08.10.2020

Leitfragen zur Hochschulkooperation mit China

Im Zuge der Polarisierung des China-Diskurses müssen sich vor allem Personen, Institutionen und Organisationen, welche direkt mit chinesischen Akteur*innen kooperieren, politisch positionieren. Dazu veröffentlichte die Deutsche Gesellschaft für Asienkunde ein "Ein Plädoyer gegen Polarisierung". Auch wir äußerten uns in einem Beitrag.

Sun Yat-sen University Science Park, Guangzhou, China

Dem wieder und wieder geforderten Aufbau von China-Kompetenz in Deutschland begegneten einige der deutschen Führungspersonen hinter den Konfuzius-Instituten mit der Forderung, die Rolle der Institute im wissenschaftlichen Austausch auszubauen. Nun liegen zudem "Leitfragen zur Hochschulkooperation mit der Volksrepublik China" von der Hochschulrektorenkonferenz (HRK) vor.

Die Leitlinien offenbaren Parallelen zu Fragestellungen im zivilgesellschaftlichen Austausch mit China. Wo zivilgesellschaftliche Akteur*innen Strategien für enabling spaces suchen, so z.B. in der "Scanning the Horizon"-Initiative unseres Kooperationspartners: International Civil Society Centres (ICSC), möchte die HRK "proaktiv Möglichkeitsräume aufzeigen". Problematisch ist, dass die HRK, im Gegensatz zum "China Sector Guide" des ICSCs, ihre Leitfragen nicht direkt mit den strukturellen Rahmenbedingungen verknüpft. Diese werden zwar kritisch in den einleitenden Hintergrundnotizen angesprochen, fehlen aber in der Konkretisierung der Leitfragen. Sehr deutlich wird dies beim Punkt "IV. Gemeinsam Lehren, Lernen und Forschen". Die deutschen Hochschulen können "die Freiheit von Forschung und Lehre" in Kooperationen mit China nicht gewährleisten. Universitäten in China spielen eine zentrale Rolle als "Festungen der Parteiführung" im Reideologisierungsprozess unter Xi Jinping. Deutsche Hochschulen können lediglich versuchen freie Räume zu identifizieren bzw. offen zu halten.

Die Leitlinien der HRK verdeutlichen, was für immense Ressourcen deutsche Hochschulen für Kooperationen mit China benötigen und wie kompliziert die Aufrechterhaltung des wissenschaftlichen Austausches ist. Dabei kann nur von Kooperationsprojekt zu Kooperationsprojekt entschieden werden, ob eine Wissenschaftskooperation mit China politisch tragbar und wissenschaftlich wertvoll ist. So wie die Rahmenbedingungen für einzelne Projekte und die Position der Projektpartner*innen differenziert bewertet werden müssen, so müssen auch die bildungspolitischen Entscheidungen auf der Makroebene des chinesischen Staates mitgedacht werden. In diesem Sinne braucht es mehr unabhängige Chinazentren an deutschen Hochschulen und eine engere Vernetzung von Akteur*innen, die in der Kooperations- und Dialogarbeit mit China tätig sind.

Schlagworte: EU, Menschenrechte, Europa, China, Deutschland

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