Das Stipendienprogramm „Ajuda atu estuda“

Ehemalige Stipendiaten mit Alfons Schabarum aus dem Jahr 2014

Das Stipendienprogramm „Ajuda atu estuda“ (Hilfe zum Studieren) wurde 2009 von Alfons Schabarum, der bei der Kommission für Gerechtigkeit und Frieden der Dioezese Dili sowie als Koordinator für das Landesprogramm des Zivilen Friedensdienstes in Timor Leste arbeitete, ins Leben gerufen. Unterstützt von der Deutschen Osttimor Gesellschaft (DOTG e.V.) konnten in den letzten 10 Jahren über 150 Stipendien vergeben und über 30 Tsd. Euro Spenden für das Programm nach Osttimor weitergeleitet werden.

Bei seiner Verabschiedung aus Osttimor erinnerte Alfons Schabarum im Rahmen einer Versammlung der Stipendiaten an die Anfänge des Programms:

„Vom ersten Tag an sah ich mich hautnah mit der Armut timoresischer Jugendlicher konfrontiert. Direkt vor meinem Hotel standen junge Männer von morgens früh bis abends spät und verkauften Telefonkarten oder Getränke, nachts schliefen sie neben ihren Dreiradkarren auf Pappkartons im Hoteleingang. Auf der Strandmauer am Palacio do Governu saßen Jugendliche massenweise herum, ohne Arbeit und offenbar auch ohne irgendeine Schule zu besuchen. Zuerst wies ich Bitten um Unterstützung zurück (schließlich war ich nicht für diese Art von Hilfe nach Timor gekommen!). Aber es dauerte nicht lange, bis ich dem ersten einen Computerkurs, dem zweiten die Teilnahme an einem Englischkurs finanzierte. Nachdem ich einem Jungen aus der Nachbarschaft, der mich über ein halbes Jahr lang immer wieder um Hilfe zum Studieren angebettelt hatte, seine Unterstützung zugesagt hatte, fasste ich den Entschluss, neben dem Hauptberuf eine private Initiative zu starten. Zu Weihnachten 2009 schrieb ich einen Rundbrief an alle Verwandten und Freunde in Deutschland, wo ich ausführlich die soziale und politische Situation darstellte und um Spenden für das „Stipendienprogramm Ajuda atu estuda“ warb. Nach zwei Monaten waren bereits mehrere tausend Euro auf dem Konto der katholischen Friedensbewegung Pax Christi in der Diözese Köln eingegangen, die freundlicherweise ihr Konto zur Verfügung gestellt hatte.

Auf der Suche nach neuen Partnern für Friedensprojekte hatte ich die Jugendgruppe Knua We Turu und den Youth Peace Club kennen gelernt. Deren Leiter Gil Boavida und Euclides Guterres schlugen aus ihren Reihen die ersten Bewerber vor. Als Steuerungskomitee entwickelten sie gemeinsam die drei bis heute geltenden Antragskriterien: (1) Armut der Familie, (2) halbjährlicher Leistungsnachweis mit mindestens 2,5 Punkten sowie (3) eigenes soziales Engagement. Außerdem begannen sie mit der ebenfalls bis heute geübte Tradition, alle Stipendiaten zweimal im Jahr zur „Generalversammlung“ einzuladen, auf der allgemein interessante Themen und auch stipendienbezogene Probleme diskutiert werden. Hier werden auch immer Freiwillige gesucht, die einen Beitrag für den nächsten Newsletter schreiben, um die Freunde in Deutschland zu informieren und für die weitere Unterstützung zu motivieren.

Von Beginn an gab es eine Zusammenarbeit mit der DOTG. Schon bald wurde das Stipendienprogramm als offizielles Projekt der DOTG anerkannt und zunehmend auch mit Spenden von DOTG Mitgliedern finanziert.“

Nach der Auflösung der DOTG wird das AAE Stipendienprogramm seit 2019 von der Stiftung Asienhaus weiter betreut. Vor Ort übernimmt das Steuerungskomitee die Aufnahme neuer Stipendiaten, die halbjährliche Auszahlung der der Stipendiengelder sowie die Einberufung der jährlichen Hauptversammlung und die Koordination einer gemeinsamen sozialen Arbeit. Zudem sichert es die Kommunikation mit den Partnern in Deutschland. Alfons Schabarum selbst, der mittlerweile in Bali ansässig ist, fungiert als deutscher Ansprechpartner vor Ort. Die Stiftung Asienhaus kümmert sich um die notwendigen Spendergelder und um die finanztechnische Abwicklung des Programms. Jährlich wird am Ende des Jahres über die Fortschritte im Programm über diese Webseite berichtet. (Hier gehts zum Jahresbericht)

Ein Stipendiat erhält in der Regel 120 USD pro Halbjahr, was ca. 200 Euro im Jahr entspricht. Mit dem jetzigen Spendenaufkommen können in der Regel 20 Stipendiaten im Jahr gefördert werden.

Helfen Sie mit, einen kleinen Beitrag zur Entwicklung des Landes zu leisten! Unterstützen Sie das Programm mit Ihrer regelmäßigen Spende!

 

 

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