12.06.2018

Blickwechsel Timor-Leste: Das historische Narrativ ausgleichen

2015 traf sich Premierminister Rui de Araujo mit einer Gruppe von "gestohlenen Kindern", die im Rahmen einer Familienzusammenführungen von Indonesien nach Timor-Leste gebracht wurden. Ein Jahr später unterzeichnete er ein Dekret zur Gründung eines Instituts für die Erinnerung.

Premierminister de Araujo bei der Gedenkveranstaltung für die Opfer am Jahrestag der indonesischen Invasion, 7. Dezmeber 2017 ©ACbit

2015 veranstaltete die regionale Menschenrechtsorganisation Asia Justice and Rights (AJAR) die erste Familienzusammenführung mit den »gestohlenen Kindern« in Dili, Timor-Leste. Osttimores*innen, die während der Besatzungszeit durch Indonesien (1975–1999) als Kinder nach Indonesien gebracht wurden, hatten jahrzehntelang jeglichen Kontakt mit ihren Familien verloren. Die Suche nach ihnen und ihren Familien wird in den zwei Ländern von einer Gruppe von zivilgesellschaftlichen Organisationen durchgeführt.

Nachdem sich im Mai 2015 14 »Kinder« auf den Weg nach Dili gemacht hatten, kam eine überraschende Anfrage vom Büro des Premierministers: Es hieß, der Premier Dr. Rui Maria de Araújo würde sie gerne treffen. Bei besagtem Treffen eröffnete er der Runde, dass auch seine Schwester eines der gestohlenen Kindern, die während der Besatzung verschwanden und nie wieder gesehen wurden, gewesen war. Ein Jahr später unterzeichnete er das Dekret 2016/48 über die Gründung eines Instituts für die Erinnerung. Nach einer Namensänderung wurde dies zu Centro Nacional Chega!. Die Zukunft des Institus wird stark von einem engagierten Premierminister abhängen.

Ein Beitrag von Laura Faludi.

Schlagworte: Gerechtigkeit, Menschenrechte, Timor-Leste, Osttimor