Gefahren globaler Zementproduktion

Im Norden von Zentraljava in Indonesien liegt das Kendeng-Gebirge, eine natürliche Karstlandschaft. Das Gebirge ist Regenwasser- und Kohlendioxidspeicher, reguliert den Wasserkreislauf und versorgt die umliegende Landwirtschaft mit Wasser. Dort ist nun geplant Gestein abzubauen um Zement zu produzieren. Neben indonesischen Firmen will dort ein Tochterunternehmen des baden-württembergischen Konzerns HeidelbergCement eine Zementfabrik bauen. Von der lokalen Bevölkerung, die ihren Lebensunterhalt größtenteils durch Landwirtschaft bestreitet, gibt es massiven Widerstand.

Die Südostasien Informationsstelle informiert mit weiteren Kooperationspartnern über das Vorhaben und die Gefahren des Zementabbaus.

Update: Kampagne 2018 - Wieder unterwegs in Sachen Zement...

Auch 2018 wird die Kampagne deutschlandweit über das Vorhaben von HeidelbergCement berichten.

Wusstet Ihr schon, dass die globale Zementproduktion 

- viermal so viel CO2 ausstößt wie der gesamte internationale Flugverkehr
- für 6-9 Prozent der weltweiten CO2-Emissionen verantwortlich ist und
- dass heute weltweit jährlich 3x so viel Zement hergestellt wird wie noch im Jahr 2001

Wir sind wieder unterwegs und setzen die Kampagne gegen das Zement-Vorhaben des deutschen Konzerns HeidelbergCement in Zentraljava (Indonesien) fort. Dort soll (für noch mehr Unternehmensgewinne) massiv in das Ökosystem eines Karstgebirges eingegriffen werden, dessen Wasserspeicher für die Lokalbevölkerung überlebensnotwendig sind. Außerdem würde der geplante Fabrikbau die Existenz einer indigenen Gruppe, der Samin (Sedulur Sikep) bedrohen.

Mit dabei auf der Informationstour ist in diesem Jahr der Umweltaktivist Mokh Sobirin, Direktor der indonesischen NGO Desantara, der die Widerstandsbewegung am Kendeng-Gebirge seit 15 Jahren begleitet. Sobirin wird auf mehreren Veranstaltungen und auf der Aktionärsversammlung von HeidelbergCement am 9. Mai sprechen.

An folgenden Orten könnt ihr mehr über die Gefahren der globalen Zementindustrie erfahren und mit Sobirin ins Gespräch kommen:

  • 21. April (ganztägig) 6. Asientag zum Thema "Asia First: Populismus, Autoritarismus, Zivilgesellschaft" in Köln
  • 23. April, 18 Uhr Filmvorführung und Diskussion "Samin vs Semen" im Welthaus in Aachen
  • 24. April, 16.15 Uhr Filmvorführung und Diskussion "Samin vs Semen" an der Uni Göttingen am Geographischen Institut, Raum MN 09
  • 26. April, 18 Uhr Filmvorführung und Diskussion "Samin vs Semen" an der Uni Frankfurt im Seminarhaus (Campus Westend), Raum SH 0.105
  • 27. April, 10.15 Uhr Filmvorführung und Diskussion "Samin vs Semen" an der Uni Bonn, Hauptgebäude, Hörsaal VI
  • 3. Mai, 19 Uhr Diskussion im Büro von Watch Indonesia! Büro in Berlin, Urbanstraße 114
  • 8. Mai 19.00 Filmvorführung und Diskussion "Samin vs Semen" in Heidelberg (Kampus Bergheim, Bergheimer Straße 58, 69115 Heidelberg, Raum 02.025)
  • 9. Mai: ab 8.30 Uhr Protestkundgebung vor der Heidelberger Stadthalle, Jubiläumsplat, Heidelberg

Medienmitteilung der Südostasien Informationstelle und Watch Indonesia! vom 8. Mai 2018

Medienmitteilung der Südostasien Informationstelle und Watch Indonesia! vom 2. Mai 2018

Die Tour wird organisiert und/oder unterstützt von: Watch Indonesia!, Südostasien-Informationsstelle, Heinrich-Böll-Stiftung und Misereor. In Aachen bedanken wir uns für die zusätzliche Unterstützung von AK Indonesia! In Bonn und Heidelberg bedanken wir uns für die zusätzliche Unterstützung von Stiftung Asienhaus!

Kampagne 2017 Roadshow „Samin vs. Semen“

Vom 24. April bis zum 12. Mai 2017 führte die Südostasien-Informationsstelle (SOAI) eine Informations- und Protestkampagne zu den Gefahren globaler Zementproduktion im Allgemeinen und der Bedrohung des Kendeng-Gebirges in Indonesien im Speziellen durch. 

Eines der Unternehmen, die am Kendeng-Gebirge eine Zementfabrik errichten wollen, ist HeidelbergCement. Um die deutsche Öffentlichkeit zu informieren, organisierte die SOAI – in Kooperation mit der Heinrich-Böll-Stiftung, Watch Indonesia! sowie Rettet den Regenwald eine Roadshow durch zehn Städte, bei der der Dokumentarfilm „Samin vs Semen“ gezeigt wurde. Der Film war eigens für die Roadshow mit deutschen Untertiteln versehen worden . Die Filmvorführungen wurden begleitet von Gunarti, einer Aktivistin der Bürgerinitiative JMPPK, die in Indonesien (Landkreise Pati und Rembang, Zentraljava) gegen Zementvorhaben kämpft, die ihre Lebensgrundlage als Bauern zu zerstören drohen. Ebenfalls bei der Film-Tour dabei war der Regisseur des Films „Samin vs Semen“ Dandhy Dwi Laksono.

Insgesamt haben in den Städten Göttingen, Hamburg, Bremen, Köln, Berlin, Greifswald, Leipzig, Heidelberg und Freiburg mehr als 500 Menschen den Film gesehen und an der anschließenden Diskussion teil genommen. Das Publikum zeigte sich sehr schockiert von den katastrophalen Auswirkungen der Zementproduktion auf die Umwelt und das Sozialgefüge in den betroffenen Regionen und darüber, dass ein deutsches Unternehmen daran beteiligt ist. Viele Menschen drückten spontan ihre Solidarität aus und versuchten, die Bürgerinitiative JMPPK zu unterstützen – mit Informationen, Spenden und Beteiligung an Protesten.

Protestaktionen im Rahmen der Kampagne

Zwei Protestaktionen wurden im Rahmen der Kampagne durchgeführt. Am 1. Mai sind wir in Berlin im Rahmen der Kundgebung zum Tag der Arbeit auf die Straße gegangen. Am 10. Mai wurde mit Unterstützung der Grünen Jugend Heidelberg eine Protest-Kundgebung vor der Heidelberger Stadthalle durchgeführt, parallel zur dort statt findenden Aktionärsversammlung von HeidelbergCement. In der Aktionärsversammlung nahm unser Gast Gunarti von der JMPPK das ihr von den Kritischen Aktionären eingeräumte Rederecht wahr und gab den Anwesenden ein eindrucksvolles Beispiel, wie massive Ressourcenausbeutung zur Steigerung der Aktionärs-Dividende das Leben der Menschen in Indonesien zerstört . Draußen vor der Stadthalle demonstrierten währenddessen Dutzende Menschen, fünf davon mit einbetonierten Füßen. Mit der Wahl der gleichen Protestform, die JMPPK bereits in Indonesien auf die Straße getragen hatte, drückten wir Solidarität mit dem Kampf der Bürgerinitiative aus – und erregten die Aufmerksamkeit der deutschen Öffentlichkeit. Zahlreiche Medien berichteten über die Aktion und die Film-Road-Show . Die Informationskampagne wurde in Berlin ergänzt durch Gesprächstermine mit Politiker*innen, u.a. mit der Abgeordneten des Europaparlaments, Barbara Lochbihler, die unserem Anliegen ebenfalls Unterstützung zusicherte. 

Die Filmveranstaltungen und Proteste wurden begleitet von intensiver Öffentlichkeitsarbeit. Eine eigens eingerichtete Facebook-Seite wurde fortlaufend mit updates versehen. Grossen Zulauf erhielt während der Aktionen auch die bereits zuvor im Internet eingestellte Petition von Rettet den Regenwald . Auch nach der Film-Tour bleibt der Film „Samin vs Semen“ der deutschsprachigen Öffentlichkeit zugänglich und wurde von Anfang Mai bis Mitte Juni mehr als 900 Mal aufgerufen. Ein umfangreiches Interview mit Gunarti wurde nach der Kampagne in der Monatszeitung graswurzelrevolution und in der vierteljährlich erscheinenden südostasien veröffentlicht, deren Titelbild die Zementproteste in Indonesien dokumentieren. Optische Eindrücke von der Roadshow bietet außerdem ein von einem Unterstützer bei youtube eingestelltes Video.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass die Kampagne sehr erfolgreich und öffentlichkeitswirksam verlief, was sowohl auf die intensive und zeitaufwändige Organisation und Begleitung zurückzuführen ist als auch auf das breite Bündnis mit vielen Organisationen und Einzelpersonen, die unser Anliegen unterstützt haben. Eine fortgesetzte Zusammenarbeit und weitere Info- und Protestaktionen, z.B. vor der nächsten HC-Aktionärsversammlung bzw. bei den jeweiligen Tochterunternehmen, mit denen Zementvorhaben umgesetzt werden sowie eine weitere Vernetzung der Aktiven in mehreren Ländern sind aus Sicht der SOAI äußerst wünschenswert. Dass der Film „Samin vs Semen“ und begleitende Vorträge auch nach Ende der Kampagne von internationalistischen Initiativen angefragt werden, zeigt, dass an der Thematik und an einer Solidarisierung fortgesetzt Interesse besteht.

Wir danken allen Projektpartner*innen und allen Unterstützer*innen für die wunderbare Zusammenarbeit!

Laden Sie sich hier die Broschüre zum Projekt herunter.

Bei Interesse an dem Film "Samin vs Semen" bzw. der Informationskampagne wenden Sie sich an Mela Badruddin.

Protest der indonesischen Aktivistin Gunarti

Die von einer Zementfabrik bedrohte Bäuerin Gunarti aus Indonesien schreibt 2018 einen Brief an HeidelbergCement. Fast ein Jahr ist es her, dass die Aktivistin in Deutschland zu Besuch war. Wie akut die Bedrohung der Anwohner am Kendeng-Gebirge nach wie vor ist, schildert Gunarti in einem aktuellen Brief.

Lesen Sie hier Gunartis Brief.

Die Presseerklärung steht hier zum Download bereit.

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von Südostasien-Informationsstelle / philippinenbüro / Stiftung Asienhaus

Brennende Wälder in Sabangau, Indonesien.