Zeitschrift südostasien: Aktuelle Call for Papers

Hier finden Sie den aktuellen Call for Papers für die Zeitschrift südostasienSeit 2018 erscheint die südostasien als reines Online-Magazin.

Call for Papers südostasien 1/2019: Arbeiter*innenbewegung(en) in Südostasien, 2018

Eine kürzliche Veröffentlichung des Asia Monitor Resource Centre (2017) nannte Asien den „Kontinent der Arbeit“ – eine Charakterisierung, die insbesondere auch auf Südostasien zutrifft. Allerdings bleibt die „Arbeitsseite“ des „Wirtschaftswunders“ in Südostasien gewöhnlich verborgen...

Khmer Arbeiter*innen demonstrieren beim International Labour Day 2015 © LICHADO

Abgesehen von der gelegentlichen Erwähnung größerer Streikbewegungen wird die Arbeiter*innenschaft als Klasse und kollektiver Akteur in politischen Analysen der Region nicht berücksichtigt. Dies trifft auch auf politische Aktivist*innen und eine Zivilgesellschaft zu, die seit einigen Jahrzehnten „Klasse“ als Analysekategorie und kollektive Kämpfe der arbeitenden Klasse als strategisches Element heruntergespielt haben.

Diese Ausgabe der südostasien soll dazu beitragen, diesen Zustand zu berichtigen; einerseits durch die Darstellung von Kämpfen der arbeitenden Klasse, andererseits durch die Betonung ihrer Bedeutung für die soziale und politische Wandel in Südostasien. Wir verstehen dabei die arbeitende Klasse und die Arbeiter*innenbewegung in breitem Sinn, d.h. als Lohnarbeitende in der Industrie, im Dienstleistungsbereich und in der Landwirtschaft – also Arbeiter*innen und Angestellte in formaler wie informeller Beschäftigung – und ihre tagtäglichen („unorganisierten“) Kämpfe, die Gewerkschaftsbewegung sowie verbundene zivilgesellschaftliche Organisationen und politische Parteien.

Wir möchten auch klarstellen, dass die Arbeiter*innenbewegung in diesem umfassenden Sinn sich nicht nur aus Männern zusammensetzt, sondern aus Menschen unterschiedlichen Geschlechts, verschiedener Nationalität und ethnischer Zugehörigkeit sowie unterschiedlicher sexueller Orientierung etc. besteht. Auch wenn gemeinsame Kämpfe die verschiedenen Teile der arbeitenden Klasse vereinen können, so tun sie dies nicht automatisch, sondern Arbeiter*innen können oft durch soziale Differenzierungen, Repression und Diskriminierung uneinig und entzweit sein. Es ist nicht Ziel dieser Ausgabe, die Arbeiter*innenbewegung zu glorifizieren, sondern die gegenwärtige Lage und die aktuell einflussreichen politischen und strategischen Positionen kritisch zu betrachten.

Über das Angebot von Überblicksbeiträgen zu den Arbeiter*innenbewegungen in Südostasien und Analysen der wichtigsten und bedeutendsten Kämpfe der jüngsten Zeit hinaus freuen wir uns insbesondere über Beiträge zu den im Folgenden aufgeführten Themen. Bei der Sammlung dieser Themen ist uns aufgefallen, wie viele davon auch im Zusammenhang zu Herausforderungen der Arbeiter*innenbewegung und Deutschland und Europa stehen. Wir hoffen daher, dass diese Ausgabe interessant und relevant für Aktivist*innen der Arbeiter*innen- und Gewerkschaftsbewegung in Deutschland ist und zu engeren Beziehungen der Verständigung, Analyse und Solidarität beiträgt.

Arbeiter*innenbewegungen und der Aufstieg von faschistischen und autoritären Regimen

Die Zunahme von Faschismus und rechtsgerichtetem, populistischen Autoritarismus ist ein weltweites Phänomen. In Südostasien gehören Duterte in den Philippinen, die Militärregierung in Thailand oder der islamische Faschismus in Indonesien zu den prominenteren Beispielen. Arbeiter*innen- und Gewerkschaftsbewegungen zeichnen sich nicht durch Einigkeit in der Reaktion auf diese Bedrohungen aus. Autoritäre Persönlichkeiten haben Anhängerin der arbeitenden Klasse und einige Gewerkschaften unterstützen aktiv rechtspopulistische oder autoritäre Politiker*innen wie Prabowo in Indonesien oder Prayuth in Thailand. Wie lässt sich diese Unterstützung erklären? Und welche Kräfte innerhalb der Arbeiter*innenbewegung entwickeln antifaschistische Strategien?

Strategien gegen Präkarisierung, Kontraktarbeit und Outsourcing

Präkarisierung, Kontraktarbeit und Outsourcing sind auch in Südostasien wichtige Themen. Wie haben Arbeiter*innenbewegungen auf diese Herausforderungen reagiert? Von welchen erfolgreichen Kämpfen gegen Formen informeller Beschäftigung, für mehr Arbeitsplatzsicherheit, für die Einbeziehung von outgesourcter Beschäftigung wie Heimarbeit in die Kämpfe können wir lernen?

Arbeit und Politik

In Südostasien ist der geringe Einfluss von Arbeiterparteien ein hervorstechendes Phänomen. Dies steht in auffälligem Kontrast zur Situation in der Mitte des vergangenen Jahrhunderts, als kommunistische Parteien gewichtige Kräfte in den Kämpfen für nationale Befreiungen bildeten. Wie lässt sich das Versagen organisierter Präsenz auf heutigem politischen Feld erklären? Und welche politischen Strategien sind gleichwohl in verschiedenen Ländern vorzufinden?

Soziale und politische Ziel der Arbeiter*innenbewegung

Viele Arbeitskämpfe und Streiks drehen sich um höhere Löhne, einem wichtigen Ziel in Anbetracht des Niedriglohnmodells beim Wirtschaftswachstum in der Region. Aber welche weiteren Themen mobilisieren? Welche Rolle spielen die Themen von Gesundheit und Sicherheit am Arbeitsplatz in diesen Kämpfen? Und sind Arbeiter*innen- und Gewerkschaftsbewegungen eine relevante Kraft in allgemeinen Kämpfen wie etwa gegen Freihandelsabkommen oder für Demokratie und Menschenrechte?

Geschlechterverhältnisse / Gender und die Arbeiter*innenbewegung

Frauen machen eine substantiellen Teil der arbeitenden Klasse in Südostasien aus. Arbeiterinnen sind in bestimmten Branchen in der Mehrheit; nicht nur im Bereich von Sorge und Fürsorge, sondern auch in Industriebranchen wie Textil, Bekleidung und Elektronik. Wie setzen sich Arbeiterinnen mit Problemen von Sexismus, sexualisierter Gewalt, der Doppelbelastung durch Lohnarbeit und unbezahlter und geringgeachteter sozialer Reproduktionsarbeit und ihrer mangelnden Vertretung in oft patriarchalen Gewerkschaftsstrukturen auseinander? Welche Kämpfe werden von Arbeiterinnen geführt und ist das Verhältnis zwischen Feminismus und Arbeiter*innenbewegung?

Arbeitsmigrant*innen und ihre Kämpfe

Arbeitsmigrant*innen sind ein wichtiger Teil der Arbeiter*innenbewegung in Südostasien. Oft aber versagen Gewerkschaften dabei, sie zu organisieren und sehen sie manchmal als Konkurrenz zu den einheimischen Beschäftigten an. Wie organisieren sich Arbeitsmigrantinnen über Grenzen hinweg? Wie stellen sie sich zu nationalistischen Positionen und zu rassistischer Diskriminierung innerhalb der Arbeiter*innenbewegung?

Arbeit und Umwelt

In Südostasien gibt es viele Kämpfe gegen Landraub, Monokulturen auf Plantagen, Bergbau und Umweltzerstörung. Wie aber stehen sie in Beziehung zu kämpfen der Beschäftigten in diesen Wirtschaftszweigen? Welche Beispiele gibt es für erfolgreiche Bündnisse zwischen Arbeiter*innenbewegung und Umweltbewegung? Welche Traditionen des „Umweltschutzes der arbeitenden Klasse“ bestehen in der Region?

Wir möchten diese (und weitere) Fragen in so vielen Ausdrucksformen wie möglich behandeln: Reportagen, Portraits, Interviews oder Foto-Essays. Wir freuen uns auf Beiträge. Wir nehmen auch gern kurze Rezensionen von Büchern, Filmen und Musik aus/über Südostasien entgegen.

Deadline: Deadline für Artikel (max. 15.000 Zeichen) ist der 9. Januar 2019. Bitte vorab ein Abstract an die Redaktion einreichen!

Copyright & Copyleft: Copyrightfragen sollten vorab geklärt und die Bilder beschriftet werden (Fotograf und Bildtitel). Grundsätzlich werden alle Inhalte unter einer Creative Commons Lizenz-Namensnennung (CC-BY) veröffentlicht.

Medien: Bitte schick uns zum Artikel passende, qualitativ gute Fotos (min. 1000 px Breite, etwa 300 dpi).

Kontakt zur Redaktion: Oliver Pye: oliver.pye@uni-bonn.de

 

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