China-AG zu Wissenschaftskooperationen

Beim Treffen der China-AG am 15. Juni 2021 standen deutsch-chinesische Wissenschaftskooperationen im Mittelpunkt. Zwei Kurzimpulsen folgte eine aktive, kritische und kontrovers geführte Diskussion von der Praxis, über die Politik bis zum Diskurs. Ein Kurzbericht.

Sun Yat-sen University Science Park, Guangzhou, China

Kritik am status quo

Den Auftaktimpuls setzte eine Umfrage unter allen AG-Teilnehmer*innen. Es ergab sich ein breites Meinungsbild zum status quo deutsch-chinesischer Wissenschaftskooperationen; zwischen Zensur und Selbstzensur, der Arbeit der Konfuzius-Institute, der Motivation Kooperationen mit chinesischen Partner*innen einzugehen und dem intergenerationellen Austausch zu China unter Wissenschaftler*innen. In einem zweiten Impuls wurde kritisch auf die fehlende Wissenschaftsfreiheit in China, Drittmittelabhängigkeiten und fehlende Finanzierungstransparenz in der deutschen Hochschullandschaft geschaut.

Die anschließende Diskussion offenbarte vor allem vier Problempunkte im Kontext deutsch-chinesischer Wissenschaftskooperationen:

Was bedeutet "Dialog mit China" noch?

Während die China-AG einen guten Raum bot, um sehr kontrovers und dennoch respektvoll miteinander zu diskutieren, haben viele Dialogmechanismen mit chinesischen Partner*innen diesen Wert für einige Teilnehmer*innen vollständig verloren. Es wurden mit Blick auf die fehlende Wissenschaftsfreiheit in China Dialog und Kooperationen in diesem Bereich grundsätzlich in Frage gestellt. "Dialog mit China" hat an sich durch die politischen Einschränkungen in China eine Entwertung erfahren. Auf der anderen Seite trifft diese Entwertung auch jene Kooperationen, die Menschen aus China und Deutschland noch konstruktiv zusammenbringen können.

Wohin entwickelt sich der China-Diskurs?

Sehr unterschiedlich wurde der aktuelle China-Diskurs in Deutschland bewertet. Während die eine Seite Stimmen in den Medien hervorhob, die die bestehenden Herausforderungen mit China relativieren oder sogar mit Formulierungen der chinesischen Regierung ignorieren, betonte die andere Seite die zunehmende pauschale Verurteilung von Sinolog*innen und Dialogschaffenden sowie die mediale Wortführerschaft von Think Tanks. Das Plädoyer gegen Polarisierung der Deutschen Gesellschaft für Asienkunde und die fehlende eindeutige Positionierung wurde von einigen Teilnehmer*innen stark kritisiert.

Welche Rolle spielen Sinolog*innen?

Sinolog*innen in Deutschland wurden ganz allgemein für ihre Zurückhaltung in der Öffentlichkeit mit Blick auf Entwicklungen in den deutsch-chinesischen Beziehungen kritisiert. Es wurde offensichtlich, dass es ganz grundlegende Unterschiede im Rollenverständnis von China-Wissenschaftler*innen unter den Teilnehmer*innen gibt: von Specialists über Public Intellectuals bis zu Activist Academics. Auf der anderen Seite gab es Teilnehmer*innen, die die aktive und kritische Debatte über China-Themen unter Sinolog*innen hervorhoben und auf das Mitdenken der Situation von chinesischen Wissenschaftskolleg*innen hinwiesen.

Wie wird zu China gearbeitet?

Klar und deutlich wurde in der Diskussion, welche methodische Bandbreite Wissenschaftler*innen, die zu China arbeiten, vertreten: von der Feldforschung vor Ort in China über die Distanzforschung auf Basis von Internetrecherche bis zur offen politischen Aktivismusforschung. Es wurde offensichtlich, dass es mehr Austausch und gegenseitiges Verständnis unter den sehr verschieden arbeitenden Wissenschaftler*innen braucht. Die politischen und menschlichen Herausforderungen für die Arbeit mit und in China werden in Zukunft steigen.

Die China-AG wird sich am 14. September 2021 um 19 Uhr zum Thema "Zivilgesellschaftliche Kooperationen mit China" wieder treffen. Ein Einladungslink für Zoom folgt noch.

Termine

27.10.2021 | Online-Event
13.11.2021 | Online-Event
14.12.2021 | Online-Event

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