09.02.2020

Call for Paper suedostasien 2/2020: Essen und Trinken

Das Thema Nahrung wirft Fragen der sozialen Gerechtigkeit und Verteilung auf. Während die Nachfrage nach Lebensmittel in Südostasien mit wachsender Bevölkerung und neuen Essgewohnheiten steigt, müssen politische Entscheidungsträger*innen Ernährungssicherheit gewährleisten.

Nicht überall in Südostasien ist der Tisch so reich gedeckt – 63 Millionen Menschen, das sind rund 10 Prozent der Bevölkerung der Region, sind unterernährt. © Lilli Breininger

Essen und Trinken – der Fokus dieser Ausgabe der südostasien befasst sich mit einem essenziellen Bestandteil des menschlichen Lebens. Die internationale Staatengemeinschaft möchte mit der Agenda 2030 und den damit zusammenhängenden 17 Zielen für nachhaltige Entwicklung, die Beendigung des Hungers (Ziel 2) und die Verfügbarkeit von Wasser (Ziel 6) bis zum Jahre 2030 weltweit umsetzen. Währenddessen leiden immer noch schätzungsweise 821 Millionen Menschen global unter chronischem Hunger. In Südostasien sind mit 63 Millionen Menschen rund 10 Prozent der Bevölkerung unterernährt, wobei Frauen und Kinder am stärksten betroffen sind.

Der Export natürlicher Ressourcen durch internationale Lebensmittelkonzerne erschwert den Zugang zu Nahrung für die lokale Bevölkerung. Denn die internationale agro-industrielle Landwirtschaft produziert zwar Rohstoffe für den Export, nicht jedoch Lebensmittel für die Menschen vor Ort. Die Ernährungsunsicherheit steigt somit insbesondere für die Menschen auf dem Land. Soziale Ungleichheit und strukturelle Benachteiligung nehmen zu. Regionale Dürren und Überschwemmungen als Folgen des Klimawandels erschweren die Situation zusätzlich.

Gleichzeitig steht die wachsende urbane Mittelschicht in Südostasien vor Herausforderungen, die mit dem Überfluss an ungesunden und unausgewogenen Mahlzeiten und Getränken einhergehen, wie Übergewicht und Stoffwechselerkrankungen. Mit der Globalisierung der Ernährungssysteme und der Expansion der multinationalen Lebensmittelkonzerne mit ihrer Vielzahl von Produkten verändern sich Essgewohnheiten nicht nur im Norden, sondern auch in Schwellen- und Entwicklungsländern. Wenig verarbeitete Lebensmittel werden durch industriell stark verarbeitete ersetzt, wie Pizzen, Suppen und Fertig-Menüs. Untersuchungen zufolge halten die vier weltweit größten Hersteller von Lebensmittel-Konzentraten in Süd-, Ost – und Südostasien einen Marktanteil von 62 Prozent bei Frühstücksflocken, 43 Prozent bei Babynahrung, 43 Prozent bei Käse und Suppen und 26 Prozent bei Süßwaren.

Essen und Trinken hat auch soziale und kulturelle Dimensionen. Die Art und Weise, wie Nahrung aufgenommen wird und welche Lebensmittel konsumiert werden, spiegeln Kategorien der eigenen Identität, der Zugehörigkeit zu bestimmten sozialen, religiösen oder ethnischen Gruppen. Auch in der Diaspora stellt ‚Essen und Trinken’ eine starke Verbindung zur eigenen Identität und Herkunft her, was z.B. von dem philippinischen Fastfoodunternehmen Jollibee erkannt wurde, welches bis in die USA, Großbritannien und Italien expandiert und sich in der Auswahl der Standorte insbesondere an Ballungszentren der philippinischen Diaspora orientiert.

Asiatisches street food gewinnt zwar weltweit an Popularität; spielt aber für die Bevölkerung Südostasiens eine weitaus größere Rolle, weil es für verschiedene soziale Milieus als Versorgungspunkt fungiert. Ein niedriger Preis, die schnelle Garzeit und relativ gesunde und frische Nährstoffe machen street food seit Generationen in Südostasien attraktiv. Obwohl street food insbesondere in urbanisierten Zentren positive soziale und ökonomische Aspekte für die Bevölkerung aufweist, werden die Produzent*innen/Verkäufer*innen von der Politik häufig marginalisiert.

Mit dem Themenschwerpunkt Essen und Trinken in Südostasien möchten wir also keinen Gourmet-Führer und auch keine Rezeptsammlung zusammenstellen, sondern Aspekte der dargestellten Zusammenhänge durch verschiedene Beiträge konkretisieren und näher ausleuchten.

Folgende Fragen werden uns in der südostasien 2/2020 unter anderem beschäftigen:

  • Wie spiegeln sich soziale und politische Dimensionen im Zugang zu Nahrung wider?
  • Welche Auswirkungen zeigen sich in Bezug auf globale Lieferketten und den Export aus der Region für die lokale Bevölkerung in den Ländern Südostasiens?
  • Inwiefern beeinflusst die Dominanz großer Lebensmittelkonzerne den Zugang zu Nahrung, insbesondere für arme Bevölkerungsgruppen?
  • Wie hängt das Thema Ernährungssicherheit mit weiteren Dimensionen wie Armut, Gesundheit, Teilhabe und Gendergerechtigkeit zusammen?
  • Wie wirken sich Kriege, Konflikte und die Klimakrise auf Hunger und Zugang zu Nahrung aus?
  • Welche langfristigen Folgen ergeben sich aus chronischem Hunger, insbesondere für Frauen und Kinder?
  • Welche kulturellen Dimensionen und Normen spielen in das Essen und Trinken der verschiedenen Bevölkerungs- und Religionsgruppen in Südostasien hinein?
  • Wie steht es um den Zugang zu sauberem Trinkwasser in Anbetracht fehlender Ver-sorgung oder der Tendenzen zu ihrer Privatisierung?
  • Inwiefern fungieren Essgewohnheiten als Identitätsstifter, z.B. für die Diaspora außerhalb Südostasiens?
  • Wie können Essgewohnheiten für Systemkritik und politischen Widerstand genutzt werden?
  • Welche Auswirkungen zeigen sich in Bezug auf globale Lieferketten und den Export aus der Region für die lokale Bevölkerung in den Ländern Südostasiens?
  • Inwiefern beeinflusst die Dominanz großer Lebensmittelkonzerne den Zugang zu Nahrung, insbesondere für arme Bevölkerungsgruppen?
  • Wie hängt das Thema Ernährungssicherheit mit weiteren Dimensionen wie Armut, Gesundheit, Teilhabe und Gendergerechtigkeit zusammen?

Wir möchten uns diesen Fragen in möglichst vielen verschiedenen Darstellungsformen widmen: Reportagen, Hintergrundberichten, Analysen, Portraits von Akteuren, Interviews Foto-Essays und Rezensionen von Filmen/Büchern/Musik zum Thema. Wir freuen uns auf eure Ideen!

Call for Paper als PDF – südostasien 1/2020: Klimawandel: Ursachen, Folgen, Gegenbewegung (deutsch)

Link zur Website des Online-Magazins südostasien

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Deadline für Artikel (max. 10.000 Zeichen) ist der 6. April 2020 (in Einzelfällen und nach Absprache mit der Redaktion ist ggf. auch eine spätere deadline möglich). Bitte vorab bis spätestens 29. Februar 2020 ein kurzes Abstract (max. 1000 Zeichen) an die Redaktion einreichen.

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Kathrin Spenna: kathrin.spenna(at)philippinenbuero.de
Dominik Hofzumahaus: s5dohofz(at)uni-bonn.de
Jörg Schwieger: joerg.schwieger(at)asienhaus.de
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