Nordost Indien: 'Brücke' Süd-, Südost- und Ostasiens

Nordostindien wird als 'Brücke' bezeichnet, die Süd-, Südost- und Ostasien verbindet. Nordostindien hat gemeinsame Grenzen im Nordosten und im Osten mit dem 'Autonomen Gebiet Tibet' Chinas (1.395 km), im Norden mit Bhutan (455 km), im Süden mit Myanmar (1.640 km), im Westen mit Bangladesch (1.596 km) und im Nordosten mit Nepal (97 km).

'Act East Policy'

Die nordostindischen Bundestaaten haben trotz der Gewaltkonflikte in den letzten zwei Jahrzehnten ihre politische und ökonomische Isolation teilweise überwunden. Seit 2014 wird Indien durch die hindunationalistische Partei Bharatya Janata Party (BJP) unter Premierminister Narendra Modi regiert, der nach der Parlamentswahl im Mai 2019 in seinem Amt bestätigt wurde. Das offizielle Ziel der seit 2014 verfolgten 'Act East Policy' der BJP-Regierung ist der Ausbau der internen und grenzüberschreitenden Verkehrsinfrastruktur und des Handels, der Indiens wirtschaftliche Beziehungen zu den ASEAN-Staaten stärken und der regionalen Vorherrschaft Chinas entgegenwirken soll.

Die acht Staaten Nordostindiens


Quelle: https://en.wikipedia.org/wiki/File:Northeast_India_States.svg


Größe und Bevölkerung

Nordost Indien umfasst 8 indische Bundesstaaten – Arunachal Pradesh, Assam, Manipur, Maghalaya, Mizoram, Nagaland, Tripura und Sikkim. Die Fläche beträgt etwa 262.000 km² (Vergleich – Deutschland: 358.000 km²). Nordostindien ist nur durch einen sehr schmalen Landkorridor mit anderen Gebieten Indiens (mainland India) verbunden. Ca. 50 Millionen Menschen leben in der Region Nordostindien, davon ca. 32 Millionen in Assam.

Gewalt-Konflikte

Nordostindien ist seit siebzig Jahren Schauplatz von Gewaltkonflikten zwischen der indischen Regierung und bewaffneten Gruppen, die das Ziel einer größeren Autonomie oder auch die Unabhängigkeit bestimmter nordostindischer Gebiete verfolgen; einige dieser Gruppen verfolgen auch kriminelle Ziele. Es entwickelten sich zahlreiche ethnopolitische Bewegungen, die unabhängig von Gewaltgruppen ebenfalls eine größere Autonomie fordern. Ein Sonderermächtigungsgesetz für Streitkräfte – der Armed Forces Special Power Act (AFSPA) – überträgt den Sicherheitskräften die Befugnis, Menschen auf Verdacht zu erschießen und Verhaftungen ohne Haftbefehle durchzuführen. Es findet Anwendung in Nagaland, Manipur, Assam und Arunachal Pradesh.

'Shrinking Space' und Zivilgesellschaft

Wie in ganz Indien ist die auch Zivilgesellschaft im Nordosten des Landes sehr aktiv und wird von einem Großteil der Bevölkerung unterstützt. Die Arbeit zivilgesellschaftlicher Organisationen gerät in Indien zunehmend unter Druck. Die BJP-Regierung hat mehrere Gesetze zu einer stärkeren Überwachung zivilgesellschaftlicher Akteure verabschiedet und auch angewandt. So erschweren sie die Gründung von NGOs oder stellen sie vor hohe bürokratische Hürden. Viele dieser Gesetze erschweren Möglichkeiten von NGOs, Fördergelder aus dem Ausland anzunehmen. Zivilgesellschaftliche Organisationen in Nordostindien, die auf strukturelle und akute Menschenrechtsverletzungen aufmerksam machen, sind staatlichen Repressalien und Einschüchterungsversuchen ausgesetzt.

Genderspezifische Diskriminierung

Frauenorganisationen in Nordostindien machen seit Jahren auf die vorherrschende geschlechterspezifische Gewalt in der Region aufmerksam. Es existiert eine strukturelle Gewalt gegen Frauen. Sie sind auch Opfer sexualisierter Gewalt im Konfliktkontext. Vergewaltigung als Kriegswaffe ist eine gängige Praxis und wird von staatlichen und nicht-staatlichen Akteur*innen gleicherweise angewandt. Da Frauen noch seltener als Männer über Dokumente (z.B. Geburtsurkunde, Heiratsurkunde, Besitzurkunde etc.) verfügen, haben sie kaum Möglichkeiten, ihre Besitzansprüche bei Fällen von Land Grabbing geltend zu machen.

Rohstoffextraktion und Land Grabbing

Die BJP-Regierung verfolgt seit 2014 mit ihrer 'Act East Policy' offiziell das Ziel, die politischen und sozio-ökonomischen Probleme Nordostindiens zu lösen. Gleichzeitig sollen die geplanten Wasserkraftwerke und die großen Vorkommnisse fossiler (Gas, Erdöl, Kohle) und anderer Ressourcen (Uran) in Nordostindien aber auch den wachsenden Energiebedarf außerhalb Nordostindiens, insbesondere in Nord- und Zentralindien, decken. Nationale, internationale und multinationale Unternehmen und Investoren werden aufgefordert, sich an der ökonomischen Erschließung der Region zu beteiligen. Diese Erschließung ist eng verbunden mit der illegalen Aneignung von Landrechten. Die umfassende indische Gesetzgebung zum Schutz der indigenen Bevölkerung in Nordostindien und in und in anderen Gebieten Indiens werden missachtet, um den Zugang zu Bauland und Ressourcen zu bekommen. Auch innerhalb bzw. zwischen lokalen ethnischen Gruppen und militanten Gruppen wird um Land gekämpft.

Entwicklung und Umweltzerstörung

Nordostindien verfügt über eine weltweit einzigartige Biodiversität. Durch Bau- und Rohstoffextraktionsprojekte werden unter Artenschutz stehenden Tier- und Pflanzenarten sowie Laubwälder der Region gefährdet. Öl- und Uranförderungen kontaminieren den Boden und machen ihn für die Landwirtschaft unbrauchbar. Ebenso betroffen sind die Flüsse. Nordostindien liegt über der indischen und der eurasischen Kontinentalplatte liegt und ist Erdbebengebiet. Der durch die Wassermassen der Wasserkraftwerke verursachte Druck, sowie Sprengungen im Zuge der Rohstoffförderung erhöhen die Wahrscheinlichkeit tektonischer Plattenbewegungen und damit von Erdbeben.

Deutscher Waffenexport

Trotz der gewaltsamen Konflikte in Nordostindien und im Bundestaat Jammu und Kashmir exportiert Deutschland Kleinfeuerwaffen nach Indien, von denen einige auf dem Schwarzmarkt und bei Mitgliedern militanter Gruppen in Nordostindien sichergestellt wurden. So wurde 2013 bekannt, dass die in Assam und Myanmar operierende bewaffnete Gruppe 'United Liberation Front Assam (ULFA)' das deutsche Sturmgewehr Heckler und Koch HK33 zum Kernbestand ihres Waffenarsenals zählt. Die u.a. in Manipur eingesetzte staatliche militärische Spezialeinheit 'Assam Rifles' hat zur Sicherung von Ölfeldern des staatlichen Konzerns ONGC die Handfeuerwaffe MP5 von Heckler und Koch benutzt.

Nordost Indien

Nordost Indien umfasst 8 indische Bundesstaaten – Arunachal Pradesh, Assam, Manipur, Maghalaya, Mizoram, Nagaland, Tripura und Sikkim. Die Fläche beträgt etwa 262.000 km² (Vergleich – Deutschland: 358.000 km²). Nordostindien ist nur durch einen sehr schmalen Landkorridor mit anderen Gebieten Indiens (mainland India) verbunden. Ca. 50 Millionen Menschen leben in der Region Nordostindien, davon ca. 32 Millionen in Assam. 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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