16.08.2019

Timor-Leste, 20 Jahre später

Feierlich begeht Timor-Leste in diesem Monat den 20. Jahrestag des Referendums: Am 30. August 1999 stimmten 78,5% der Bevölkerung für eine Loslösung von Indonesien. Die Timores*innen zahlten einen hohen Preis für ihre Unabhängigkeit. Mica Baretto Soares wirft einen Blick auf die Entwicklung des Landes.

 

Auf dem Weg in die Zukunft © Monika Schlicher

 

Die Ereignisse nach dem von den Vereinten Nationen durchgeführten Referendum erschütterten die Welt. Schätzungsweise 1.500 Menschen wurden getötet, mehr als 300.000 Menschen ins benachbarte Westtimor vertrieben. "Mehr als 80% unserer Infrastruktur wurde zerstört und in Trümmern zurückgelassen." Eine von Australien angeführte internationale Truppe (INTERFET) intervenierte, um die Sicherheit wiederherzustellen.

In den letzten 20 Jahren wurde viel Geld für den Wiederaufbau des Landes eingesetzt. In vielerlei Hinsicht habe die jüngste Nation Südostasiens positive Veränderungen vorgenommen, und in einigen Bereichen habe sie die Erwartungen übertroffen: "Sie hat die Grundlagen für wichtige staatliche Institutionen gelegt, ein Umfeld für Meinungsfreiheit geschaffen, Frieden und Stabilität gesichert, sich mit Indonesien versöhnt, einen Erdölfonds eingerichtet, einen Fahrplan für die nationale Entwicklung entwickelt und eine Infrastruktur für den Verkehr und die Grundversorgung aufgebaut."  2018 wurde Timor-Leste im Demokratieindex der Economist Intelligence Unit als das demokratischste Land in Südostasien eingestuft.

Die positiven Veränderungen treffen nicht auf alle Bereich zu: Grundversorgungsleistungen wie Zugang zu sauberem Wasser und Gesundheitsversorgung fehlen vor allem in ländlichen Gebieten. Zu wenig, kritisiert Mica Baretto Soares, investiert das Land in Bildung, Landwirtschaft, Tourismus und die verarbeitende Industrie.

Der Wiederaufbau eines Landes sei keine leichte Aufgabe, unabhängig von seiner Größe und seinen Ressourcen. Als Ölförderland mit ausreichenden Einsparungenn sei Geld für Timor-Leste nicht das Thema. Man könne keine umgehende Transformation von einem Land erwarten, das aus der Asche wiedergeboren wurde. Zwanzig Jahre sind keine lange Zeit. "Aber es ist genug Zeit, um die Menschen in den Mittelpunkt der Entwicklung zu stellen, mit all dem Geld, das in den letzten zwei Jahrzehnten ausgegeben wurde. Es gehe nur darum, die richtigen Prioritäten zu setzen und den Plan auszuführen."

Zum Weiterlesen: Mica Barreto Soares; Timor-Leste, 20 years on: What does development look like, two decades after starting over? The Interpreter,  16. August 2019

Schlagworte: Bildung, Unabhängigkeit, Osttimor, Entwicklung