Presseschau Myanmar 13. - 15. März 2021, Brennende Fabriken und harsche Reaktionen des Militärs

Blutigstes Wochenende der Proteste, chinesische Fabriken brennen nieder, CRPH ruft zum Widerstand auf und Thailand richtet Flüchtlingscamps ein.

Demonstrant*innen sind weiter auf der Straße (Foto: Stiftung Asienhaus)

Proteste

Freitag Abend versammeln sich Demonstrant*innen vor einer Polizeistation in Yangon, um die Freilassung von vier Jugendlichen zu fordern. Diese waren am Vortag im Rahmen eines Sit-Ins verhaftet worden. Die Polizei schießt mit scharfer Munition auf die Menge und tötet mindestens zwei Personen. In einem anderen Stadteil verstirbt mindestens eine weitere an Schusswunden.

Im Verlauf des Samstags greifen die Sicherheitskräfte verstärkt gegen Sit-Ins und Mahnwachen durch. Allein in Sein Pan sterben fünf Demonstrant*innen und viele werden schwer verletzt.  In Hlaing Tharyar brennen drei chinesische Textilfabriken. Die Brandursache ist unklar. Laut chinesischen Medien soll jedoch eine zwanzigköpfige Gruppe auf Motorrädern die Brände gelegt haben. Ob es sich dabei um Truppen des Regimes oder um Demonstrant*innen handelt, ist unklar. Die Junta nimmt dies als Anlass, härter gegen die Protestierenden vorzugehen.

Im Zuge des Sonntags wird das Durchgreifen der Sicherheitskräfte noch drakonischer: Myanmar Now berichtet von 30 bestätigten Todesfällen allein in vier townships in Yangon. Laut The Irrawaddy sterben am Sonntag mindestens 73 Demonstrant*innen, was diesen Tag zum bisher blutigsten der Proteste macht. Am Montag werden weitere 15 Protestierende erschossen, was die Zahl der bei Protesten Getöteten auf 183 bringt.

Innenpolitisch

Samstag Abend äußert sich Mahn Win Khaing Than, ehemaliger Parlamentssprecher und jetzt Vizepräsident der Untergrundregierung CRPH. Er ruft zu weiterem Widerstand und einer gemeinsamen Revolution gegen das Militär auf. Die Rede kann auf burmesisch in diesem Facebook-Post angesehen werden. Die taz veröffentlicht einen Kommentar zu Inhalt und Bedeutung des Aufrufs.

Sonntag Abend wird in zwei industriell geprägten townships das Kriegsrecht ausgerufen. Nach besonders intensiven Auseinandersetzungen sei dies, laut Staatsfernsehen, das effektivste Mittel, um wieder für Ruhe und Sicherheit zu sorgen. Die oben erwähnten Fabriken befinden sich in einem dieser Viertel und es sollen, ebenfalls nach Berichten des Staatsfernsehens, insgesamt 5 Fabriken zerstört worden sein. Es scheint unabhängigen Quellen weiter unklar, wer dafür verantwortlich ist.

Die Tagesschau berichtet von der Situation der Journalist*innen in Myanmar: Offiziell gibt es nur noch das staatliche Fernsehen MRTV und den Sender der Armee. Kritische Journalist*innen gehen in den Untergrund und können dank ihrer Smartphones sowie über soziale Medien berichten.

Internationale Reaktionen

Die Militärregierung Thailands plant temporäre Flüchtlingscamps in Ranong und Chumphon einzurichten. Maj Gen Santi Sakuntak, Kommandant der Thep Satri Task Force, kündigte an, Geflüchtete aus humanitären Bedenken aufzunehmen, sie aber wieder zurückzuschicken, sobald sich die Lage in Myanmar normalisiert habe.

Analysen

Khin Khin Mra schreibt auf new mandala über den feministischen Kampf an mehreren Fronten. Frauen kämpfen nicht nur gegen die Diktatur, sondern lehnen sich gleichzeitig gegen die patriarchalischen Normen in Myanmar auf.

Bei Myanmar Now gibt Esther Wah einen Einblick in die Perspektive der ethnischen Minderheiten auf den Putsch. Sie sind von der Machtübernahme des Militärs, das schon lange in Konflikte mit den Minderheiten verstrickt ist, besonders gefährdet. Auch über die Gewalt gegen die Proteste hinaus droht ihnen weitere Repression. Ihrer Meinung nach könnte dieser geteilte Moment des Leids allerdings auch für mehr Verständnis für die Probleme und Anliegen der Minderheiten sorgen.

Frontier Myanmar liefert zwei interessante Artikel:
Einen zu den Auswirkungen der CDM auf den Außenhandel, der fast zum erliegen gekommen ist.
Und einen weiteren über die Organisation der frontliners, jene Demonstrant*innen, die mit Schilden an vorderster Front stehen und versuchen die Proteste gegen die Sicherheitskräfte zu verteidigen.