Im unabhängigen Timor-Leste prägen Auseinandersetzungen um Männlichkeit, Glauben und Macht die Demokratie und das Zugehörigkeitsgefühl.
Natalino Ornai Guterres hat die Jugendgruppe Hatutan mitgegründet und gehört seit 2017 zu den zentralen Stimmen der LGBTIQA+-Bewegung und der Pride-Organisation im Land. Im Interview, geführt von Julia Scharinger, reflektiert Natalino Pride als Raum, der militarisierte Vorstellungen von Heldentum herausfordert und Freiheit neu definiert. Die Bewegung konnte in kurzer Zeit eine beeindruckend breite Unterstützung für Pride aufbauen.
"Als wir im Juni 2017 den ersten Marsch organisierten, hatte ich ein Gefühl, das mich an 1999 vor dem Unabhängigkeitsreferendum erinnerte: Hoffnung und Furcht zugleich. Wir baten Premierminister Rui de Araújo um eine öffentliche Unterstützungserklärung und betonten, dass Unabhängigkeit Freiheit für alle bedeuten muss."
Pride war für die Bewegung nie ein aus dem Westen importiertes Konzept. Es ging darum, den eigenen Weg zur Befreiung zu vollenden. Statt mit Waffen wurde durch Solidarität, Dialog und politische Arbeit für Akzeptanz und Gleichberechtigung gekämpft.
Der wachsende Rückhalt ging mit starkem Widerstand einher und mündete 2024 in einem massiven Backlash. Wie reagiert die Bewegung auf diese Herausforderungen, und welche strategischen Antworten entwickelt sie darauf?
Das Interview Weg zur Freiheit: Pride, Macht und Zugehörigkeit erschien in der Ausgabe 2/2025 "Männlichkeiten und Demokratisierung" unseres Online-Magazins südostasien.