Gefahren globaler Zementproduktion

Die Südostasien Informationsstelle informiert mit weiteren Kooperationspartnern über ein Zement-Vorhaben in Indonesien und die Gefahren des Zementabbaus.

Zement-Vorhaben in Indonesien

Im Norden von Zentraljava in Indonesien liegt das Kendeng-Gebirge, eine natürliche Karstlandschaft. Das Gebirge ist Regenwasser- und Kohlendioxidspeicher, reguliert den Wasserkreislauf und versorgt die umliegende Landwirtschaft mit Wasser. Dort ist nun geplant Gestein abzubauen um Zement zu produzieren. Neben indonesischen Firmen will dort ein Tochterunternehmen des baden-württembergischen Konzerns HeidelbergCement eine Zementfabrik bauen. Von der lokalen Bevölkerung, die ihren Lebensunterhalt größtenteils durch Landwirtschaft bestreitet, gibt es massiven Widerstand.

Die globale Zementproduktion 

  • stößt viermal so viel CO2 aus wie der gesamte internationale Flugverkehr
  • ist für 6-9 Prozent der weltweiten CO2-Emissionen verantwortlich.

Weltweit wird jährlich 3x so viel Zement hergestellt als noch im Jahr 2001.

Weitere Informationen dazu, warum Zement so schädlich fürs Klima ist, und welche Auswirkungen der Raubbau an Karstgebirgen für die Zementproduktion in Indonesien hat, bekommt ihr in der ZDF-Doku "Zement- Der heimliche Kilmakiller".

SAMIN vs SEMEN

Dokumentarfilm mit deutschen Untertiteln

Der Dokumentarfilm SAMIN VS SEMEN informiert über aktuelle Pläne, ein Karstgebiet in Zentraljava in Indonesien auszubeuten und für Zementproduktion zu nutzen. Neben indonesischen Firmen will dort ein Tochterunternehmen des baden-württembergischen Konzerns HeidelbergCement eine Zementfabrik bauen.

Kampagne 2018 - Wieder unterwegs in Sachen Zement

Kampagne 2018 - Wieder unterwegs in Sachen Zement...

Auch 2018 informierte die Kampagne deutschlandweit über das Vorhaben von HeidelbergCement.

Auch im Jahr 2018 war die Südostasien-Informationsstelle mit ihren Partnern wieder unterwegs und setzte unermüdlich die Kampagne gegen das Zement-Vorhaben des deutschen Konzerns HeidelbergCement in Zentraljava fort. Dort soll massiv in das Ökosystem eines Karstgebirges eingegriffen werden, dessen Wasserspeicher für die Lokalbevölkerung überlebensnotwendig sind. Außerdem würde der geplante Fabrikbau die Existenz einer indigenen Gruppe, der Samin (Sedulur Sikep) bedrohen.

Indonesischer Umweltaktivist informierte die Öffentlichkeit

Mit dabei auf der Informationstour 2018 war der Umweltaktivist Mokh Sobirin, Direktor der indonesischen NGO Desantara, der die Widerstandsbewegung am Kendeng-Gebirge seit 15 Jahren begleitet.

Sobirin referierte auf dem Asientag in Köln und nahm an Veranstaltungen in Aachen, Göttingen, Frankfurt, Bonn, Berlin und Heidelberg teil. Abschließend sprach er auf der Aktionärsversammlung von HeidelbergCement im Mai 2018.

Die Tour wurde organisiert und/oder unterstützt von: Watch Indonesia!, Südostasien-Informationsstelle, Heinrich-Böll-Stiftung und Misereor. In Aachen unterstützte zusätzlich der AK Indonesia. Die Stiftung Asienhaus unterstützte in Köln und Bonn (mit der Asienhaus Hochschulgruppe), als auch in Heidelberg zusammen mit der Grünen Jugend.

Protest: HeidelbergCement raus aus Kendeng!

Protest vor dem Tagungszentrum Stadthalle in Heidelberg

„Echt. Stark. Grün.“ So lautet der Slogan der HeidelbergCement AG. Doch während der Aktionärsversammlung des Baustoffkonzerns kam es auch in diesem Jahr erneut zu Protesten, die vor allem an dem „Grün“ Zweifel aufkommen ließen. Dank einer Liveschaltung nach Jakarta hörte man vor dem Kongresshaus Stadthalle Heidelberg neben den Protestchorus „HeidelbergCement raus aus Kendeng!“ auch die Protestgesänge indonesischer Aktivist*innen die vor der deutschen Botschaft in Jakarta demonstrierten. Die Protestierenden in Deutschland setzten sich aus Mitgliedern der Grünen Jugend, Watch Indonesia! und der Südostasien-Informationsstelle zusammen und wurden an diesem Tag unter anderem auch von der Stiftung Asienhaus gefördert.

Die Protestaktion war Teil einer Veranstaltungsreihe die von Watch Indonesia! und der Südostasien-Informationsstelle organisiert wurde und von der Heinrich-Böll-Stiftung sowie MISEREOR gefördert wird. Im Rahmen dieser Reihe lud der Aktivist Mokh Sobirin am Vorabend auch zu einer Filmvorführung mit anschließender Diskussion auf den Bergheimer Campus ein. In dem vorgeführten Film „Samin vs. Semen“ wird der Kampf der lokalen Bevölkerung gegen die Zementindustrie bildgewaltig dokumentiert.

Impressionen zu den Kendengvorträgen

Während seiner Reise informierte unser Gast Mokh Sobirin an mehreren Universitäten (Göttingen, Bonn, Frankfurt, Heidelberg) über die Situation am Kendeng-Gebirge und die besondere Lebensweise der Samin, einer indigenen Ökogemeinschaft, die vom Wasser des Kendeng-Gebirges abhängig ist. Außerdem diskutierte Sobirin mit den Studierenden über die Gefahren der globalen Zementproduktion sowie über kreativen Widerstand dagegen.

Vernetzungsreise

 

Der Besuch von Mokh Sobirin diente auch dem Austausch und der Vernetzung mit Aktiven hier. Im Hambacher Forst gab es ein anschauliches Beispiel von industriellem Größenwahn und kreativem Widerstand dagegen. 

Über die Möglichkeiten, lokalen Bioanbau zu betreiben und zu fördern, haben wir uns bei der Solidarischen Landwirtschaft in Hebenshausen informiert.

Spannende Diskussionen zu Zement als Klimakiller hatten wir mit VertreterInnen von Ende Gelände. Und einen Einblick in den Aufbau alternativer Produktionsweisen mit Hilfe von Kollektivbetrieben gaben uns die Menschen von colectivo.

Sobirin war auch auf dem diesjährigen Asientag zu Gast. Im Workshop „Transnationale Solidaritätsarbeit: Gewerkschaftsbewegungen und Proteste gegen Rohstoffausbeutung“ informierte er über den Zementkonflikt in Indonesien, die Entstehung der Bürgerinitiative JMPPK am Kendeng-Gebirge sowie über Möglichkeiten gelebter transnationaler Solidarität.

Protest der indonesischen Aktivistin Gunarti

Die von einer Zementfabrik bedrohte Bäuerin Gunarti aus Indonesien schrieb 2018 einen Brief an HeidelbergCement.

2017 war sie im Rahmen der Kampagne in Deutschland zu Besuch und informierte die interessierte Öffentlichkeit und zivilgesellschaftliche Organisationen über die brisante Lage in Kendeng. Wie akut die Bedrohung der Anwohner am Kendeng-Gebirge nach wie vor ist, schildert Gunarti in ihrem Brief.

Lesen Sie hier Gunartis Brief.

Die Presseerklärung steht hier zum Download bereit.

Kampagne 2017 Roadshow „Samin vs. Semen“

Kampagne 2017 Roadshow „Samin vs. Semen“

Vom 24. April bis zum 12. Mai 2017 führte die Südostasien-Informationsstelle (SOAI) eine Informations- und Protestkampagne zu den Gefahren globaler Zementproduktion im Allgemeinen und der Bedrohung des Kendeng-Gebirges in Indonesien im Speziellen durch. 

Eines der Unternehmen, die am Kendeng-Gebirge eine Zementfabrik errichten wollen, ist HeidelbergCement. Um die deutsche Öffentlichkeit zu informieren, organisierte die SOAI – in Kooperation mit der Heinrich-Böll-Stiftung, Watch Indonesia! sowie Rettet den Regenwald eine Roadshow durch zehn Städte, bei der der Dokumentarfilm „Samin vs Semen“ gezeigt wurde. Der Film war eigens für die Roadshow mit deutschen Untertiteln versehen worden . Die Filmvorführungen wurden begleitet von Gunarti, einer Aktivistin der Bürgerinitiative JMPPK, die in Indonesien (Landkreise Pati und Rembang, Zentraljava) gegen Zementvorhaben kämpft, die ihre Lebensgrundlage als Bauern zu zerstören drohen. Ebenfalls bei der Film-Tour dabei war der Regisseur des Films „Samin vs Semen“ Dandhy Dwi Laksono.

Insgesamt haben in den Städten Göttingen, Hamburg, Bremen, Köln, Berlin, Greifswald, Leipzig, Heidelberg und Freiburg mehr als 500 Menschen den Film gesehen und an der anschließenden Diskussion teil genommen. Das Publikum zeigte sich sehr schockiert von den katastrophalen Auswirkungen der Zementproduktion auf die Umwelt und das Sozialgefüge in den betroffenen Regionen und darüber, dass ein deutsches Unternehmen daran beteiligt ist. Viele Menschen drückten spontan ihre Solidarität aus und versuchten, die Bürgerinitiative JMPPK zu unterstützen – mit Informationen, Spenden und Beteiligung an Protesten.

Protestaktionen im Rahmen der Kampagne

Zwei Protestaktionen wurden im Rahmen der Kampagne durchgeführt. Am 1. Mai sind wir in Berlin im Rahmen der Kundgebung zum Tag der Arbeit auf die Straße gegangen. Am 10. Mai wurde mit Unterstützung der Grünen Jugend Heidelberg eine Protest-Kundgebung vor der Heidelberger Stadthalle durchgeführt, parallel zur dort statt findenden Aktionärsversammlung von HeidelbergCement. In der Aktionärsversammlung nahm unser Gast Gunarti von der JMPPK das ihr von den Kritischen Aktionären eingeräumte Rederecht wahr und gab den Anwesenden ein eindrucksvolles Beispiel, wie massive Ressourcenausbeutung zur Steigerung der Aktionärs-Dividende das Leben der Menschen in Indonesien zerstört . Draußen vor der Stadthalle demonstrierten währenddessen Dutzende Menschen, fünf davon mit einbetonierten Füßen. Mit der Wahl der gleichen Protestform, die JMPPK bereits in Indonesien auf die Straße getragen hatte, drückten wir Solidarität mit dem Kampf der Bürgerinitiative aus – und erregten die Aufmerksamkeit der deutschen Öffentlichkeit. Zahlreiche Medien berichteten über die Aktion und die Film-Road-Show . Die Informationskampagne wurde in Berlin ergänzt durch Gesprächstermine mit Politiker*innen, u.a. mit der Abgeordneten des Europaparlaments, Barbara Lochbihler, die unserem Anliegen ebenfalls Unterstützung zusicherte. 

Die Filmveranstaltungen und Proteste wurden begleitet von intensiver Öffentlichkeitsarbeit. Eine eigens eingerichtete Facebook-Seite wurde fortlaufend mit updates versehen. Grossen Zulauf erhielt während der Aktionen auch die bereits zuvor im Internet eingestellte Petition von Rettet den Regenwald . Auch nach der Film-Tour bleibt der Film „Samin vs Semen“ der deutschsprachigen Öffentlichkeit zugänglich und wurde von Anfang Mai bis Mitte Juni mehr als 900 Mal aufgerufen. Ein umfangreiches Interview mit Gunarti wurde nach der Kampagne in der Monatszeitung graswurzelrevolution und in der vierteljährlich erscheinenden südostasien veröffentlicht, deren Titelbild die Zementproteste in Indonesien dokumentieren. Optische Eindrücke von der Roadshow bietet außerdem ein von einem Unterstützer bei youtube eingestelltes Video.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass die Kampagne sehr erfolgreich und öffentlichkeitswirksam verlief, was sowohl auf die intensive und zeitaufwändige Organisation und Begleitung zurückzuführen ist als auch auf das breite Bündnis mit vielen Organisationen und Einzelpersonen, die unser Anliegen unterstützt haben. Eine fortgesetzte Zusammenarbeit und weitere Info- und Protestaktionen, z.B. vor der nächsten HC-Aktionärsversammlung bzw. bei den jeweiligen Tochterunternehmen, mit denen Zementvorhaben umgesetzt werden sowie eine weitere Vernetzung der Aktiven in mehreren Ländern sind aus Sicht der SOAI äußerst wünschenswert. Dass der Film „Samin vs Semen“ und begleitende Vorträge auch nach Ende der Kampagne von internationalistischen Initiativen angefragt werden, zeigt, dass an der Thematik und an einer Solidarisierung fortgesetzt Interesse besteht.

Wir danken allen Projektpartner*innen und allen Unterstützer*innen für die wunderbare Zusammenarbeit!

Laden Sie sich hier die Broschüre zum Projekt herunter.

Bei Interesse an dem Film "Samin vs Semen" bzw. der Informationskampagne wenden Sie sich an Mela Badruddin.