24.10.2018

Call for Papers: Geisterglaube in Südostasien

Geisterglaube ist fest im Alltag der Menschen in Südostasien verwurzelt. Entgegen der Annahmen klassischer Modernisierungstheorien sind Geistervorstellungen in Südostasien auch im Zuge von Modernisierung und wirtschaftlichem Aufschwung nicht verschwunden.

Call For Papers – Geisterglaube in Südostasien

Vordergründig am präsentesten ist sicher der Ahnenkult in seinen lokal sehr unterschiedlichen Ausprägungen. Verstorbene Verwandte bzw. ihre Geister werden geehrt, indem ihnen Rituale und Opfergaben gewidmet werden. Schlagzeilen machen immer wieder auch Fälle von Geisteraustreibungen, mittels derer Menschen, die aus dem „normalen“ Raster fallen, „behandelt“ werden.

Geistervorstellungen spielen in Südostasien jedoch auch eine Rolle beim Umgang mit gewaltvoller Geschichte (Indonesien 1965, Rote Khmer in Kambodscha) und können als ein Weg betrachtet werden, mit Gewaltereignissen und Traumata umzugehen. Oft sind Orte wie Foltergefängnisse oder Massengräber Orte an denen es angeblich spukt.

Auch politische Führer*innen in Südostasien haben mitunter einen Draht zum Übernatürlichen. Wahrsager*innen und Horoskop-Deuter*innen haben vor Wahlen Hochkonjunktur.

Geister scheinen auch wichtig als Verbündete im Widerstand gegen unerträgliche Verhältnisse. So sind zum Beispiel Arbeiter*innen in Fabriken bei Überlastung plötzlich „besessen“ von einem Geist und die Produktion muss dann stoppen. Beim Naturschutz betonen wiederum indigene Akteure das „Recht der Geister“, mit denen sich die Menschen arrangieren sollten. Geisterglaube wird jedoch auch von Unternehmen genutzt, z.B. wo Schamanen von Minenbetreibern engagiert werden, damit sich die heimischen Arbeiter unter die Erde trauen, oder wo „Ortsgeister“ zwecks „Investitionsmaßnahmen“ schlicht umgesiedelt werden.

Auch in der Populärkultur sind Geister natürlich sehr präsent. Es gibt unzählige Filme, Fernsehserien und Horrorbücher, in denen bekannte Geisterfiguren aufgegriffen werden. Oft sind mit diesen auch Bedeutungen von Marginalisiertem und vermeintlich Bedrohlichem (Natur, Frauen, Minderheiten, der Nacht,…) verbunden. Geisterkonzepte sind in der Popkultur sehr wirkmächtig, da sie Wahrnehmungen großer Teile der Bevölkerung prägen.

Folgende (und weitere) Fragen wollen wir in der kommenden Ausgabe behandeln:

  • Wie gehen Menschen in Südostasien im Alltag mit Geistern um? Wie „arrangieren“ sie sich mit ihnen? In welchen unterschiedlichen Alltagssituationen werden unterschiedliche Geister „bemüht“?
  • Was erzählen Geistergeschichten über den Umgang mit der Vergangenheit? Welche Narrative über Unsagbares und Schauderhaftes liegen dem Geisterglauben zu Grunde?
  • Wo finden sich Geister in ökologischen und politischen Verhältnissen, wie und warum werden sie zu Akteuren?
  • Wie werden mit Mitteln der Populärkultur aktuell Geister-Geschichten lebendig gehalten? Welcher Narrative und welcher Stilmittel wird sich dabei bedient?

Wir möchten uns diesen Fragen in möglichst vielen verschiedenen Darstellungsformen widmen: Reportagen, Analysen, Portraits, Interviews oder auch Foto-Essays.

Wir freuen uns auf eure Ideen!

Schlagworte: Südostasien

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