Stärkung von Arbeiter*innen in der Produktionskette der Palmöl-Industrie

Niedriglöhne, fehlende Rechte für die Arbeitskräfte, mangelhafter Arbeitsschutz und gefährliche Arbeitsbedingungen sowie Menschenrechtsverletzungen charakterisieren die Arbeitsrealität von Millionen Arbeiter*innen in der Palmöl-Industrie in Südostasien.

Das Projekt stärkt den Einfluss von Arbeiter*innen auf die Palmöl-Industrie, indem ein "Network of Labour" (NOLA) in Südostasien verstärkt und ausgebaut wird. Umgesetzt wird das Projekt von der AG Ressourcen der Stiftung Asienhaus.

Situation der Arbeiter*innen in der Palmöl-Industrie

Die schwierige Situation ist zum Teil der ungleichen Machtverteilung zwischen transnationalen Unternehmen, die die Global Production Networks (GPN) dominieren, und Arbeiterorganisationen, die durch Ländergrenzen zerstückelt und getrennt sind, geschuldet. Gewerkschaften bleiben so in einer schlechten Ausgangsposition, um kollektiv für einen angemessenen Lohn und sichere Arbeitsbedingungen zu verhandeln. Ein Resultat daraus ist, dass Steuerungsstrukturen (so wie der Roundtable on Sustainable Palm Oil, RSPO) von Unternehmensmitgliedern dominiert werden - ohne eine bedeutsame Arbeiterstimme.

Kampagnen zu Palmöl haben sich hauptsächlich auf die mit der Expansion einhergehenden ökologischen Probleme fokussiert. Es gibt bisher keine Arbeitsperspektive zur ökologischen Nachhaltigkeit der Palmöl-Industrie.

Netzwerk aus Arbeiter*innenorganisationen und zivilgesellschaftlichen Gruppen

Im Projekt arbeiten wir mit einem bereits bestehenden Netzwerk in Südostasien zusammen. Es setzt sich zusammen aus Gewerkschaften, Arbeiter*innenorganisationen, Umweltgruppen, Frauenorganisationen, Menschenrechtsorganisationen und Gastarbeiter-Netzwerken in Indonesien, Malaysia und den Philippinen. Einige arbeiten auf lokaler und regionaler Ebene, andere auf nationaler Ebene.

NOLA-Ansatz

Der NOLA-Ansatz unterscheidet sich und hat seinen Folus auf transnationaler Kooperation.

Der NOLA-Ansatz bringt die Mitglieder des Netzwerkes, Arbeiter*innenorganisationen (z.B. Gewerkschaften) mit anderen zivilgesellschaftlichen Organisationen und Initiativen, zusammen.

Methoden transnationaler Kooperation

Die Mitglieder des Netzwerks entwickeln und etablieren zusammen Methoden transnationaler Kooperation über die Region Südostasien hinaus und entlang des Global Production Network (GPN), um in die Steuerung der Palmöl-Industrie eingreifen zu können und Veränderungen zugunsten der Arbeitsbedingungen für die Arbeitskräfte zu erwirken. Die beteiligten Organisationen entwickeln gemeinsam Modelle für soziale Standards, Menschenrechte, Umwelt, Rechtsschutz und die Gleichberechtigung der Geschlechter. Erfolgreich getestete Modelle können nach erfolgreichem Abschluss des Projektes weitergeführt, mit anderen Organisationen und Netzwerken geteilt sowie vergrößert werden.

Projektkoordinator unterstützt die Entwicklung neuer Modelle

Bei der Umsetzung trifft ein lokaler Projektkoordinator regelmäßig die Netzwerkmitglieder und etabliert eine Zusammenarbeit zwischen Arbeiter- und zivilgesellschaftlichen Gruppen, um die Modelle zu diskutieren und zu entwickeln. Er baut zudem das Netzwerk aus, indem er neue, interessierte Organisationen und Initiativen informiert, berät und integriert.

In Workshops diskutieren engagierte Netzwerkmitglieder die Gestaltung und die nachfolgende Testphase der Modelle. Der Koordinator wird die Testphase der Modelle betreuen und evaluieren. Am Ende des Projektes werden erfolgreich entwickelte Modelle weitergeführt, mit anderen Akteuren geteilt und dadurch vergrößert.

Andere Ansätze

Seit kurzem haben einige NGOs aus dem Globalen Norden die schwierige Situation der Arbeiter*innen in der Palmöl-Industrie in ihre Kampagnen oder Projekte aufgegriffen. Allerdings fokussieren sie sich auf das Ziel, soziale Maßstäbe am „Round Table on Sustainable Palm Oil“ (RSPO) aufzunehmen.

Stimme der Arbeitenden fehlt im Round Table on Sustainable Palm Oil

Der Fokus des RSPO liegt auf verbessertem Management und der Erschaffung einer Ware mit dem Label „certified sustainable palm oil“. Arbeitsaspekte und vor allem die Stimme der Arbeiter*innen fehlt innerhalb dieser Steuerungsstruktur völlig. Die Auswirkungen dieses Ansatzes – insbesondere in Bezug auf die Zerstörung des Regenwaldes und der sozialen Frage zu menschenwürdiger Arbeit – sind mindestens umstritten, wie z. B. die katastrophalen Waldbrände in Indonesien 2015 und jüngste Berichte zu weitreichender „Sklaven“- und Kinderarbeit in der Palmöl-Industrie bezeugen.

Es gibt zwar einige Gewerkschaften im Palmölsektor, allerdings koordinieren sie bisher weder ihre Aktionen transnational, noch arbeiten sie systematisch in einem NOLA zusammen. Ihr Einfluss auf die Steuerung der Palmöl-Industrie ist daher sehr beschränkt.

Ziele des Projektes

  • Das Projekt macht einen ersten Schritt, die Arbeitsrealität, soziale Standards und die rechtliche Situation für Arbeiter*innen vor Ort in Südostasien und innerhalb der Palmöl-Industrie positiv zu verändern.
  • Mit der Entwicklung transnationaler Verknüpfungen zwischen Gewerkschaften und NGOs soll die Machtungleichheit zwischen globalen Unternehmen und zerstückelten Arbeiter*innengruppen verschoben werden.
  • Durch die Hervorhebung sozialer Belange werden neue Wege kreiirt, die das Soziale mit dem Ökologischen verbinden.
  • Durch das Verbinden von Arbeiter*innenorganisationen mit Menschenrechts-, Frauen- und Umweltorganisationen tragen wir zur Bildung von neuen Allianzen bei.

Das Projekt wird von der AG Ressourcen der Stiftung Asienhaus durchgeführt.

Bei Fragen zum Projekt wenden Sie sich bitte an Oliver Pye (bitte per E-Mail an Oliver Pye) oder Raphael Göpel (E-Mail an Raphael Göpel oder telefonisch unter 0221-716121-13).

Die Robert Bosch Stiftung hat die Durchführung des Projektes "Strengthening Civil Society Networks in the Palm Oil Industry" ermöglicht.

Weitere Hintergrundinformationen zum Thema:

Oliver Pye, Ramlah Daud, Karika Manurung & Saurlin Siagan (2016):
ArbeiterInnen in der Palmölindustrie -Ausbeutung, Widerstand und transnationale Solidarität

Oliver Pye, Ramlah Daud, Karika Manurung & Saurlin Siagan (2016):
Workers in the Palm Oil Industry: Exploitation, Resistance and Transnational Solidarity
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