07.01.2020

Historiographien des osttimoresischen Widerstands

Mit einem massiven Programm an Bildungsangeboten sollte Osttimors Jugend gegen Ende der 1980er Jahre in indonesischen Einheitsstaat integriert werden. Statt dessen gründete sich am 20. Juni 1988 in Denpasar, Bali, die RENETIL, die erste Organisation des studentischen Widerstandes.

Aufnahme auf einer der jährlichen Gedenkfeiern anlässlich des Santa Cruz-Massakers

Die Rolle dieser Generation war im Kampf gegen die indonesische Besatzung sehr entscheidend. Doch in der heutigen postkolonialen Geschichtsschreibung in Timor-Leste wird sie nur selten erwähnt. Nun versuchen zwei Aufsätze dies zu ändern.

Ivo Mateus Goncalves gibt nun eine kurze Zusammenfassung über die Entstehung und den Einfluss dieser Bewegung, und versucht sie in einen historischen Kontext einzuordnen. Nachdem erste Massenproteste auf brutale Gegenreaktionen des Militärs stießen, solidarisierte sich eine zunehmende Zahl von Student*innen mit den Protestierenden. Es waren die Student*innen und die Jugend, die in ihrer Dynamik dafür sorgten, dass der Widerstand gegen die Besatzung über die Jahre nicht abflaute und es war die Stimme dieser Generation, die die osttimoresische Unabhängigkeit entscheidend prägte.

Marcus Bussey hat in Dili dem Comité Orientador 25 die neohumanistische Historiographie vorgestellt. Sie basiert auf einem auf Befreiung ausgerichteten Geschichtsbild, das sich in einem Kreislauf von 4 Phasen abspielt. Zunächst kommt eine Phase des Aufbaus und Wachstums, dann folgt der Kampf gegen die Ungerechtigkeit. Anschließend wird beobachtet und erklärt und schließlich bewertet und verteilt.
Unter diesen Annahmen rekontextualisiert Bussey die Geschichte des Widerstands und hebt die Bedeutung der Jugend in diesen Entwicklungen, damals wie heute, hervor.

Hier ist Goncalves Artikel auf newmandala.org
Und hier ist Busseys Aufschlag auf medium.com

Schlagworte: Geschichte, Indonesien, Osttimor, Widerstand, Zivilgesellschaft