Sandabbau in Südostasien: Menschenrechtsverletzungen und Verlust von Ökosystemen

In einem neuen Projekt widmet sich die Stiftung Asienhaus den Auswirkungen des Sandabbaus in Südostasien. Damit sollen Grundlagen für eine langfristige Auseinandersetzung mit dem Thema gelegt werden.

Sand wird weltweit gebraucht. Sein Abbau beeinträchtigt Mensch und Umwelt, Bild aus Koh Kong, Kambodscha (Foto: LICADHO).

Der Rohstoff Sand ist weltweit nach Wasser die meistgebrauchte Ressource. Und die globale Nachfrage nach Sand steigt weiter. Damit nehmen auch die drastischen Folgen seines Abbaus für Mensch und Umwelt zu: Land geht verloren, Strände und ganze Inseln verschwinden, die Biodiversität in Küstengebieten, Feuchtgebieten und Flüssen wird zerstört, Lebensgrundlagen für die in den Abbaugebieten lebende Bevölkerung geht verloren, die Landwirtschaft wird beeinträchtigt. Beim Abbau kommt es zudem zu Menschenrechtsverletzungen.

Sandabbau in Südostasien

Auch in Südostasien steigt die Nachfrage nach Sand, insbesondere angetrieben durch einen Bauboom. Infrastrukturprojekte und neue Gebäude in den wachsenden Städten der Region brauchen Beton und damit Sand. Aufgrund des massiven Abbaus und Verkaufs in andere Länder haben einige südostasiatische Länder den Export von Sand verboten, mitunter findet dieser nun illegal statt.

Und selbst auf Sand angewiesen, bauen die Staaten den Rohstoff weiter intensiv für den nationalen Verbrauch ab. Eine besondere Rolle spielt das ‚wachsende‘ Singapur, das zum einen Gebäude baut, und zum anderen Landflächen durch Sand zugewinnt. Der kleine Stadtstaat muss hierfür weiter riesige Mengen an Sand importieren.

Vielfältige Folgen für Mensch und Umwelt in Indonesien und Kambodscha

Kambodscha ist einer der wichtigsten Sandproduzenten in Südostasien, die Mehrheit des gewonnenen Sandes im letzten Jahrzehnt wurde v.a. nach Singapur verschifft. Der Sandexport ist mittlerweile seit 2017 verboten und offiziell soll Sand nicht mehr großflächig abgebaut werden. Sandabbau findet jedoch weiterhin in größerem Maßstab statt, auch außerhalb vergebener Konzessionen.

Auch in Indonesien ist Sandabbau lukrativ und die Ressource reichlich vorhanden. Dort wird in verschiedenen Regionen zu Land und am bzw. im Wasser Sand gewonnen. Beim Abbau von Sand im Meer werden die Ökosysteme der Küstenabschnitte und maritimer Lebensraum zerstört: Korallenriffe und Land geht verloren, Strände verschwinden, da der Sand weggenommen wurde oder durch den entnommenen Sand die Küstenböschungen ins Meer abrutschen. So sind im indonesischen Archipel schon ganze Inseln für den Sandabbau verschwunden. Aber auch der Abbau an Land und Flüssen hat negative Folgen für die Umwelt und gefährdet die Lebensgrundlagen der jeweils betroffenen lokalen Bevölkerung.

Publikationen, Netzwerkarbeit und Gespräche

Das Pilotprojekt möchte auf die Problematik des Sandabbaus an Beispielen in Asien aufmerksam machen. Neben einer laufenden Informationsarbeit über Webseite und soziale Medien sollen im Herbst 2021 mehrere Publikationen zu Sandabbau erscheinen. Diese sollen einen Überblick über die Problematik und Herausforderungen von Sandabbau geben, die Situation der Region, besonders in Indonesien und Kambodscha, aufzeigen sowie sich einzelnen Fallstudien zuwenden. Hierzu sollen Stimmen von Partner:innen im Globalen Süden sowie Wissenschaftler:innen eingebunden werden.

Weiterhin werden Fachgespräche und Veranstaltungen stattfinden. Die beteiligten Akteure aus Deutschland und Südostasien sollen sich dabei vernetzen und Wissen teilen, ein internationales zivilgesellschaftliches Netzwerk soll dabei entstehen. In Deutschland soll das Thema auch zukünftig kritisch in der entwicklungspolitischen Arbeit und im öffentlich Diskurs begleitet werden. Innerhalb der Stiftung Asienhaus soll Sand auch hierzu in der AG Ressourcen integriert und etabliert werden.

Das Projekt wird von Raphael Göpel koordiniert. Er ist über E-Mail und telefonisch über 0221-716121-25 zu erreichen.

'Sandabbau in Südostasien' wird mit Mitteln der Heinrich-Böll-Stiftung finanziert.

Schlagworte: Sand, Rohstoffe, Ressourcen, Kambodscha, Indonesien

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