Neustart der China-AG

Mit einem Treffen am 16. März 2021 wurde die China-AG der Stiftung Asienhaus neu belebt. Ausgehend von den länderübergreifenden Gesprächen auf Clubhouse Anfang Februar tauschten sich die Teilnehmer*innen zum digitalen Raum, Zensur und Zivilgesellschaft in China aus. Ein Kurzbericht.

Blick auf den digitalen Raum in China

Die rasante Verbreitung und explosionsartige Nutzung der Audiochat-App Clubhouse mit darauffolgender Sperrung durch die Zensurbehörde zeigt, dass der digitalen Raum in China genau beobachtet werden muss. Online zu sein stellt eine tägliche Praxis des Lebens für die Zivilgesellschaft in China dar – sei es bei Bezahlungen, der Inanspruchnahme von Dienstleistungen oder der Kommunikation.

Das chinesische Internet ist allerdings potenziell komplett überwacht und auch die Sperrung der Messenger-App Signal zeigt, dass die Thematik der Internetzensur hochaktuell ist. Doch wie im Fall von Clubhouse öffnet sich von Zeit zu Zeit und unerwartet ein digitales Fenster in den unzensierten zivilgesellschaftlichen Diskurs. Wenn auch nur für kurze Zeit waren Diskussionen um Themen, die andernfalls ein Tabu im öffentlichen Raum darstellen, möglich. Hierbei war es nicht überraschend, dass Clubhouse überhaupt gesperrt wurde, sondern dass dieses "Ventil" des aktiven politischen Austauschs über den Zeitraum einer Woche offen war und erst nach acht Tagen geschlossen wurde.

Die Teilnehmer*innen der China-AG diskutierten in diesem Kontext darüber, ob die chinesische Regierung womöglich ein Interesse an diesem ungefilterten Einblick in die aktuelle, gesellschaftliche Stimmungslage gehabt haben könnte und deswegen zunächst nicht einschritt.

Umfassendes Interesse an der Diskussion sensibler Themen

Allerdings muss beachtet werden, dass Clubhouse nicht ausschließlich als Ort des politischen Dialogs anzusehen ist und sich erst im Rahmen zunehmender medialer Aufmerksamkeit zu einem signifikanten Medium kontroverser Debatten herausstellte. So begannen beispielsweise die Teilnehmer*innen eines taiwanesisch moderierten Clubhouse-Raums von individuellen Reiseerfahrungen zu berichten, bevor später politische Themen hinzukamen. Diese reichten unter anderem von der Problematik um Taiwan über die Dominanz Han-chinesischer Sichtweisen bis hin zur LGBTQI-Community.

Es wurde deutlich, dass ein umfassender Wunsch nach Austausch zu Themen, die im öffentlichen Raum andernfalls nicht diskutabel sind, herrscht. So wurden während der Woche, in welcher Clubhouse zunehmend als digitales Diskussionsforum zu sensiblen Themen genutzt wurde, Einladungen für die Nutzung der App aufgrund der massiven Nachfrage zu erstaunlichen Preisen im Internet verkauft. Erst als im Rahmen dieses Austauschs eine Vielzahl von Teilnehmer*innen politische Narrative infrage stellen konnten, wurde Clubhouse gesperrt.

Blick in die Zukunft

Besonderes Interesse legte die China-AG zudem auf die Zukunft von Audiochatdiensten in China. So scheinen alternative Programme, welche Pendants zu ausländischen Apps wie Clubhouse bilden könnten, bereits Schwierigkeiten auf dem chinesischen Markt zu haben: nur zwei Wochen nach der Veröffentlichung der Audiochat-App Duihuaba entfernte der Hong Konger Entwickler Inke diese wieder aus den App Stores.

Insbesondere vor dem Hintergrund, dass die von Clubhouse verwendete Sprachverarbeitungssoftware ursprünglich von einem chinesischen Unternehmen entwickelt wurde, ist die mögliche Vereinbarkeit von Internetzensur und audiobasierten Chaträumen weiterhin zu beobachten. Inwieweit sich diesbezüglich die Audiozensur entwickeln wird und ob intelligente Programme zukünftig Audiogespräche nach sensiblen Begriffen durchsuchen können, ist noch nicht abzusehen. In diesem Kontext stellt sich der China-AG vor allem die Frage, in welche Richtung sich das inhaltliche Kontrollregime entwickeln wird und ob mit dem zunehmenden technischen Fortschritt eine Rückkehr zu liberaleren Zeiten überhaupt noch möglich sein wird.

Die China-AG wird sich am 15. Juni 2021 um 19 Uhr zum Thema "Wissenschaftskooperationen mit China" wieder treffen. Ein Einladungslink für Zoom folgt noch.

Imke Neiteler

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