden. Umweltgruppen waren bestürzt, Hunderte von gebrauchten Gesichtsmasken zu finden. Das trägt zu den 13 Millionen Tonnen Plastik bei, die laut Berichten der Vereinten Nationen jährlich weltweit ins Meer gekippt werden.

07.10.2020

Indien, Nepal und Pakistan berichten von einem starken Anstieg von Wilderei. So wurden bedrohte Tierarten wie seltene Vögel, Leoparden und Nashörner illegal gejagt und verkauft. Grund für den Anstieg sei die schwierige wirtschaftliche Lage in der Pandemie. Viele Menschen haben ihre Lebensgrundlage verloren und jagen nun, um damit Einkommen zu erwirtschaften. Ein besonderes Risiko besteht auch, da zoonotische Krankheiten über den Verzehr der wilden Tiere übertragen werden könnten. Vietnam wiederum zog Anfang des Jahres als Reaktion auf diese Entwicklungen ein Handelsverbot für Wildtiere in Erwägung. Auch wenn Wilderei gesetzlich hart bestraft wird, bleibt die Rechtsdurchsetzung weiterhin das größte Problem für den Tierschutz.

23.09.2020

Thailands riesiger Tourismussektor ist durch die Folgen der Pandemie radikal eingebrochen. Den Ökosystemen auf dem Land und unter Wasser scheint dies sichtlich gut zu tun. Das Meer in Phuket ist kristallklar, auf Koh Samui wurden vom Aussterben bedrohte Schildkröten seit langer Zeit wieder gesichtet. Der direkte Zusammenhang zwischen der Anzahl von Tourist*innen und der Unversehrtheit natürlicher Ressourcen lässt Stimmen laut werden, die eine Abkehr vom Massentourismus fordern.